Krankenversichert als Rentner

Wer vom aktiven Erwerbsleben in den Ruhestand übertritt, sieht sich mit zahlreichen Veränderungen konfrontiert. Dies schließt zum einen den eigenen Kranken- und Pflegeversicherungsschutz und die Höhe der zu zahlenden Beiträge als Rentenbezieher ein. Aber auch schon zuvor können sich Fragen in dieser Richtung ergeben, die die Phase ab dem Tag der Rentenantragstellung betreffen.

Hierbei kommt es für die Kranken- und Pflegeversicherung als Rentner nicht auf die beantragte bzw. gezahlte Rentenart an (Alters-, Erwerbsminderungs-, Hinterbliebenenrente).

Das Prozedere beim Stellen eines Rentenantrags stellt sich wie folgt dar: Neben vielen anderen wird das Form­blatt „Meldung zur Krankenversicherung der Rentner“ ausgefüllt. Dieses erhält die IKK classic bzw. zuständige Krankenkasse anschließend zur Prüfung der Voraussetzungen der KVdR (Krankenversicherung der Rentner). Über das Ergebnis, also ob die Vorversicherungszeit erfüllt ist und wann die KVdR beginnt, werden anschließend sowohl der Rentenantragsteller als natürlich auch der Rentenversicherungsträger informiert.

Pflichtversicherung

Grundlegende Voraussetzung für die KVdR ist der Bezug einer Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Renten aus anderen Versicherungssystemen – wie Versichertenrenten der gesetzlichen Unfallversicherung oder Renten aus privaten Versicherungsverträgen – führen nicht zur KVdR.

Zudem müssen die zukünftigen Rentner während ihres Erwerbslebens über­wiegend gesetzlich krankenversichert gewesen sein. Dies ist dann der Fall, wenn sie in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zu neun Zehnteln der gesetzlichen Krankenversicherung an­gehörten (sog. Vorversicherungszeit). Hierbei werden berücksichtigt: Pflichtmitgliedschaft, freiwillige Versicherung und Familienversicherung.

Unbedeutend ist, auf welcher Grundlage die eigene Pflichtmitgliedschaft zustande kam. So werden Zeiten einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung genauso her­angezogen wie die Zeiten der Krankenversicherungspflicht als Student oder als Bezieher von Arbeitslosengeld bzw. Arbeitslosengeld II. Es spielt auch keine Rolle, ob eine Familienversicherung von einem Elternteil oder dem Ehegatten/eingetragenen Lebenspartner abgeleitet wurde.

Bei Hinterbliebenen kann die Vorversicherungszeit auch in der Person des Verstorbenen erfüllt sein. Ausblick: Vom 1. Januar 2017 an erhalten Waisenrentner ohne Berücksichtigung einer Vorversicherungszeit Zugang zur KVdR.

Wichtig: In der privaten Krankenversicherung zurückgelegte Zeiten bleiben dagegen generell außen vor.

Vorversicherungszeit ist nicht

Sollte die Vorversicherungszeit für die KVdR nicht nachgewiesen werden können, kommt ggf. eine kostenfreie Familienversicherung in Betracht. Das monatliche Gesamtein­kommen (einschließlich Rente) darf dann jedoch nicht mehr als 415 EUR (2016) betragen. Für geringfügig entlohnt Beschäftigte gilt die besondere Einkommensgrenze von 450 EUR.

Ansonsten greift die sog. obligatorische An­schlussversicherung. Wie der Name es schon sagt, kommt die „freiwillige“ Mitgliedschaft hier nach beendeter Krankenver­sicherungspflicht bzw. Familienversicherung kraft Gesetzes verpflichtend zustande. Es sei denn, innerhalb von zwei Wochen nach dem Hinweis der Krankenkasse über die Möglichkeit auszutreten, wird der Austritt erklärt. In diesem Fall ist zusätzlich das Bestehen eines anderweitigen An­spruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachzuweisen. Voraussetzung ist ferner, dass sich der ander­weitige Anspruch grundsätzlich lückenlos an die vorangegangene Versicherung anschließt.

Beginn der Mitgliedschaft

Die KVdR-Mitgliedschaft beginnt mit dem Tag, an dem der Rentenantrag gestellt wird. Dies gilt auch dann, wenn die Rente zu einem früheren Zeit­punkt beginnt. Wird beispielsweise aufgrund eines Rentenantrags vom 4. Mai rückwirkend eine Erwerbsminderungsrente ab dem 1. Oktober des Vorjahres bewilligt, beginnt die KVdR-Mitgliedschaft (frühestens) am 4. Mai.

Wer noch nach anderen Vorschriften pflichtversichert ist, z. B. aufgrund einer Beschäftigung oder als Bezieher von Leistungen der Arbeits­agentur, bei dem beginnt die KVdR-Mitgliedschaft erst nach dem Wegfall dieser Vorrangversicherung. Sie beginnt darüber hinaus auch nicht, solange eine selbstständige Erwerbstätig­keit hauptberuflich ausgeübt wird. Beamte sind in jedem Fall kraft Gesetzes von der KVdR ausgeschlossen.

Als Rentenantragsteller

Der Beginn der Mitgliedschaft in der KVdR setzt den Bezug einer Rente voraus. Solange darüber noch nicht entschieden ist und keine Vorrangversicherung besteht, kommt es zur formalen Rentenantragstellermitgliedschaft. Sie unterscheidet sich von der KVdR nur hinsichtlich der Beitragsgestaltung.

Ende der Mitgliedschaft

Die KVdR-Mitgliedschaft besteht für die gesamte Dauer des Rentenanspruchs, bei Altersrentnern handelt es sich daher sozusagen um eine Absicherung auf Lebenszeit. Anders verhält es sich bei Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrentnern, denn deren Anspruch ist in der Regel zeitlich begrenzt oder von den jeweiligen Einkommens- und persönlichen Verhältnissen abhängig. Kommt es zur Einstel­lung der Rente, endet auch die Mitgliedschaft in der KVdR.

Handelt es sich um keine befristete Rente, stellt der Renten­versicherungsträger das Rentenende mit einem förmlichen Bescheid fest. Das dem Rentner hierbei zustehende Wider­spruchsrecht wirkt sich verlängernd auf die Mitgliedschaft aus. Sie bleibt bis zum Ablauf des Monats erhalten, in dem die Entscheidung unanfechtbar geworden ist.

Kommt es nicht zur Rentenbewilligung, endet die Rentenan­tragstellermitgliedschaft mit dem Tag, an dem die Ablehnung des Antrags unanfechtbar geworden ist (ein Zeitmonat nach Bekanntgabe des Ablehnungsbescheides). Wird dagegen der Rentenanspruch anerkannt, endet sie mit dem Tag vor Rentenbeginn.

Wichtig: Die Mitgliedschaft in der KVdR oder die als Rentenantragsteller endet auch zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Tatbestand für eine vorrangige Pflichtversicherung eintritt.

Beitragsgestaltung

Hinsichtlich der Höhe der zu zahlen­den Beiträge ist zu unterscheiden nach:

  • Pflichtversicherten Rentnern (KVdR)
  • Freiwillig versicherten Rentnern
  • Rentenantragstellern

Pflichtversicherte Rentner (KVdR)

Bei versicherungspflichtigen Rentnern unterliegt zunächst die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung der Beitrags­bemessung; maximal sind Beiträge aus der Beitragsbemes­sungsgrenze zu zahlen.

Maßgebend ist der bundeseinheitliche allgemeine Beitrags­satz, gegenwärtig in Höhe von 14,6 Prozent. Hieran beteiligt sich der Rentenversicherungsträger zur Hälfte, also mit 7,3 Prozent. Darüber hinaus sind aus der Rente Beiträge nach dem individuellen Zusatzbeitragssatz der jeweiligen Krankenkasse vom Rentner allein zu zahlen.

Veränderun­gen des Zusatzbeitragssatzes werden im Rahmen der KVdR immer erst mit einer zweimonatigen Verzögerung wirksam, beispielsweise die zum 1. Januar 2016 neu festgesetzten individuellen Zusatzbeitragssätze gelten also erst ab dem 1. März 2016.

Hinweis: Trotz Anwendung des allgemeinen Beitragssatzes wird hier kein Anspruch auf Krankengeld begründet. Der Gesetzgeber rechtfertigt dies mit den für Rentner durch­schnittlich höheren Leistungsausgaben.

Die Beiträge zur Pflegeversicherung, derzeit in Höhe von 2,35 Prozent, muss der Rentner allein aufbringen. Für Kinderlose, die das 23. Lebensjahr vollendet haben, erhöht sich der Beitragssatz um 0,25 Prozentpunkte; ausge­nommen sind lediglich alle vor dem 1. Januar 1940 geborenen Rentner.

Der Rentenversicherungsträger übernimmt die Aufgabe der Beitragszahlung. Dazu behält er den Versichertenanteil ein und überweist ihn zusammen mit seinem Anteil an den Gesundheitsfonds. Ausgezahlt wird daher nur die um die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge verminderte Rente (Nettorente).

Ausländische Renten und Renten der Deutschen Rentenversicherung sind beitragsrechtlich gleichgestellt. Das heißt, auch die von staatlichen Trägern ausländischer Rentensysteme gezahlten Leistungen unterliegen der Beitragspflicht. Allerdings beteiligt sich der ausländische Träger nicht an der Abführung der Beiträge. Es sind daher derzeit 7,3 Prozent für die Kranken- und 2,35 bzw. 2,6 Prozent für die Pflegeversicherung vom Rentner allein zu zahlen – und zwar direkt an die Krankenkasse. Hinzu kommt noch der individuelle Zusatzbeitragssatz. Übrigens: Unschöne Nachberechnungen lassen sich bei ausländischen Rentenansprüchen durch vollständige Angaben bereits bei Rentenantragstellung verhindern.

Neben der Rente sind Versorgungsbezüge (wie z. B. Betriebs­renten oder Pensionszahlungen) und Einkünfte aus nebenberuflicher Selbstständigkeit (Arbeitseinkommen) beitrags­pflichtig. Die Beiträge daraus müssen in voller Höhe allein getragen werden, sie fallen allerdings nur bei Überschreiten der Grenze von145,25 EUR (2016) im Monat an. Auch ein­malig gezahlte Versorgungsbezüge unterliegen grundsätzlich der Beitragspflicht; die Kapitalleistung ist dabei auf zehn Jahre (ein Hundertzwanzigstel monatlich) umzulegen.

Ausblick: Vom 1. Januar 2017 an sind Waisenrentner in der KVdR generell beitragsfrei, jedenfalls bis zum Erreichen der Altersgrenzen für einen Anspruch auf Familienversicherung.

Freiwillig versicherte Rentner

Im Gegensatz zur KVdR gilt für freiwillig versicherte Rentner das Prinzip der Beitragsbemessung nach der gesamten wirt­schaftlichen Leistungsfähigkeit. Für die Beitragsberechnung kommen deshalb alle zur Verfügung stehenden Einnahmen in Betracht: Mieten, Pachten, Kapitalerträge genauso wie die Rente sowie ggf. Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen.

Für Rente, Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen gilt aus Gründen der Gleichbehandlung mit der KVdR ebenfalls der allgemeine Beitragssatz zur Berechnung der Krankenver­sicherungsbeiträge. Aus allen anderen Einkunftsarten sind Beiträge nach dem ermäßigten Beitragssatz zu zahlen. Hinzu kommt noch der individuelle Zusatzbeitragssatz.

Die Beitragsabführung ist jedoch gegenüber der KVdR anders geregelt: Anstatt die Beiträge aus der Rente einzu­behalten, zahlt der Rentenversicherungsträger die Rente in voller Höhe aus. Zusätzlich gewährt er einen Zuschuss zum Krankenversicherungsbeitrag, der dem Anteil eines in der KVdR versicherten Rentners entspricht. Der Beitragszuschuss muss beim Rentenversicherungsträger beantragt werden.

Im Rahmen der freiwilligen Versicherung sind Beiträge mindestens aus der sog. Mindestbemessungsgrundlage zu zahlen, auch wenn die Rente niedriger ausfällt (2016: 968,33 EUR).

Rentenantragsteller

Für bestimmte Rentenantragsteller besteht Beitragsfreiheit. Das gilt beispielsweise dann, wenn ein Anspruch auf Fami­lienversicherung dem Grunde nach gegeben wäre und sie weder Versorgungsbezüge erhalten noch Arbeitseinkommen erzielen.

Dagegen werden die beitragspflichtigen Rentenan­tragsteller wie freiwillige Mitglieder ohne Rentenbezug behan­delt (siehe: freiwillig versicherte Rentner).

Rente und Hinzuverdienst

Ausführliche Informationen finden sich in der Rubrik Hinzuverdienst Rentner.