Kinderwunsch: Tipps für's Schwangerwerden

Die Sehnsucht nach einem eigenen Kind kann schmerzvoll sein, wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt. Doch die moderne Reproduktionsmedizin kennt viele Wege, um Betroffenen zu helfen. 

Für die meisten Paare ist es ein aufregender Moment, wenn sie beschließen, eine Familie zu gründen. Allerdings ist die Befruchtung ein komplexer Vorgang, sodass auch gesunde Paare häufig ein bis zwei Jahre auf eine Schwangerschaft warten. Erst nach dieser Zeit ist es sinnvoll, zum Arzt zu gehen. Das gilt übrigens für beide Partner, denn die Gründe für das Ausbleiben einer Schwangerschaft sind in etwa gleich auf die Geschlechter verteilt.

Ursachen und Methoden

In Phasen mit übermäßigem Stress, starken psychischen oder körperlichen Belastungen, durch den Genuss von Alkohol oder Nikotin sowie durch Über- oder Untergewicht kann sich die Fruchtbarkeit vorübergehend vermindern. Solche allgemeinen Ursachen können Sie gut selbst beeinflussen.  

Daneben hängt bei Frauen Unfruchtbarkeit in etwa einem Drittel der Fälle mit einer hormonellen Störung zusammen. Mit einer Hormonbehandlung kann bei vielen Betroffenen die Eizellreifung angeregt werden. Pro Behandlungszyklus hat die Frau dann eine Chance von zehn bis 20 Prozent, auf normalem Wege schwanger zu werden.

Unfruchtbare Männer produzieren häufig keine ausreichende Zahl an intakten Spermien. Oft kann hier eine Samenübertragung (Insemination) helfen. Dabei wird das Ejakulat aufbereitet und kurz vor dem Eisprung über einen dünnen Schlauch direkt in den Gebärmutterhals der Frau gebracht. Nach mehreren Behandlungszyklen tritt so in bis zu 40 Prozent der Fälle eine Schwangerschaft ein.

Die künstliche Befruchtung, auch In-vitro-Fertilisation (IVF) genannt, wird unter anderem angewendet, wenn die Eileiter der Frau verschlossen sind, eine gutartige Wucherung (Endometriose) im Bereich der Fortpflanzungsorgane vorliegt, es Schwierigkeiten mit den Spermien des Partners gibt oder die oben genannten Verfahren nicht ausreichen. Nach der Hormonbehandlung der Frau werden kurz vor dem Eisprung mehrere Zellen entnommen und in einem Glasschälchen mit den Spermien des Mannes zusammengebracht. Sollte die Spermienqualität für dieses Verfahren nicht ausreichen, suchen die Embryologen ein einzelnes hochwertiges Spermium heraus und injizieren es direkt in die Eizelle (intrazytoplasmatische Spermieninjektion, ICSI).

Ist der Samenleiter des Mannes verschlossen, werden die Spermien direkt aus dem Hoden entnommen („Testicular Sperm Extraction“ TESE oder „Microsurgical Epididymal Sperm Aspiration“, MESA). Allerdings kommt es auch vor, dass gar keine Spermienproduktion stattfindet, dann bleibt nur noch eine Befruchtung mit Spendersamen.

Hat die Befruchtung funktioniert, werden ein bis drei Embryonen herangereift und in die Gebärmutterhöhle der Frau eingesetzt. Wird nur ein Embryo verpflanzt, gelingt in fünf (ICSI) bis 25 (IVF) Prozent der Fälle eine Schwangerschaft. Bei Verwendung mehrerer befruchteter Eizellen liegt die Erfolgsrate höher, allerdings auch das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft mit ihren möglichen Komplikationen. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Kryokonservierung – sowohl weibliche als auch männliche Keimzellen können eingefroren werden, um sie Jahre später zu verwenden. Ein medizinischer Grund hierfür ist unter anderem eine bevorstehende Tumortherapie.

Abenteuer Baby

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Experten-Interview

Bei unerfülltem Kinderwunsch treten viele Fragen auf. Einige davon haben wir Prof. Dr. med. Christian J. Thaler im April 2014 gestellt. Er ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Nehmen mehr Paare als früher eine künstliche Befruchtung in Anspruch? Grundsätzlich geht die Tendenz tatsächlich nach oben, was vor allem damit zusammenhängt, dass viele Frauen heute älter sind, wenn sie sich für Kinder entscheiden.

Was ist denn das perfekte Alter zum Kinderkriegen? Biologisch gesehen ist es besser, jung zu starten, weil die Fruchtbarkeit mit jedem Jahr sinkt. Die Diskussionen um Altersgrenzen führen allerdings in eine falsche Richtung. Denn entscheidend ist das sogenannte ovarielle Alter. Das heißt: Wie groß ist die Reserve an heranreifenden Eizellen? Es gibt Frauen, die haben schon mit Mitte Dreißig kaum noch eine Chance, auf natürliche Weise schwanger zu werden.

Derzeit wird das Social Freezing stark diskutiert, also das Einfrieren von Eizellen, um sicherzugehen, dass eine Schwangerschaft später noch möglich ist. Ja, das nimmt natürlich die zeitliche Dramatik aus der Situation. Meiner Meinung nach kann das aber nicht die Lösung sein. Eine Gesellschaft muss darüber nachdenken, wie beispielsweise Familie und Beruf besser zu vereinbaren sind.

Warum bleiben manche Paare trotz des medizinischen Fortschritts ohne Kinder? Das größte Problem ist es für uns, wenn die ovarielle Reserve zu klein ist. Denn das Spenden von Eizellen ist in Deutschland verboten. Umgekehrt können wir nichts machen, wenn ein Mann keine Spermien produziert. Spendersamen ist zwar möglich, aber viele Paare lehnen ihn ab.

Rechnen Sie für die Zukunft mit entscheidenden Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin? Durchaus, und zwar vor allem in zwei Bereichen: Zum einen sind bei einer Frau bei der Geburt mehrere Millionen Eizellen angelegt, von denen aber nur einige Hundert im Laufe ihres Lebens heranreifen. Wir suchen daher nach Wegen, diesen Prozess zu beeinflussen, sodass ein größerer Anteil der primär angelegten Eizellen für eine Schwangerschaft zur Verfügung stehen kann. Zum anderen wird es durch die Stammzellentherapie vielleicht irgendwann möglich sein, andere Körperzellen zu Keimzellen weiterzuentwickeln, also Eizellen und Spermien quasi herzustellen.

IKK-Leistungen

Die IKK classic bietet in der Schwangerschaft mehr als die üblichen Leistungen, zum Beispiel: