Burnout – Wenn Stress auf die Seele schlägt

Erschöpft und überfordert fühlt sich wohl jeder von Zeit zu Zeit. Was aber, wenn daraus ein Dauerzustand wird? Wenn die "Akkus" leer sind und nicht mehr aufgeladen werden können? Wenn auch Freizeit und Hobby nicht mehr für Entspannung und Ausgleich sorgen?

Für Führungskräfte ist es fast eine Berufskrankheit und auch „ganz normale Leute“ sind zunehmend davon betroffen. Die Dekra bezeichnet es als den neuen „Arbeitsunfall“. Die Rede ist vom Burnout-Syndrom. Es ist in aller Munde, aber was ist Burnout eigentlich genau? Woher kommt es und wie können wir es vermeiden?  

Diagnose mit steigender Tendenz

Ursprünglich bezeichnete der Begriff "Burnout" die Erschöpfung, die sich bei Menschen breitmacht, die unter hohem persönlichen Einsatz in sogenannten „helfenden“ Berufen arbeiten. Inzwischen verwendet man Burnout weiter gefasst für Situationen, in denen einem Menschen die Fähigkeit zur Erholung verloren gegangen ist.

Beruflich stark engagierte Menschen, Schichtarbeiter und berufstätige Eltern sind statistisch stärker gefährdet, an Burnout zu erkranken. Aber die Erfahrung zeigt, dass Burnout jeden von uns treffen kann. Selbst Schüler stehen dauernd „unter Strom“: Ein Drittel von ihnen klagt über permanenten Leistungs- und Prüfungsstress.

Schlafstörungen und daraus resultierende dauernde Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsverlust, Angstzustände und in schweren Fällen auch bis zur Depressionen – das Erscheinungsbild des Burnout-Syndroms ist uneinheitlich, die Diagnose auch für Fachärzte nicht immer einfach. Das Ignorieren oder Herunterspielen von Erschöpfungssymptomen gehört zum Krankheitsbild und erschwert zusätzlich eine frühe Diagnose. Viele Menschen empfinden eine gewisse Scham, sich und anderen gegenüber eine psychische Erkrankung einzugestehen. Zwar gibt es über die Ursachen eines Burnout unterschiedliche Theorien. Experten sind sich aber darüber einig, dass persönliche und äußere Faktoren meistens gemeinsam auftreten, wenn ein Burnout entsteht.

Besonders gefährdet: Perfektionisten

Zu den äußeren Faktoren zählen Aspekte aus dem beruflichen Umfeld: eine hohe Arbeitsbelastung, Veränderungen am Arbeitsplatz und damit verbundene Unsicherheit, das Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen oder starker Konkurrenzdruck. Auch private Ursachen gehören in diese Liste: Doppel- oder sogar Mehrfachbelastung durch Beruf, Haushalt, Kinder, die Betreuung von Angehörigen oder Beziehungsprobleme.

All diese Faktoren allein führen aber keineswegs bei jedem zu einem Burnout-Syndrom. Eine große Rolle spielen auch Ursachen, die in der Persönlichkeit des Einzelnen liegen. Besonders fatal ist, dass dies oft Eigenschaften sind, die sich anfangs meist als karrierefördernd erweisen oder für Beliebtheit im Freundes- und Familienkreis sorgen. 

Erste Warnsignale für ein beginnendes Erschöpfungssyndrom bei sich selbst oder auch im Freundes- oder Kollegenkreis sollte man in jedem Fall ernst nehmen. Wenn Ihnen das bisherige Lieblingshobby auf einmal gar nicht mehr wichtig ist, die Freundin plötzlich keine Zeit mehr für lieb gewonnene gemeinsame Gewohnheiten hat oder der Kollege jeden Abend bis 21 Uhr im Büro bleibt und die Familie vernachlässigt – dann sollte man in sich gehen bzw. diese Menschen ansprechen und Hilfe suchen oder anbieten. Wer sich schon angewöhnt hat, regelmäßig Alkohol zu trinken, weil er sonst keine Entspannung findet, oder wer nur noch mithilfe von Medikamenten nachts schlafen kann, braucht professionelle Unterstützung.

Dem Teufelskreis entkommen

Der erste Schritt aus diesem Teufelskreis ist immer die Bewusstmachung: Nur wer sich eingesteht, dass etwas nicht stimmt, der kann auch aktiv werden und gegensteuern. Ein offenes Gespräch mit dem Hausarzt kann oft schon Erstaunliches bewirken. Auch das Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken wie Yoga oder Qigong hilft, die Selbstwahrnehmung zu verbessern und die eigenen Bedürfnisse nicht länger zu vernachlässigen.

Allerdings gehört dazu auch die Bereitschaft, konsequente und tief greifende Veränderungen vorzunehmen, um dauerhaft ausgeglichen und gesund leben zu können. Vielleicht reagiert Ihr Umfeld zunächst mit Befremden darauf, dass Sie pünktlich Feierabend machen, anderen ein paar Aufgaben überlassen und sich einfach mehr Zeit für sich nehmen. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen. Falls Ihnen jemand Egoismus unterstellt: In gewisser Weise stimmt das. Aber nur wer auch an sich denkt, kann für andere da sein.

Burnout vermeiden

  • Lebensweise: Achten Sie auf ausreichenden und regelmäßigen Schlaf sowie eine gesunde Ernährung. Bewegen Sie sich! Sport ist nicht nur gut für die Figur, sondern bringt auch gute Laune.
  • Delegieren und Nein-Sagen: Delegieren Sie Aufgaben an Mitarbeiter oder Angehörige. Lernen Sie, ohne Schuldgefühle „Nein“ zu sagen. Setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck: Nicht alles muss perfekt sein.
  • Durchatmen: Lernen und praktizieren Sie Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken wie Yoga, autogenes Training oder Qigong. Selbstmanagement ist die Basis für eine ausgeglichene Work-Life-Balance: Strukturieren Sie Ihren Tagesablauf neu und planen Sie Freiräume, Ruheinseln sowie Zeiten für Familie und Freunde bewusst ein.
  • Hilfe annehmen: Scheuen Sie sich nicht, bei ersten Burn-out-Symptomen ärztlichen Rat einzuholen. Ihr Hausarzt weiß, wo Sie professionelle Hilfe finden können.

Gute Angewohnheiten

Walking, Wassergymnastik, das Training im Sportverein oder der Yoga-Kurs: Wobei Sie persönlich am besten entspannen, ist reine Typsache. Eines haben alle diese Aktivitäten gemeinsam: Sie sind gut für Ihr inneres Gleichgewicht. In unserem umfangreichen Kursangebot findet sich bestimmt auch für Sie etwas Passendes, um fit zu bleiben und das Risiko eines Burnouts zu minimieren. Im Rahmen Ihres IKK Gesundheitskontos bezuschussen wir die Teilnahme an vielen Kursen.