Bei der Gesundheit muss der Chef Vorbild sein

Experten informieren über Gesundheitsförderung im Betrieb

Vertreter zahlreicher Innungsverbände aus ganz NRW trafen sich am Dienstag, den 13. Juni, auf der Zeche Hansemann in Dortmund. Grund war eine Einladung zur Auftaktveranstaltung „Präventions-Initiative Handwerk NRW“ – eine Kooperation vom Unternehmerverband Handwerk (UVH) NRW e. V., von der Krankenkasse IKK classic und der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. Den Funktionsträgern wurden neue Ideen und Impulse vorgestellt, wie sie das Thema betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) in den Verbänden und Innungen umsetzen können.

Früh in Gesundheit investieren

Warum ist Gesundheitsförderung eigentlich so wichtig? Diese Frage stelle Hans-Joachim Hering, Präsident vom UVH NRW e. V., den Teilnehmern direkt zu Beginn seiner Begrüßungsrede und gab die Antwort gleich selbst: „Im Handwerk hat der Durchschnittsbetrieb fünf Mitarbeiter. Wenn zwei davon krankheitsbedingt ausfallen, heißt das improvisieren, Aufträge absagen und ggf. Kunden verlieren. Die verbleibenden drei Mitarbeiter müssen doppelt soviel arbeiten und können ebenfalls krank werden. Das alles muss nicht sein, wenn Betriebe früh genug in die Gesundheit der Mitarbeiter investieren.“

Neue Herausforderungen meistern

„Eine Veranstaltung zu dem Thema BGF an einem so geschichtsträchtigen Ort ist auch ein Signal“, sagte anschließend Ernst Wölke, Hauptgeschäftsführer der HWK Dortmund. Das Bildungszentrum für die Gerüstbauer ist im Jahr 2000 auf der Zeche Hansemann, Barbarastraße 7 in Dortmund, entstanden. „Gesundheitsförderung war auf der Zeche früher natürlich überhaupt kein Thema. Die Arbeit war anstrengend und die ‚Staublunge‘ eine der häufigsten Erkrankungen. Das müssen wir heute besser machen, es ist die Herausforderung für die Zukunft“, sagte er und übergab an Prof. Dr. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS).

Chef als Vorbild

Prof. Dr. Froböse machte deutlich, dass körperliche Aktivität letztendlich der Schlüssel zu einer erfolgreichen BGF ist. Denn: 85 Prozent der Deutschen bewegen sich zu wenig – mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen. „Darum gilt: Jede Bewegung ist besser, als keine“, so der Sportmediziner. Wichtig dabei sei, dass es im Betrieb ein Vorbild gibt – am besten sogar der Chef selbst. „Darum machen Sie mit, zeigen Sie ihren Mitarbeitern, wie gut Bewegung tut. Und: Schon bei den Auszubildenden muss die Gesundheit nachhaltig gefördert werden, damit sie lange arbeitsfähig bleiben.“

Anschließend kamen zwei Betriebsinhaber zu Wort, die Gesundheit im Betrieb wirklich zur Chefsache erklärt haben. Sebastian Everding, Geschäftsführer der Lingenhoff GmbH aus Dortmund, und Frank Wilkening, Geschäftsführer der Firma Ohrem und Wilkening GmbH aus Kerpen-Türnich, schilderten ihre individuellen und praktischen Erfahrungen mit Gesundheitsförderung im eigenen Betrieb.

Einmal von Köln nach Neapel

„Die Einführung von BGF war definitiv die richtige Entscheidung. Alle Mitarbeiter konnten sich einbringen. Und dadurch, dass wir uns Unterstützung von außen – also von der IKK classic – geholt haben, waren die Mitarbeiter sehr offen. Bei der Mitarbeiterbefragung sind die eigentümlichsten Dinge zutage gekommen. Diesen haben wir uns dann nach und nach angenommen“, sagte Wilkening. „Eine besondere Aktion ist sicherlich die 10.000-Schritte-Challange. Dabei erhält jeder Mitarbeiter einen Schrittzähler und innerhalb von vier Wochen wollen wir eine Strecke von Köln nach Neapel (knapp 1.600 Kilometer) zurücklegen. Jeden Montagmorgen werden die Schritte aller teilnehmenden Kollegen notiert. Wenn wir das schaffen, spendieren wir 500 Euro für eine gemeinschaftliche Veranstaltung. Das fördert die Motivation und den Teamgeist.“

Mitarbeitergesundheit wichtiger als Öffnungszeiten

„Unsere größte ‚Baustelle‘ war ein spürbar hohes Stresslevel – das hat die Analyse durch die IKK classic ergeben.“, erinnert sich Everding. Seit 1951 betreibt das Unternehmen ein in der Mittagszeit durchgehend geöffnetes Ladenlokal – mit hoher Kundenfrequenz. Die Mitarbeiter konnten deshalb keine regelmäßigen Pausen machen. „Das haben wir vor einigen Monaten geändert. Die Sorge, in der Mittagspause nicht schließen zu können, da wir sonst Kunden verlieren würden, ist Blödsinn. Die Kunden haben das voll und ganz akzeptiert und die Mitarbeiter sind viel gelassener und motivierter geworden. Die IKK classic ging im Rahmen der BGF ganz individuell auf unsere Bedürfnisse ein. Gemeinsame Gesundheitsaktivitäten wurden teilweise auch nach Feierabend durchgeführt.“

Gesundheitstag als Einstieg in BGF

Seit vielen Jahren unterstützt die IKK classic Firmen unterschiedlichster Branchen und Größen bei der BGF. Kleinere Handwerksbetriebe liegen ihr besonders am Herzen. Sie haben zwar weniger Ressourcen, um BGF durchzuführen, doch sie unterschätzen ihre Stärken: Kleinere und mittelständische Betriebe sind beweglicher als große Unternehmen. Sie können Änderungen im Arbeitsablauf schneller und flexibler umsetzen.

„Für den Einstieg bietet die IKK classic zahlreiche Schnupperangebote an, ohne gleich für eine längere Zeit den ganzen Betrieb lahmzulegen“, sagte Thomas Lamberz, Landesgeschäftsführer bei der IKK classic. „Ein einziger Gesundheitstag beispielsweise, bei dem unterschiedliche Gesundheitschecks angeboten werden und der Zeit für Gespräche bietet, gibt unseren Gesundheitsmanagern Einblicke in die Organisation und Abläufe im Betrieb. Und schon kleine Änderungen können den Arbeitsalltag vereinfachen.“ Um mehr zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu erfahren, können sich Betriebe entweder direkt an die IKK classic wenden (www.ikk-classic.de/bgm), oder Kontakt mit ihren Innungsverbänden aufnehmen.

 

Gesundheitssituation im Handwerk
Gerade in Handwerksbetrieben sind Mitarbeiter im Alltag höherer körperlicher Belastung ausgesetzt als in vielen anderen Berufen. Eine Analyse der IKK classic zur Gesundheitssituation im Handwerk zeigt beispielsweise, dass im vergangenen Jahr 30,1 Prozent (2015: 29,5 Prozent) aller Fehltage auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen gingen. Besorgniserregend sind auch die anhaltend hohe durchschnittliche Falldauer von 13,2 Tagen und der hohe Anteil an Langzeiterkrankungen (über 42 Tage). Wenn Handwerker erkranken, dann umso heftiger und sie brauchen in der Regel länger, bis sie wieder fit sind. Im Jahr 2016 betrug der Anteil der Langzeiterkrankungen im Handwerk 48,9 Prozent (2015: 47,3 Prozent). Zum Vergleich: Über alle ganzjährig Versicherten der IKK classic hinweg waren es nur 44,4 Prozent.

Thomas Lamberz, Landesgeschäftsführer der IKK classic; Dr. Frank Wackers, Hauptgeschäftsführer UVH NRW e. V.; Prof. Dr. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS)

Thomas Lamberz, Landesgeschäftsführer der IKK classic; Dr. Frank Wackers, Hauptgeschäftsführer UVH NRW e. V.; Prof. Dr. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS)
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