Fasten - den Körper von Ballast befreien

Die einen schwören alle Jahre wieder darauf, um sich fit und vital zu fühlen. Die anderen bemängeln fehlende wissenschaftliche Beweise für zugeschriebene Wirkungen. Oft wird Fasten mit einer Methode zur Gewichtsreduktion verwechselt. Dem ist nicht so...

Fasten – schon die antiken Griechen kannten es und aus religiösen Gründen wird es in fast allen Glaubensrichtungen praktiziert. Rund jeder zehnte Deutsche will Umfragen zufolge von Aschermittwoch bis Ostern fasten. Vor allem Frauen und junge Leute stehen Fastenvorsätzen offen gegenüber. Dabei muss sich der Verzicht nicht unbedingt auf die Ernährung beziehen. Die häufigsten Fragen zum Fasten lauten:

Wozu soll Fasten gut sein?

In der Naturheilkunde dient das Heilfasten der Vorbeugung und Behandlung bestimmter chronischer Erkrankungen zum Beispiel des Herz-Kreislaufsystems, des Verdauungstraktes, der Haut oder des Bewegungsapparates.

Egal ob mit Molke, Tee oder Säften: Gemeinsam ist allen Fastenarten, dass zeitweise auf bestimmte Lebens- und Genussmittel oder sogar ganz auf feste Nahrung verzichtet wird. Der Gedanke der Reinigung spielt dabei eine Hauptrolle. Mit Hilfe des Fastens soll der Körper entgiftet und entschlackt werden. Doch dieser „Entschlackungseffekt“ ist nicht wissenschaftlich belegt. Unbenötigte Stoffwechselprodukte werden grundsätzlich über Niere, Darm, Lunge oder Haut ausgeschieden, so heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Zur Gewichtsreduktion eignet sich das Heilfasten ebenfalls nicht. Vordergründig nimmt der Körper zwar rasch ab. Bei der Umstellung auf das normale Essen kommt es aber wieder zu einer raschen Gewichtszunahme. Nur wer Gewohntes dauerhaft ändert, hält langfristig das Gewicht. Eine Heilfastenkur kann auch keine medizinisch notwendige Therapie ersetzen.

Heilfasten kann dennoch ein Impuls für eine Änderung des Lebensstil sein. Die positiven Erfahrungen einer Heilfastenkur können zu einer achtsameren Lebensführung und zu einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten führen. Menschen, die fasten, schildern häufig, es schärfe die Wahrnehmung.

Für wen eignet sich Fasten wirklich?

Grundsätzlich nicht fasten sollten Kinder, Menschen mit Esstörungen, Schwangere, stillende Mütter und Personen mit einem erhöhten Harnsäurespiegel. Alle anderen sollten unbedingt mit ihrem Arzt über die bevorstehende Fastenkur sprechen und sich beim ersten Mal einer erfahrenen Fastenleitung anvertrauen.

Welche Fastenmethoden gibt es?

Es gibt unterschiedliche Formen des Fastens. Viele basieren allerdings auf veralteten Annahmen ohne wissenschaftlichen Hintergrund. Drei bekannte Konzepte sind nachfolgend kurz beschrieben.

Wichtig: Falls Sie sich für eine dieser Fastenmethoden entscheiden, sprechen Sie bitte im Vorfeld mit Ihrem Arzt, informieren Sie sich genau über die Details und halten Sie sich an die Fastenpläne.

Heilfasten nach Buchinger

Das Heilfasten ist eine Einstiegsphase in eine vollwertige Ernährung. Zu Beginn des 3- bis 4-wöchigen Fastenprogramms sieht Buchinger nach einer Darmreinigung ein oder mehrere Entlastungstage vor (z.B. Obst- oder Reistage mit 600 kcal).

Über den Tag verteilt werden 2 Liter Mineralwasser, morgens und nachmittags ¼ Liter Tee, mittags ¼ Liter Gemüsebrühe sowie abends ¼ Liter Fruchtsaft empfohlen.

Häufig wird das Heilfasten durch Physiotherapie, Psychotherapie, Akupunktur, Yoga, Autogenes Training und Bewegung an der frischen Luft ergänzt.

Das Fastenprogramm endet mit dem „Heilfastenbrechen“. Begonnen wird mit einem Apfel am Mittag und einer kochsalzfreien Gemüse-Kartoffelsuppe am Abend. Die Energiezufuhr wird schrittweise gesteigert. Das Heil- und Saftfasten wird auch als Kurzfastenkur im Rahmen von Fastengruppen unter Anleitung eines Fastenleiters angeboten.

F.X.-Mayr-Kur

Die F.X.-Mayr-Kur ist auch als Milch-Semmel-Kur bekannt und nach dem österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr benannt. Sie wird in der Regel als stationäre Kur angeboten. Tägliche Darmentleerungen mit Hilfe von Glaubersalz und Bauchmassagen sollen der Darmreinigung dienen. Diese versteht Mayr als Voraussetzung für die Gesunderhaltung des Menschen.

Die erste Stufe der Kur sieht morgens und abends Kräutertee mit Honig und Zitronensaft und mittags eine Gemüsebrühe vor. Über den Tag verteilt sollen 2 Liter Mineralwasser getrunken werden. Nun folgt die Milch-Semmel-Diät, bei der altbackene Brötchen mit Milch nach Vorschrift gekaut werden. Damit soll das intensive Kauen der Nahrung trainiert werden. In der dritten Stufe beginnt die „milde Ableitungsdiät“.

Schroth-Kur

Die Schroth-Kur wurde von dem schlesischen Bauern Johann Schroth in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Selbstversuch entwickelt. Ziel der meist dreiwöchigen unter ärztlicher Anleitung stattfindenden Schrothkur ist es, die Selbstreinigungskräfte des Körpers zu aktivieren und den Körper zu "entschlacken".

Bei dieser Methode wechseln sich Trinktage mit sogenannten Trockentagen ab. An den Trockentagen werden Getreideschrothbrei, Haferflockenbrei, Schrotsemmeln, Vollkornbrot, Trockenobst, Nüsse, etc. verzehrt und 1 Liter Flüssigkeit getrunken. An Trinktagen gibt es 2 Liter Flüssigkeit. Als Getränk wurde ursprünglich weißer Landwein empfohlen. Wer sich heute für eine Schroth-Kur entscheidet, kommt mit Frucht- und Gemüsesäften aus. Tägliche feucht-kalte Ganzkörperwickel sollen der Entgiftung dienen.