Umzug für die Ausbildung: Ja, nein, vielleicht?

Für den Ausbildungsplatz weit weg ziehen? Weg von Freunden und Familie? Das ist nicht jedermanns Ding. Dabei ist es sinnvoll, auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Eine Ausbildung in einer fremden Stadt, die auch noch weit weg von der Heimat ist? Das sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Der eine kann es kaum erwarten, das heimatliche Städtchen hinter sich zu lassen. Für den anderen ist ein Umzug weg aus der vertrauten Umgebung schlicht unvorstellbar.

Umzug: ja oder nein?

Dabei ist ein Ortswechsel häufig eine gute Wahl. Zum Beispiel, wenn es in der Nähe kein großes Angebot an Ausbildungsplätzen im Wunschberuf gibt. Bewirbst du dich in einer Stadt, in der die Konkurrenz nicht so groß ist, ist die Chance gleich viel größer, einen Ausbildungsvertrag zu bekommen. Es ist langfristig eine bessere Entscheidung, als einen Beruf zu ergreifen, für den man sich nicht so sehr interessiert. Außerdem kommt so viel Engagement auch bei den Chefs gut an, zeigt es doch tatsächlich deine Flexibilität.

Der Umzug in eine neue Stadt fühlt sich oft an wie der Sprung ins kalte Wasser, kann aber eine wichtige Erfahrung sein. Du musst mit deinen Alltag komplett selbst organisieren und dich erst einmal zurechtfinden. Doch lange bleibst du bestimmt nicht allein und wirst von nun an wissen, dass du jeder Situation gewachsen bist.

Alternativen zum Umzug

Wenn du trotzdem lieber in der Heimat wohnen bleiben willst oder du dir keine eigene Wohnung samt Umzug leisten kannst, deine Ausbildung aber in einer anderen Stadt beginnst, musst du nicht gleich mit Sack und Pack umziehen. Gerade am Anfang ist es gut, zu sehen, ob man im Betrieb zurechtkommt und die Ausbildung zu einem passt.

Pendeln

Ist die Entfernung nicht zu groß, kannst du die ersten Wochen oder Monate der Ausbildung pendeln. Das ist zwar etwas anstrengend, nimmt dir in der ersten Zeit deiner beruflichen Orientierung aber erst einmal den Druck. Schließlich kann man nicht immer davon ausgehen, auch die Probezeit zu packen. In dem Fall gehst du kein Risiko ein. Einen Umzug kannst du auch später noch in Angriff nehmen.

WG, Wohnheim oder Pension

Das Leben in den eigenen vier Wänden ist nicht günstig, deshalb sind zum Beispiel spezielle Wohnheime für Auszubildende eine tolle Alternative. Denn die Mieten sind hier deutlich unter dem Niveau des freien Wohnungsmarkts. So hast du die Chance, dir deine beruflichen Wünsche auch in einer anderen Stadt zu erfüllen. Such im Netz einfach unter den Schlagworten „Wohnheim + Azubi + deine Stadt“ – dann werden dir einige hilfreiche Links aufgezeigt.

Auch eine Wohngemeinschaft bietet dir einige Vorteile: Hier teilst du dir nicht nur die Miete mit deinen Mitbewohnern, du findest auch direkt Anschluss und lernst neue Leute in deiner neuen Heimat kennen.

Du kannst auch in ein möbliertes Zimmer oder in eine Pension ziehen. Vor allem in Großstädten gibt es viele Angebote. Der Vorteil: Sie sind günstiger als ein Hotel und man muss nicht gleich einen Mietvertrag mit mehrmonatiger Kündigungsfrist unterschreiben.

Egal, ob WG oder eigene Wohnung: Geld kannst du auf jeden Fall sparen, wenn du nach gebrauchten Möbeln und Elektroartikeln schaust. Hier bieten sich Flohmärkte oder Tauschbörsen bzw. Auktionsportale im Internet an.  

Umzug trotz kleinem Azubi-Budget?

Dass viele Azubis noch Zuhause wohnen, ist nämlich kein Wunder. Schließlich ist das erste Gehalt nicht so üppig, dass sich davon locker eine eigene Wohnung finanzieren lässt. Was aber, wenn der Traumjob in einer anderen Stadt auf dich wartet und du keine Möglichkeit hast, dorthin zu pendeln? Dann kann der Umzug in die erste eigene Wohnung notwendig sein. Doch wer bezahlt Fixkosten wie Miete, Heizung, Strom und Co.? Wir verraten dir, welche Förderangebote beispielsweise der Staat Auszubildenden, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, anbietet. Dazu gehören:

Berufsausbildungshilfe (BAB)

Wer schließlich doch umzieht, kann auf Unterstützung von der Berufsausbildungshilfe (BAB) der Agentur für Arbeit hoffen. Sie springt ein, wenn ein Auszubildender eine Wohnung mieten muss, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt ist. Das gilt schon für eine Strecke, für die man in eine Richtung länger als eine Stunde braucht. Mit dem BAB-Rechner kannst du selbst ausrechnen, wie viel finanzielle Unterstützung dir zusteht.

Gefördert wird die erste betriebliche oder staatliche Ausbildung. Um Geld zu bekommen, musst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen. Dort wird unter Berücksichtigung deines Gehaltes und des Einkommens deiner Eltern geprüft, ob dir die Finanzspritze zusteht. Sollte das so sein, richtet sich die Höhe nach dem Familieneinkommen sowie der Art deiner Unterbringung. Auch das Kindergeld wird mit berechnet und hat Einfluss auf die BAB.

Solltest du BAB erhalten, musst du diese nach Beendigung der Ausbildung nicht zurückzahlen. Brichst du die Lehre aber vorzeitig ab, kann es sein, dass bereits erhaltene Leistungen zurückverlangt werden. Da es einige Sonderregelungen gibt, ist es auf jeden Fall ratsam, ein Beratungsgespräch mit einem Mitarbeiter der Agentur für Arbeit zu vereinbaren.

Wohngeld

Der Bescheid von der Agentur für Arbeit ist negativ? Dann kannst du im zuständigen Amt deiner neuen Heimatstadt Wohngeld beantragen. Dafür musst du volljährig sein und nachweisen, dass andere Förderungen abgelehnt worden sind und du deine Miete selbst tragen musst. Die Bewilligung von Wohngeld für Lehrlinge ist allerdings relativ selten.

Bafög für Schüler

Mit etwas mehr Papierkram verbunden ist der Antrag auf Bafög. Azubis, die eine schulische Ausbildung absolvieren und nicht mehr Zuhause wohnen, haben die Möglichkeit, dies zu beantragen. Das geht beim Amt für Ausbildungsförderung. Genau wie bei der BAB wird nur die erste Ausbildung finanziell unterstützt. Auch hier wird das Einkommen deiner Eltern bei der Prüfung des Anspruchs berücksichtigt. Das Gute: Anders als Studenten müssen Azubis die Förderung im Anschluss nicht zurückzahlen.

Kostenfalle Wohnung

Nur 150 Euro Miete für die perfekte Wohnung? Klingt zu schön um wahr zu sein. Ist es häufig auch. Denn oft haben auf den ersten Blick traumhafte Angebote einen riesigen Haken. Und der kann, wenn es ums Geld geht, auf Dauer zu einem echten Problem werden. Deshalb gilt es, vor Unterzeichnung des Mietvertrags genau zu prüfen, was für Kosten bei deiner Wohnung auf dich zukommen werden.

Versteckte Kosten: Nebenkosten

Der erste Blick – und das wissen Vermieter ganz genau – fällt zunächst auf die Kaltmiete. Deshalb ist diese häufig niedrig angesetzt. Um das auszugleichen, haben es dann häufig die Nebenkosten in sich. Ein Grund mehr, die sogenannte Warmmiete genau unter die Lupe zu nehmen, um versteckten Kosten auf die Spur zu kommen.

Doch was verbirgt sich hinter der Warmmiete? Sie setzt sich aus der Kaltmiete sowie den Nebenkosten zusammen. Dinge wie Wasserversorgung, Heizung, Kosten für Straßenreinigung und Müllbeseitigung, Beleuchtung und noch vieles mehr zählen zu den Nebenkosten und werden anteilig von den Hausbewohnern bezahlt. Was genau zu den Nebenkosten gerechnet wird, weicht je nach Gebäude und Vertrag voneinander ab. Deshalb Vorsicht! Heizkosten zum Beispiel sind nicht automatisch immer in den Nebenkosten aufgeführt und müssen manchmal extra bezahlt werden. Das kann monatlich ein dickes Minus in die Haushaltskasse reißen.

Zusätzliche Kosten: Strom

In die Rechnung fließt auch der monatliche Stromabschlag, der nicht zu den Nebenkosten gehört. Er fällt nach individuellem Verbrauch unterschiedlich hoch aus. Dabei lohnt es sich, zwischen Stromanbietern zu vergleichen. Nicht immer ist es sinnvoll, bei dem Stromanbieter zu bleiben, der beim Vormieter unter Vertrag war. Auf verschiedenen Portalen kannst du die günstigste Alternative ermitteln.

Ein Vergleichsportal ist zum Beispiel Check24

Möbel vom Vormieter: ja oder nein?

Wohnungen in einer tollen Lage oder einem angesagten Stadtviertel sind heiß begehrt – das wissen nicht nur die Vermieter. Häufig versuchen die aktuellen Mieter ihre Lampen, Möbel oder die alte Einbauküche an den Mann zu bringen. Dazu bist du allerdings nicht verpflichtet. Wenn das Angebot stimmt und du kein Geld für neue Möbel ausgeben oder die Montage sparen willst, ist das ideal. Übrigens: Verhandeln lohnt sich. Die meisten setzen die Preise etwas höher an, um Spielraum bei Verhandlungen zu haben. In jedem Fall ist es ratsam, eine Person des Vertrauens zur Wohnungsbesichtigung oder zu Gesprächen mit Vermieter oder Vormieter mitzunehmen.

Mietkaution hat es in sich

Nicht zu vergessen ist die Mietkaution. Diese muss beim Einzug bezahlt werden und kann bis zu maximal drei Nettokaltmieten betragen. Sie dient als Absicherung für den Vermieter, zum Beispiel wenn die Miete nicht mehr bezahlt wurde oder der Mieter Schäden in der Wohnung verursacht hat. Nach Auszug bekommen die Mieter die Kaution wieder zurück. Aber es gibt auch eine neue Regelung, die gut für den Mieter ist: Einen Makler muss jetzt immer derjenige bezahlen, der ihn beauftragt. In den meisten Fällen also der Vermieter.

Weitere Kosten

Für jede Wohnung, egal wie viele Leute darin wohnen, fällt ein Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro monatlich an. Je nach Einkommen, kannst du dich von den Kosten auch befreien lassen. Mehr Informationen zu den Rundfunkgebühren.

Bedenke, dass du eventuell einen Internetanschluss benötigst und eine Hausratversicherung abschließen solltest. All das kostet natürlich ebenfalls Geld.

Gefällt dir die Wohnung und bist du auch nach der ersten Wohnungsbesichtigung noch Feuer und Flamme? Dann setz dich mit deinen Eltern zusammen und rechne noch mal in Ruhe alle Kosten durch. Damit du sicher sein kannst, dass du dir die Wohnung wirklich leisten und den Start in ein unabhängiges Leben sorglos genießen kannst.