Pubertät: Eine spannende Zeit

„Pubertät ist die Zeit, wenn die Eltern komisch werden“ lautet ein witziger Spruch. Einerseits ist diese Phase des Heranwachsens das Normalste auf der Welt, andererseits können Eltern und Kinder an den Rand der Verzweiflung gelangen. Mit einem guten Polster an Liebe und Vertrauen sowie einer Prise Humor und Gelassenheit lässt sich die Pubertät der Kinder meist gut bewältigen. Und das Beste an ihr: Sie geht in jedem Fall von ganz alleine vorbei.

Neuorganisation im Gehirn

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass die graue Substanz unseres Gehirns in den Jahren vor der Pubertät einen Wachstumsschub erlebt. Die früher herrschende Ansicht, dass die Hirnentwicklung mit etwa 12 Jahren abgeschlossen sei, ist widerlegt. Vielmehr werden vor Beginn der Pubertät große Mengen neuer Verschaltungen im Gehirn (so genannte Synapsen) gebildet, die für den Transport, die Verarbeitung und das Speichern von Informationen und Emotionen zuständig sind. Danach wird ein großer Teil dieser Synapsen – nämlich die wenig benutzten – wieder gekappt. Das Gehirn ist in dieser Zeit zu Höchstleistungen bereit und arbeitet bis zu 30-mal schneller als vorher. Nie sonst im Leben sind Menschen so offen und bereit, Gelerntes zu prüfen und sich für Neues zu entscheiden. Über mehrere Jahre reift das Gehirn zu einer effizienten Denkmaschine heran – es wird erwachsen.

Herz, Hirn und Humor können helfen

Die nicht immer leichte Aufgabe der Eltern besteht darin, die Kinder loszulassen und ihnen dabei dennoch Halt zu geben. Die Jugendlichen, mit großen körperlichen und seelischen Veränderungen konfrontiert, sind auf der Suche nach einem neuen und stabilen Selbst- und Weltbild. Bei dieser Suche sind sie auf elterliche Unterstützung angewiesen und wollen doch gerade diese nicht in Anspruch nehmen. Sie möchten unabhängig und eigenständig sein und möglichst alles anders machen als die Elterngeneration. Sie lösen sich aus der engen emotionalen Bindung zu den Eltern und suchen nach neuen Vorbildern. In der Zwischenzeit schweben sie gleichsam im luftleeren Raum: Ohne den gewohnten Halt im Elternhaus, aber auch noch ohne neue stabile Bindungen sind sie auf der Suche nach dem für sie richtigen Lebensentwurf, nach einem eigenen Wertesystem und einer individuellen Identität.

Eltern müssen unterscheiden lernen zwischen dem für Erwachsene manchmal unverständlichen Musik- oder Kleidergeschmack einerseits und ernsthaft gefährlichen Milieus, die das elterliche Eingreifen erfordern, andererseits. Da kann es nicht schaden, sich vor Augen zu führen, dass es schon seit der Antike üblich ist, über die Verwahrlosung der nachfolgenden Generation zu lamentieren und gleichzeitig die eigene Jugend durch die rosarote Brille zu betrachten.

Von Bienchen und Blümchen

Ein wichtiger Aspekt der sozial-emotionalen Entwicklung ist das erwachende Interesse an Liebe und Sexualität. Mit der ersten Liebe und den ersten sexuellen Erfahrungen der jungen Menschen umzugehen, fällt Eltern nicht immer leicht. Sie bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen „ansprechbar sein“ und „die intimen Grenzen der Heranwachsenden respektieren„.

Dazu gehört zuallererst natürlich eine Sexualaufklärung, die nicht mit einem einzigen Gespräch als abgeschlossen sein kann. Sexualerziehung ist ein Prozess, der bereits in der Kindheit beginnt und sich dem Informationsbedürfnis der Heranwachsenden anpassen soll. „Gute Eltern“ sind für deren Fragen offen, respektieren aber auch, wenn die Jugendlichen manches doch lieber mit der besten Freundin oder dem besten Freund besprechen möchten. Sexualität ist über die Medien schon im kindlichen Alltag allgegenwärtig. Deshalb ist es besonders wichtig, den Heranwachsenden – auch durch eigenes Vorbild – einen möglichst natürlichen und entspannten Umgang mit diesem Thema zu vermitteln. Der sollte auch dann selbstverständlich sein, wenn der Heranwachsende sich zum Beispiel mehr für das eigene als für das andere Geschlecht interessiert. Eltern sind dann oft verunsichert; brauchen selbst Rat. Hilfreich ist dabei, sich vor Augen zu halten, dass die eigene Identität Ihres Kindes sich nicht nach den Wünschen anderer richtet und Versuche gegenzusteuern fatale Folgen haben können.

Dass Sexualaufklärung im besten Fall nicht nur Fragen der Biologie und der Empfängnisverhütung, sondern auch emotionale Aspekte umfasst, sollte sich von selbst verstehen. In erster Linie geht es doch darum, den Kindern freudvolle, glückliche und gleichzeitig verantwortungsbewusste Beziehungen zu ermöglichen. Last, but not least gehört selbstverständlich auch die Prävention von Infektionskrankheiten wie Aids oder Hepatitis zu den Themen, mit denen die Jugendlichen frühzeitig vertraut gemacht werden sollten.

Dass den Eltern das klärende Gespräch, das Loslassen, aber auch das Setzen von Grenzen leichter fällt, wenn sie auf einen stabilen Grundstock an Vertrauen zurückgreifen können, liegt auf der Hand. Diese Basis wird im besten Fall bereits vor der Pubertät gelegt und kontinuierlich gepflegt. Das gelingt besonders durch regelmäßige Gespräche, vor allem aber durch ehrliches Interesse am Leben der Jugendlichen und durch gemeinsame Unternehmungen, die die Eltern-Kind-Beziehung festigen. Das kann ein Kinoabend von Vater und Sohn genauso sein wie ein Tagesausflug oder die sonntägliche Joggingrunde von Tochter und Mutter. Wenn das Gespräch mit Vater oder Mutter jedes Mal im Streit endet, helfen Patenonkel oder -tante sicher gerne weiter. Im Notfall kann man sich auch an eine Beratungsstelle, den Schulpsychologen oder die Frauenärztin wenden.

Berauscht vom Leben

In der Pubertät wollen sich Jugendliche ausprobieren; manchmal auch Suchtmittel. Verantwortungsbewusste Eltern möchten wissen, wie sie richtig reagieren – vorbeugend und im Ernstfall. Wichtige Informationen finden Sie in unserer kostenfreien Broschüre "Berauscht vom Leben... und von nichts anderem".

Suchtmittel-Broschüre downloaden (PDF)

IKK-Leistungen für Jugendliche

Egal, ob es um Gesundheit, Berufswahl oder die 1.000 großen und kleinen Fragen rund ums Erwachsenwerden geht – bei der IKK classic gibt’s für Jugendliche die passenden Leistungen und den richtigen Ansprechpartner:

  • Vorsorge wird großgeschrieben. Die Jugendgesundheitsuntersuchung zwischen 12 und 14 Jahren (J1) gibt’s ganz einfach auf KV-Karte, an der zusätzlichen J2 zwischen 15 und 17 Jahren beteiligt sich die IKK classic im Rahmen des Bonusprogramms.
  • Für alle empfohlenen Schutzimpfungen inklusive der HPV-Impfung für Mädchen bis 17 Jahren übernimmt die IKK classic die Kosten.
  • Die Beratung beim Gynäkologen und die Pille für junge Mädchen und Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr sind kostenfrei. Die Vorlage der KV-Karte genügt.
  • Der IKK Bonus belohnt gesundheitsbewusstes Verhalten und sportliche Aktivitäten mit einem ansehnlichen Zuschuss zum Taschengeld.