Mit Schniefnase nicht zur Arbeit

Der Kopf tut weh, die Nase läuft und das Fieberthermometer zeigt knapp 38 Grad an. Doch statt sich ins Bett zu legen, erscheinen viele Erwerbstätige trotz dieser Symptome bei der Arbeit. Das schadet nicht nur den Kollegen.

(Bielefeld, 27.10.2017). Vier von fünf Befragten erklärten, innerhalb der vergangenen zwei Jahren mindestens einmal trotz Krankheit (Schnupfen inbegriffen) arbeiten gegangen zu sein. 70 Prozent haben dies in der Zeit sogar mehrfach getan – sogar 75 Prozent der berufstätigen Frauen (Männer: 66 Prozent). Das geht auch aus einer repräsentativen Umfrage des forsa-Instituts im Auftrag der IKK classic hervor. Die Gründe sind vielfältig. Die Sorge vor beruflichen Nachteilen ist nur für 14 Prozent relevant. Stärker ist der Widerwille gegen das Wartezimmer: fast ein Drittel der Befragten (32 Prozent) wäre ein Arztbesuch zwecks Krankschreibung lästig gewesen. 82 Prozent nennen als Gründe die Geringfügigkeit der Erkrankung. Fast 70 Prozent jedoch, schleppen sich aufgrund der Menge der Arbeit und aus Solidarität mit den Kollegen gesundheitlich angeschlagen zur Arbeit. „Falsches Pflichtgefühl“, nennen es die Gesundheitsexperten der IKK classic. Denn Skandinavische Studien belegen: Wer krank zur Arbeit geht, wird langfristig gesehen öfter krank. Davon abgesehen schadet „Präsentismus“ – so der wissenschaftliche Begriff – auch den Kollegen. Wer schnieft und niest ist meist auch ansteckend. Das kann eine Welle von Erkrankungen bei den Mitarbeitern im Betrieb auslösen.

Auch Firmenchefs nützt ein kranker Mitarbeiter wenig. Präsentismus ist nämlich ein teures Problem und verursacht zwei Drittel aller Krankheitskosten im Betrieb. Denn: Egal ob im Büro, auf der Baustelle oder am Fließband – ein kranker Mitarbeiter ist kontraproduktiv und die Fehlerhäufigkeit ist höher. Hinzu kommt ein erhöhtes Unfallrisiko durch krankheitsbedingten Konzentrationsmangel. Wer beruflich ein Fahrzeug lenken muss oder wie viele Handwerker und Industriearbeiter gefährliche Maschinen bedienen muss, sollte auf jeden Fall zu Hause bleiben, wenn der Arzt dazu rät.