Betriebliches Eingliederungs-
management (BEM)

Psychische Belastungen im Beruf, eine schwere Erkrankung oder ein Unfall sind die häufigsten Ursachen, warum ein Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum hinweg arbeitsunfähig ist. Betriebliches Eingliederungsmanagement (kurz: BEM) hilft dabei, die erkrankten Beschäftigten möglichst schnell zu rehabilitieren und einem erneuten Ausfall vorzubeugen.

Der Gesundheitsbericht der IKK classic zeigt, dass fast die Hälfte aller Arbeitsunfähigkeitstage durch Erkrankungen, die länger als 42 Tage dauern, bedingt ist. Fehlen Beschäftigte innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen wegen Krankheit – am Stück oder wiederholt – muss der Arbeitgeber aktiv werden und seinem Angestellten ein betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten.

Was ist BEM ?

Das betriebliche Eingliederungsmanagement stellt die Gesundheit des Arbeitnehmers in den Vordergrund: Wie kann seine Arbeitsunfähigkeit überwunden werden? Welche Maßnahmen und Hilfen beugen einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vor? Und wie kann der Arbeitsplatz erhalten werden?

Um diese Fragen zu beantworten, führt der Arbeitgeber Gespräche über die Ursachen der Arbeitsunfähigkeit und evaluiert die Belastbarkeit des Mitarbeiters sowie mögliche Verbesserungen am Arbeitsplatz, beispielsweise durch Schutzkleidung, Bewegungstrainings oder die Umgestaltung von Arbeitsabläufen. Liegen diese Ursachen im Betrieb, dann trifft der Arbeitgeber weitere Maßnahmen, um einer erneuten Erkrankung des Arbeitnehmers vorzubeugen.

Eine der am häufigsten gewählten Lösungen für alle Beteiligten ist ebenso einfach wie überzeugend: Ein Mitarbeiter, der wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr oder nur noch teilweise an seinem gewohnten Arbeitsplatz tätig sein kann, übernimmt im Betrieb neue Aufgaben. Sein fachliches Wissen aus vielen Berufsjahren bleibt dem Unternehmen somit erhalten. Für die Anforderungen an einen neuen Arbeitsplatz muss der Arbeitgeber den Beschäftigten – falls nötig – neu qualifizieren.

Die IKK classic unterstützt Betriebe bei der Umsetzung des betrieblichen Eingliederungsmanagements. Weitere Informationen zur erfolgreichen Rückkehr an den Arbeitsplatz geben unsere Experten vor Ort.

Wie wird BEM evaluiert?

Um die betroffenen Beschäftigten für das Eingliederungsmanagement zu identifizieren, erhebt die Personalstelle monatlich die Fehltage der Angestellten.

Bei mehr als 30 Fehltagen innerhalb der vergangenen zwölf Monate sollte ein BEM-Verfahren vom Arbeitgeber eingeleitet werden.

Unser Tipp: 

Darüber hinaus sollte ein BEM-Team, bestehend aus einem Vertreter des Arbeitgebers sowie der Interessenvertretung, regelmäßig den BEM-Prozess im Unternehmen evaluieren. Das hilft bei der Beurteilung, ob und wie die Ziele und Aufgaben gemäß § 84 Abs. 2 SGB IX erfüllt sind, und liefert Hinweise auf den erforderlichen Anpassungs- und Erweiterungsbedarf für die notwendigen Verfahrensabläufe.

Was spricht für das BEM?

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können von einem BEM-Verfahren profitieren.

  • Gesundheit und Leistungsfähigkeit aller Beschäftigten werden gefördert

  • Fehlzeiten können reduziert werden, Kosten für Arbeitgeber sinken

  • Fachwissen bewährter Mitarbeiter bleibt dem Unternehmen erhalten

  • Mögliche finanzielle Unterstützung, zum Beispiel durch die Integrationsämter

Was passiert, wenn kein BEM durchgeführt wird?

Wurde ein gesetzlich vorgeschriebenes BEM nicht durchgeführt, muss unterschieden werden, ob der Arbeitgeber das BEM nicht angeboten oder die betroffene Person nicht daran teilgenommen hat. Während der Arbeitgeber einem lang erkrankten Arbeitnehmer verpflichtend ein BEM anbieten muss, steht es dem Betroffenen nämlich frei, daran teilzunehmen.

Fehlt das Angebot des Arbeitgebers, wird dies nicht sanktioniert. Eine eventuelle spätere Kündigung, die sich auf die längere Krankheit des Beschäftigten stützt, kann jedoch an einem fehlenden BEM scheitern. Arbeitgebern ist deshalb zu empfehlen, ein BEM anzubieten.

Arbeitnehmer hingegen sollten nicht leichtfertig auf die Möglichkeit der Teilnahme am BEM verzichten. Nimmt der Arbeitnehmer an einem ihm angebotenen BEM nicht teil, so kann dieser sich in einem etwaigen Kündigungsschutzprozess nicht darauf berufen, dass kein BEM durchgeführt worden sei.