Halbjahres-Ergebnis im Plus

  • 74 Millionen Euro Überschuss
  • Kritik an Geldverschwendung bei der elektronischen Gesundheitskarte
  • Künftig mit zweitem Mann im Vorstand

Das erste Halbjahr 2017 schloss die IKK classic bei Gesamtausgaben von 5 Milliarden Euro mit einem Einnahmeüberschuss von gut 74 Millionen Euro ab. Diese Bilanz zog der Verwaltungsrat der Kasse bei seiner heutigen Sitzung in Berlin. Die mit 3,3 Millionen Versicherten größte deutsche IKK trug damit den Löwenanteil zum insgesamt positiven Halbjahres-Ergebnis der Kassenart bei (+92,6 Millionen Euro).

Die Leistungsausgaben der IKK classic stiegen in den ersten beiden Quartalen des Jahres pro Versicherten um 4,4 Prozent. Einen deutlichen Ausgabenzuwachs verzeichnete die Kasse bei Heil- und Hilfsmitteln (+11,3 Prozent), bei Arzneimitteln (+4,7 Prozent) und bei Krankenhäusern (+3,5 Prozent). Die Aufwendungen für ambulante ärztliche Behandlungen wuchsen in dieser Zeit pro Kopf um 3 Prozent, die Krankengeldausgaben um 2,1 Prozent. Der Anstieg der Netto-Verwaltungskosten blieb moderat (+1,9 Prozent).

Die Summe der Betriebsmittel und Rücklagen lag am Ende des zweiten Quartals bei 814 Millionen Euro.

Milliardenkosten ohne Nutzen: Kritik an Umsetzungsblockaden bei der eGK

Harsche Kritik übte der Verwaltungsrat an der bisher kaum gelungenen Umsetzung der Telematik im Gesundheitswesen. Nach den Worten des Verwaltungsratsvorsitzenden Stefan Füll ist das Geschehen rund um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ein jahrelanger Skandal auf Kosten der Beitragszahler.

„Mittlerweile haben die Kassen eine gigantische Summe von über 1,7 Milliarden Euro in das Projekt eGK investiert“, so Füll. Weil deren sachgerechte Anwendung aber immer wieder blockiert und verzögert werde, können diese Karten auch Jahre nach ihrer Einführung nicht eine der ihnen zugedachten Funktionen erfüllen.

 „Allein die IKK classic wird im Jahr 2017 über 10 Millionen Euro aufwenden müssen, um ihre Versicherten mit der nächsten Generation der eGK auszustatten, deren potenzielle Funktionen dann wiederum nicht genutzt werden können“, erläutert Füll. Diese milliardenteure Posse sei den Beitragszahlern der GKV auf keinen Fall noch länger zuzumuten.

Daher sei die Politik gefordert, in den Gremien der zuständigen Betreibergesellschaft (gematik) umgehend für effiziente Entscheidungsstrukturen zu sorgen.

 „Hier muss endlich das Prinzip gelten, dass die, die zahlen, auch die Richtung und das Tempo bestimmen“, ergänzt Bert Römer, Verwaltungsratsvorsitzender auf Versichertenseite.

Wenn die beteiligten Industriefirmen Verzögerungen zu vertreten hätten, seien Vertragsstrafen anzuwenden. Das zuständige Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik solle bei seinen Vorgaben zudem endlich primär die Interessen der Versicherten in den Blick nehmen, so Römer.

„Das Projekt ist zu wichtig, als dass es an Unvermögen und der Blockade durch Lobbygruppen scheitern darf“, sind sich die Verwaltungsratsvorsitzenden einig.

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender bestimmt

Wie der Verwaltungsrat mitteilte, wird die IKK classic in Zukunft von einem zweiköpfigen Vorstand geführt. An die Seite des Vorstandsvorsitzenden Frank Hippler (53) wird dazu als Stellvertretender Vorstandsvorsitzender künftig Kai Swoboda (44) treten. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler blickt auf eine berufliche Karriere bei verschiedenen Klinikkonzernen zurück und ist gegenwärtig Geschäftsführer der Median-Kliniken. Er wird sein neues Amt im Jahr 2018 antreten.