Weihnachtsgewürze

Wenn Weihnachten vor der Tür steht, zieht ein köstlicher Duft von Weihnachtsgebäck durch viele Häuser. Gewürze, die im Rest des Jahres ein Schattendasein führen, haben nun ihren großen Auftritt. Sie geben nicht nur Plätzchen und Kuchen ein besonderes Aroma, sondern sind auch gut für die Gesundheit.

Der wunderbare Duft der Weihnachtsgewürze stammt aus ätherischen Ölen. Dabei handelt es sich um flüchtige Duftstoffe, welche die Pflanze in unterschiedlichen Teilen ausbildet, um damit beispielsweise Tiere für die Bestäubung anzulocken oder um sich vor Fressfeinden zu schützen. Schon im alten Ägypten um 1500 vor Christus wussten die Menschen, dass Gewürze nicht nur ein besonderes Aroma für Speisen und Getränke liefern, sondern eine Heilwirkung gegen bestimmte Krankheiten besitzen und auch die Psyche beeinflussen können.

Aus dem Klostergarten in die Apotheke

Benediktinermönche waren es schließlich, welche die alten Schriften der Ägypter studierten und das Wissen hierzulande verbreiteten. Sie legten Klostergärten mit Kräutern und Gewürzen an und führten genau Buch über deren Aussehen, Verwendung und Wirkung. So notierte Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert in der Physica, ihrer Schrift über Heilmittel, zu Muskatnuss, Zimt und Nelken: „Das dämpft die Bitterkeit des Herzens und des Sinnes, es macht den Geist fröhlich.“ Genau beschrieb sie die Heilwirkung von Gewürznelken bei Gicht, Ingwer bei Magenproblemen, Zimt bei Kopfschmerzen und anderen Gewürzen.

Heute sind viele Wirkungen in Studien belegt, weshalb nicht nur Heilkräuter, sondern auch Gewürze zum Sortiment vieler Apotheken gehören – und zwar in Arzneibuchqualität. Garantiert wird damit, dass die Gewürze auf Identität und Reinheit geprüft wurden, einen bestimmten Gehalt an ätherischen Ölen aufweisen und frei von Pestiziden und Schimmelpilzen sind.

Am besten als Ganzes

Um das typische Aroma zu bewahren, sollten Gewürze nur frisch und in kleinen Mengen gekauft, trocken, kühl und dunkel gelagert und rasch verbraucht werden. Wer in seiner Küche Mörser und Stößel, eine Gewürzmühle oder -reibe besitzt, kauft am besten die Gewürze als Ganzes und zerkleinert sie erst, wenn sie gebraucht werden. Denn bei gemahlenen Gewürzen verflüchtigen sich die ätherischen Öle rasch, die für den typischen Duft und Geschmack sorgen und von denen die Heilwirkung ausgeht.

Wirkung, Verwendung und Herkunft von Weihnachtsgewürzen

Anis

Anis

Liebhaber des aromatischen Anisgeschmacks schwören zur Weihnachtszeit auf Anisplätzchen. Doch auch Pfeffernüsse, Spekulatius und Punsch sind ohne Anis nicht denkbar. Darüber hinaus würzt Anis Fleisch, Fisch und Currys. Das Anisaroma kann unterschiedliche Herkunft haben. Entweder stammt es aus den grünen getrockneten Samen der Anispflanze (Pimpinella anisum) oder aus der sternförmigen Frucht des Magnolienbaums (Illicium verum Hook.fil.). Beide werden gemahlen oder als Ganzes angeboten. Sternanis ist vom Geschmack etwas herber als der würzig-süße Samen der Anispflanze. Auch wenn es schön aussieht: Wer mit einem ganzen Sternanis Glühwein oder Punsch würzen möchte, sollte den Stern nur kurz in der Flüssigkeit belassen. Sonst schmeckt das Getränk leicht bitter.  

Anis in der Naturheilkunde: Das ätherische Öl aus der Frucht der Anispflanze sorgt für einen frischen Atem und wird deshalb häufig in Zahnpasta oder Mundspülungen verwendet. Seine krampflösende Wirkung macht man sich bei Bauchschmerzen und Blähungen zunutze. Anis hat auch eine schleimlösende Wirkung. Für Anistee einen halben Teelöffel getrocknete Anisfrüchte zerstoßen, mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen. Bei Husten morgens und abends eine Tasse einnehmen, bei Verdauungsbeschwerden mehrmals täglich einen Esslöffel.

Ingwer

Ingwer

Wegen seines scharfen Geschmacks gilt Ingwer als unentbehrlich in der asiatischen Küche und ist daher Bestandteil zahlreicher Currymischungen. Doch Ingwer bringt nicht nur Schärfe mit sich, sondern sorgt auch für eine fein-süßliche und frische Note. In der Weihnachtsbäckerei hat Ingwer deshalb einen festen Platz erobert und würzt Makronen, Plätzchen, Kuchen, Tee und Punsch. Der unterirdisch wachsende Wurzelstock ist in den Tropen beheimatet. Er kommt frisch, getrocknet, pulverisiert, eingelegt oder kandiert zu uns in den Handel.

Ingwer in der Naturheilkunde: Ingwer ist nicht nur reich an Scharfstoffen, sondern enthält zahlreiche Inhaltsstoffe, welche Übelkeit und Erbrechen unterdrücken und schmerzstillend wirken. Wer bei Reisen mit Flugzeug, Auto oder Zug unter Übelkeit leidet, kann eine halbe Stunde vor Reiseantritt 0,5 Gramm gepulverte Ingwerwurzel mit etwas Flüssigkeit einnehmen. Schwangere sollten bei morgendlicher Übelkeit auf Ingwer jedoch verzichten, da die Inhaltsstoffe Wehen auslösen können.

Kardamom

Kardamom

Nach Vanille und Safran gilt Kardamom als das teuerste Gewürz der Welt. Dafür werden die Samen aus den getrockneten, kleinen grünen Fruchtkapseln der Kardamompflanze gewonnen, die in den tropischen Bergwäldern Südasiens zu Hause sind. Kardamom ist würzig und leicht scharf. Gemahlen verfeinert es Lebkuchen, Spekulatius und Glühwein. In arabischen und asiatischen Ländern werden Tee und Kaffee mit Kardamom gewürzt. Dafür werden Kardamomkapseln leicht angestoßen und mit aufgebrüht.

Kardamom in der Naturheilkunde: In der ayurvedischen Medizin wird das Gewürz seit Jahrtausenden als Mittel bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Das enthaltene ätherische Öl mit mehr als 120 Substanzen wirkt appetitanregend und fördert die Sekretion von Speichel-, Magen- und Gallensaft. Bei Verdauungsbeschwerden zwei Teelöffel Kardamomkapseln anstoßen, mit 150 Millilitern siedendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Zu den Mahlzeiten trinken.

Koriander

Koriander

Das Korianderkraut sieht unserer heimischen Petersilie sehr ähnlich, ihr Ursprung liegt aber im asiatischen Raum. Es wird deshalb auch als chinesische Petersilie bezeichnet. Heute wird Koriander weltweit angebaut. Die frischen grünen Blätter finden besonders in der asiatischen Küche Verwendung. Das ätherische Öl mit wertvollen Inhaltsstoffen sitzt jedoch hauptsächlich in den Früchten und Samen des Krautes. Getrocknet und gemahlenen geben diese Lebkuchen, Spekulatius und Printen ein besonderes Aroma, das an Orangen, Zimt und Muskat erinnert.

Koriander in der Naturheilkunde: Korianderöl enthält reichlich Linalool. Diese Substanz wirkt antibakteriell sowie krampflösend bei Magen- und Darmbeschwerden. Bei Verdauungsbeschwerden einen Teelöffel Koriandersamen mit einem Mörser zerquetschen, mit kochendem Wasser übergießen, zehn bis fünfzehn Minuten ziehen lassen und in kleinen Schlucken trinken.

Nelken

Nelken

Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaumes, dessen Heimat Indonesien ist. Die kleinen braunen, nagelähnlich aussehenden Knospen riechen aromatisch, schmecken leicht süßlich und brennen auf der Zunge. Sie bestehen zu fast einem Viertel aus ätherischen Ölen, weshalb das Nelkengewürz immer sehr sparsam verwendet werden sollte. Gemahlene Nelken würzen Lebkuchen, Grog und Feuerzangenbowle. Doch auch Deftiges wie Rotkohl, Schmorbraten, Fisch, Brühen und Fonds bekommen mit Nelkengewürz den richtige Pepp. Dafür am besten ganze Nelken verwenden. Diese werden in eine geschälte Zwiebel gesteckt und mitgegart. Anschließend lässt sich die so gespickte Zwiebel einfach wieder entfernen.

Nelken in der Naturheilkunde: Verantwortlich für die Heilwirkung von Gewürznelken ist die Substanz Eugenol. Diese wirkt betäubend, schmerzstillend und entzündungshemmend, weshalb Nelken früher gerne in der Zahnmedizin eingesetzt wurden, zum Beispiel als Zusatz von Zahn- oder Wurzelkanalfüllungen. Schon das Kauen auf einer Nelke lindert den Zahnschmerz. Hilfreich ist auch, etwas Nelkenöl auf ein Wattepad zu träufeln und diesen sanft auf den Zahn zu drücken. Kopfschmerzpatienten kann etwas Nelkenöl auf Schläfen, Stirn und Nacken die Schmerzen nehmen. Gewürznelken helfen auch bei Blähungen und regen die Gallentätigkeit an. Dafür vier Nelken mit 250 Milliliter siedendem Wasser überbrühen, 20 Minuten ziehen lassen. Vor den Mahlzeiten zweimal täglich trinken.

Zimt

Zimt

Die getrocknete Innenrinde des tropischen Zimtbaumes ist aus der Weihnachtsbäckerei nicht mehr wegzudenken. In gemahlener Form lassen sich aus ihr nicht nur Klassiker wie Zimtsterne herstellen. Zusammen mit anderen Weihnachtsgewürzen gibt Zimt Lebkuchen, Spekulatius und Printen die gewisse weihnachtliche Note. Als Stangenzimt würzt er Glühwein und Punsch. Unterschieden wird zwischen dem hellen, milden Zimt aus Sri Lanka und Madagaskar und dem dunklen, aromatischem Cassia-Zimt aus China und Indonesien.

Regelmäßig zur Weihnachtszeit wird vor einem zu hohen Verzehr von Zimtsternen und anderem Zimtgebäck gewarnt. Denn besonders Cassia-Zimt enthält hohe Mengen des natürlichen Aromastoffs Cumarin, der in großen Mengen über einen längeren Zeitraum verzehrt bei einem kleinen Teil der Bevölkerung Leberschäden hervorrufen kann. Nach Angaben des Bundesamtes für Risikoforschung gilt eine Menge von 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich. Für Kleinkinder bedeutet dies zum Beispiel, dass bereits drei Zimtsterne den tolerierbaren Gehalt an Cumarin ausschöpfen. Für Erwachsene wäre die tägliche tolerierbare Menge bei etwa 15 Zimtsternen erreicht. Zum Glück haben in den letzten Jahren viele Hersteller von Zimtgebäck ihre Rezepturen geändert, sodass dieses heute nur noch wenig mit Cumarin belastet sind. Wer selbst backt und kocht, sollte auf Ceylon-Zimt zurückgreifen. Denn der enthält so gut wie kein Cumarin.

Zimt in der Naturheilkunde: Aldehydverbindungen in Zimt hemmen das Wachstum von Bakterien und Pilzen, wirken appetitanregend und verdauungsfördernd. Für einen besseren Appetit einen Teelöffel zerkleinerte Zimtrinde mit 150 ml heißem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen. 2 bis 4 mal täglich eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eine Tasse trinken, bei Verdauungsbeschwerden nach dem Essen.