Endlich Nichtraucher werden

Überzeugende Gründe für den Abschied vom blauen Dunst gibt es genug – zum Beispiel, weil man sein Geld sinnvoller ausgeben möchte, weil man seinen Kindern ein Vorbild sein will und natürlich auch, weil einem die eigene Gesundheit wichtig ist. Mit der richtigen Strategie und Unterstützung gelingt es meist besser. Und wir fragen einen Experten, ob die E-Zigarette dabei eine Hilfe ist.

Schätzungsweise die Hälfte aller Raucher möchte gerne mit ihrem Laster aufhören. Statistisch gesehen gelingt es aber gerade einmal jedem Siebten, dem Griff zur Zigarette aus eigener Kraft zu widerstehen. Je mehr persönliche Gründe Sie haben, um mit der Qualmerei aufzuhören, umso entschlossener gehen Sie zur Sache! Wir bieten Ihnen noch ein paar Argumente gegen den blauen Dunst und vor allem Tipps, damit Sie Ihren Vorsatz erfolgreich in die Tat umsetzen. 

Warum Aufhören schwierig ist

Der Abschied vom Glimmstängel fällt den meisten Rauchern extrem schwer. Denn die körperliche Abhängigkeit wird noch durch erlernte Verhaltensweisen verstärkt. In bestimmten Schlüsselsituationen - zum Beispiel in fröhlicher Runde, beim Kaffeetrinken, nach dem Essen, in der Kneipe oder nach dem Sex - sorgt Nikotin für eine erhöhte Ausschüttung von "Wohlfühl"-Botenstoffen: Es entstehen besondere Glücksgefühle. Raucher lernen durch tausendfache Wiederholung, dass das Schöne im Leben durch die Zigarette noch veredelt wird. Damit wird die Entwöhnung kompliziert. Der Süchtige muss nicht nur die körperliche Abhängigkeit überwinden. Sein Gehirn muss außerdem lernen, dass Bier und Latte Macchiato auch ohne Glimmstängel schmecken - und dass Konzentration und Leistung, Entspannung und Geselligkeit ohne Nikotin genauso gut möglich sind. Die Erfolgsquote eigenständiger Aufhörversuche ist deshalb gering: Höchstens fünf von 100 Rauchern schaffen es ganz alleine, auf Dauer von der Kippe loszukommen.

Bewährte Hilfen verbessern die Ausstiegschancen erheblich: Zu den wirksamsten Methoden zählt die Verhaltenstherapie in einer Gruppe. Diese besteht meist aus etwa acht Personen. Meistens genügen maximal 10 Sitzungen. Etwa ein Drittel der Treffen erfolgt vor dem vereinbarten Schlusspunkt-Termin; unmittelbar danach helfen Mechanismen der Selbstkontrolle und Belohnungsstrategien. In einer abschließenden Stabilisierungsphase werden alternative Verhaltensweisen und Strategien zur Rückfallvermeidung erlernt.

Wer einer Gruppentherapie skeptisch gegenübersteht, kann den Ausstieg auch mit Hilfe einer strukturierten Selbsthilfe-Anleitung schaffen. Entsprechende Handbücher geben Hilfestellung – die erforderliche Disziplin liefern sie leider nicht. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet Unterstützung, zum Beispiel mit Medien oder einem Nichtraucher-Telefon.

Rauchmuster erkennen und durchbrechen

Da viele Zigaretten nicht mit Genuss, sondern ganz automatisch inhaliert werden, unterschätzen Raucher ihren tatsächlichen Zigarettenkonsum. Um diesen Automatismus zu durchbrechen, hilft es, sich zu verdeutlichen, wie viel tatsächlich geraucht wird.

An manchen Tagen ist das Rauchverlangen gar nicht so schlimm, an anderen fühlt man sich durch den Wunsch nach einer Zigarette regelrecht gequält. Doch woran liegt das eigentlich? Ist die jeweilige Tagesform die Ursache? Sicher spielt auch diese eine Rolle; aber könnte es nicht auch sein, dass Sie an manchen Tagen wesentlich mehr Situationen erleben, in denen es Ihnen schwer fällt nicht zu rauchen? Die Rede ist von sogenannten Auslösern, die zu einem automatischen Griff zur Zigarette führen.

Ein Auslöser kann zum Beispiel sein, dass Sie sehen, wie ein anderer Raucher zu einem Glimmstängel greift. Ebenso kann es sich um eine bestimmte innere Stimmung handeln, die Sie an eine Zigarette denken lässt.

Für Sie als Nichtraucher ist es jetzt besonders wichtig, Ihre individuellen Auslöser herauszufiltern. Denn wer den Feind kennt, kann ihn auch bekämpfen. Wenn Ihnen also auffällt, dass ein bestimmter Umstand den Wunsch nach einer Zigarette hervorruft, ist das "schon einmal die halbe Miete". Die Erkenntnis ermöglicht Ihnen, strategisch günstig dagegen anzugehen und sich nicht einfach hilflos ausgeliefert zu fühlen.

Erfahrungsgemäß kann auf etwa ein Drittel des täglichen Konsums verzichtet werden, weil diese Zigaretten weder zur Erhaltung des Nikotinspiegels noch aufgrund ihrer angenehmen Wirkung geraucht werden. Führen Sie eine Strichliste, die Ihnen die wirkliche Lust auf eine Zigarette deutlich macht. Mit diesem Trick entscheiden Sie sich jedes Mal bewusst für oder gegen eine Zigarette.

Die Strichliste kann so klein sein, dass sie zwischen Zigarettenschachtel und Zellophanhülle passt. Dadurch ist sie jederzeit griffbereit. Wichtig ist es, dass Sie jeweils vor dem Anzünden einer Zigarette daran denken, einen Strich zu machen. So behalten Sie den Überblick und können Muster in Ihrem Rauchverhalten erkennen. Vielleicht bemerken Sie bei dem Führen Ihrer Liste auch, dass es Situationen gibt, in denen Sie besonders oft rauchen oder die ohne Zigaretten für Sie gar nicht mehr vorstellbar sind. Dies sind Ihre persönlichen Risikosituationen. Hier sollten Sie besonders auf sich und Ihr Rauchverhalten achten.

Schlusspunktmethode versus Reduktionsmethode

Grundsätzlich gibt es für jeden Raucher zwei Möglichkeiten, das Rauchen aufzuhören: Entweder er entschließt sich für die Schlusspunktmethode, bei der er von einem auf den anderen Tag mit seinem Zigarettenkonsum aufhört oder er reduziert seinen Nikotinkonsum stufenweise mit der Reduktionsmethode.

  • Die Schlusspunktmethode

    Diese basiert auf dem festen Willensentschluss von heute auf morgen mit dem Rauchen aufzuhören. Doch das sollte gut vorbereitet sein: Egal ob mit einem Buch, einer CD oder einer Therapie in der Gruppe. Viele Experten raten dazu, in Verbindung mit dieser Aktion alle Rauchutensilien zu entfernen. Nikotinersatzpräparate können hier bei anfänglichen Entzugserscheinungen hilfreich sein.

    Geeignet für:

    • Raucher mit geringerem Zigarettenkonsum
    • Raucher, die sich stark genug dazu fühlen
    • Raucher mit starkem und dauerhaftem Willen
    • Raucher, die die folgenden Entzugserscheinungen und die notwendigen Verhaltensänderungen gleichzeitig bewältigen können.

 

  •  Die Reduktionsmethode

    Dabei wird die Anzahl der täglichen Zigaretten stufenweise über mehrere Wochen reduziert. Die aufgestellten Tageslimits sind streng einzuhalten. In den so genannten Reduktionsplan wird die Anzahl der konsumierten Zigaretten genau festgehalten. Allerdings ist in Stresssituationen oder in geselligen Runden der Erfolg besonders gefährdet. Von Nikotinersatzpräparaten ist hier abzuraten.

    Geeignet für:

    • Raucher mit hohem Zigarettenkonsum
    • Raucher, die die notwendigen Verhaltensänderungen langsam erreichen und damit sicherer ans Ziel kommen wollen
    • Raucher, die bereits mit der Schlusspunktmethode keinen Erfolg hatten
    • Raucher, die diszipliniert die vorgegebene Tagesration einhalten können 

Es ist nie zu spät

Vor allem langjährige Raucher meinen, dass sich der Verzicht auf Zigaretten kaum oder gar nicht lohnt. Zum Glück ist das ein Irrtum, denn:

  • Schon nach 24 Stunden sinkt der Kohlenmonoxidgehalt im Blut: Die Zellen bekommen mehr Sauerstoff.
  • Binnen zwei Tagen erholen sich Geruchs- und Geschmackssinn. Essen und Trinken werden wieder zum Genuss.
  • Bereits am dritten Tag fällt das Atmen merklich leichter.
  • Nach drei bis neun Monaten legen sich Husten und Kurzatmigkeit. Der Kreislauf stabilisiert sich, das Immunsystem ist gestärkt, die Anfälligkeit für Infekte geht zurück.
  • Nach ein bis zwei Jahren hat sich das Infarktrisiko halbiert.
  • Nach fünf Jahren hat sich das Schlaganfallrisiko bereits deutlich verringert.
  • Nach zehn Jahren ist das Lungenkrebsrisiko um mehr als 50 Prozent gesunken.
  • 15 Jahre nach dem endgültigen Rauchstopp ist das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall wieder genau so niedrig, als hätten Sie nie geraucht.

Rauchen – ein gefährlicher Schlankmacher

"Rauchen macht schlank!" Diese Vorstellung hat sich in vielen Köpfen festgesetzt. Aber schauen Sie sich um: Im Allgemeinen sieht man ebenso viele Übergewichtige, die zur Zigarette greifen wie Normalgewichtige. Trotzdem haben viele Raucher Angst zuzunehmen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Denn Nikotin kurbelt den Stoffwechsel an, der Körper verbrennt mehr Kalorien. Fehlen die Zigaretten, verlangsamt sich vorübergehend der Stoffwechsel. Bei gleich bleibender Nahrungsaufnahme kann es durchaus vorkommen, dass frischgebackene Nichtraucher im Durchschnitt zunächst etwa zwei bis drei Kilo zunehmen können. Aber keine Sorge: Nach einigen Wochen reguliert sich der Prozess wieder und der Stoffwechsel arbeitet auf normalem Niveau.

Viel gefährlicher für Ihr Gewicht ist, dass Naschen, Kauen, Lutschen sehr häufig als Ersatzbefriedigung während der Entzugsperiode dient. Damit Sie Ihr Gewicht als Nichtraucher in Grenzen halten, ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, ein vor allem bewussteres Essverhalten anzustreben.

  • Nicht mehr essen als vorher: Meiden Sie fettreiche Nahrung. Bedenken Sie vor allem auch die versteckten Fette, die sich in Käse, Wurst, Süßigkeiten und Fertiggerichten verstecken. Greifen Sie hingegen zu bei Obst, Gemüse, Salaten und Vollkornprodukten. Das hilft die anfänglichen Verdauungsprobleme in den Griff zu bekommen.
  • Heißhunger auf Süßigkeiten: Das liegt daran, dass Süßigkeiten einen ähnlichen Effekt wie Nikotin auf die Stimmungslage haben. Allerdings schlägt das häufige Naschen von Schokolade dann tatsächlich auf der Waage zu Buche. Greifen Sie beim Snack eher zu Reiswaffeln, Salzstangen, Popcorn, Lakritz oder besser noch Rohkostschnitzen. Achten Sie auch auf versteckten Zucker etwa in Kakao, Milchprodukten, Ketchup, Müsli, Getränken und Backwaren.  
  • Legen Sie Wert auf regelmäßige Mahlzeiten: Wenn die Abstände zwischen den Mahlzeiten zu lang werden, sinkt der Energiespiegel - die Laune sinkt und der Hunger steigt. Stabilisieren Sie die Hungerkurve mit fünf kleineren Mahlzeiten am Tag. Zwischenmahlzeiten aus Obst und Gemüse, Knäckebrot, Reiswaffeln stillen nicht nur den Appetit, sondern beschäftigen auch Mund und Geschmacksnerven. Auch klare Suppen eignen sich gegen Heißhungerattacken.
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen: Warten Sie eine Weile ab, denn der Magen meldet erst nach rund 20 Minuten, dass er etwas Essbares bekommen hat. Wer langsam und intensiv kaut, spürt viel früher das Sättigungsgefühl.
  • Trinken Sie viel: Denn Trinken reduziert das Hungergefühl - doch verzichten Sie auf zucker- oder alkoholhaltige Getränke. Starten Sie schon am Morgen und trinken Sie auf nüchternen Magen ein Glas warmes Wasser. Das fördert die Verdauung, die in den ersten nikotinfreien Zeiten durch die Umstellung etwas schlapp und irritiert ist. Zwei bis drei Liter am Tag sollten es schon sein. Stellen Sie am besten morgens schon Ihre Trinkmenge bereit.
  • Kurbeln Sie den Stoffwechsel durch mehr Bewegung an:  Unterstützen Sie Ihre Entwöhnung durch ein Fitness-Programm. Haben Sie bis jetzt keinen Sport gemacht? Gymnastik und Spaziergänge an der frischen Luft sind ein guter Einstieg!

Passivrauchen: Vor allem die Kinder leiden

Mehr als 3.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen des Rauchens - obwohl sie nie an einer Zigarette gezogen haben. Dass Passivrauchen Herzinfarkte, Schlaganfälle, chronische Bronchitis und Tumorleiden verursacht, ist heute zweifelsfrei erwiesen. Nichtraucher, die zu Hause oder am Arbeitsplatz regelmäßig Tabakqualm einatmen müssen, haben ein um 20 bis 50 Prozent erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Besonders gefährdet sind die Kleinsten: Mehr als acht Millionen Kinder und Jugendliche leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. Die aktuelle Kinder-Umwelt-Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass ihre Belastung in den vergangenen Jahren sogar noch zugenommen hat: Vor allem Mütter rauchen immer mehr. Die damit verbundene Schadstoffbelastung der Raumluft beeinträchtigt auch die Gesundheit der Heranwachsenden - passiv rauchende Kinder leiden öfter unter Atemwegsinfekten, Allergien und Mittelohrentzündungen.

Vor allem in den ersten Tagen und Wochen erleben die meisten Ex-Raucher, dass sich die alten Gewohnheiten wieder bemerkbar machen. Ein Rückfall geschieht oft in Situationen, in denen Sie überfordert sind – ob Ihnen das nun bewusst ist oder nicht. In dieser Situation kann sich Ihr Körper noch gut daran erinnern, dass es da in früherer Zeit etwas gab, das Sie auf die Schnelle beruhigte, entspannte und Ihnen Sicherheit gab. Kein Wunder also, dass das Verlangen danach groß war und Sie ihm schließlich nachgegeben haben. 
Doch so ein Rückfall überfällt Sie nicht plötzlich. Er schleicht sich Schritt für Schritt an und bei jedem einzelnen haben Sie wieder die Möglichkeit, "Nein" zu sagen.

1. Schritt: Sie stehen vor der Entscheidung "Rauche ich die erste Zigarette, die mir angeboten wird?"
2. Schritt: Sie stehen vor der Entscheidung "Kaufe ich mir selbst wieder Zigaretten?"
3. Schritt: Sie stehen vor der Entscheidung "Kaufe ich mir nach dem ersten Päckchen noch ein weiteres?"
4. Schritt: Sie stehen vor der Entscheidung "Will ich wieder regelmäßig Zigaretten bei mir haben?"

Denken Sie immer daran: Sie haben bei jedem Schritt immer wieder die Chance, auszusteigen. Je früher und je öfter Sie jedoch lernen, die Zigaretten abzulehnen, desto stärker wird Ihr Nichtraucher-Selbstbewusstsein.

Versuchungen leichter widerstehen

Wer sein Rauchmuster kennt, kann heiklen Situationen etwas gelassener entgegen treten. Wer in seinem Kalender jeden Tag ohne Zigarette kenntzeichnet, hat einen zuätzlichen Ansporn. Bewährt haben sich auch diese Tipps:

  • Machen Sie sich klar: Das Verlangen geht vorbei, ob Sie rauchen oder nicht.
  • Meiden Sie möglichst Räume, in denen geraucht werden darf. 
  • Sportliche Aktvitäten, Gartenarbeit, Basteln und Handarbeiten, Kinobesuche - lenken Sie sich ab.
  • Benutzen Sie eine Munddusche beziehungsweise Mundspülung oder putzen Sie die Zähne.
  • Machen Sie sich die positiven Wirkungen des Nichtrauchens bewusst.
  • Halten Sie zuckerfreie Kaugummis bereit.
  • Öffnen Sie regelmäßig das Fenster und lassen Sie viel frische Luft rein.
  • Trinken Sie viel Wasser und Tee, allerdings keinen Schwarztee.
  • Denken Sie daran: Sie haben sich freiwillig entschieden, mit dem Rauchen aufzuhören.

Was tun, wenn Sie doch wieder zur Zigarette greifen?

Betrachten Sie Ihren Rückfall als Ausrutscher. Lassen Sie sich nicht von dem trügerischen Gefühl, die alte Gewohnheit hätte Sie wieder eingeholt, täuschen. Denn das ist nicht wahr. Kein Tag, an dem Sie nicht geraucht haben, ist vergeudet gewesen. In dem Moment, in dem Sie sich das bewusst machen, wird aus dem alles vernichtenden Rückfall ein Ausrutscher, den es zu bewältigen gilt. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie das Rauchen sofort wieder einstellen, sämtliches "Rauchwerkzeug" beseitigen und an Ihrem Vorhaben festhalten.

Wie beim Laufen lernen ist das "Straucheln" ein Bestandteil des natürlichen Erlernens neuer Verhaltensmuster. Resignieren Sie also nicht, sondern werten Sie es als eine Erfahrung, aus der Sie gestärkt und sicher hervorgehen. Wer nach dem Aufhörtermin wieder zur Zigarette greift, ist oft traurig, verärgert oder unsicher. Gefühle wie Hoffnungslosigkeit und Gleichgültigkeit haben jetzt ein leichtes Spiel. Man gewinnt den Eindruck, dass man versagt hat und neigt dazu, sich gleich ganz aufzugeben. Dies sind zwar ganz normale und verständliche Reaktionen wenn man frustriert ist, aber aufgeben müssen Sie noch lange nicht. Versuchen Sie, jegliche Alles-oder-Nichts-Gedanken zu unterdrücken. Eine Rückfall-Zigarette ist EINE Rückfall-Zigarette und keine Rechtfertigung dafür, wieder mit dem Rauchen anzufangen.  

Wenn Sie sich eine Zigarette angezündet haben, rauchen Sie diese nicht mit der Begründung zuende, dass sie ja nun ohnehin schon mal brennt, sondern:       

  • Drücken Sie sie sofort aus.       
  • Überlegen Sie, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Woher haben Sie diese Zigarette?  
  • Überlegen Sie, was genau Sie verführt hat. War es eine bestimmte Situation oder Stimmung oder wurden Sie durch andere Raucher animiert?       
  • Machen Sie sich den Auslöser bewusst und prägen Sie sich ihn genau ein.
  • Überlegen Sie ganz konkret, was Sie beim nächsten Mal anders machen werden, sollte eine vergleichbare Situation entstehen.

Entspannt werden

Hektik, Termindruck, allgemeiner Stress – wer kennt das nicht? Dann hat natürlich der Wunsch nach einer Zigarette besonders leichtes Spiel. Doch es gibt Möglichkeiten, den "Stress-Schaden" gering zu halten und eine Menge zur aktiven Entspannung beizutragen.

Gönnen Sie sich bei einem Schmachtanfall immer 5 Minuten Entspannung und Erholung nur für sich! Öffnen Sie ein Fenster, atmen Sie tief ein und aus und lassen Sie vor Ihrem inneren Auge ein Bild entstehen, dass Ihnen Ruhe, Geborgenheit und Zufriedenheit vermittelt. Wer Stress empfindet, beginnt automatisch schnell und flach zu atmen. Die Folge: Es strömt zu wenig Sauerstoff in die Lunge, die Puste geht einem aus, der Körper produziert wieder neuen Stress. Üben Sie, bewusst in den Bauch zu atmen. Die folgende Übung können Sie im Sitzen oder Stehen ausführen:       

  • Legen Sie die rechte Hand auf die Brust, die linke auf den Bauch.       
  • Atmen Sie ruhig durch die Nase ein und aus.       
  • Achten Sie darauf, dass sich nicht die Brust, sondern der Bauch hebt, wenn Sie Luft holen.       
  • Drücken Sie beim Einatmen leicht auf die Brust, so dass die Luft in den Bauch geht.       
  • Beim Ausatmen drücken Sie leicht auf den Bauch.

Sie können Entspannung auch in Kursen lernen. Verschiedene Methoden wie progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga können individuell abgestimmte Übungen vermitteln und Ihre Rauchentwöhnung aktiv unterstützen, so dass die Luft dort wieder entweichen kann.

Kleine "Helfer" gegen den Lungenschmacht

Ihre erste Zeit ohne Zigarette wird je nach Grad Ihrer Abhängigkeit von Entzugssymptomen begleitet sein. Diese auszuhalten ist aber nicht so schlimm, wie Sie vielleicht befürchten. Denn: Alle starken Raucher berichten einheitlich, dass der Ausstieg leichter war, als sie ihn sich vorgestellt hatten. Sicher werden Sie in der Anfangszeit so genannte Verlangensattacken haben. Doch diese dauern in der Regel nur zwei bis drei Minuten, dann verschwinden sie wieder. Zudem werden diese plötzlichen Begierden von Tag zu Tag schwächer. In der ersten Zeit nach dem Rauchstopp kann es für starke Raucher sinnvoll sein, die Zigarette mit Präparaten aus der Apotheke zu ersetzen. Hier ist es jedoch besonders wichtig, dass Sie wirklich aufhören und nicht noch zusätzlich zu den Präparaten rauchen. Diese Präparate gibt es:

  • Nikotin-Pflaster: Das Nikotin wird über die Haut aufgenommen und gleichmäßig über einen längeren Zeitraum freigesetzt. Diese Methode ist für Raucher, die regelmäßig über den Tag verteilt geraucht haben und so an einen gewissen Spiegel an Nikotin im Blut gewöhnt sind, sinnvoll. Nikotinpflaster werden in verschiedenen Stärken angeboten. Als Nebenwirkungen können Hautreaktionen und Schlafstörungen auftreten.
  • Nikotin-Kaugummis: Durch das Kauen wird Nikotin freigesetzt, und die Entzugserscheinungen werden gemildert. Dieses Präparat ist vorzugsweise für Raucher, die das Nikotin im Blut selbstständig dosieren möchten, geeignet. Mit dem Kaugummi können Sie schneller einen wirksamen Nikotinspiegel aufbauen als mit dem Pflaster. Vor allem in Momenten großen Rauchverlangens ist er empfehlenswert. Nebenwirkungen können Mundbrennen und schlechter Geschmack sein.
  • Nikotin-Tabletten: Aus den Lutschtabletten wird im Mund Nikotin freigesetzt. Mit ihnen verhält es sich ähnlich wie mit den Kaugummis. Negative Folgen können Missempfindungen in Mund und Rachen und Bläschenbildung sein.
  • Nikotin-Inhalator: Das Nikotin wird bei der Inhalation vom Körper aufgenommen. Der Inhalator ist zur Verringerung sowohl psychischer als auch körperlicher Entzugssymptome geeignet. Dieses Präparat kann sehr unterschiedlich dosiert werden. Als Nebenwirkungen können ein Brennen im Rachen und Husten auftreten.
  • Nikotin-Nasenspray: Das Nikotin wird durch die Nasenschleimhaut in die Blutbahn aufgenommen. Das Spray kann Nikotin sehr rasch und hoch dosiert zugeführt werden. Nebenwirkungen können Nasenschleimhautirritationen, Tränenfluss und Niesen sein. Es besteht eine Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung.
  • E-Zigaretten: Sie sollen „gesundes Rauchen“ ermöglichen, aber auch helfen, Nichtraucher zu werden. Klingt vielversprechend, ist aber nach Meinung von Experten (z. B. dem Bundesinstitut für Risikobewertung oder Stiftung Warentest) leider nicht ohne Risiko bzw. stehen dafür noch keine entsprechend gesicherten Untersuchungen zur Verfügung. Ganz abgesehen davon, dass man auch dafür meist tief in die Tasche greifen muss.

E-Zigaretten werden nicht geraucht, sie werden gedampft. In dem Minigerät aus Akku und elektrischem Vernebler wird eine Aromamischung verdampft und inhaliert. Kein Tabak wird also verbrannt, kein Teer aufgenommen. Das soll beim Abgewöhnen helfen und außerdem sozial verträglicher sein, weil weder Rauch noch Gestank die Mitmenschen belästigt. Und da so ziemlich jedes Mittel probiert wird, um mit dem Rauchen aufzuhören, werden jetzt eben auch E-Zigaretten gedampft.

Experten warnen jetzt allerdings davor, das ohne Bedenken zu tun. Denn was genau in E-Zigaretten drin ist, sei häufig eben so wenig klar wie die gesundheitlichen Risiken. Erste Bundesländer haben deshalb die E-Zigarette verboten. Welche Schäden und Nebenwirkungen bringt das Dampfen der E-Zigarette mit sich und was steckt eigentlich genau drin? Wir haben nachgefragt bei Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg.

Kein Tabak, kein Teer. Das hört sich ja erst mal für eine Zigarette ganz gut an. Warum ist die E-Zigarette trotzdem bedenklich?
Es gibt eine Reihe von Bedenken, die aufgrund von Untersuchungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde aufgetaucht sind. Es ist also das Produkt der E-Zigarette selbst - also gewissermaßen das Werkzeug, das man braucht um zu verdampfen - oft von schlechter Qualität. Das ist ja Material, das oft aus China kommt. Ob wir jetzt auch in Deutschland eine ähnliche Situation haben, wissen wir schlicht und einfach nicht. Das muss erst noch untersucht werden. Und dann darf natürlich nicht vergessen werden, dass sich auch in dieser E-Zigarette Nikotin befindet. Also es ist nicht so, dass hier nur Aromastoffe sind - die auch zugesetzt werden - sondern es ist natürlich auch das hochgefährliche, suchtmachende und krankheitsmachende Nikotin drin.

Welche Schäden und Nebenwirkungen drohen denn dann, wenn man eine E-Zigarette dampft? Jetzt abgesehen von den Nebenwirkungen, die wir schon vom Nikotin kennen?
Man sollte durchaus die positiven Seiten auch sehen. Nämlich dass die krebsmachenden Eigenschaften, die beim Verbrennen einer Tabakzigarette entstehen - weil ja sehr viele kanzerogenen Stoffe durch den Verbrennungsprozess entstehen - hier natürlich nicht entstehen können. Aber wie schon gesagt, wir wissen nicht, was in diesen chinesischen Produkten drin ist und ob es nicht doch zu gewissen Gefahren kommen kann.

Es gibt einen Marktführer bei E-Zigaretten, Red Kiwi heißt der. Der wirbt mit dem Slogan „Die E-Zigarette ist die weitaus weniger schädliche Alternative im Vergleich zur Tabakzigarette“. Ist das geschickte Lobbyarbeit oder was ist dran an der Aussage?
Man bezieht sich in der Aussage, denke ich, in erster Linie auf die geringere krebsmachende Eigenschaft der E-Zigarette. Und das ist nach Lage der Dinge - es gibt keine Studien dazu – aber nach Lage der Dinge meine ich, nach Allem was wir aufgrund der wissenschaftlichen Situation vorhersagen können schon richtig. Also dass die Kanzerogenität wahrscheinlich zurückgehen wird.

Experten kritisieren ja, dass klare Inhaltsangaben ebenso fehlen würden, wie Hinweise auf Wirkung und Nebenwirkung. Was könnte denn da an bedenklichen Stoffen drin sein?
Also bedenklich sind natürlich auch die Stoffe, die im so genannten Liquid beziehungsweise der Kartusche drin sind. Also das ist der Teil der E-Zigarette, in dem sich die Wirkstoffe und Aromastoffe befinden – und da ist alles mögliche an Zeug natürlich drin. Also eine Reihe von Chemikalien unter anderem Propylenglycol, was von der deutschen Gesellschaft für Lungenheilkunde als sehr bedenklich angesehen wurde. Man darf ja nicht vergessen, das jetzt Stoffe, die – man sagt da immer, die sind sehr ungefährlich, weil sie beispielsweise in vielen Lebensmitteln drin sind – jetzt plötzlich in die Lunge kommen. Das ist ja zunächst mal nicht vorgesehen, dass dieses Propylenglycol in die Lunge eingeatmet wird und da hat sich die deutsche Gesellschaft für Lungenheilkunde ganz eindeutig dagegen ausgesprochen.

Viele dampfen ja die E-Zigarette, weil sie eigentlich aufhören wollen zu rauchen. Können E-Zigaretten denn beim entwöhnen helfen?
Zunächst muss man hier auf ein rechtliches Problem hinweisen. Die E-Zigarette darf in Deutschland nicht vermarktet werden als Entwöhnungsmittel. Denn Entwöhnungsmittel sind nach deutschem Arzneimittelgesetz apothekenpflichtig. Das heißt Sie brauchen eine Arzneimittelzulassung. Also darf in Deutschland keine Firma mit dieser Indikation, wie wir sagen, überhaupt werben. Aber es ist natürlich de facto schon so, dass man einen Entzug mit dieser Zigarette machen kann. Aber man muss das dann schon sehr geschickt machen. Man muss ein Gespür dafür entwickeln, denn man dosiert ja das Nikotin selbst. Man tropft ja aus einer Lösung – aus dem so genannten Liquid – in die elektronische Zigarette und da können natürlich auch Fehler passieren. Also das Ganze ist schon ein Vabanquespiel, das aus meiner Sicht also äußerst gefährlich ist. Und deswegen bin ich kein Befürworter dieses Produktes.

Gute Vorbereitung auf ein rauchfreies Leben

  • Unterstützung: Informieren Sie Freunde, Bekannten und Familienangehörigen über Ihren Entschluss. So geraten diese nicht in Versuchung, Ihnen eine Zigarette anzubieten.
  • Motivation: Machen Sie eine Liste aller Gründe, warum Sie mit dem Rauchen aufhören möchten. Hängen Sie diese gut sichtbar an den Stellen auf, an denen Sie üblicherweise geraucht haben.
  • Organisation: Entsorgen Sie restliche Zigaretten sowie Streichhölzer und Feuerzeuge. Verbannen Sie die Aschenbecher aus Ihrem Blickfeld. Gönnen Sie sich eine professionelle Zahnreinigung. Waschen Sie Vorhänge und Kissen, damit sie nicht mehr nach Rauch riechen. Lüften Sie Kleidung und Wohnung ordentlich durch.
  • Einkauf: Viel trinken ist jetzt wichtig. Halten Sie also genügend Mineralwasser bereit. Versorgen Sie sich gegen etwaige Hungergefühle mit viel frischem Obst der Saison. Deponieren Sie überall dort zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons, wo Sie früher Zigaretten hatten.

IKK-Angebote

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