Schwanger in der Ausbildung: So gelingt der Abschluss

Du bist mitten in deiner Ausbildung oder stehst sogar kurz vor dem Abschluss und erfährst dann, dass du ein Baby erwartest. Sicher gehen dir tausend Fragen durch den Kopf: zu deiner Schwangerschaft ebenso wie zu deiner weiteren beruflichen Zukunft. Auf jeden Fall solltest du versuchen, deine Ausbildung erfolgreich zu beenden. Das ist für dein Berufsleben enorm wichtig. Mit einer abgeschlossenen Lehre hast du es später immer leichter.

Wie das schwanger und sogar mit Baby klappen kann, kommt auch darauf an, in welcher Phase deine Ausbildung du dich gerade befindest.

Prüfung abschließen

Die Abschlussprüfung ist während der Schwangerschaft bereits absehbar? Dann versuche, diese noch vor der Entbindung zu absolvieren. Befindest du dich zum Prüfungszeitpunkt schon im Mutterschutz, dann sprich mit dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses. Eine Lösung ist hier meist möglich. Ist eine Prüfungsanmeldung aufgrund zu vieler Fehlstunden, zum Beispiel durch Arztbesuche oder Krankheitstage, nicht möglich, können gute Ergebnisse in der Zwischenprüfung, gute Leistungen im Betrieb und in der Schule für dich sprechen. Wende dich hier an die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), den Personalrat oder die Gewerkschaft.

Ausbildungsverkürzung

Steht dein Abschluss in der Schwangerschaft nicht unmittelbar bevor, wäre eine Ausbildungsverkürzung eine Option. Voraussetzung: Du überzeugst durch gute Noten und Leistungen. Frag bei deinem Ausbilder nach und informiere dich bei der zuständigen Kammer. Hier kannst du die Verkürzung beantragen.

Prüfung nach der Geburt

Mit einem Baby ist die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung nicht leicht, aber machbar. Du darfst zwar im Mutterschutz nicht arbeiten, eine Prüfung ablegen ist jedoch erlaubt. In der Elternzeit ist beides möglich: arbeiten und zur Prüfung gehen. Besprich dich auf jeden Fall mit deinem Ausbilder und der zuständigen Kammer. Prüfungen finden alle sechs Monate statt, sodass du gut vorplanen kannst.

Ausbildung in Teilzeit

Was viele berufstätige Mütter machen, ist auch für Auszubildende möglich: Arbeit in Teilzeit. Du kannst mehr Zeit mit dem Baby verbringen und deinen Abschluss machen. Eventuell verlängert sich deine Gesamtausbildungszeit – hier hilft dir die zuständige Kammer weiter. Verkürzt du deine Arbeitszeit auf 75 Prozent, könntest du es auch in der regulären Ausbildungszeit schaffen.

Elternzeit oder Beurlaubung

Genau wie andere berufstätige Eltern auch, hast du nach der Geburt ein Anrecht auf Elternzeit. Machst du eine schulische Ausbildung, zum Beispiel in der Altenpflege oder Physiotherapie, kannst du dich beurlauben lassen. Hier sind verschiedene Modelle möglich. Informiere dich in der Schule oder in deinem Betrieb und entscheide dann, was für dich eine gute Vereinbarung ist. Möglich wäre es auch, in der ausbildungsfreien Zeit die Prüfungsvorbereitung anzugehen. Natürlich ist hier, wie auch bei den Teilzeitmodellen, eine zuverlässige und gute Kinderbetreuung wichtig. Vielleicht können dir deine Eltern helfen, einen geeigneten Platz für dein Baby zu finden.

Rechte für Schwangere

Finanziell interessant für dich: Die Leistungen zur Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) werden während der Mutterschutzfristen weiter gezahlt – abzüglich Fahrtkosten und anderer arbeitsbedingter Ausgaben, zum Beispiel für Berufskleidung. Bei geringem Einkommen kannst du eventuell einen Antrag auf „einmalige Leistungen“ stellen. Infos gibt es bei der Agentur für Arbeit.

Frauen fallen während der Schwangerschaft im Betrieb unter das Mutterschutzgesetz.

So darfst du zum Beispiel:

  • täglich nicht länger als 8,5 Stunden arbeiten (minderjährige Schwangere max. 8 Stunden).
  • ein Beschäftigungsverbot vom Arzt ausstellen lassen, wenn deine Arbeit nicht mehr möglich ist, zum Beispiel aufgrund schweren Hebens oder der Arbeit mit Gefahrstoffen.
  • während der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Geburt nicht gekündigt werden.

Viele weitere Informationen und hilfreiche Tipps bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.