Osteopathie: Sanftes Heilen mit den Händen

Versicherte der IKK classic können osteopathische Leistungen in Anspruch nehmen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser ganzheitlichen, alternativmedizinischen Heilmethode? Kann sie eine sinnvolle Ergänzung zur ärztlichen Therapie sein?

Der erste Besuch beim Osteopathen hinterlässt meist ungläubiges Staunen: Das bisschen Berührung soll helfen? Hier ein leichter Kniff im Nacken, dort am Zeh – und ein zarter Druck an Kopf oder Kreuzbein: Ein Osteopath behandelt einzig und allein mit seinen Händen. Obwohl diese Handgriffe manchmal kaum merklich sind, spüren geschulte Osteopathen damit eine ganze Menge auf. Jahrelange Erfahrung auf dem eigenen Fachgebiet sowie geballtes Wissen in Anatomie, Physiologie, Biochemie und Mechanik, um nur einige Bereiche zu nennen, machen dies möglich. Bisher sind die Ausbildungen allerdings noch nicht einheitlich geregelt und selbst der Begriff Osteopath ist europa- und weltweit teilweise unterschiedlich besetzt.

Wie behandelt ein Osteopath?

Aus osteopathischer Sicht funktioniert unser Körper wie ein Gedächtnis. Daher ist ein ausführliches Vorgespräch über die Krankheitsgeschichte, also die Anamnese, besonders wichtig: Gibt es akute Probleme? Eventuell chronische Erkrankungen? Selbst Unfälle, die im Kindesalter stattfanden und inzwischen fast vergessen sind, spielen hier eine Rolle. Jede noch so kleine Information kann von Belang sein. Bevor der Osteopath jedoch Hand anlegt, sollten alle Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Nach gründlicher Bestandsaufnahme wird dann im wahrsten Sinne des Wortes behandelt – der Therapeut ertastet mittels seiner Hände selbst kleinste Blockaden und löst sie gleichzeitig. Damit versetzt er den Körper in die Lage, sich eigenständig regenerieren zu können. Für die Behandelten sind nach der ersten Sitzung vielfach bereits Verbesserungen oder zumindest Veränderungen innerhalb des Körpers spürbar. Nach ungefähr drei bis vier Sitzungen, die in der Regel im wöchentlichen Abstand stattfinden, ist der Körper meist so weit stabilisiert, dass die Behandlung beendet werden kann.

Behandlungsfelder der Osteopathie

Die Osteopathie ist ganzheitlich ausgerichtet und hat den Ansatz weder Krankheiten noch Symptome, sondern Funktionsstörungen und Blockaden im Körper zu bekämpfen. Durch die Behebung dieser Probleme soll die Gesundheit wiedererlangt werden. Osteopathen behandeln unterschiedlichste Beschwerden.

Behandlungsfeld

Anwendungsbeispiele

Bereich des Bewegungsapparates

Gelenk-, Muskel- und Sehnenprobleme, Beschwerden wie Hexenschuss, Ischias, Schleudertrauma und Verstauchung

Internistischer Bereich

Atemprobleme, Sodbrennen, Organsenkung, Operationsfolgen wie Narben und Verwachsungen und funktionelle Herzbeschwerden

Hals-Nasen-Ohren-Bereich

Kopfschmerzen, Migräne, Nasennebenhöhlenentzündung, chronische Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Schwindel, Tinnitus, Kiefergelenksproblematik, Bissregulation

Urogenitaler Bereich

Menstruationsbeschwerden, Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung und -nachsorge, klimakterische Beschwerden, Inkontinenz

Kinderheilkunde

Geburtsbedingte Schädel- und Gesichtsverformungen, Schiefhals, Skoliose, Hüftdysplasie, Spuckkind, Entwicklungsverzögerungen, Lern- und Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität

Osteopathie soll zu einer Verbesserung des Nerven- und Hormonsystems beitragen, sodass körperliche und emotionale Auswirkungen von Stress vermindert und langfristig das Immunsystem und somit die gesamte Gesundheit gestärkt werden sollen.

Stichhaltige Forschungsergebnisse über Behandlungserfolge innerhalb der Osteopathie gibt es derzeit noch nicht. Auch wenn viele Ansätze medizinische bzw. naturwissenschaftliche Erkenntnisse untermauern – einige widersprechen auch wissenschaftlicher Lehrmeinung. Gewissenhaft ausgeübte Osteopathie kann aufgrund ihrer sanften Methodik und ihres ganzheitlichen Prinzips ein möglicher Weg sein, um Beschwerdefreiheit zu erlangen. Allerdings: Gänzlich frei von Nebenwirkungen ist auch sie nicht. Bereits vorgeschädigte Bereiche können bei nicht fachgerechter Behandlung weitere Schädigungen erfahren.  

Für Kinder geeignet?

Kinder richtig zu behandeln ist oft kein leichtes Unterfangen. Ganz besonders dann, wenn sie sich noch nicht verständlich machen können. Zunächst sollte deshalb der Kinderarzt oder ein erfahrener Physiotherapeut zurate gezogen werden, der sich auf Säuglinge und Kinder spezialisiert hat. In Absprache mit ihnen können spezialisierte Kinderosteopathen auf diesem Gebiet vielfach Abhilfe schaffen. Sie vereinen ihr Wissen um die normale Entwicklung eines Kindes mit der sorgfältigen Überprüfung des gesamten Körpers innerhalb der osteopathischen Behandlung, zum Beispiel bei typischen Säuglings- oder Kinderbeschwerden wie Geburtskomplikationen, Koliken, Schiefhals und sogenannten Schrei- bzw. Spuckkindern. Aber auch bei Lern- und Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Allergien können versierte Osteopathen neben Kinderärzten sinnvolle Ansprechpartner sein.  

Geschichte der Osteopathie

Die Osteopathie wurde bereits 1874 von dem amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still als sogenannte „neue Wissenschaft“ begründet. Er gab der Methode 1885 auch den Namen osteopathy, zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern osteon (Knochen) und pathos (Leiden). Mit dem Bereich Knochen hatte Still begonnen, um besonders häufige Beschwerden seiner Patienten zu lindern. Auch heute noch stellt sein Behandlungskonzept, das Gelenke, Muskeln und Bindegewebe betrifft, einen der drei großen Bereiche innerhalb der Osteopathie dar. Als zweiter Bereich folgte später eine Erweiterung um die inneren Organe. Zuletzt ergänzte ein Schüler Stills die Osteopathie um den Schädel- und Kreuzbein-Bereich, der inzwischen auch unter der Bezeichnung Cranio-Sacral-Therapie als eigenständige Therapieform Anwendung findet. Die Osteopathie bedient sich aller drei Arten – wird aber gleichzeitig immer noch weiter erforscht und ausgebaut.

Fachliche Kompetenz gefragt

Voraussetzung für den Erfolg einer osteopathischen Behandlung ist das Können und die fachliche Kompetenz des Therapeuten. Er benötigt neben einem fein entwickelten Tastsinn fundierte Kenntnisse der Anatomie, Physiologie, Mechanik, Biochemie und Embryologie und muss die verschiedenen osteopathischen Techniken beherrschen. Osteopath dürfen sich in Deutschland nur Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten nennen, die eine spezielle Qualifikation erworben haben.

IKK-Angebot

Die IKK classic beteiligt sich im Rahmen des IKK Gesundheitskontos an den Kosten einer osteopathischen Behandlung.