Gesundheit ist das wichtigste Gut

Experten informierten über Gesundheitsförderung im Betrieb

(17.05.2017). Zahlreiche Betriebsinhaber und Führungskräfte folgten am 16. Mai der Einladung der Handwerkskammer Münster und der IKK classic zu einer Informationsveranstaltung im Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ). Zu dem Thema „Gesundes Handwerk – starker Betrieb“ diskutierten Fachleute aus Handwerk und Wissenschaft mit Betriebsinhabern über die Möglichkeiten des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Der Hintergrund: Demographischer Wandel, Fachkräftesicherung und Wettbewerbsdruck – Handwerksbetriebe stehen heutzutage mehr denn je vor der Herausforderung, ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Und hierbei spielt die Gesundheit der Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. Denn: Gerade in Handwerksbetrieben sind Mitarbeiter im Alltag höherer körperlicher Belastung ausgesetzt als in vielen anderen Berufen. Eine Analyse der IKK classic zur Gesundheitssituation zeigt beispielsweise, dass 27,2 Prozent aller Fehltage auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen gehen. Auch der Anteil der Langzeiterkrankungen von mindestens sechs Wochen steigt immer stärker an und im Durchschnitt fehlt jeder Arbeitnehmer krankheitsbedingt 18,7 Tage im Betrieb.

Die Schlussfolgerungen, die Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, auf der Veranstaltung daraus zog, waren eindeutig: „Die Gesundheit ist das wichtigste Gut, auf das wir stets achten müssen“. Denn motivierte und leistungsstarke Führungskräfte und Mitarbeiter seien das wichtigstes Kapital für einen erfolgreichen Handwerksbetrieb und hierfür sei das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) von besonderer Bedeutung. Und durch den demographischen Wandel rückt die Gesundheit der Mitarbeiter noch mehr in den Fokus. Der Grund: In den nächsten Jahren nimmt die Zahl der Fachkräfte um rund 30 Prozent ab und es gibt immer weniger junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen können. Darum müssten sich die Unternehmen schon jetzt die Frage stellen, wie sie ihre Mitarbeiter so lange wie möglich gesund und leistungsfähig im Unternehmen halten können, um ihren Fachkräftebedarf zu decken, so Hund.

BGM als Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg

Cona Ehresmann von der Fachhochschule Münster stellte dann in ihrem Vortrag anschaulich dar, was BGM für die Betriebe leisten kann. Ihr Grundtenor dabei: BGM sorgt nicht nur für gesunde Mitarbeiter, sondern auch für eine höhere Attraktivität und Bindekraft des Unternehmens. Wie wesentlich dieser Zusammenhang ist, verdeutlichte sie an einigen Zahlen: Mitarbeiter, die die Unternehmenskultur schlecht bewerten, fehlen im Durchschnitt zwölf Tage im Jahr wegen Krankheit. Bei einer mittleren Bewertung sind es neun Fehltage, bei einer guten sind es dagegen lediglich fünf Tage. Auch bei der Produktivität konnte wissenschaftlich der Nutzen von BGM nachgewiesen werden: Verglichen mit einem Betrieb, der keine Maßnahmen durchführt, steigert ein Unternehmen mit BGM seine Produktivität innerhalb von drei Jahren um rund 17 Prozent. Bei der Umsetzung von BGM sei es wichtig, so Ehresmann, dass es eine klare Zielstellung gäbe, die Mitarbeiter beteiligt werden und dass man an bestehende Strukturen anknüpfe.

Anschließend folgte ein Vortrag von Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Er machte deutlich, dass körperliche Aktivität letztendlich der Schlüssel zu einem erfolgreichen BGM ist. Denn: 85 Prozent der Deutschen bewegen sich zu wenig – mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen. „Darum gilt: Jede Bewegung ist besser, als keine“, so der Sportmediziner. Wichtig dabei sei, dass es im Betrieb ein Vorbild gibt – am besten sogar der Chef selbst. „Darum machen Sie mit, zeigen Sie ihren Mitarbeitern, wie gut Bewegung tut“.

In der folgenden Podiumsdiskussion schilderten Ralf Mensing, Geschäftsführer von Maler Mensing GmbH & Co. KG, und Iris Bittner von der Fleischerei Bittner, ihre individuellen und praktischen Erfahrungen mit Gesundheitsförderung im eigenen Betrieb. „Die Einführung war definitiv die richtige Entscheidung. Die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter war schnell verschwunden. Das Betriebsklima hat sich deutlich verbessert und auch die Fehlzeiten sind gesunken“ so das Resümee von Ralf Mensing. Iris Bittner konnte diese Einschätzung nur bestätigen: „Mein Motto lautet jetzt: Dran bleiben, es lohnt sich“. Im Anschluss konnten die Teilnehmer im persönlichen Austausch Fragen und Erfahrungen miteinander teilen.

Unter www.gesundeshandwerk.de erfahren Interessierte, was sich hinter BGM verbirgt und wen sie ansprechen können. Praxisbeispiele zeigen, wie das Thema Gesundheit in Handwerksbetrieben umgesetzt werden kann und welche Auswirkungen damit für die Unternehmen einhergehen. Daneben finden sich aktuelle Veranstaltungen aus der Region sowie ein übersichtliches „A-Z Lexikon“, in dem die wichtigsten BGM-Begriffe erklärt werden.

Claudia von Diepenbroick-Grüter, Dennis Buschek, Silke Ogryssek, Iris Bittner , Ralf Mensing, Ingo Froböse, Tobias Nitzschke

Foto (v.l.n.r.): Claudia von Diepenbroick-Grüter (Handwerkskammer Münster), Dennis Buschek und Silke Ogryssek (IKK classic), Iris Bittner (Fleischerei Bittner), Ralf Mensing (Maler Mensing GmbH und Co. KG), Ingo Froböse (Deutsche Sporthochschule Köln) Moderator Tobias Nitzschke (Nitzschke GmbH)
© IKK classic

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