Der Apfel – das Lieblingsobst der Deutschen

Im Spätsommer und Herbst kommen wieder frische Äpfel aus heimischem Anbau auf dem Markt. Wenn es um die beliebteste Obstart der Deutschen geht, steht der Apfel seit Jahren unangefochten an Platz 1. Im Erntejahr 2013/2014 aß jeder hierzulande 23,5 Kilogramm Äpfel bei einem Pro-Kopf-Verbrauch an Früchten von insgesamt rund 67,3 Kilogramm.

Die Gründe für die große Beliebtheit liegen auf der Hand: Von süß bis säuerlich, von mürb bis knackig gibt es für jeden Geschmack die richtige Sorte, sie sind der ideale Pausensnack, lassen sich zu leckerem Apfelmus, Saft oder Kuchen verarbeiten und haben das ganze Jahr über Saison. Die meisten Früchte kommen aus deutschen Landen. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in Baden-Württemberg (Bodenseeregion), Niedersachsen (Altes Land) sowie Sachsen. Rund 87 Produkten der geernteten Äpfel gehen als Tafelobst in den Handel, der Rest wird zu verschiedenen Produkten verarbeitet, zum Beispiel zu Apfelmus, -saft oder Dörrobst.

Apfelvielfalt

Wie viele Apfelsorten es auf der Welt gibt, lässt sich nur schätzen. Mindestens 20.000 sollen es sein, in Deutschland gibt es immerhin mehrere hundert. Mit dem Übergang zu intensiven Anbauverfahren auf niederstämmige Bäume in den vergangenen Jahrzehnten konzentrierte sich der Obstanbau jedoch auf wenige, speziell dafür gezüchtete Apfelsorten. Daher werden heute im Handel nur 10 bis 20 verschiedene Sorten angeboten. Zu den beliebtesten hierzulande zählen Elstar, Jonagold, Jonagored und Braeburn. Doch auch manch alte Sorte, zum Beispiel der Boskoop, Cox Orange oder Gravensteiner, kann sich am Markt gut behaupten. Obstzüchter bringen immer wieder neue Varianten in den Handel. So kamen in den letzten Jahren Pinova, Nicoter (Kanzi®) und Topaz auf den Markt, die immer beliebter werden. 

Comeback der alten Sorten

Auf regionalen Erzeugerbetrieben, an Straßen oder auf Streuobstwiesen finden sich vielfach noch alte, meist regionaltypische Sorten wie den „Brettacher“ aus Baden-Württemberg oder den „Edler von Leipzig“ aus Sachsen. Diese historischen Sorten zeichnen sich durch ihre gute Anpassungsfähigkeit an die lokalen Klima- und Bodenverhältnisse aus, sind gegen viele Pflanzenkrankheiten gewappnet und brauchen daher oftmals nur wenig Pflege und Pflanzenschutz. Obgleich sie sich durch außergewöhnlichen Geschmack, spezielle Formen, besondere Verwendungs- und Verwertungsmöglichkeiten und eine gute Verträglichkeit für Allergiker auszeichnen, sind viele von ihnen im Laufe der Zeit fast in Vergessenheit geraten. Der Grund: Die meisten der regional-typischen Sorten sind Hochstammbäume und für den Erwerbsbau deshalb unrentabel. Zum Glück weiß man heute, dass diese Obstsorten ein wertvolles Kulturgut darstellen und einen wesentlichen Beitrag zur Artenvielfalt liefern. Seither setzen sich Naturschutzverbände, Pomologen-Vereine, Slow Food, Obstbauern und -züchter und viele andere engagierte Gruppen mit Unterstützung von Ländern und Gemeinden dafür ein, die historischen Sorten durch gezielten Anbau, zum Beispiel auf Streuobstwiesen, zu erhalten. Unter dem Motto „Erhalten durch Aufessen“ laden gerade im Herbst viele Besitzer von Streuobstwiesen zum Pflücken der alten Obstsorten ein, teilweise kann auch gleich der eigene Saft gemostet werden.

Wann ist ein Apfel reif?

Nicht alle Äpfel schmecken direkt vom Baum. Unterschieden wird zwischen Pflückreife und Genussreife. Pflückreif ist ein Apfel, wenn sich der Stiel der Frucht gut von seiner Ansatzstelle vom Baum löst. Genussreif sind die meisten Äpfel jedoch erst Tage oder gar Wochen später. Sie brauchen etwas Lagerzeit, um ihre Aromen voll zu entwickeln. Dazu zählen besonders die späten Sorten, die im Oktober vom Baum geholt werden, wie Jonagold, Jonagored oder die typischen Winteräpfel, wie Idared oder Boskoop. Für den Handel reifen diese in speziellen Kühllagerräumen unter Kontrolle von Luftfeuchtigkeit und Gasen nach. Diese spezielle Lagerung verlangsamt den Prozess des Verderbens, sodass das Obst auch nach Monaten knackig und frisch schmeckt. Frühe Sorten, die schon Ende Juli oder Anfang August pflückreif sind, wie der Klarapfel oder der Delbarestivale, haben ihr Aroma schon am Baum voll entwickelt und sollten bald nach der Ernte gegessen werden, da sie nicht lange lagerfähig sind. Auch viele Herbstäpfel, wie der Elstar oder Holsteiner Cox, sind direkt nach der Ernte im September bereits genussreif.

One apple a day…

...keeps the doctor away, sagt der Volksmund. Doch stimmt das wirklich? Was ist dran an dieser Redensart? Tatsächlich kann ein Apfel keine Krankheiten verhindern oder gar heilen. Doch Äpfel stecken voller gesunder Inhaltsstoffe, die unsere Gesundheit stärken. Hier sind die wichtigsten Gründe, zum Apfel zu greifen:

  • Ideal für die schlanke Linie: Mit durchschnittlich 55 Kilokalorien pro 100 Gramm zählen Äpfel zu den energiearmen Lebensmitteln. Äpfel sind daher ein gesunder und vor allem kalorienarmer Snack für zwischendurch.
  • Vitamin- und mineralstoffreich: Äpfel enthalten reichlich Vitamine und Mineralstoffe. Besonders hervorzuheben ist der Gehalt an Kalium, das wichtige Aufgaben im Nerven- und Muskelstoffwechsel erfüllt. Bedeutsam ist auch der Gehalt an Vitamin C, wichtig für den Schutz vor Zellschäden und für den Aufbau von Bindegewebe, Knochen und Zähnen. Schon ein Apfel der Sorte Jonagold (190 g) liefert ungefähr die Hälfte des Tagesbedarfs an Vitamin C (ca. 100 mg). Der Gehalt zwischen den Sorten und innerhalb einer Sorte kann jedoch aufgrund unterschiedlicher Anbaugebiete, Klimata und Lagerung stark schwanken (siehe Tabelle). Wichtig: In und direkt unter der Schale befinden sich die meisten Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Deshalb gilt: Äpfel nicht schälen, sondern gründlich waschen und mit der Schale essen.
  • Hält den Darm auf Trab: Besonders in der Schale enthalten Äpfel reichlich Ballaststoffe, wie Pektin und Cellulose, die unsere Verdauung anregen und satt machen. Äpfel sind deshalb ideal für den kleinen Hunger zwischendurch.
  • Cholesterinsenker: Äpfel sind gut bei erhöhtem Cholesterinspiegel. Ihre Pektine binden Gallensäuren und fördern ihre Ausscheidung. Da Gallensäuren aus Cholesterin gebildet werden, muss der Körper vermehrt Cholesterin für die Neubildung der Gallensäuren heranziehen. Die Folge: Der Cholesterinspiegel sinkt.
  • Hilfe bei Durchfall: Roh geriebene Äpfel helfen bei bakteriell bedingten Durchfallerkrankungen. Verantwortlich für die lindernde Wirkung ist das in der Schale reichlich vorkommende Pektin, ein Ballaststoff, der im Dickdarm überschüssiges Wasser sowie die von den Bakterien gebildeten Giftstoffe bindet. Phenolsäuren des Apfels hemmen zusätzlich Wirkung und Wachstum der Krankheitserreger. Der hohe Kaliumgehalt trägt zum Ausgleich der Mineralstoffverluste bei.
  • Bekömmlich: Ältere oder magenempfindliche Menschen reagieren häufig auf Fruchtsäuren mit Bauchschmerzen oder Sodbrennen, da die Säuren die Schleimhaut reizen. Sie sollten zu säurearmen Apfelsorten, zum Beispiel Jonagold, Gala oder Golden Delicious, greifen. Auch für Babys und Kleinkinder sind die milden Apfelsorten bestens geeignet.

Apfel-Video mit Patric Heizmann

Jeder kennt den Spruch: "One apple a day keeps the doctor away", der so viel bedeutet wie "Ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern". Aber stimmt das wirklich? Unser Fitness- und Ernährungsexperte Patric Heizmann verrät es Ihnen in unserem Apfel-Video.

Übersicht beliebter Apfelsorten

Apfelsorte

Pflückreife

Genussreife

Geschmack

Verwendung

Berlepsch

Ende September – Anfang Oktober

November – März

edel-aromatisch

Als Tafelapfel. Gut als Bratapfel, für Kuchen und Apfelmus.

Boskoop

Ende September – Mitte Oktober

Dezember – April

herb-säuerlich

Klassischer Back- und Bratapfel, für Apfelmus. Gut lagerfähig.

Braeburn

Mitte – Ende Oktober

Oktober - Mai

fein-säuerlich

Tafelapfel, für Rohkost und Salate.

Brettacher

Mitte Oktober

Dezember – April

erfrischend säuerlich

Besonders geeignet für die Saftherstellung, guter Backapfel.

Cox Orange

Mitte – Ende September

Oktober – März

süß-säuerlich

Als Tafelapfel. Gut für Apfelmus und Kuchen.

Cripps Pink (Pink Lady®)

November

November - Mai

süß

Tafelapfel.

Delbarestivale

August

August – Oktober

mild-säuerlich

Sehr früher Tafelapfel, schlecht lagerfähig.

Elstar

September

September – März

fruchtig-feinsäuerlich

Sehr guter Tafelapfel, für Rohkost und Salate, da er nicht braun anläuft. Gut zum Backen, für Apfelmus und zum Einwecken.

Gala

September

September – Januar

süß

Als Tafelapfel, auch zum Kochen und Backen.

Golden Delicious

Anfang – Ende Oktober

November – Juli

süß-leicht säuerlich

Als Tafelapfel, gut für die Obstbrandherstellung.

Gravensteiner

Ende August – Anfang September

September – November

süß-säuerlich

Als Tafelapfel. Gut für Apfelmus und Kuchen.

Idared

Oktober

Januar – Juli

feinsäuerlich

Gut als Tafelapfel, aber auch als Koch- und Backapfel; sehr gute Lagerfähigkeit.

Jonagold

Ende September – Mitte Oktober

Oktober – Mai

süß-feinsäuerlich

Guter Tafel- und Saftapfel.

Jonagored

Ende September – Mitte Oktober

Oktober – Juli

süß-säuerlich

Als Tafelapfel, zum Kochen und Backen.

Nicoter (Kanzi®)

Mitte September

Oktober

säuerlich

Als Tafelapfel.

Pinova

September

September – April

feinsäuerlich-süß

Als Tafelapfel.

Topaz

Oktober

Dezember – April

säuerlich

Als Tafelapfel, gut für Apfelmus und Kuchen, guter Saftapfel.

Sortenunterschiede im Vitamin-C-Gehalt von Äpfeln

Sorte

Vitamin C-Gehalt von Äpfeln (mg/100 g)

Braeburn

Mittelwert: 33 / Schwankungsbereich: 30 - 35

Berlepsch

Mittelwert: 27 / Schwankungsbereich: 11 - 38

Jonagold

Mittelwert: 26 / Schwankungsbereich: 23 - 28

Boskoop

Mittelwert: 14 / Schwankungsbereich: 6 - 17

Gala

Mittelwert: 13 / Schwankungsbereich: 7 - 19

Idared*

Mittelwert: 13 / Schwankungsbereich: keine Angaben

Golden Delicious

Mittelwert: 12 / Schwankungsbereich: 9 - 15

Cox Orange

Mittelwert: 12 / Schwankungsbereich: 9 - 13

Cripps Pink (Pink Lady®)*

Mittelwert: 11 / Schwankungsbereich: keine Angaben

Elstar

Mittelwert: 8 / Schwankungsbereich: 3 - 11

Gloster*

Mittelwert: 6 / Schwankungsbereich: keine Angaben

Ingrid Marie*

Mittelwert: 4 / Schwankungsbereich: keine Angaben

6 Tipps: Äpfel richtig lagern

  • Allein, allein...: Die Äpfel möglichst nicht in einem Raum mit anderem Obst und Gemüse lagern, da sie das Reifungshormon Ethylen freisetzen, das Früchte schneller reifen und verderben lässt.
  • Kontrolle ist besser: Wichtig: Früchte während der Lagerung regelmäßig kontrollieren und braune rasch aussortieren. So verhindern Sie, dass sich Fäulnis rasch auf die noch gesunden Äpfel ausbreitet.
  • Beste Wahl: Wer Äpfel über den Winter lagern will, sollte nur unbeschädigte Äpfel mit Stiel und ohne faule Stellen nehmen. Fallobst ist nicht geeignet. Kaufen Sie daher gepflückte Ware oder pflücken Sie selbst. Bestens geeignet sind Sorten, die sich für eine lange Lagerung eignen, z.B. Boskoop oder Braeburn.
  • Bitte mit Abstand: Äpfel niemals in einer Kiste oder einem Karton übereinander aufbewahren. Das führt zu Druckstellen, sodass die Früchte schnell faulen. Besser: Früchte flach und ohne Berührung auf einer Ebene in Steigen oder flachen Kisten lagern. 
  • Kühlschrank statt Obstschale: Äpfel mögen's kühl, damit sie lange knackig bleiben und nur wenige Vitamine verlieren. Bewahren Sie kleine Mengen im Obst- und Gemüsefach des Kühlschrankes auf. Für große Mengen ist ein gut durchlüfteter dunkler Keller, eine frostsichere Garage oder ein kühler Dachboden der beste Aufbewahrungsort. Optimale Temperatur: 4 °C. 
  • Ab in den Beutel: Wer zu Hause keine optimalen Lagerbedingungen hat, kann kleine Mengen Äpfel in verschlossene, perforierte Folienbeutel aus Polyethylen am kühlsten Ort der Wohnung aufbewahren. Der Beutel verhindert das Austrocknen, hält die Luftfeuchtigkeit und sorgt für eine sauerstoffarme Atmosphäre.