Thüringen hat Rücken

Anzahl der Behandlungsfälle variiert im Freistaat erheblich; Bildgebende Diagnostik kommt zu häufig zum Einsatz; Rückenproblemen kann man vorbeugen

Erfurt, 13.03.2017. Rückenschmerzen begleiten den Großteil der Bevölkerung: Etwa 85 Prozent aller Erwachsenen haben schon mindestens einmal an Rückenschmerzen gelitten. Jeder Fünfte hat sich aufgrund eines Rückenleidens schon mindestens einmal ärztlich behandeln lassen.  Auch die Thüringer haben Rücken. „In Thüringen gab es zwischen 2009 und 2015 im Schnitt jährlich 464, 9 Behandlungsfälle pro 1000 Versicherte“, berichtet Franziska Becher von der IKK classic anlässlich des Tags der Rückengesundheit am 15. März und bezieht sich dabei auf aktuelle Daten des Faktenchecks Rücken der Bertelsmann Stiftung. Damit liegt Thüringen über dem Bundesdurchschnitt von 452, 9 Behandlungsfällen und nach Berlin, Bayern und Sachsen-Anhalt deutschlandweit an vierter Stelle.

Die Anzahl der Behandlungsfälle variiert in den Thüringer Kreisen und kreisfreien Städten zum Teil jedoch erheblich: So betrug die durchschnittliche Anzahl von Behandlungsfällen pro 1000 Versicherte im Kreis Sonneberg 406,2, im Eichsfeld dagegen 621,0. Die Stadt Erfurt liegt mit jährlich 396,5 Behandlungsfällen nicht nur deutlich unter dem Thüringer Durchschnitt. Die Anzahl ist in der Landeshauptstadt thüringenweit sogar am geringsten.

Bildgebende Diagnostik zu häufig

Häufig sind Rückenschmerzen unspezifischer Natur, eine einzelne Schmerzursache ist schwer zu finden. Auch die bildgebende Diagnostik hilft hier oft nicht weiter. Dennoch werden zur Diagnosestellung häufig bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt. „In Thüringen kommen auf 1000 Versicherte 366,6 Bildgebungen pro Jahr. Damit liegt Thüringen, wie alle anderen ostdeutschen Bundesländer auch, deutlich unter dem Bundesschnitt von 397,6“, so Franziska Becher weiter. In manchen Thüringer Städten und Landkreisen werden deutlich mehr Aufnahmen veranlasst wie anderswo. Die meisten Aufnahmen wurden im Eichsfeld (446,1) und im Saale-Orla-Kreis (424,9) gemacht, die wenigstens im  Wartburgkreis (315,1) und im Kyffhäuserkreis (321,7). In Erfurt wurden 363,8 Aufnahmen angefertigt.

Gegen den Schmerz hilft die bildgebende Diagnostik nicht – häufig hilft sie noch nicht einmal, die Ursache für den Schmerz zu finden. So gehen die Experten der Bertelsmann Stiftung sogar davon aus, dass sich bei vier von fünf Patienten mit Rückenschmerzen auch nach gründlicher Diagnostik keine spezifische Schmerzursache finden lässt. „Eine Bildgebung sollte deshalb, auch aufgrund der Strahlenbelastung, nicht zu früh durchgeführt werden“, sagt Franziska Becher.

Bewegung ist die beste Medizin

Gründe für das Kreuz mit dem Kreuz sehen die meisten Menschen laut einer repräsentativen Umfrage der IKK classic in einseitiger Belastung (51 Prozent) und mangelnder Bewegung (22 Prozent). Auf Platz drei rangiert nach Aussage der Befragten der Stress im Beruf (12 Prozent). „Tatsächlich ist die Mehrheit der Deutschen von Bewegungsmangel betroffen. Regelmäßige Bewegung und Ausgleichsübungen sind deshalb die beste Prävention gegen Rückenschmerzen“, weiß Franziska Becher. Unterstützung bieten hier auch Gesundheitskurse wie Rückenschule oder Wirbelsäulengymnastik, die von den Krankenkassen bezuschusst werden. In diesen Kursen werden sowohl Techniken für eine rückenschonende Bewegung und Entspannung vermittelt als auch Wege aus der „Komfortzone“ aufgezeigt.

Hinweis an die Redaktion:

Als ein Behandlungsfall zählt ein Patient, der einen Haus- oder Facharzt ein- oder mehrmals pro Quartal ambulant aufgesucht hat. Die Daten sind Durchschnittswerte aller gesetzlich Versicherten der Jahre 2009 bis 2015 und beziehen sich auf den Wohnort der Versicherten. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden diese je 1000 Versicherten ausgewertet.

Grafik zur Rückengesundheit in Thüringen

©IKK classic

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