Outdoorspiele für Kinder: Coole Spiele in der Natur

Kinder brauchen Sport und Spiel für ihre körperliche und geistige Entwicklung. Es gibt auch abseits des Fußballs zahllose, coole Ideen für Spiele mit der ganzen Familie im Freien: Vom Ogo-Spiel über den Waboba-Wasserspringball bis zum Geocaching. Wenn es draußen immer wärmer wird, machen Outdoorspiele jede Menge Spaß. Und dass sich Kinder in der Natur bewegen, ist für ihre Entwicklung essenziell.

Lediglich ein Viertel der 3- bis 17-jährigen Kinder in Deutschland sind nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts eine Stunde pro Tag körperlich aktiv. Genau diese Zeit empfiehlt die Weltgesundheits-Organisation WHO. Die Resultate der Bewegungsarmut sind spürbar: Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder Allergien werden schon im Kindesalter ein immer größeres Problem in Deutschland. Wie man ein Smartphone bedient, wissen die meisten Kids, wie man einen Ball fängt oder auf einen Baum klettert, immer weniger.

„Das hat alles damit zu tun, dass die Lebensbedingungen nicht mehr ‚artgerecht‘ sind. Spiel und Bewegung kommen für Kinder einfach zu kurz“, sagt Dr. Dieter Breithecker. Der Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. fordert, dass sich Kinder wieder mehr in der Natur bewegen (siehe auch ausführliches Interview): „Sie müssen mit der Natur in Verbindung stehen. Dort sammeln sie auch unter anderem durch das Tageslicht, die frische Luft, die Akustik, das Anfassen von diversen Materialien wichtige Entwicklungsreize. Vielseitige Körpererfahrungen beanspruchen Muskeln, Herz, Kreislauf, Knochen und fördern die geistige Entwicklung. Wir Menschen, vor allem die heranwachsenden Organismen, brauchen Reizsetzungen, um uns weiterzuentwickeln.“ Das Motto heißt deshalb: „Rausgehen, bewegen, spielen!“

Der Spieltrieb ist Kindern angeboren. Durch Spielen erlernen sie wichtige motorische und soziale Grundkompetenzen. Zugleich beweisen diverse wissenschaftliche Studien, dass Bewegung das Denken und die Entwicklung des Gehirns fördern. Auf eine einfache Formel gebracht: Wer sich bewegt und in der Natur spielt, hat in der Schule auch bessere Chancen auf eine Leistungsverbesserung in ungeliebten Unterrichtsfächern. Das hat etwas mit der Zehntausende Jahre alten Programmierung des menschlichen Gehirns zu tun – schon von den Höhlenmenschen wurden geistige Höchstleistungen vor allem im Zusammenhang mit körperlichen Aktivitäten (zum Beispiel bei der Jagd, Schutz vor Raubtieren) gefordert.

Kinder sollten also nicht wie junge Erwachsene behandelt werden, sondern die Erwachsenen stattdessen wieder ein Stück zu Kindern werden. Gemeinsame Spiele fördern den sozialen Zusammenhalt in der Familie, dienen der Gesunderhaltung und machen natürlich auch jede Menge Spaß. „Mit Bällen spielen ist wichtig. Es muss aber nicht immer Fußball sein. Diverse Ballspiel die mit Händen und Füßen absolviert werden, fördern die koordinative Entwicklung auf vielfältige Weise. Alles sollte aber auf spielerische Weise erfolgen ohne zu streng reglementierendes Regelwerk“, sagt Breithecker. Wir haben eine Liste mit coolen Spielideen für Jung und Alt in der Natur abseits des Fußballs zusammengestellt. Nachmachen erwünscht!

Zehn coole Outddorspiele für Kinder

Zum Set gehören zwei scheibenförmige Schläger ohne Griff, die aus einem mit einem elastischen Netz bespannten Schaumring bestehen, plus ein Kautschukball. Der wird durch die elastischen Netze des Schlägers richtig schnell hin- und herkatapultiert. Das fördert auch das Reaktionsvermögen. Die Schaumring-Schläger können zudem noch alternativ als Wurfscheibe verwendet werden.

Das ist quasi die Weiterentwicklung des Fitschens von flachen Steinen auf der Wasseroberfläche. Der Waboba-Wasserspringball hüpft wie ein Flummi auf dem Wasser entlang – egal ob im Pool, Freibad oder See. Man kann sich den Ball einfach zuwerfen und fangen üben oder in einem Duell versuchen, den hüpfenden Ball am „Torhüter“ vorbeizubringen – tolle Kopfsprung-Paraden inclusive.

Wenn man so will, ist dies die Schatzsuche für die Computer-Generation, eine Schnitzeljagd mit GPS-Empfänger. Die Verstecke werden mit ihren GPS-Koordinaten entweder im Internet veröffentlicht oder einfach aufgeschrieben. Dann begeben sich die Sucher mit GPS-Geräten, Smartphones oder alternativ auch mit sehr genauen Landkarten auf die Jagd nach dem „Schatz“ bzw. das Logbuch, in dem sich die Geocacher verewigen können. Ein Spaß für die ganze Familie.

Zwei Teams versuchen durch genaue Würfe die aufgestellten Kanthölzer des Gegners umzuwerfen. Das schult die Genauigkeit beim Werfen. Wer zuerst alle abgeräumt hat, muss noch den König in der Mitte des Spielfeldes treffen und umwerfen. Wird der aus Versehen schon zuvor getroffen, ist das Spiel verloren. Kann fast überall im Freien gespielt werden, wo Platz ist.

Die sommerliche Variante des Volleyballs: Baggern, pritschen, schmettern und blocken an der frischen Luft – und dazu kann man sich noch so richtig schön in den Sand werfen. An immer mehr Seen und in Freibädern (und sogar in der Halle) gibt es Beachvolleyballplätze mit Netzen. Man kann sich aber auch einfach am Strand den Ball zuspielen – und anschließend zusammen ins Wasser springen.

Hat Sie Ihr Kind auch schon mal gefragt, ob Sie Hand- oder Kopfstand können? Sie können es ja mal zusammen versuchen. Einfach eine Gymnastik- oder Isomatte mit ins Freie nehmen und eine Turnstunde einlegen. Mal schauen, ob die Kinder oder die Erwachsenen besser einen Purzelbaum machen oder ein Rad schlagen können.

Der Spaziergang am Wochenende wird vor allem für die Kinder schnell langweilig. Warum also nicht einmal völlig verrückte Laufstile ausdenken? Kaffeebohnen mit einem Fuß hinter dem anderen machen, wild rumspringen und dabei pfeifen, Rückwärtslaufen und mit den Armen wedeln – es gibt endlos viele Möglichkeiten. Wer nach Meinung aller Beteiligten den verrücktesten Stil kreiert hat, gewinnt. Sie können das Spiel den Nachbarn ja später erklären, falls die etwas komisch schauen sollten…

Hier gibt es viele Varianten: Zum Beispiel kann man bei einer Wanderung in den Bergen ein Ziel ausmachen; wer zuerst ankommt, erhält einen Preis. Sie werden sich wundern, wie schnell Ihre erschöpften Kinder plötzlich laufen können. Ähnliche Wettkämpfe können auch beim Bouldern oder Klettern in der Kletterhalle veranstaltet werden. Natürlich nur mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen!

Ob auf der Wiese oder am Strand – die beiden traditionellen Spiele sind immer ein Renner. Beim Federball kann man zum Beispiel versuchen, das Spielgerät so lange wie möglich in der Luft zu halten und neue Rekorde aufzustellen. Beim Frisbee kann man sich in zwei Mannschaften aufteilen und Tore markieren. Besonders spannend wird die Sache, wenn der Wind ins Spiel kommt.

Ein bisschen Zirkus im Garten: Üben Sie mit Ihren Kindern Jonglieren. Ob mit Bällen, Äpfeln, Tellern oder allem zusammen. Mal seh’n, wer es am Ende besser hinbekommt und möglichst viele Sachen möglichst lange unfallfrei in der Luft halten kann. Das schult die Auge-Hand-Koordination und macht außerdem jede Menge Spaß.

Interview: „Kinder brauchen drei bis vier Stunden Bewegung pro Tag“

Bewegung und Spielen in der Natur ist für Kinder essenziell bei Ihrer Entwicklung und auch für Erwachsene extrem wichtig. Das beweisen zahlreiche wissenschaftliche Studien, wie Dr. Dieter Breithecker verrät. Er ist Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. (BAG), die sich seit 1961 für die Gesundheit, Entwicklung und Bewegung durch Bildung einsetzt. Sein Motto: „Stillsitzen bedeutet Stillstand im Kopf.“

Wie wichtig ist die Förderung von Bewegung und Spielen mit Kindern gerade in der heutigen Zeit?

Breithecker: „Kinder werden heutzutage von der Schule und ihren Eltern durchorganisiert, dazu verbringen viele immer mehr Zeit mit Fernsehen und Smartphone. Das hat negative Auswirkungen. Es gibt immer mehr Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Allergien und Kinder mit motorischen Auffälligkeiten. Wir registrieren steigende Zahlen von Hyperaktivität und sogar Depressionen schon bei Kindern. Das hat alles damit zu tun, dass die Lebensbedingungen nicht mehr ‚artgerecht‘ sind. Spiel und Bewegung kommen für Kinder einfach zu kurz. Sie werden wie junge Erwachsene behandelt – das ist falsch.“

Wie viele Stunden Sport und Spiel sollten es pro Tag sein?

Breithecker: "Es gibt ja die Empfehlung von einer Stunde Bewegung pro Tag. Aber das reicht bei Weitem nicht aus. Kinder brauchen drei bis vier Stunden Bewegung pro Tag, davon sollte circa eine Stunde eine sportliche Belastung beinhalten, der Rest körperliche Alltagsaktivitäten im Freien. So sollten Kinder wenn möglich zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Roller oder Fahrrad fahren. Erwachsene benötigen für den Erhalt ihrer Gesundheit etwa eine Stunde pro Tag. Auch sie sollten sich zwingen, zwei U-Bahn-Stationen eher auszusteigen und den Rest zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Oder Gartenarbeit zu machen. Für unsere physiologischen Stoffwechselprozesse ist es wichtig, dass wir uns regelmäßig auf den Alltag verteilt bewegen. Das beweisen auch neueste wissenschaftliche Studien.

Warum ist das so?

Breithecker: „Das liegt einfach in der Natur, das heißt in unserer Entwicklungsgeschichte begründet. Jede muskuläre Aktivität setzt vielfältige metabolische Prozesse frei, die für gesunde biologische Funktionen, für unser Immunsystem und unsere Gehirnaktivität von grundlegender Bedeutung sind. Man kennt das ja besonders von Kindern, die einfach nicht ruhig sitzen können und ständig kippeln. Die Eltern oder Lehrer schimpfen dann meistens, dabei ist das für die Kinder zum körperlichen und geistigen ‚Überleben‘ in der Schule wichtig. Das Gehirn braucht die Bewegung zum Denken. Grundschuldkinder können im Durchschnitt nicht länger als eine Minute stillsitzen. Stillsitzen bedeutet Stillstand im Kopf. Deshalb gibt es von uns auch das Programm ‚bewegungsfördernde Schule‘, das Lernräume so verändert, dass Bewegung während des Schulalltages zur Regelmäßigkeit wird."

Warum ist besonders Spielen so wichtig für Kinder?

Breithecker: „Kinder haben ein natürliches Spielbedürfnis. Sie gehen nicht raus um sich zu bewegen, sondern um spielerisch mit anderen Kindern die Welt zu erkunden, zu entdecken und ihre Neugierde zu befriedigen. Dazu nutzen sie ihren Körper und sammeln so ganz nebenbei wichtige Körper- und Bewegungserfahrungen, die wiederum die geistige Entwicklung unterstützen. Da sie das am liebsten mit anderen Kindern machen, entwickeln sich hier bereits grundlegende soziale Kompetenzen. Nehmen wir zum Beispiel mal ein Fußballspiel auf einer Wiese, wo man sich links und rechts Tore mit Taschen oder Jacken aufbaut. Da kommt oft die Frage auf: War es nun ein Tor oder keins? Wenn man sich da nicht untereinander arrangiert, geht das Spiel nicht weiter. Das sind soziale Lernerfolge, die das Kind auch auf das Leben vorbereiten, wenn es darum geht, Kompromisse zu machen.

Es ist also für die kindliche Entwicklung essentiell, dass Kinder sich vielseitig und mit anderen gemeinsam draußen in der Natur spielend bewegen. Da gibt es vielfältige Herausforderungen, die die Entwicklung als Ganzes fördern. Wird dagegen in der Ganztagesschule oder bereits im Kindergarten eine Stunde Yoga in der Halle angeboten, ist das ein falscher Ansatz. Wir brauchen so viel Natur wie möglich, das ist unser Erbgut. Heutzutage haben schon zu viele ein "Natur-Defizit-Syndrom". Alles ist künstlich."

Wie wichtig sind die Eltern bei der Bewegungs- und Spielförderung?

Breithecker: „Die Vorbildfunktion der Eltern ist ganz entscheidend. Es ist schlecht, wenn sie nur passiv auf der Couch sitzen, stattdessen sollten sie viel Zeit draußen verbringen. Gemeinsam mit den Kindern in den Wald gehen und sich auch auf die entdeckenden Bedürfnisse der Kinder einlassen: Auf dem Baumstamm balancieren, Stöcke schnitzen, testen, welcher Stein im Wasser am weitesten springt – das sind konkrete Erfahrungen, die in ein heranreifendes Gehirn einprogrammiert werden. Und wenn sie zum Beispiel zusammen gemeinsam ein Baumhaus bauen, werden die Kinder dieses spannende Erlebnis immer dem Computer oder dem Smartphone vorziehen."

Sollte man die Nutzung der neuen Medien gänzlich verbieten?

Breithecker: Nein, aber man sollte die Zeit limitieren. Natürlich haben Handy und Computer eine Faszination. Das darf aber nur eine Ergänzung zu den Erfahrungen in der Natur sein.

Welche Spiele empfehlen Sie besonders?

Breithecker: „Mit Bällen spielen ist wichtig. Es muss aber nicht immer Fußball sein. Diverse Ballspiele, die mit Händen und Füßen absolviert werden, fördern die koordinative Entwicklung auf vielfältige Weise. Alles sollte aber auf spielerische Weise erfolgen ohne zu streng reglementierendes Regelwerk. Bis zum 10. oder 11. Lebensjahr ist vor allem Vielseitigkeit beim Spielen wichtig.“