So geht Aufräumen

Kennen Sie das? Tische und Ablagen quellen über mit Klamotten, Zeitschriften und anderem Kram, die Schränke platzen aus allen Nähten und Regale sind angefüllt bis auf den letzten Platz. Keine Frage, jetzt wird es Zeit auszumisten und aufzuräumen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Wir verraten Ihnen, wie richtiges Aufräumen dauerhaft funktioniert.

Weg mit überflüssigem Kram

Vor 150 Jahren kam ein deutscher Haushalt mit 200 Dingen aus, heute sind es 50 mal mehr! Rund 10.000 Dinge besitzt ein Europäer, so Schätzungen. Billig und viel kaufen heißt die Devise in unserer heutigen Konsumwelt – und die Werbung lässt uns glauben, dass wir glücklicher sind, je mehr Dinge wir besitzen. Häufig offenbart sich die Kaufwut schon beim Öffnen des Kleiderschrankes. Laut einer Greenpeace-Studie (PDF) aus dem Jahr 2015 besitzen fast die Hälfte der Erwachsenen (43 Prozent) 50 bis 100 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken), ein Drittel sogar über 300. Aber: Jedes fünfte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen und bleibt ungenutzt im Schrank hängen. Regale und Schränke quellen über vor Krempel, der sich über Jahre angesammelt hat, von denen wir das meiste nicht brauchen. Schnell verlieren wir den Überblick und Chaos macht sich breit.

Ordnung oder kreatives Chaos?

„Wer ordentlich ist, ist nur zu faul zum Suchen!“, sagt ein Sprichwort. Und tatsächlich stören sich manche Menschen nicht an der Unordnung in ihrer Wohnung oder an ihrem Arbeitsplatz. Künstler behaupten sogar, dass ein wenig Chaos um sie herum ihre Kreativität anregt. Das belegt auch eine Studie der Universität von Minnesota. Die Forscher fanden heraus, dass Menschen, die an einem unordentlichen Schreibtisch arbeiten, zwar nicht so sehr auf ihre Gesundheit achten als Menschen an einem aufgeräumten Arbeitsplatz. Sie entwickeln aber kreativere Ideen, da sie sich von den sie umgebenden Dingen inspirieren lassen. Unordnung kann also den Blick auf Neues öffnen.

Negative Seiten der Unordnung

Doch nicht immer macht Unordnung kreativ. Denn Chaos kann auch ablenken und so die Konzentration einschränken. Tatsächlich ärgern sich die meisten Menschen über ihre mangelnde Ordentlichkeit in den eigenen vier Wänden oder an ihrem Arbeitsplatz. Denn das Durcheinander in Schränken und Regalen, die Stapel von Zeitungen und Zeitschriften auf Tischen und herumfliegende Klamotten in Schlafzimmer und Bad erinnern täglich an unerledigte Aufgaben und signalisieren, dass die Arbeit des Tages nicht beendet ist. Wichtiges geht im Chaos unter, hinzu kommt die Suche nach Dingen, die irgendwo sein müssten. Also höchste Zeit, sich den Kram mal vorzunehmen und zu überlegen: Habe ich diese Sache vermisst? Wann habe ich sie das letzte Mal benutzt? Brauche ich das wirklich?

Fünf Gründe für mehr Ordnung

  • Aufgeräumte Räume wirken offen und fühlen sich befreiend an. Besonders ein aufgeräumter Arbeitsplatz ist der beste Start in einen entspannten Feierabend.
  • Dinge sind schnell auffindbar.
  • Wichtiges, wie Rechnungen, Schreiben von Ämtern u.Ä., gehen nicht verloren oder werden versehentlich weggeworfen.
  • Wer sich von unnötigem Ballast befreit, sich also nur mit Dingen umgibt, die er auch wirklich nutzt und die ihm Freude bereiten, befreit auch seine Seele und schafft Platz für neue Ideen.
  • Durch das Aussortieren merkt man, was einem wirklich wichtig ist und glücklich macht und entdeckt womöglich ganz neue Seiten und Potenziale an sich selbst.

Ausmisten und aufräumen – aber richtig!

In wenigen Schritten zum aufgeräumten Zuhause – das scheint tatsächlich möglich, wenn es nach den zahlreichen Aufräumcoaches auf dem Ratgebermarkt geht, die Hilfestellung beim Ausmisten anbieten. Ob die Konmari-Methode nach Aufräum-Guru Marie Kondo aus Japan, die Theorie „Completing the Cycle" (zu dt.: den Kreislauf schließen) nach der Apartment Therapie oder die Tipps nach „Simplify your life“ – alle versprechen eine dauerhafte Ordnung in den eigenen vier Wänden. Wir haben für Sie einige hilfreiche Aufräum-Tipps herausgepickt.

In vier Schritten zum aufgeräumten Zuhause – die Konmari-Methode

1. In einem Rutsch:

Täglich ein bisschen, bringt nichts, behauptet die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo in ihrer Konmari-Methode. Wer nur ein Zimmer, eine Schublade oder eine Ecke aufräumt, komme langfristig nicht weiter, besonders, wenn sich schon viele Dinge in der Wohnung oder im Haus verstreut angesammelt haben. Besser: Nach Kategorien ausmisten und zwar in einem Rutsch, also erst sämtliche Kleidung, dann alle Bücher sortieren usw. Wenn doch nur einzelne Räume unordentlich sind, zum Beispiel der Keller oder der Dachboden, kann auch nach Räumen vorgegangen werden. Sorgen Sie dafür, dass Sie für das Aufräumen Zeit haben und nicht gestört werden. Also: Klingel aus, Handy aus und am besten auch keine Musik laufen lassen. Dann können Sie sich voll und ganz auf Ihren Aufräummarathon konzentrieren.

2. Feste Plätze:

Alle Dinge, die Sie behalten wollen, bekommen nun einen festen Platz zugewiesen: Schlüssel an ein Schlüsselbrett, Zeitungen und Zeitschriften in einen passenden Ständer, Tee- und Kaffeekannen oben rechts in den Schrank usw. Dinge können dann nach der Benutzung wieder an den festen Ort zurückgebracht werden. So braucht nicht ewig nach Sachen gesucht werden.

3. Gleich wegräumen, statt lange liegen lassen:

Damit die einmal geschaffene Ordnung lange hält und das Chaos nicht schnell wieder einzieht, ist es wichtig, Dinge nach der Benutzung gleich wieder an ihren festen Platz zu stellen. Zum Beispiel kommt die Zeitung sofort nach dem Lesen in den Zeitungsständer, benutzte Gläser und Teller vom Couchtisch gleich am Ende des Fernsehabend in die Spüle usw. Diese Methode kostet am Anfang vielleicht etwas Überwindung, aber wenn Sie sich erst daran gewöhnt haben, werden Sie mit mehr Zeit und einer stets aufgeräumten Wohnung belohnt.

4. Weniger ist mehr:

Kaufen Sie nicht für den gewonnen Platz gleich wieder etwas Neues, denn sonst ist Ihre Wohnung schnell wieder voll. Überlegen Sie vor jedem Kauf: Brauche ich das wirklich? Habe ich das nicht schon? Macht mich der Besitz wirklich glücklich? Hilfreich ist, eine Nacht darüber zu schlafen und sich am nächsten Tag die Fragen noch einmal zu stellen. Kaufen Sie nur, was Sie wirklich brauchen und setzen Sie dabei auf Qualität. Schätzen, pflegen und reparieren Sie Kleidung und andere Dinge. So setzen Sie ein Zeichen gegen den Konsumwahn unserer Wegwerfgesellschaft und für den Erhalt der Umwelt.

Die Seele aufräumen und loslassen

Wohnung und Seele aufräumen gehen Hand in Hand, meint Aufräum-Guru Marie Kondo. Denn Ballast in unserer Wohnung ist vielfach gleichzeitig eine Last für die Seele. Wer sich endlich von Dingen befreit, die nicht mehr gebraucht werden oder die unliebsame Erinnerungen hervorrufen, kann Kraft tanken, erhält neue Lebensenergie und ist offen für neues Glück.

Doch nicht nur die Wohnung kann man entrümpeln, auch sich selbst und sein Umfeld. Freunde und optimistische, lebensbejahende Menschen sind eine Bereicherung für unser Leben. Viele kennen jedoch auch Personen im Bekanntenkreis, die stets in uns negative Gefühle hervorrufen, demotivieren und frustrieren. Gehen Sie auf Distanz zu diesen Menschen und schränken Sie den Kontakt ein. Mitunter kann es notwendig sein, Beziehungen ganz zu lösen. Pflegen Sie dafür Kontakte, die Ihnen etwas wert sind und die Ihnen gut tun.

Versuchen Sie auch, sich von Gefühlen zu befreien, die Ihrer seelischen Gesundheit schaden und Sie daran hindern, nach vorne zu schauen und Neues anzugehen. Dazu gehören zum Beispiel die Trauer um Verstorbene, Schuldgefühle, Trennungsschmerz, Eifersucht oder das Hadern um nicht wahrgenommene Chancen. Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen oder Gespräche mit guten Freunden unterstützen Sie beim Loslassen.

Alternativer Aufräum-Ansatz: Entrümpeln mit vier Kisten

Stellen Sie vier große Kisten bereit und nehmen Sie alle Dinge in die Hand. Kiste 1 ist für all jenes, das Sie guten Gewissens wegwerfen können, z.B. die kaputte Bluse oder Dokumente, die nicht mehr aufbewahrt werden müssen. In die zweite Kiste kommen Sachen, die für den Mülleimer zu schade sind, die Sie also noch gut verschenken oder verkaufen können. Die dritte Kiste trägt die Aufschrift „aufheben“ und enthält alles, was sie noch benutzen oder was sie gerne mögen. In die vierte Kiste kommen schließlich die Dinge, bei denen Sie unentschlossen sind, was mit ihnen passieren soll. Stellen Sie diese Kiste zur Seite. Alles, was Sie ein Jahr lang nicht benutzt oder vermisst haben, kann dann weg.

Zu gut für die Tonne!

Wohin mit all den Sachen, die Sie nicht mehr gebrauchen, aber für den Mülleimer zu schade sind? Was für den einen nutzlos ist und schnellstens weg soll, kann ein anderer vielleicht noch gut gebrauchen.

  • Verkaufen: Bieten Sie Ihre Dinge auf Flohmärkten, über Zeitungsanzeigen oder per Aushang an der Pinnwand Ihres Bäcker oder Supermarktes an. Beliebt ist auch der Verkauf im Internet, z.B. über eBay-Kleinanzeigen. Wer Selbstabholung angibt, muss die Sachen nicht mal selbst verpacken und verschicken.
  • Verschenken: Soziale Einrichtungen, wie Deutsches Rotes Kreuz, Caritas oder Arbeiterwohlfahrt, sowie Sozialkaufhäuser nehmen gerne Gebrauchtes entgegen, das sie an Bedürftige weitergeben. Manche bieten sogar einen Abholservice an, wenn es um Möbel oder andere größere Dinge geht. Über gut erhaltenes Spielzeug, Bücher, Schreib- und Bastelmaterial freuen sich mitunter der örtliche Kindergarten oder die Schule. Sie können Gebrauchtes auch online in Verschenkbörsen oder -märkten inserieren.
  • Tauschen: Laden Sie Freunde, Familie und Bekannte ein und veranstalten Sie eine Tauschparty. Wenn Sie wissen, dass Ihr unbenutztes Kleid nun gerne von Ihrer Schwester getragen, das in ihrem Regal verstaubte Buch von Ihrem Freund gelesen wird, macht es doppelt Spaß, sich von Dingen zu trennen. In manchen Städten organisieren auch Hilfsgruppen und -vereine größere Tauschpartys, bei denen Sie kleinere Mengen Kleidung, Bücher, CDs/DVDs abgeben bzw. tauschen können.
Aufräumcoach Cornelia Dietrich

Interview mit Aufräumcoach Cornelia Dietrich

Ob in den eigenen vier Wänden oder am Arbeitsplatz – vielen Menschen fällt es schwer, Ordnung zu halten. Wie gut, dass es Profis gibt, die beim Aufräumen und Ausmisten unterstützen. So zum Beispiel Cornelia Dietrich aus Braunschweig. Die gelernte Industriekauffrau und kaufmännische Assistentin hilft seit 2011 Menschen, mehr Raum zum Atmen zu schaffen.

An mich wenden sich Menschen aus allen Schichten; Privatpersonen, die mit ihrer Unordnung in ihren vier Wänden nicht mehr leben wollen, genauso wie Selbstständige und Kleinunternehmen, deren Ablage im Büro überquillt. Also Leute wie du und ich, die aber den Mut haben, Hilfe zu holen. Leider schämen sich viele und wollen sich nicht eingestehen, dass sie die Unordnung nicht ohne Hilfe bewältigen können und fürchten, schnell als Messie abgestempelt zu werden. Doch ein unordentlicher Mensch ist noch lange kein Messie. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Den meisten fehlt schlichtweg die Zeit, sich darum zu kümmern. Sie sind mit Familie, Arbeit oder eigenen sozialen Problemen zu sehr belastet. Anderen wiederum fehlt einfach der Antrieb. Bei älteren Menschen kommen mitunter Alter und Krankheiten hinzu, sodass sie nicht mehr in der Lage sind, den Haushalt komplett zu führen. Manchmal geht auch die Übersicht bei laufenden Versicherungen, Rechnungen, Verträgen und anderen Dokumenten verloren. Und dann fehlt das Wissen über Aufbewahrungs- oder Kündigungsfristen und die fachgerechte Entsorgung. Also zum Beispiel „Wie lange muss ich Kontoauszüge oder Rechnungen aufbewahren?“ Dann stapeln sich ganz schnell die Papiere.

Da sind zum einen Gegenstände, die noch gut sind und viel Geld gekostet haben. Zum Beispiel ein teurer Anzug, der für eine Feier angeschafft wurde, aber seit mehr als zehn Jahren unbenutzt im Schrank hängt oder teure Fehlkäufe, die jeder von uns hat, die dann aber nie benutzt wurden. Zum anderen können sich die meisten nicht von selbstgemachten Geschenken trennen, wie das selbstgemalte Bild der schon lange erwachsenen Enkelin. Viele meinen auch, dass sie das eine oder andere noch mal benutzen, was tatsächlich aber meistens nicht passiert. Und dann sind da noch scheinbar unumstößliche „No Gos“ wie „Bücher wirft man nicht weg“.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man alles wegwerfen kann. Letztlich sollte man nur die Dinge besitzen, die nützlich sind oder Freude bereiten. Es macht keinen Sinn, Dinge aufzubewahren, die negative Gefühle hervorrufen. Bei Erinnerungsstücken reicht es häufig, sich auf ein oder zwei Dinge zu beschränken. Dann sucht man sich zum Beispiel ein Schmuckstück, mit dem viele schöne Erinnerungen verknüpft sind, und trennt sich von dem Rest. Vielen fällt es leichter, sich zu trennen, wenn sie ihre überflüssigen Sachen an caritative Einrichtungen weitergeben. Dann wissen sie, dass es nicht auf dem Müll landet, sondern anderen noch nützlich ist.