Deutliche Zunahme an Windpocken in Schleswig-Holstein

Hamburg, 22.11.2017. - In Schleswig-Holstein steigt die Anzahl von Infektionen mit Windpocken. Bis Ende Oktober 2017 (43. KW 2017) wurde bei 656 Patienten die ansteckende Viruserkrankung festgestellt. Das sind 158 Personen mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor, in dem 498 Erkrankte gezählt wurden – eine Steigerung von über 30 Prozent. Insgesamt wurden in diesem Jahr in Schleswig-Holstein bereits mehr Fälle als im gesamten Jahr 2016 (= 610 Fälle) gezählt. Das ist bundesweit nur noch in Thüringen der Fall. Dies teilt die Krankenkasse IKK classic mit, die dazu aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts ausgewertet hat.

„Den stärksten Zuwachs in absoluten Zahlen verzeichnet die Landeshauptstadt“, sagt Peter Rupprecht von der IKK classic. „In Kiel wurden bis Ende Oktober 189 Windpocken-Fälle gemeldet. Im Vergleichszeitraum 2016 waren es 65.“ Damit hat sich die Anzahl fast verdreifacht. Auch im Kreis Stormarn gab es mit 36 Meldungen ein Plus von 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem nur zwölf Windpocken-Erkrankungen gemeldet wurden. Im gesamten Jahr 2016 wurden in Kiel 92 und im Kreis Stormarn 18 Infektionen mit Windpocken festgestellt.

„Wenn auch nicht so deutlich, wie in den beiden genannten Regionen, übersteigen fast im gesamten Land die aktuellen Infektionszahlen die Vergleichswerte vom Vorjahr“, sagt Rupprecht (siehe Tabelle) . „Es gibt aber auch Regionen, in denen die Infektionszahlen zurückgehen.“ Den stärksten Rückgang verzeichnet der Kreis Steinburg, im dem die Infektionsrate in diesem Jahr bisher um über 50 Prozent sank (bis Ende 43. KW 2017: 11 Infektionen; bis Ende 43. KW 2016: 24 Infektionen). Auch im Kreis Nordfriesland reduzierten sich die Meldungen um die Hälfte (bis Ende 43. KW 2017: 17 Infektionen, bis Ende 43. KW 2016: 34 Infektionen). Der dritte Kreis mit einen Rückgang der Infektionen ist Pinneberg, in dem die Meldungen um ein Drittel sank (bis Ende 43 KW 2017: 59 Infektionen; bis Ende 43. KW 2016: 87 Infektionen).

Was sind Windpocken?

Windpocken sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie wird vom Varizella-Zoster-Virus verursacht, der zu den Herpesviren gehört. Windpocken zählen zu den Kinderkrankheiten, aber auch Erwachsene, die nicht geimpft oder als Kind daran erkrankt sind, können an der Virus-Infektion erkranken. Bei ihnen ist der Krankheitsverlauf häufig schwerer als bei Kindern.

Typisch für die Erkrankung ist leichtes Fieber und stark juckender Hautauschlag mit kleinen, runden oder ovalen, roten Flecken, Bläschen und Schorf, der sich über den gesamten Körper und das Gesicht ausbreitet, aber auch die Schleimhäute und die Kopfhaut betreffen kann. Zudem empfinden Betroffen ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen.

Bei Verdacht sofort zum Arzt

Die IKK classic rät erkrankten Personen, sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung zu begeben. Vor allem bei Kindern müsse ein Arzt entscheiden, ob und welche fiebersenkende Mittel verabreicht werden, da die Einnahme bestimmter Wirkstoffe während der Infektionszeit gefährliche Folgen haben kann. In den meisten Fällen haben Windpocken im Kindesalter aber einen komplikationslosen Verlauf und heilen folgenlos ab. Bei Erwachsenen ist der Krankheitsverlauf häufig schwerwiegender und kann in Einzelfällen durch eine Lungen- oder Hirnhautentzündung verkompliziert werden.

Zudem weist die IKK classic darauf hin, dass sich Menschen mit Windpocken bewusst sein müssen, dass sie sehr ansteckend sind und den Kontakt mit Personen, die nicht vor Infektion geschützt sind, meiden sollten.

Impfung ist der beste Schutz

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt allen Kindern die Impfung gegen Windpocken mit zwei Impfdosen vorzugsweise im Alter von 11 bis 14 Monaten (1. Impfung) und 15 bis 23 Monaten (2. Impfung). Erfolgte die Impfung nicht im empfohlenen Alter, kann sie zu jedem Zeitpunkt nachgeholt werden. Erwachsene, besonders Frauen mit Kinderwunsch, Personen mit bestimmten gesundheitlichen Risiken und Mitarbeiter im Gesundheitsdienst, die nicht geimpft und noch nie an Windpocken erkrankt sind, sollten mit ihrem Arzt über eine mögliche Immunisierung sprechen.