Pluspunkt Praktikum

Manchmal ist ein Pflichtpraktikum einfach vorgesehen, zum Beispiel während der Schulzeit oder während des Studiums. Doch auch ein freiwilliges Praktikum, zum Beispiel als angehender Azubi, kann sich lohnen.

Auf jeden Fall macht sich ein Praktikum gut in deinem Lebenslauf und deine späteren Chefs werden mit Interesse lesen, welches Praktikum du absolviert hast. Warum? Weil ein Praktikum dir einen Einblick in den Arbeitsalltag bietet. Du lernst betriebliche Abläufe kennen und kannst dir ein genaueres Bild von deinem angestrebten Beruf machen. So erkennst du auch, ob die jeweilige Branche wirklich etwas für dich ist oder du dich doch lieber umorientierst. Dass du schon einmal Betriebsluft schnuppern konntest, gefällt deinem künftigen Chef mit Sicherheit.

Praktikumstipps

Wie viele Praktika sollten es sein?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Es kommt auch darauf an, ob du noch Schüler bist, bereits eine Ausbildung absolvierst oder ob du noch studierst. Doch die Devise „je mehr desto besser“ führt nur bedingt zum Ziel. Viele Personalleiter achten eher auf die Art des Praktikums, die Dauer und dein Zeugnis. Hast du zu viele verschiedene Praktika in deinem Lebenslauf stehen, kann das auch darauf hindeuten, dass du noch nicht wirklich weißt, was dich interessiert. Zwei bis drei erfolgreiche Praktikumsbescheinigungen sind hingegen immer ein Pluspunkt.

Wie lange soll das Praktikum gehen?

In der Schul- oder Studienzeit ist die Dauer des Praktikums meist vorgegeben. Wenn du ein freiwilliges Praktikum machst, sollte es nicht zu lang sein. In der Regel reichen drei Monate aus, um einen Einblick in den Betrieb zu bekommen und auch etwas zu lernen. Es gibt vielleicht im Studium auch mal sechsmonatige Praktika, aber das ist die Ausnahme. Je länger du im Unternehmen als Praktikant bleibst, desto eher wirst du als günstige Arbeitskraft ausgenutzt.

Wann soll ich mich für ein Praktikum bewerben?

Bewirbst du dich auf eine Stellenanzeige, dann ist die Frist häufig vorgegeben. Schreibst du die Firma aus eigenem Antrieb an, dann gibt es keine offiziellen Bewerbungsfristen. Tipp: Wenn du schon weißt, wann du ein Praktikum machen möchtest, dann kümmere dich auf jeden Fall rechtzeitig um eine Stelle. Einige Betriebe haben längere Wartezeiten und -listen für ein Jahr im Voraus.

Allgemeine Tipps

Als Praktikant sollst du etwas lernen. Es ist wichtig, dass du viel gezeigt bekommst und interessante Aufgaben erhältst. Hast du den Eindruck, es könnte mehr sein, dann kläre das mit deinem Ansprechpartner. Unterhalte dich auch mit den Mitarbeitern, sie können dir viel über den Beruf und den Arbeitsalltag erzählen. Je mehr Wissen du mitnimmst, desto besser.

Rechte und Pflichten

Ein Praktikum ist immer eine gute Wahl. Wer jedoch drei Monate lang Botengänge machen oder Kaffee kochen muss, sollte die Notbremse ziehen. Außerdem solltest du vorab für dich noch einige Fragen klären:

  • Wie viel Zeit möchte ich in das Praktikum investieren?
  • Entscheide ich mich für ein bezahltes oder ein unbezahltes Angebot?
  • Wie sieht meine Urlaubsplanung aus?

Wir geben Tipps, was du vorab klären solltest, damit es zu keinen bösen Überraschungen kommt.

Rechte und Pflichten beim Pflichtpraktikum

Häufig ist während der Schulzeit ein Praktikum vorgeschrieben. Das bedeutet, es ist ein Pflichtpraktikum. Dieses wird nicht bezahlt und es besteht auch kein Anspruch auf Urlaub.

Rechte und Pflichten beim freiwilliges Praktikum

Anders ist es, wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, zum Beispiel während der Schulferien oder nach der Schulzeit. Dann hast du ein Recht auf Bezahlung. Ebenso hast du einen gesetzlichen Anspruch auf zwei Urlaubstage für jeden Monat, den du gearbeitet hast. Zwar ist es laut Gesetz keine Pflicht, aber ein Vertrag für ein freiwilliges Praktikum ist auf jeden Fall sinnvoll. So kannst du sicher sein, dass du deine Rechte notfalls auch geltend machen kannst.

Arbeitszeiten eines Praktikanten

Die Arbeitszeit als Praktikant sollte nicht mehr als acht Stunden täglich umfassen. Dein Arbeitgeber hat auch kein Recht zu verlangen, dass du an Sonn- oder Feiertagen arbeitest. Allerdings gibt es Ausnahmen: Wenn du dein Praktikum zum Beispiel in einem Krankenhaus, Restaurant oder beim Radio machst, wirst du um ungewöhnliche Arbeitszeiten nicht herumkommen. Dann steht dir ein freier Tag als Ersatz zu.

Dauer eines Praktikums

Zwei Wochen, drei Monate oder gar ein Jahr – was ist die richtige Dauer für ein Praktikum? Das hängt davon ab, in welchem Bereich du einsteigen möchtest und was du dir von der Zeit erhoffst. Wer etwas mehr Zeit investiert, bekommt eher die Chance, auch selbstständig zu arbeiten. Sollte der Praktikant jedoch merken, dass man ihm während des Praktikums nichts oder zu wenig beibringt, hat er das Recht, sein Praktikum zu kündigen. Das ist gerade bei langen Praktika eine gute Entscheidung, um die Zeit nicht zu verschwenden.

Wenn du während des Praktikums feststellst, dass der Beruf doch nichts für dich ist und du etwas anderes machen möchtest, ist das auch nicht schlimm. Ganz im Gegenteil! Ein Praktikum dient deiner Orientierung. So weißt du vor Antritt einer Ausbildung oder eines Studiums, was dich im Arbeitsalltag erwartet und vermeidest später unnötige Abbrüche oder Jobwechsel. Vielleicht setzt du dich vorher mit deinen Eltern zusammen. Sie können meist gut einschätzen, was dir liegt und was nicht. Und sie stehen dir bestimmt mit Rat und Tat zur Seite, auch wenn es einmal schlechter läuft.

Praktikumszeugnis

Am Ende deines Praktikums möchtest du natürlich auch ein Zeugnis haben. Darauf hast du Anspruch, egal, wie lange du im Betrieb warst. Im Zeugnis werden deine Aufgaben und die Einschätzung deiner Leistung beschrieben. Aber manchmal steckt sehr viel mehr dahinter. Wie gut oder schlecht die Beurteilung ist, sieht man oft erst, wenn man einige Feinheiten kennt.

Das muss drin stehen im Praktikumszeugnis

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Praktikanten ein Zeugnis mit den folgenden Informationen auszustellen:

  • Art des Praktikums
  • Dauer
  • Aufgaben
  • erlernte Fähigkeiten, Kenntnisse, berufliche Erfahrungen

Praktikumszeugnis richtig lesen und verstehen

Das Zeugnis sollte wohlwollend formuliert sein, das heißt: Es darf nichts Schlechtes über dich darin stehen.

„Stets“ und „st“
Wenn du mit etwas „voll zufrieden“ bist, ist daran in der Regel eigentlich nichts auszusetzen. In einem Zeugnis allerdings schon: Hier solltest du nach dem Wörtchen „stets“ und dem magischen „st“ Ausschau halten. „Stets zur vollsten Zufriedenheit erfüllt“ – das ist grammatikalisch zwar nicht korrekt, in Schulnoten aber ein „sehr gut“. „Stets zur vollen Zufriedenheit“? Immerhin noch „Gut“. Wenn „stets und „st“ fehlen, ist es schon nur noch ein „Befriedigend“. „Ausreichend“ heißt in der Zeugnissprache „zu unserer Zufriedenheit“. Und wenn im Zeugnis steht, du hast dich „bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“? „Bemüht“ heißt „nicht gekonnt“.

Je konkreter desto besser
Sind „Freundlichkeit“ und „Pünktlichkeit“ etwas Schlechtes? Wenn es das Einzige ist, was betont wird, dann schon. Denn eigentlich sollte beides selbstverständlich sein. Und wenn Selbstverständlichkeiten das Beste sind, was deinem Betreuer zu dir einfällt, ist das gar nicht gut. Ähnlich sieht es bei deiner Aufgabenbeschreibung aus: Hier sollten konkrete Erfolge und Aufgaben genannt werden. Wenn nur allgemein von „Herausforderungen“ oder „Projekten“ die Rede ist, wird daraus nicht erkennbar, was du in deinem Praktikum eigentlich genau gemacht hast.

Versteckte Gemeinheiten
„Er hat sich seiner Herausforderung hingebungsvoll gewidmet. Er verstand es, erfolgreich zu delegieren und verfügt über ein gesundes Selbstvertrauen.“ Das klingt zuerst nicht direkt beleidigend, erschwert dir aber trotzdem eine weitere Anstellung. Denn eigentlich steht hier: „Nichts von dem, was er tun sollte, hat er richtig gemacht. Alle Aufgaben hat er auf andere abgewälzt und er ist arrogant.“ Das ist gesetzlich nicht erlaubt! Es ist vorgeschrieben, dass dein Zeugnis wohlwollend sein muss. Wenn dein Betreuer mit deiner Arbeit nicht sonderlich zufrieden war, darf er das schreiben. Aber du darfst nicht beleidigt oder abgestempelt werden, auch nicht in blumigen Worten.

Gesetzlich verboten
Neben Beleidigungen gibt es noch einige andere Dinge, die nichts in einem Praktikumszeugnis zu suchen haben: Wenn du beispielsweise einer Partei oder einem Verein angehörst, darf das im Praktikumszeugnis nicht erwähnt werden. Du warst während der Praktikumszeit krank? Auch das geht niemanden etwas an. Und natürlich darf es keine Anschuldigungen oder Vermutungen von Straftaten beinhalten, wenn sie nicht bewiesen wurden.

Mulmiges Gefühl? Erst einmal fragen
Wenn du dir beim Lesen deines Zeugnisses nicht sicher bist, was du davon halten sollst, ist es gut, jemanden um eine zweite Meinung zu bitten – deine Eltern oder den Lehrer deines Vertrauens zum Beispiel. Auf jeden Fall solltest du dich nicht zufriedengeben, bis du dein Zeugnis entschlüsselt hast. Dann kannst du entscheiden, ob du mit der Beschreibung einverstanden bist oder ob du besser noch einmal bei deinem Betrieb anklopfst.

Mehr Tipps, um zwischen den Zeilen des Praktikumszeugnisses zu lesen

Du möchtest dein Zeugnis noch genauer prüfen? Dann schau dich zum Beispiel auf der Webseite der Stiftung Warentest um.