Ernährung im ersten Lebensjahr

Stillen: das Beste für Mutter und Kind

Stillen ist ein echtes Rundum-Paket für die ersten Lebensmonate: Stillende Mütter bieten ihrem Baby Nähe, Zuwendung und eine optimale Ernährung. Genau, was es braucht.

Muttermilch liefert von Natur aus alle wichtigen Nährstoffe, die Ihr Baby für eine gesunde Entwicklung benötigt. Sie ändert sogar im Laufe der Zeit ihre Zusammensetzung, damit sie immer auf die aktuellen Bedürfnisse Ihres Babys abgestimmt ist. Auch schon während einer Stillmahlzeit passt sich die Zusammensetzung der Muttermilch perfekt an: Am Anfang ist nur wenig Fett und damit wenig Energie in der Muttermilch. Sie löscht jetzt vor allem den Durst. Zum Ende der Mahlzeit sättigt sie Ihr Baby, weil sie fett- und energiereicher ist. Ihr Babys braucht also genug Zeit an einer Brust, bevor Sie zur anderen Seite wechseln.

Praktischer geht es nicht: Muttermilch ist immer und überall in der passenden Menge verfügbar. Sie hat jederzeit die richtige Zusammensetzung, ist wohltemperiert und hygienisch einwandfrei. Außerdem kostet sie nichts und spart Zeit. Denn Sie müssen kein Milchpulver kaufen, keine Fläschchen zubereiten und sie nicht spülen.

Stillende Mütter müssen nicht ständig bei ihrem Kind sein, sondern können ihren Alltag auch unabhängig vom Trinkrhythmus Ihres Babys gestalten. Denn die Milch kann abgepumpt werden. So können auch Väter, Großeltern oder der Babysitter das Baby mit Muttermilch füttern, wenn die Mama unterwegs ist.

Im ersten halben Jahr ist das Stillen für alle gesunden Säuglinge zu empfehlen, d.h. mindestens bis zum Beginn des fünften Monats nur Muttermilch und sonst nichts anderes. Wenn das Baby mit dem Breiessen beginnt, ist es gut, weiter zu stillen. Das erleichtert Ihrem Kind die Umstellung auf die neue Nahrung und schützt gleichzeitig vor Allergien. Nach und nach lösen die Breie die Stillmahlzeiten ab.

Das Baby zeigt Ihnen in der Regel, wann es trinken möchte und auch, wie lange es Muttermilch braucht. In den ersten Lebenswochen ist es normal, wenn Ihr Baby nach zwei Stunden wieder Hunger hat. Die weibliche Brust kann die Milchmenge prima an den Bedarf des Kindes anpassen. Bei Wachstumsschüben, wie zum Beispiel beim ersten Schub um den 10. Lebenstag herum, können Sie die Milchbildung durch häufigeres, beidseitiges Anlegen steigern.

Stillen ist ein Lernprozess. In der Regel kann jede Frau, die es möchte, stillen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, falls es mal holpert. Bei allen Schwierigkeiten und Fragen helfen Ihnen Frauen- und Kinderärzte, Hebammen und Stillberater. Das gilt für körperliche Probleme genauso wie für die Frage, wie sich das Stillen mit dem Beruf vereinen oder ins Familienleben und in die Partnerschaft integrieren lässt.

Wenn nicht (voll) gestillt wird

Ihr Baby wird nicht oder nur teilweise gestillt? Dann können Sie Ihr Kind mit industriell hergestellter Säuglingsnahrung gut versorgen. Sie ist sorgsam hergestellt und deckt den Energie- und Nährstoffbedarf Ihres Babys.

Säuglingsanfangsnahrung wird mit "Pre" oder "1" bezeichnet. Mit dieser Anfangsmilch können Sie Ihr Baby von Geburt an füttern und auch nach Einführung der Breie im ganzen ersten Lebensjahr dabei bleiben. Genau wie Muttermilch können Sie "Pre"-Milch und Säuglingsmilchnahrung "1" füttern, so oft und so viel das Baby möchte.

Folgenahrung (mit der Ziffer "2") darf erst gefüttert werden, wenn das Baby B(r)eikost bekommt. Gegen Ende des ersten Lebensjahres braucht Ihr Baby keine Säuglingsnahrung mehr. Es lernt jetzt immer mehr, normale Lebensmittel zu essen. Folgenahrung oder „Junior-Milch“ ist nicht nötig, da Ihr Kind mit dem Familienessen alles bekommt, was es braucht.

Sind Sie als Eltern von Allergien betroffen oder haben Geschwister Ihres Babys Allergien? Dann hat es ein erhöhtes Allergierisiko, das sie mit einfachen Maßnahmen mindern können. Wenn Sie nicht stillen können oder möchten, sind  HA-Anfangsnahrungen die beste Wahl für Ihr Baby. HA steht für hypoallergen und bedeutet weniger allergieauslösend.

Geeignete HA-Produkte für Ihr allergiegefährdetes Baby erkennen Sie an den Bezeichnungen Pre, HA-Pre, HA-Start oder HA-1. Solche Fertigmilch können Sie Ihrem Baby in den ersten Monaten als alleinige Nahrung geben. Wenn Sie Ihr Baby später Schritt für Schritt an Brei gewöhnen, können Sie auf normale, nicht hypoallergene Säuglingsnahrung umstellen.

Industriell hergestellte Säulingsmilch ist sorgsam produziert, gut kontrolliert und deckt die Bedürfnisse Ihres Babys. Säuglingsnahrung aus besonderer Fürsorge selbst herstellen zu wollen, ist nicht nötig – im Gegenteil: Es gelingt kaum, die Zusammensetzung von fertiger Säuglingsmilchnahrung zu erreichen und den Bedarf Ihres Babys an den vielen verschiedenen Nährstoffen in den richtigen Mengen zu decken.

Sojamilch oder Tiermilch (ganz gleich ob Kuh, Ziege, Schaf oder Pferd) sind nicht zur Säuglingsernährung geeignet und können sogar krank machen. Wissenschaftliche Studien konnten auch keine allergievorbeugende Wirkung belegen. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Baby könnte zum Beispiel Kuhmilch nicht vertragen, lassen Sie sich von einer Fachkraft beraten.

Gekaufte Säuglingsmilch ist leicht zuzubereiten. Der Hersteller gibt Ihnen auf jeder Packung Hinweise zur richtigen Dosierung. Achten Sie bitte auch in Bezug auf die Hygiene auf eine besonders sorgfältige Zubereitung. Wenn das Pulver nicht sachgerecht gelagert oder zubereitet wird, können sich darin Bakterien bilden. Diese sind schädlich für die Gesundheit Ihres Babys, denn in den ersten Monaten ist es sehr anfällig für bakterielle Infektionen.

Bereiten Sie Säuglingsmilch deshalb immer direkt vor der Mahlzeit frisch zu und gießen Sie nicht getrunkene Milchreste weg. Angebrochenes Milchpulver sollten Sie gut verschließen und trocken lagern.

Reinigen Sie Flaschen und Sauger gründlich und zwar direkt nach jeder Mahlzeit. Bis zur nächsten Mahlzeit bleiben sie am besten an einem trockenen Ort. Zusammen mit der immer frischen Zubereitung der Milchnahrung sorgen Sie so für Mahlzeiten, die Ihrem Baby gut tun und hygienisch unbedenklich sind. Gummisauger sollten Sie gelegentlich auskochen oder ersetzen. Sie werden mit der Zeit porös und damit können sich Nahrungsreste ablagern. Silikonsauger brauchen Sie nicht auszukochen.

Zeit für Brei

Milchmahlzeiten haben Ihr Baby in den ersten Monaten prima versorgt. Jetzt möchte es mehr! Es reagiert neugierig auf andere Lebensmittel und braucht für seine Entwicklung zusätzlich Energie und Nährstoffe. Spätestens mit Beginn des siebenten Monats ist es Zeit, ein Baby schrittweise an Brei zu gewöhnen.

Wachsen, lernen, den Bewegungsradius erweitern und die Welt neugierig entdecken: Ihr Baby hat immer mehr vor! Um genug Energie und Nährstoffe für seine atemberaubende Entwicklung zu haben, reichen Mutter- oder Säuglingsmilch nicht auf Dauer. Erweitern Sie deshalb den Speiseplan Ihres Babys: Frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens mit Beginn des siebenten Monats sollten Sie die Milchmahlzeiten nach und nach durch Breimahlzeiten, der so genannten Beikost, ersetzen.

Falls Sie stillen, machen Sie damit weiter, während Sie Ihr Baby an Brei gewöhnen. Das erleichtert Ihrem Kind die Umstellung auf die neue Nahrung und schützt gleichzeitig vor Allergien. Wann es Zeit zum Abstillen ist, bestimmen Sie gemeinsam.

Beobachten Sie Ihr Baby: Wenn es Interesse an anderen Lebensmitteln zeigt, Ihnen beim Essen neugierig zusieht oder nach dem Löffelchen greift, kann es Ihnen damit zeigen, dass es bereit ist.

Führen Sie Ihr Baby langsam ins Lebensmittel-Neuland: Es braucht eine Weile, um sich an das neue Essen zu gewöhnen und seine Verdauung umzustellen. Sie geben ihm genügend Zeit, wenn Sie Monat für Monat eine Milchmahlzeit nach der anderen durch einen Brei ersetzen und die Zutaten dafür nacheinander einführen. Starten Sie frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens mit Beginn des siebenten Lebensmonats Ihres Babys mit Breimahlzeiten.

Am Anfang sollten Sie pro Woche nur eine neue Zutat anbieten, zum Beispiel erst Möhre und eine Woche später Kartoffel. Beobachten Sie, wie Ihr Baby das neue Lebensmittel verträgt und wie es auf das Essen mit dem Löffel reagiert. Später, wenn der erste Brei komplett gegessen wird, können Sie Ihr Baby alle drei oder vier Tage eine neue Variation zum Beispiel mit einer anderen Gemüseart kosten lassen.

Brei-Fahrplan:

  • Zuerst: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei
  • Etwa einen Monat später: Milch-Getreide-Brei
  • Etwa noch einen Monat später: Getreide-Obst-Brei

Brei-Rezepte:

5. bis 7. Monat
Grundrezept für Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei

6. bis 8. Monat
Grundrezept für Milch-Getreide-Brei

7. bis 9. Monat
Grundrezept für Getreide-Obst-Brei

Falls Ihr Baby ein erhöhtes Allergierisiko hat, können Sie genauso vorgehen, wie im vorherigen Abschnitt beschrieben. Lassen Sie Ihr Baby Schritt für Schritt neue Lebensmittel kennenlernen. Beziehen Sie dabei auch häufige Allergiauslöser wie Weizen oder Fisch mit ein. Es ist eine überholte Empfehlung, diese Lebensmittel bei allergiegefährdeten Babys im ersten Lebensjahr meiden zu müssen. Heute weiß man, dass der Verzicht nicht zum Schutz vor Allergien beiträgt. Im Gegenteil: Es ist gut, wenn das Immunsystem Ihres Babys schon im Rahmen der Beikost im richtigen Maß beansprucht wird.

Ob selbst zubereitet oder gekauft: Beide Beikost-Varianten versorgen Sie Ihr Baby mit allen wichtigen Nährstoffen. Selbst für Ungeübte ist es nicht schwer, Brei selbst herzustellen. Es ist preiswert und Sie brauchen nur wenige verschiedene Lebensmittel einzukaufen. Die Zusammensetzung liegt bei Ihnen: Sie entscheiden über die Auswahl und die Anzahl der Zutaten.

Industriell hergestellte Beikost erfüllt hohe gesetzliche Anforderungen, die Verwendung spart Zeit und Arbeit. Entscheiden Sie, was zu Ihnen passt. Wenn Sie Ihrem Baby zumindest ab und zu einen selbstgekochten Brei füttern, erweitern Sie die geschmackliche Vielfalt und schulen seinen Geschmack.

Achten Sie bei Fertigprodukten darauf, dass die Zutatenliste möglichst kurz ist. So ermöglichen Sie Ihrem Baby, den puren Geschmack der Lebensmittel zu erleben. Zusätze wie Zucker, Salz oder Aromastoffe braucht es nicht.

Mit dem Milch-Getreide-Brei lernt Ihr Baby zum ersten Mal Kuhmilch kennen. Im ersten Lebensjahr sollten Sie Ihrem Kind nur kleine Mengen Kuhmilch geben. Muttermilch oder Säuglingsmilch sind weiterhin die besten Milchmahlzeiten, denn sie enthalten ausreichend Nährstoffe, während in Kuhmilch manche Nährstoffe wie Jod und Eisen nicht ausreichend enthalten sind. Größere Mengen können zudem die Nieren Ihres Babys belasten. Fachleute raten deshalb auch davon ab, zusätzliche Milchprodukte wie Quark, Joghurt oder Milchpudding zu füttern.

Gegen Ende des ersten Lebensjahres kann der Getreide-Milch-Brei in eine Brotmahlzeit mit Milch übergehen. Das Kind steigt nun langsam ins Familienessen ein. Bieten Sie Ihrem Baby frühestens mit Beginn des zehnten Monats im Rahmen dieser Brotmahlzeit Kuhmilch als Getränk an und geben Sie ihm die Milch in einer Tasse oder einem Becher.

Auf Rohmilch und Vorzugsmilch sollten Sie verzichten. Sie enthalten Keime, die bei Ihrem Baby zu einer Infektion führen können.

Wenn Ihr Baby bereits drei Breie am Tag isst, braucht es außer den Muttermilch- oder Flaschenmilch-Mahlzeiten zusätzlich Getränke: am besten Trinkwasser. Lassen Sie das Wasser so lange ablaufen, bis es kalt aus der Leitung fließt. Abkochen ist nicht notwendig.

Füllen Sie das Trinkgefäß anfangs fast bis zum Rand, damit die Oberlippe des Babys gleich befeuchtet wird. Dadurch öffnet es automatisch seinen Mund. Geben Sie Ihrem Kind am besten Wasser oder ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee aus Glas, Becher oder Tasse. Ständiges Nuckeln am Fläschchen schadet den Zähnen.