Medikamente

Was bedeutet apothekenpflichtig? Wie verstehe ich die Angaben zu Nebenwirkungen? Wir haben einige typische Fragen unserer Versicherten einmal zusammengestellt, sodass Sie mit einem Klick Antworten darauf erhalten.

Aufgrund der verschiedenen Rezeptformen kann Ihr Arzt Ihnen im Prinzip alle Medikamente verschreiben, die in Deutschland zugelassen sind. Welche Medikamente Ihnen auf Kosten Ihrer gesetzlichen Krankenkasse verschrieben werden können, regelt ein Katalog in der „Richtlinie über die Verordnung von Arzneimitteln in der vertragsärztlichen Versorgung“. Alle Medikamente, die nicht in diesem Katalog aufgeführt sind, darf Ihnen Ihre Krankenkasse nicht bezahlen. Ihr Arzt wird Sie darauf hinweisen, wenn er ein Medikament für erforderlich hält, das nicht im Katalog enthalten ist.

Die unterschiedlichen Formularfarben kennzeichnen die Rezeptarten:

  • Das Kassenrezept (mit roter Farbe auf weißem Papier) ist das gebräuchlichste. Die Kosten für die darauf verordneten maximal drei Medikamente werden von der gesetzlichen Krankenkasse getragen, Sie leisten nur die gesetzliche Zuzahlung. Dieses Rezept gilt 28 Tage ab Ausstellungsdatum.
  • Ein blaues Privatrezept bekommen Sie, wenn die darauf verordneten maximal drei verschreibungspflichtigen Medikamente nicht zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören und Sie sie daher selbst bezahlen müssen.
  • Das "Grüne Rezept" ist eine Art ärztlicher Notizzettel: Darauf vermerkt Ihr Arzt rezeptfreie Medikamente, die er Ihnen empfiehlt, samt Dosierungs- und Einnahmeinformationen. Diese Medikamente müssen Sie grundsätzlich aus eigener Tasche bezahlen, nur in sehr wenigen Fällen können wir Ihnen die Kosten erstatten. Allerdings können Sie die Ausgaben unter Vorlage von Rezept und Apothekenquittung als außergewöhnliche Belastung bei der Einkommensteuer geltend machen.

Welche Medikamente verschreibungspflichtig sind, regelt die Arzneimittelverschreibungsverordnung. Um solche Medikamente zu erhalten, benötigen Sie ein Rezept Ihres Arztes. Diese Verschreibung müssen Sie der ausgebenden Apotheke im Original vorlegen, auch wenn Sie bei einer Versandapotheke bestellen.

Für apothekenpflichtige Medikamente benötigen Sie nicht unbedingt ein Rezept, aber Sie erhalten sie nur in der Apotheke. Vor der Abgabe muss ein Beratungsgespräch mit dem abgebenden Apotheker stattfinden, da diese Arzneimittel als „besonders beratungsbedürftige“ Waren gelten. Welche Medikamente hierzu gehören, finden Sie in der „Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel“.

Bei frei verkäuflichen Medikamenten besteht keine Beratungspflicht; viele erhalten Sie auch in Reformhäusern, Drogerie- oder sogar Supermärkten. Sie sollten hierbei den Beipackzettel sehr gründlich lesen und diese Medikamente auch erwähnen, wenn Ihr Arzt oder Apotheker Sie fragt, was Sie außerdem für Medikamente einnehmen – selbst Naturstoffe können Wechselwirkungen auslösen.

Wenn Pharmaunternehmen Medikamente mit neuen Wirkstoffen entwickeln, haben sie zunächst für 10-15 Jahre ein Patent darauf und kein anderes Pharmaunternehmen darf diesen Wirkstoff produzieren. Nach Ablauf der Patentschutzzeit stellen dann auch andere Hersteller Medikamente mit diesem Wirkstoff her – oft zu einem deutlich niedrigeren Preis. Solche patentfreien, wirkstoffgleichen Medikamente werden als Generika bezeichnet.

Die enthaltenen sonstigen Zutaten des Generikums und das Herstellverfahren können sich vom Original unterscheiden. Entscheidend ist, dass der gleiche Wirkstoff in derselben Konzentration enthalten ist.

Seit 2003 dürfen die gesetzlichen Krankenkassen mit Herstellern Verträge über die Belieferung ihrer Versicherten mit bestimmten Arzneimitteln schließen, um Rabatte zu erhalten.

Da diese Verträge regelmäßig neu ausgehandelt werden, kann es sein, dass Sie manchmal wirkstoffgleiche Medikamente anderer Hersteller als gewohnt ausgehändigt bekommen. Die Austauschbarkeit gilt für Medikamente mit gleichem Wirkstoff, gleicher Wirkstärke, gleicher oder als austauschbar festgesetzter Darreichungsform, identischer Packungsgröße und Zulassung für ein gleiches Anwendungsgebiet.

Ihre IKK classic trägt den größten Teil der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verordnet. Einen kleinen Teil aber leisten Sie durch Ihre Zuzahlung dazu. Die Zuzahlungsvorgaben sind gesetzlich vorgeschrieben. Sie betragen zehn Prozent des Arzneimittelpreises, mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro. Kostet ein Medikament weniger als fünf Euro, zahlen Sie den Betrag komplett selbst. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind von der Zuzahlung befreit. Bei Medikamenten, für die Festbeträge vereinbart sind, zahlt Ihre IKK classic einen vorher festgelegten Betrag – das kann dazu führen, dass Sie für diese Medikamente nicht einmal eine Zuzahlung leisten müssen. Für welche Medikamente Festbeträge gelten, finden Sie in der Festbetragsliste-Liste (PDF).

Der Höchstbetrag für Zuzahlungen ist beschränkt: Er liegt bei zwei Prozent des Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent. Unter diese Summe fallen Zuzahlungen für Arznei- und Heilmittel und häusliche Krankenpflege sowie der Eigenanteil für stationäre Behandlung. Ist die Belastungsgrenze im laufenden Jahr erreicht, erhalten Sie von uns eine Bescheinigung darüber und sind dann für den Rest des Jahres von allen weiteren Zuzahlungen befreit.

Der Beipackzettel enthält wichtige Informationen zu Ihrem Medikament. Sie sollten ihn daher immer gründlich lesen und aufbewahren, um festzustellen, ob eventuelle Nebenwirkungen auf dieses Medikament zurückgehen könnten. Der Beipackzettel erläutert Ihnen,

  • gegen welche Beschwerden das Medikament zugelassen ist,
  • wann Sie das Medikament nicht oder nur in Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen dürfen,
  • ob das Medikament für bestimmte Patientengruppen nicht geeignet ist,
  • mit welchen anderen Medikamenten Wechselwirkungen auftreten könnten,
  • wie und wann Sie das Medikament einnehmen sollten – die Dosierung legt vorrangig Ihr Arzt fest,
  • was bei Überdosierung oder einer vergessenen Einnahme zu tun ist,
  • in welcher Wahrscheinlichkeit welche Nebenwirkungen möglich sind und was Sie dann tun sollten,
  • wie das Medikament aufbewahrt werden sollte und wie lange es nach Anbruch verwendbar ist.

Wo Wirkung ist, können auch Nebenwirkungen auftreten – diese alte Weisheit ist tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Beipackzettel führt die dokumentierten Nebenwirkungen mitsamt ihrer bisher bekannten Häufigkeit auf.

Das bedeuten die Angaben:

  • Sehr häufig: bei mehr als jedem zehnten Anwender
  • Häufig: bei einem von hundert bis zehn Anwendern
  • Gelegentlich: bei einem von tausend bis hundert Anwendern
  • Selten: bei einem von tausend bis zehntausend Anwendern
  • Sehr selten: bei weniger als einem von zehntausend Anwender

Diese eher statistische Angabe hilft Ihnen nur begrenzt weiter, da Sie nur schwer entscheiden können, ob eine neue gesundheitliche Störung auf die Einnahme des Medikamentes zurückgeht oder nicht. Wenn Sie nach Einnahme des Medikamentes eine der im Beipackzettel beschriebenen Nebenwirkungen feststellen, sollten Sie umgehend Rücksprache mit Ihrem Arzt halten. Nur er kann Nutzen und Risiken Ihrer weiteren Behandlung sinnvoll einschätzen.

Bei Medikamenten wird der arzneilich wirksame Bestandteil als Wirkstoff oder Arzneistoff bezeichnet. Auch eine Kombination mehrerer Arzneistoffe in einem Medikament ist möglich. Die Arzneistoffe erzeugen die Wirkung des Medikamentes. Sie können in der Natur vorkommen oder aber teilweise oder komplett synthetisch (chemisch oder gentechnisch) hergestellt werden.

Medikamente können den Arzneistoff in reiner Form enthalten. Oft jedoch werden Hilfsstoffe zugefügt, um den Wirkstoff z. B. in einer festen Konzentration anzubieten, ihn in eine bestimmte Form (Kapsel, Creme etc.) zu bringen oder um ihn zu konservieren.

Sind alle enthaltenen Arznei- und Hilfsstoffe pflanzlicher Herkunft, spricht man auch von pflanzlichen Medikamenten.

Bei der Homöopathie gelten auch einige Wirkstoffe als Arzneistoffe, die in der klassischen Pharmakologie nicht dazu zählen. Sie arbeitet mit Verdünnungen, sogenannten Potenzen, und bietet ihre Medikamente unter anderem in Form von Globuli – wirkstoffgetränkten Zuckerkügelchen – an.

Jeder Mensch sollte ein ausgewogenes Spektrum an Vitaminen und Mineralstoffen zu sich nehmen. Das ist bei der Versorgungslage in Deutschland mithilfe einer ausgewogenen Ernährung möglich, sodass Nahrungsergänzungsmittel medizinisch selten erforderlich sind. Nur in Sonderfällen wie Schwangerschaft oder bei bestimmten Erkrankungen wird Ihnen Ihr Arzt ergänzende Präparate verordnen oder empfehlen. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine Medikamente, sie zählen zu den Lebensmitteln und dürfen nicht dazu bestimmt sein, Krankheiten zu heilen oder zu verhüten. Gerade Raucher sowie Personen, die viele verschiedene Medikamente einnehmen, sollten Nahrungsergänzungsmittel nur in Absprache mit ihrem Arzt einnehmen, weil sehr leicht unerwünschte Wechselwirkungen auftreten können.