Faszination Fußball

Keine Frage: Fußball ist in Deutschland Volkssport Nummer 1. Aber warum ist Fußball eigentlich so beliebt? "Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie das Spiel ausgeht", sagte Bundestrainer Sepp Herberger schon 1954. Die stetigen Erfolge des deutschen Nationalteams genau wie vom deutschen Abonnement-Meister Bayern München – mit über 270.000 Mitgliedern übrigens der mitgliederstärkste Verein der Welt – sind sicher ein Grund für die Popularität des Sports.

Fußball bringt die Menschen zusammen

Es gibt aber auch weitere Gründe: Fußball ist ein gesellschaftliches Phänomen, das einen Großteil der Menschen in Deutschland verbindet. Ob direkt im Stadion, beim Public Viewing, beim gemeinsamen Grillen vor dem großen Fernseher oder beim anschließenden Autokorso – Fußball bringt die Menschen im Onlinezeitalter zusammen. Mindestens 90 Minuten wird gemeinsam in der Realität mitgefiebert. Fußball ist in Zeiten von großen Flüchtlingszahlen übrigens auch einer der wichtigsten Integrationsmotoren – und das hängt auch etwas mit seiner Einfachheit zusammen. Zwei Mannschaften, zwei Tore, ein Ball, leicht verständliche Regeln und das Runde muss ins Eckige; das versteht praktisch jeder. Ein paar Regel gibt es natürlich trotzdem...

Fußballregeln

  • Spielfeld: Zwischen 45 und 90 Metern breit, zwischen 90 und 120 Metern lang. Üblich sind 68 x 105 Meter.
  • Ball: 68 bis 70 Zentimeter Umfang, 410 bis 450 Gramm schwer, früher aus Leder, heute aus Kunststoff
  • Mannschaften: Zwei Teams mit je elf Spielern, einem Torwart und zehn Feldspielern
  • Spielzeit: 90 Minuten (plus Nachspielzeit) unterteilt in zwei Halbzeiten à 45 Minuten, in K.o.-Spielen bei einem Remis noch 30 Minuten Verlängerung, unterteilt in 2 x 15 Minuten
  • Spielerwechsel: Maximal drei pro Spiel und Mannschaft
  • Abseits: Man spricht von Abseits, wenn ein angreifender Spieler beim Pass eines Mitspielers im Moment der Ballabgabe: 1. in der gegnerischen Hälfte ist, 2. der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und 3. der gegnerischen Torlinie mit einem für eine Torerzielung geeigneten Körperteil (nicht Arm oder Hand) näher ist als der vorletzte verteidigende Spieler
  • Elfmeter: Gibt es bei einem Foul oder einem Handspiel eines verteidigenden Spielers im Strafraum, das vom Schiedsrichter entsprechend geahndet wird
  • Spielpositionen: Wird in Torwart, Abwehr, Mittelfeld, Angriff unterteilt Gelbe, Gelb-Rote und Rote Karten: Kann der Schiedsrichter bei Fouls, Handspielen oder disziplinarischen Vergehen verteilen. Bei Gelb-Roter Karte (zwei mit Gelber Karte geahndeter Vergehen) und Roter Karte muss der jeweilige Spieler das Spielfeld sofort verlassen, seine Mannschaft spielt dann in Unterzahl weiter
  • Fouls: Führen zu einem Freistoß für das gegnerische Team, im Strafraum können sie zum Elfmeter führen. Können mit Gelber oder Roter Karte bestraft werden.
  • Schiedsrichter: Ein Schiedsrichter (der Mann mit der Pfeife, der für alle Entscheidungen hauptverantwortlich ist), zwei Linienrichter (zum Beispiel für Abseits zuständig und das Anzeigen von Fouls in ihrer Nähe) und zusätzliche Offizielle an der Seitenlinie, die das Verhalten der Trainer überwachen, Auswechslungen sowie die Nachspielzeit anzeigen
  • Torlinientechnologie „Hawk Eye“: Mit sieben Kameras wird überprüft, ob ein Ball hinter der Linie war. In diesem Fall bekommt der Schiedsrichter ein Signal auf seine Armbanduhr.

Fußball als Integrationshilfe

Auch beim aktiven Fußballspiel braucht es wenig Worte, hier kann man gemeinsam spielen, Spaß haben und auf friedliche Art Aggressionen abbauen. „Mesut Özil oder Jérôme Boateng sind Brückenbauer und wichtige Vorbilder für Migranten: Wer sich anstrengt, kann den sozialen Aufstieg schaffen“, sagt Prof. Dr. Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Fußball ist mit großem Abstand der Sport, den die meisten Menschen in Deutschland aktiv betreiben. Im Jahr 2015 waren laut des Statistik-Portals statista knapp 6,9 Millionen Menschen Mitglied im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Das ist klar der Platz 1 vor dem Deutschen Turner-Bund (gut 4,9 Millionen). Den nach Fußball populärsten Mannschaftssport Handball betreiben nur knapp 800.000 Menschen. Beim Fußball kommt hinzu, dass noch viele Millionen mehr das Spiel einfach so in der Freizeit mit ihren Kindern betreiben.

Der perfekte Sport, nicht nur für Kinder

Für die Kids ist Fußball der perfekte Sport. Hier können sie ihren Helden wie Müller, Neuer oder Schweinsteiger nacheifern, sammeln durch Erfolgserlebnisse Selbstbewusstsein, verstehen, dass Erfolg nur in der Gemeinschaft möglich ist. Es ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass sportliche Betätigung die schulischen Erfolge erhöht. Je häufiger sich der Nachwuchs mit elf Jahren körperlich intensiv betätigt hatte, desto besser schnitt er in diesem Alter und auch bei den Tests in Englisch, Mathe und Naturwissenschaften ab, stellten einst englische Forscher fest. Natürlich tut man beim Fußball auch etwas für die Gesundheit – und das gilt nicht nur für Kinder. Durch die Bewegung an der frischen Luft wird der Körper abgehärtet, Herz und Kreislauf sowie das Immunsystem gestärkt.

Fußball stärkt die Muskeln

Beim Fußball werden alle Muskelgruppen gefördert und entwickelt – von der Nackenmuskulatur beim Kopfball, über die Rumpf- und Oberschenkelmuskulatur für schnelles Rennen bis zu den Fußmuskeln für einen strammen Schuss. Beim Fußball braucht es Schnellkraft genauso wie Ausdauer – und das Mitdenken sowie die Spielintelligenz sind Pässen zu Mitspielern oder dem Voraussehen bestimmter Spielsituationen auch noch gefragt.

Positive Wirkungen auf die Gesundheit wissenschaftlich nachgewiesen

Dass Fußball gut für die Gesundheit ist, konnten dänische Forscher auch wissenschaftlich nachweisen. Sie teilten 50 untrainierte Frauen in drei Gruppen auf, die entweder Fußball spielten, joggen gingen oder gar keinen Sport betrieben. Nach Ende der Studie war die Knochendichte bei den Fußballerinnen deutlich höher als in den anderen beiden Gruppen. Auch bei der Sprungkraft und beim Kraftzuwachs in der Wadenmuskulatur lagen die Fußballerinnen klar vorne. Dadurch verringert sich das Risiko von Knochenbrüchen. In einer anderen Untersuchung mit Männern sank der Blutdruck deutlich, gleichzeitig stieg die maximale Sauerstoffaufnahme um acht Prozent. Perfekt für die Vorbeugung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Natürlich gibt es beim Fußball auch ein Verletzungsrisiko wie Adduktorenprobleme, Knieverletzungen und Zerrungen.

Fußball als „Diät“

Doch die positiven Effekte überwiegen: Fußball ist übrigens auch etwas für Menschen, die abnehmen wollen: In einer wissenschaftlichen Untersuchung verloren die Kicker im Durchschnitt 1,7 Kilogramm reine Fettmasse. Eine Fußballerin mit einem Gewicht von 60 Kilogramm verbrennt laut den Forschern meistens mehr als 1.000 Kalorien pro Spiel, eine Joggerin bei mittlerer Geschwindigkeit dagegen nur 400 Kalorien in der gleichen Zeit.

Auf dem Vormarsch: Frauenfußball

Das ist sicher nicht der Hauptgrund, warum Fußball inzwischen auch bei Frauen höchst populär geworden ist. Was in früheren Zeiten gesellschaftlich verpönt war, ist inzwischen längst akzeptiert. Heutzutage spielen viele Mädchen in Kinder- und Jugendmannschaften gemeinsam mit den Jungs oder später in reinen Frauenteams.

Fußball-Geschichte: Ursprünge aus China

Die Geschichte des Fußballs reicht übrigens mehr als 2.000 Jahre zurück. Schon im dritten Jahrhundert vor Christus gab es laut Aufzeichnungen eines Militärhandbuchs aus der Han-Dynastie in China ein Spiel mit dem Namen "Tsu' Chu". Ziel des Ballspiels war es, einen mit Federn und Haaren gefüllten Lederball durch eine nur 30 bis 40 cm breite Öffnung in ein schmales Netz zu befördern, das an zwei langen Bambusstangen befestigt war. Handspiel war schon damals verboten. 1848 verfassten Studenten der Universität Cambridge die ersten Fußballregeln – ein Grund, warum England als Mutterland des Fußballs gilt.

1874 wurde das Fußballspiel erstmals in Deutschland von Konrad Koch eingeführt, einem Lehrer am Gymnasium Martino-Katharineum in Braunschweig. Seine in der heutigen Zeit noch aktuellen Ziele: Er wollte den Bewegungsmangel der Jugend bekämpfen und ethische Grundtugenden fördern. „Beim Fußballspiel findet unsere deutsche, des frischen Spiels im Freien entwöhnte Jugend am schnellsten ihre verlorene Spiellust wieder“, sagte Koch damals. Es war der Beginn des Siegeszugs einer Sportart in Deutschland, der heute Millionen verfallen sind.