Alles schweißegal?

Warum wir schwitzen

Ob im Büro, beim Sport oder in der Bahn – wird es uns zu warm, schwitzen wir. Das kann manchmal unangenehm werden. Doch warum stinkt Schweiß überhaupt?

Dabei ist Schwitzen eigentlich etwas Gutes, denn unser Schweiß hat mehrere wichtige Funktionen:

  • Verdunstet Schweiß auf unserer Haut, kühlt er das Blut in den Kapillaren (kleine Gefäße) und dadurch unseren Körper. Wissenschaftlich nennt sich das Thermoregulation. Der Schweiß ist quasi die Kühlflüssigkeit unserer körpereigenen Klimaanlage, die uns vor einer lebensgefährlichen Überhitzung schützt. An einem langen, bewegungsreichen Tag können das mehrere Liter werden.
  • Nicht nur die Nieren, auch der Schweiß hilft uns beim Entgiften. Über ihn scheiden wir verschiedenste Giftstoffe aus. Deshalb schwitzen wir beispielsweise nach verstärktem Alkoholkonsum. Und nicht umsonst fühlen sich viele Menschen nach einem Sauna-Gang erholt und berichten über positive körperliche Auswirkungen.
  • Schweiß sorgt für eine geschmeidige Haut und einen intakten Säureschutzmantel: Er erhöht die Hautfeuchtigkeit und hat spezielle Inhaltsstoffe, die die Wasserbindungsfähigkeit der Hornschicht stabilisieren. Gleichzeitig verhindert er durch seinen leicht sauren pH-Wert, dass sich Bakterien und Pilze auf unserer Haut vermehren und uns eventuell krank machen können.

Individueller Geruch

Wer wie riecht, ist genetisch festgelegt, besonders die Art der Hautbakterien macht den individuellen Geruch aus. Zusätzlich haben Ernährung und Gesundheitszustand Einfluss auf unseren Geruch. Doch ob wir jemanden „riechen können“ oder nicht, hängt häufig weniger vom Schweißgeruch selbst als von den darin enthaltenen Pheromonen ab, den für die Partnerwahl unverzichtbaren Sexual-Lockstoffen. Über den Duft eines Mannes erkennt eine Frau, ob sein Immunsystem ihres ergänzt, um besonders widerstandsfähige Nachkommen zu zeugen.

Frischer Schweiß ist übrigens zunächst völlig geruchslos. Erst wenn wir ihn länger mit uns herumtragen, beginnt er zu stinken. Das liegt daran, dass die im Schweiß enthaltenen Bestandteile wie Milchsäure, Harnstoff, Harnsäure und verschiedene langkettige Fettsäuren durch die auf unserer Haut wohnenden Bakterien zersetzt werden. Diese Geruchsproduktion funktioniert besonders effektiv, wenn die Mikroben mit dem Schweiß in die Kleidung gelangen. Allerdings gibt es Unterschiede: Verschwitzte Textilien aus Polyester riechen strenger als solche aus Baumwolle, da sich dort die geruchsbildenden Hautkeime stärker vermehren. Komplett verhindern lässt sich der Schweißgeruch leider nicht. Rasiert man sich jedoch die Achselhaare, um es den Bakterien weniger gemütlich zu machen oder benutzt ein Deodorant, kann der Gestank deutlich reduziert werden.

Wenn es zu viel wird

Manche Menschen schwitzen allerdings auch, obwohl ihnen gar nicht heiß ist. Für solche Fälle gibt es verschiedene Lösungen:

  • Als einfachstes, kostengünstigstes und effektivstes Mittel haben sich so genannte Antitranspirante erwiesen. Im Gegensatz zu „einfachen“ Deodorants enthalten sie einen hohen Anteil Aluminiumchlorid, das die Schweißdrüsen verengt. Sie werden vor dem Zubettgehen aufgetragen, sodass der Wirkstoff über Nacht gut eindringen kann. Meist erfolgt bereits nach wenigen Tagen ein Verbesserungseffekt. Da Produkte mit Aluminiumchlorid die Haut leicht reizen können, sollte auf besondere Verträglichkeit geachtet werden.
  • Alternativen sind die Leitungswasseriontophorese (Gleichstrombehandlung an Händen und Füßen), die Einnahme von Medikamenten (sog. Anticholinergika), das Spritzen von Botox in betroffene Körperregionen oder operative Eingriffe an den Schweißdrüsen.

Aufgrund der oft starken Nebenwirkungen der unterschiedlichen Varianten und der individuellen Ursachen ist eine ausführliche Untersuchung verbunden mit einem Beratungsgespräch beim Dermatologen für Betroffene Voraussetzung.