Ausbildungsbetrieb pleite – was nun?

Wenn dein Ausbildungsbetrieb Insolvenz anmeldet, bedeutet das, dass er zahlungsunfähig ist. Klar, dass du dir Sorgen machst, wenn du davon betroffen bist! In dieser Situation solltest du ein paar Dinge beachten.

Ist mein Ausbildungsplatz weg, wenn der Ausbildungsbetrieb insolvent geht?

Nein – die Insolvenz hat keine direkte Auswirkung auf deinen Vertrag. Die Kündigungsrechte des Insolventen werden erst dann erweitert, wenn dein Ausbildungsbetrieb vollständig stillgelegt wird. In diesem Fall kann dir fristlos gekündigt werden. Wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wurde und klar ist, dass keine Ausbildungsmöglichkeiten mehr bestehen, ist eine Kündigung mit einer dreimonatigen Frist möglich.

Bis dahin kannst du in deinem Betrieb bleiben. Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, wird ein Insolvenzverwalter eingeschaltet, der für alles weitere verantwortlich ist. Wird der Ausbildungsbetrieb wegen Insolvenz tatsächlich geschlossen, helfen dir die zuständigen Kammern dabei, einen neuen Ausbildungsplatz zu finden. Du solltest auch deinen Chef darum bitten, dir bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz zu helfen. Azubis sind häufig die letzten, die das Unternehmen verlassen.

Dem Ausbildungsbetrieb kündigen?

Auf keinen Fall! Der Ausbildungsbetrieb muss dir garantieren, dass die Inhalte deiner Ausbildung weiterhin angemessen vermittelt werden! Wenn das nicht der Fall ist, hat das Konsequenzen für den Betrieb, auch bei Insolvenz: Von der zuständigen Behörde kann ihm die Ausbildungseignung aberkannt werden. Du hast in diesem Fall außerdem ein Recht auf Schadenersatz. Wenn du aber kündigst, wirst du von der Agentur für Arbeit gesperrt – das heißt: Du bekommst kein Geld.

Wie ist das mit dem Geld?

Du erhältst weiterhin die vereinbarte Ausbildungsvergütung. Generell ist es möglich, dass du dich mit deinem Ausbildungsbetrieb auf eine Kürzung einigst, aber das Gehalt muss auf jeden Fall weiterhin angemessen sein. Dafür muss dein Ausbildungsvertrag geändert werden, was dein Betrieb mit der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer abklären muss. Ist dein Betrieb wegen der Insolvenz nicht mehr in der Lage, die Vergütung zu bezahlen, kannst du einen Anspruch auf Insolvenzgeld haben. Insolvenzgeld wird grundsätzlich für die drei Monate gezahlt, bis die Insolvenz bekannt gegeben wurde. Es ist im Normalfall so viel wie die Nettoausbildungsvergütung.

Was muss ich tun?

Solange du dich noch in deinem Ausbildungsbetrieb befindest, musst auch du weiterhin deine Pflichten erfüllen – vor allem musst du deine Hilfe und Unterstützung anbieten. Selbst dann, wenn dein Betrieb dir keine Beschäftigung mehr anbieten kann. Wenn zu deiner Ausbildung gehört, dass du die Berufsschule besuchst, musst du auch solange dort hingehen, wie es im Vertrag steht. Der Besuch der Berufsschule allein kann deine Ausbildung nicht ersetzen. Wenn möglich, solltest du die Ausbildung im Unternehmen zu Ende bringen. Eine Ausbildungsverkürzung ist unter bestimmten Bedingungen möglich.

Melde dich zur Sicherheit bei der Agentur für Arbeit als ausbildungssuchend und vereinbare einen Termin mit einem Berater von der IHK oder der Handwerkskammer. Meldet dein Ausbildungsbetrieb Insolvenz an, solltest du dafür keine Zeit verlieren.

Jeder Insolvenzfall ist unterschiedlich. Deshalb lohnt es sich zunächst mit deinen Eltern zu sprechen, was zu tun ist. Sie werden dir sagen, an wen du dich wenden musst und dich unterstützen.