Zu oft krank: Wann geht deine Ausbildung in die Verlängerung?

Ein Unfall, eine chronische Erkrankung oder eine sich über Wochen hinziehende Krankheit – wenn es dich schlimmer erwischt, kommen leicht einige Fehltage im Betrieb und in der Berufsschule zusammen. Was aber bedeutet es für deine Ausbildung, wenn du mehrere Wochen nicht am Unterricht und am Arbeitsalltag teilnehmen kannst?

Geplanter Abschluss oder Extrarunden?

Eine Verlängerung deiner Ausbildung klingt erst einmal wenig einladend für dich, oder? Schließlich freust du dich auf deinen Abschluss und darauf, endlich richtig in deinen erlernten Beruf einzusteigen. Manchmal aber kann eine längere Ausbildungszeit sinnvoll und auch notwendig sein. Zum Beispiel dann, wenn du auf viele Fehltage kommst und deshalb wichtigen Stoff verpasst hast. Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung ist es schließlich, dass du das Ausbildungsziel erreichst und alle geforderten Inhalte gelernt hast. Das gilt für das in der Berufsschule und im Betrieb angeeignete Wissen.

Doch wie viel versäumter Stoff ist letztendlich zu viel? Hierfür gibt es keine festen Regeln. Ein Anhaltspunkt: Hast du rund 10 bis 15 Prozent deiner Ausbildungszeit durch Fehlzeiten verpasst, könnte deine Zulassung zur Prüfung gefährdet sein. Entscheidend ist hier, wie deine zuständige Kammer, zum Beispiel die IHK, entscheidet. Sie kann dir die Zulassung zur Prüfung verweigern, aber auch deinen Antrag auf Verlängerung der Ausbildung ablehnen. Jeder Einzelfall wird genau geprüft. Erkundige dich daher rechtzeitig bei deiner Kammer und frage nach, wie es mit der anstehenden Prüfung in deinem Fall aussieht. Hier erhältst du wichtige Informationen und kannst dich frühzeitig um Anträge kümmern.

In jedem Fall muss für eine Verlängerung ein Ausnahmefall vorliegen. Das kann eben eine längere Krankheit sein, aber zum Beispiel auch ein Auslandspraktikum.

Freiwilliger Antrag auf Verlängerung

Aufgrund einer Krankheit hast du viel Stoff versäumt und fühlst dich für die Prüfung nicht ausreichend vorbereitet? Dann kannst du einen Antrag auf Verlängerung bei der zuständigen Kammer stellen. Das steht im Berufsbildungsgesetz in §8. Erkundige dich auf der Website der Kammer oder im persönlichen Gespräch, wie du hier vorgehen musst. Hole am besten auch deinen Ausbilder mit ins Boot, denn er wird von der Kammer angehört werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Zulassung trotz Fehltagen

Du hast einiges an Unterricht und Arbeitszeit verpasst, willst aber trotzdem deinen Abschluss wie geplant machen? Dann kannst du auf eine Ausnahmeregelung hoffen. Gute Leistungen in der Berufsschule und im Betrieb sind ein großer Vorteil, auch dein Ausbilder kann ein gutes Wort für dich einlegen. Reiche bei der zuständigen Kammer auch einen Notenzwischenstand von deinem Klassenlehrer ein, wenn du damit glänzen kannst. Zusammen mit deinem ordentlich geführten Berichtsheft ist es so möglich, nachzuweisen, dass du die erforderlichen Inhalte trotz Krankheit gelernt hast. Dann lässt dich die Kammer eventuell trotz hoher Fehlzeiten zur Prüfung zu.