Multitalent Blut

Ungefähr fünf bis sechs Liter Blut besitzt ein erwachsener Mensch, das – angetrieben vom Herzschlag – innerhalb geschlossener Blutgefäße bis in jede Körperzelle fließt.

Blut besteht aus einem flüssigen Anteil, dem Blutplasma, sowie aus einem zellulären Anteil, den Blutkörperchen und -plättchen. Das Plasma transportiert Eiweiße, Salze, gelöste Nährstoffe und Abwehrstoffe in die Zellen. Im Gegenzug werden nicht mehr benötigte Substanzen zu den Ausscheidungsorganen gebracht, wie Kohlendioxid oder Harnsäure. Die roten Blutkörperchen (Erythrocyten) versorgen alle Zellen mit lebensnotwendigem Sauerstoff. Für ein gut funktionierendes Abwehrsystem sind dagegen die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) unverzichtbar. Sie machen Krankheitserreger und andere für den Organismus schädliche Stoffe unschädlich. Die Blutplättchen (Thrombozyten) wiederum sorgen dafür, dass sich eine blutende Wunde wieder schließt. Blut hilft zudem bei der Regulierung der Körperwärme: Es transportiert überschüssige Wärme an die Hautoberfläche. Bei Kälte dagegen wird die Durchblutung der Haut gedrosselt, sodass wenig Wärme abgegeben wird.

Blut ist nicht gleich Blut

Die Blutgruppen

Seit mehr als hundert Jahren ist bekannt, dass sich das Blut von zwei Menschen verklumpen kann, wenn es gemischt wird. Die Ursache liegt in unterschiedlichen vererbbaren Merkmalen (Antigenen), die sich auf den roten Blutkörperchen befinden. Unterschieden wird zwischen den Antigenen A und B, von denen sich die Blutgruppen ableiten. Menschen mit Blutgruppe A oder B haben jeweils nur eines dieser Antigene, Blutgruppe AB hat beide und Blutgruppe 0 hat keine. Gleichzeitig befinden sich im Blutplasma jedes Menschen Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Antigene, die er selbst nicht besitzt. Die Blutgruppe A hat demnach Antikörper gegen B, B gegen A, 0 gegen A und B. Menschen mit Blutgruppe AB haben keine Antikörper, damit ihr Körper nicht das das eigene Blut bekämpft.

Blutgruppe

Häufigkeit in Europa

Antigene

Antikörper

0

37 Prozent

keine

gegen A und B

A

43 Prozent

A

gegen B

B

14 Prozent

B

gegen A

AB

6 Prozent

AB

keine

Der Rhesusfaktor

Neben den ABO-Merkmalen gibt es ein weiteres Merkmal: den Rhesusfaktor. Dahinter verbirgt sich ein ganzes System von weiteren Antigenen auf den roten Blutkörperchen. Bei der Blutübertragung spielt vor allem das Antigen D eine Rolle, da dieses fast immer die Bildung von Antikörpern hervorruft. Ist ein Mensch rhesus-positiv, trägt er das D-Antigen auf den Erythrocyten (D-positiv, kurz D +). Ungefähr 85 Prozent der Mitteleuropäer sind D-positiv.

Wem hilft meine Blutgruppe? Und wer könnte mir helfen?

Blutgruppen und Rhesusfaktor bewirken, dass das Blut zweier Menschen nicht immer miteinander verträglich ist. Dies muss bei jeder Blutübertragung berücksichtigt werden. Sinnvoll ist daher, seine eigene Blutgruppe zu kennen und diese in einem Unfallhilfepass zu vermerken. Heute wird jedoch nur noch in Ausnahmefällen Vollblut übertragen. Meist erhält der Patient nur diejenigen Blutbestandteile, die er aufgrund seiner Erkrankung oder seines Zustandes benötigt, z. B. nur Blutplasma oder nur Erythrocytenkonzentrat. Mit einer einzigen Blutspende kann so mehreren Menschen geholfen werden. Doch was der Patient auch erhält: Die Verträglichkeit der Blutbestandteile von Spenderblut und Empfängerblut muss vorab immer im Labor überprüft werden.

Das passt!

Benötigt ein Patient mit der Blutgruppe 0 und einem negativen Rhesusfaktor Blutplasma, kann er dieses von Spendern jeglicher Blutgruppe erhalten, da die darin eventuell vorhandenen Antikörper A oder B keine entsprechenden Antigene finden, mit denen sie reagieren könnten. Menschen mit der Blutgruppe 0, rhesus-negativ gelten daher als Universalempfänger für Plasma. Sie sind ebenfalls Universalspender, jedoch nur für die Übertragung von Erythrocyten. Denn ihre roten Blutkörperchen enthalten keine Antigene, mit der eventuell vorhandene Antikörper des Empfängerblutes reagieren könnten.

Universalspender für Plasma sind Patienten der Blutgruppe AB, rhesus-positiv +. Ihr Plasma enthält keine Antikörper gegen eventuell vorkommende Antigene des Empfängerblutes. Menschen mit dieser Blutgruppe können selbst von allen Menschen jeglicher Blutgruppe rote Blutkörperchen erhalten. Denn sie selbst bilden weder gegen die Merkmale A und B noch gegen den Rhesusfaktor Antikörper, weil sie selbst diese Antigene tragen.

Jeden kann es treffen!

Etwa 80 Prozent aller Deutschen benötigen mindestens einmal im Leben Blutbestandteile aus Spenderblut. Dabei sind es nicht nur Erkrankungen und Ereignisse nach Unfällen, bei denen Blut benötigt wird. Viele Operationen, Transplantationen und Krebstherapien sind heute nur mithilfe von Blutprodukten möglich. Blutspenden sind also überlebenswichtig. So sieht es auch die Mehrheit der Deutschen. Von denen, die Blut spenden könnten, tun dies tatsächlich nur etwa drei Prozent. Für die vielen Situationen, in denen Blut und Blutbestandteile benötigt werden, reichen hierzulande gerade die 15.000 Blutspenden pro Tag aus. Engpässe in der Urlaubszeit, an Feiertagen oder bei Grippewellen kommen deshalb immer wieder vor. Hinzu kommt, dass der Bedarf in den nächsten Jahren aufgrund des medizinischen Fortschritts und der größer werdenden Zahl älterer Menschen steigen wird. Jeder gesunde Erwachsene sollte deshalb regelmäßig Blut spenden. Denn allzu schnell kann man selbst auf das Blut von anderen angewiesen sein.

Wer darf spenden?

Ein Blutspender

  • muss mindestens 18 Jahre alt sein.
  • darf bei der ersten Blutspende nicht älter als einschließlich 64 Jahre sein
  • darf als Mehrfachspender bis zu seinem zum 69. Geburtstag oder, nach Entscheidung der Ärzte vor Ort, bis zu einem Alter von einschließlich 72 Jahren zur Spende zugelassen werden
  • muss ein Mindestgewicht von 50 kg haben
  • sollte gesund sein
  • sollte vor der Spende ausreichend essen und trinken
  • darf innerhalb von zwölf Stunden vor der Blutspende keinen Alkohol trinken
  • sollte innerhalb der letzten vier Wochen keine Drogen eingenommen haben
  • darf als Mann bis zu sechs Vollblutspenden pro Jahr leisten, als Frau bis zu vier. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von 56 Tagen liegen.

Eine Stunde, die Leben retten kann

Wer die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, geht zu einem Blutspendetermin vor Ort. Nach der Registrierung wird der Spender zunächst von einem anwesenden Arzt oder einer Ärztin untersucht. Blutdruck und Puls werden gemessen, der Hämoglobinwert zum Ausschluss einer Blutarmut bestimmt und nach schon vorhandenen Krankheiten gefragt. Entscheidet der Arzt, dass der Spender gesund ist, werden ihm in zirka zehn Minuten ungefähr 500 ml Blut entnommen. Dafür wird ausschließlich steriles Einwegmaterial verwendet, sodass eine Übertragung von Krankheiten ausgeschlossen ist. Nach der Spende sollte sich der Spender noch etwa 10 Minuten vor Ort ausruhen und anschließend im Imbissraum etwas von den angebotenen Speisen und Getränken trinken und essen. Das hilft, den Kreislauf anzuregen und die gespendete Blutflüssigkeit schnell zu ersetzen. Mit Anmeldung, Untersuchung und anschließendem Imbiss sollten Spender eine gute Stunde Zeit einplanen.

Bevor das gewonnene Blut zu einem Patienten gelangt, wird es im Labor auf Krankheiten wie Hepatitis oder HIV untersucht. Gleichzeitig werden Blutgruppe und Rhesusfaktor bestimmt. Ist alles in Ordnung, wird das Spenderblut in seine Bestandteile getrennt und bis zu seiner Weitergabe kurzfristig aufbewahrt. Falls nicht, bekommt der Spender oder sein Hausarzt Nachricht vom Blutspendedienst. Eine Blutspende ist damit auch immer eine Gesundheitskontrolle.

Was bringt Blutspenden mir selbst?

  • Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor
  • Überwachung des Hämoglobinwertes
  • Kontrolle von Blutdruck und Puls
  • Untersuchung des Blutes auf Erkrankungen, wie Hepatitis und HIV
  • Das schöne Gefühl, mit der eigenen Blutspende anderen Menschen das Leben zu retten

Wo kann ich spenden?

Wer in einer größeren Stadt lebt, kann die dort ansässigen Blutspendezentralen des Deutschen Roten Kreuzes oder anderer Hilfsorganisationen aufsuchen. Zusätzlich haben Sie in größeren Krankenhäusern, Universitätskliniken und Instituten die Möglichkeit, Blut zu spenden. In kleineren Städten und Orten bieten die örtlichen Gruppen der Hilfsorganisationen Blutspendetermine an. Die Termine werden über die Medien oder über www.blutspende.de veröffentlicht.