Ernährung im Alter

Auf Nährstoffe und Kalorienzufuhr achten

Erfurt, 06.03.2017. - In diesem Jahr steht der Tag der gesunden Ernährung am 7. März unter dem Motto „Ernährung im Alter: gesund alt werden – gesund bleiben“. IKK-Ernährungsexpertin Jana Zumpfe gibt Auskunft über richtige Ernährung im Alter, Probleme und Tipps für die Praxis.

Müssen Ernährungsgewohnheiten im Alter angepasst werden?

Um eine gute Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten, ist eine gesundheitsbewusste Lebensführung wesentliche Voraussetzung. Dabei trägt die richtige Ernährung entscheidend zu Wohlbefinden und Vitalität bei. Menschen in der zweiten Lebenshälfte erleben einige körperliche Veränderungen, die Anpassungen in der Ernährungsweise sinnvoll machen. Der Stoffwechsel stellt sich um, der Muskelanteil im Körper schwindet, der Anteil an Fettgewebe nimmt zu. Das führt dazu, dass Menschen im Alter einen geringeren Energieumsatz haben als jüngere. Diesem verringerten Energieverbrauch müssen ältere Menschen Rechnung tragen, wenn sie nicht langfristig ein deutliches Übergewicht bekommen wollen. Da der Organismus im Alter gleichzeitig Vitamine und andere Nährstoffe schlechter verarbeitet, sollten Rentner Lebensmittel mit einer hohen Dichte an Nährstoffen zu sich zu nehmen.

Welche speziellen Ernährungsbedürfnisse haben ältere Menschen?

Im Prinzip gelten für gesunde Senioren die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für jeden anderen erwachsenen Menschen auch. Nichtsdestotrotz lohnt es sich mit zunehmendem Alter nochmals einen genauen Blick auf die eigene Ernährung zu werfen. Eine ausreichende Nährstoffversorgung kann den Alterungsprozess im Körper positiv beeinflussen. Für ältere Menschen sind mehrere Mahlzeiten am Tag ideal. Drei Hauptmahlzeiten und zwei kleine Zwischenmahlzeiten werden empfohlen. Eine altersgerechte Ernährung sollte außerdem bekömmlich sein und gut schmecken, eingeschränkte Organfunktionen unterstützen und die Verdauungsvorgänge fördern. Sie muss auf den geringeren Energiebedarf abgestimmt sein, aber doch alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge enthalten sowie die körperlichen und geistigen Kräfte stärken. Gesunde Senioren brauchen keine Schonkost! Allerdings ist bei bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen oder Erkrankungen z.B. bei Diabetes, das Einhalten einer speziellen Diät notwendig und sollte bei der Verpflegung berücksichtigt werden. Hier ist eine qualifizierte Ernährungsberatung empfehlenswert.

Ernähren sich ältere Menschen ausgewogen und gesund?

Viele ältere Menschen ernähren sich leider nicht optimal. Dies führt leicht, bedingt auch durch bestehende Erkrankungen und zusätzliche Medikamenteneinnahme, zu Mangelzuständen bzw. Fehlernährung. Die häufigsten Auswirkungen einer Fehlernährung sind Über- oder Untergewicht, Mangel an Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen sowie Flüssigkeits- und Ballaststoffmangel.

Mit welchen Ernährungsproblemen haben ältere Menschen häufig zu kämpfen und wie kann man sie lösen?

Wer mit älteren Menschen zusammen lebt, hört Sätze wie „Früher hat alles besser geschmeckt.“, „Das kann ich nicht beißen.“ oder „Ich habe überhaupt keinen Appetit.“ sicher öfters. Solche Aussagen sind keine Floskeln sondern haben handfeste Hintergründe. So sind im Alter die Sinnesorgane geschwächt. Sowohl optisch als auch geschmacklich werden Mahlzeiten nicht mehr so gut wahrgenommen. Der Rückgang der Geschmacksknospen auf der Zunge tut sein übriges – alles schmeckt irgendwie fade. Um dem Entgegenzuwirken, hilft es, Speisen in kräftigen Farben zusammenzustellen und optisch schön anzurichten. Mit frischen Kräutern kann ordentlich gewürzt werden. Auch bei Zahnproblemen sollte man feste Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Vollkornbrot keinesfalls vom Speiseplan streichen sondern die Zubereitung der Kaufähigkeit anpassen. Obst und Gemüse lässt sich reiben, dünsten oder pürieren. Bei Vollkornbrot feingemahlene Sorten bevorzugen und die Rinde eventuell abschneiden. Gegen Appetitlosigkeit helfen das Essen von Leibspeisen, regelmäßige Spaziergänge oder Besuch – in Gesellschaft schmeckt es häufig besser. Durch das Anreichern von Mahlzeiten mit Butter, Sahne oder Öl können fehlende Kalorien ausgeglichen werden. Da das Durstgefühl mit zunehmendem Alter abnimmt, trinken viele Senioren oft viel zu wenig. Das kann mitunter ernste Folgen haben. Um einen Flüssigkeitsmangel bzw. einer Dehydrierung vorzubeugen, sollten ältere Menschen das Trinken regelrecht üben. Zu jeder Mahlzeit sollte immer auch getrunken werden. Getränke morgens schon sichtbar bereitstellen und leere Gläser sofort wieder auffüllen.

Jana Zumpfe

Ernährungswissenschaftlerin und IKK-Gesundheitsexpertin Jana Zumpfe aus Kölleda.
Bildnachweis: IKK classic

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