Erstmals weniger Kaiserschnitte in Niedersachsen

Hannover, 14.07.2017. Im Jahr 2015 haben 19.519 Frauen in Niedersachsen mittels Kaiserschnitt entbunden, was einer Kaiserschnittrate von 30,9 Prozent entspricht. Bei der vorherigen Erhebung für das Jahr 2013 waren es noch 32,6 Prozent. Auch bundesweit ist im selben Zeitraum ein leichter Rückgang zu verzeichnen: von 31,8 auf 31,1 Prozent. Das berichtet die IKK classic anhand aktueller Zahlen des Landesamts für Statistik.

Aufklärungsarbeit fruchtet

„Nachdem die Quote in den vergangenen 25 Jahren immer weiter angestiegen ist, beobachten wir jetzt erstmals einen kleinen aber erfreulichen Rückgang“, sagt Thomas Wiechert von der IKK classic. Gegen eine hohe Anzahl von Kaiserschnitten wurde in den letzten Jahren von mehreren Stellen und mit verschiedenen Kampagnen versucht gegenzusteuern. So haben das niedersächsische Sozialministerium und das Bundesgesundheitsministerium, leitende Ärzte in den Kliniken und Hebammen in den Geburtsvorbereitungskursen wichtige Aufklärungsarbeit geleistet. Zudem sollen Entscheidungen für oder gegen einen Kaiserschnitt auf einer noch besseren wissenschaftlichen Grundlage erfolgen.

Wunschkaiserschnitte weiterhin Thema

Trotz allem: „Die Nachfrage nach Kaiserschnitten ohne medizinische Indikation – sogenannten Wunschkaiserschnitten – ist nach wie vor groß“, weiß Thomas Wiechert. „Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf sollte die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts immer abgewogen werden, denn jede Operation ist mit einem Risiko verbunden“, sagt Wiechert. Die letzte Entscheidung liegt aber immer bei der Mutter und den behandelnden Ärzten.

Stichwort Kaiserschnitt:

Anfang der 1990er Jahre lag die Kaiserschnittquote in Deutschland bei 15 Prozent. Eine solche Rate hält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch heutzutage noch für plausibel und medizinisch begründet. Deutlich höhere Zahlen könnten darauf hinweisen, dass zu oft und unnötig in den Geburtsverlauf eingegriffen wird. Risiken, die einem Kaiserschnitt medizinisch notwendig machen können, sind laut IKK classic beispielsweise Vorerkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen, eine Quer- und Beckenendlage des Kindes oder eine Mehrlingsschwangerschaft.