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Mobile only: So können Handwerks­betriebe ihre Webseite mobil­freundlich gestalten

Seit Anfang März gilt die "Mobile-only-Indexierung" von Google. Heißt: Ist eine Webseite nicht für mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets optimiert, ist sie schwer bei Google zu finden. Wir geben Tipps, wie das Handwerk diese Herausforderung meistern kann.

Die Digitalisierung schreitet auch im Handwerk immer weiter voran. Bestes Beispiel: Fast jeder Handwerksbetrieb hat heutzutage eine eigene Homepage. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZHD) und des Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2020. Demnach besitzen 97 Prozent der befragten Unternehmen eine eigene Webpräsenz. 

Wenig verwunderlich, denn: In der heutigen Zeit gehört zu einer erfolgreichen digitalen Strategie fast schon zwingend eine gute Unternehmenswebseite. Schließlich ist diese häufig der erste Kontaktpunkt mit Neukundinnen und -kunden: "Die Webseite bildet heute den Kern der digitalen Kommunikation. Hier gilt es, echte digitale Mehrwerte für die Kunden bereitzustellen", erklärt Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk (KDH).

Nicht mobilfreundlich, nicht auffindbar

Doch Schätzungen zufolge ist etwa jede zweite Webseite im Handwerk nicht mobil optimiert. Obwohl immer mehr Menschen häufiger auf dem Smartphone statt am PC surfen, gilt also noch nicht bei jeder Webseite: "mobile first". Solche Seiten können Nutzerinnen und Nutzer aber schnell frustrieren, wenn sie beispielsweise erst einmal zoomen und scrollen müssen, um Beschreibungen oder Artikel lesen und die gesuchte Information auf der Seite finden zu können. Eine mobilfreundliche Webseite hingegen ist gut lesbar und intuitiv bedienbar.

Doch eine Webseite, die diesem veränderten Nutzungsverhalten nicht Rechnung trägt, birgt noch ein weiteres Problem: Sie wird in Suchmaschinen kaum noch gefunden. Das liegt daran, dass seit März 2021 bei der weltweit wichtigsten Suchmaschine Google jetzt die Mobile-only-Indexierung gilt. Bedeutet: Webseiten ohne Mobilversion und mit reinen Desktop-Inhalten müssen mit starken Ranking-Verlusten bei Google rechnen.

Wenn mögliche Kundinnen oder Kunden dann zum Beispiel nach "Tischlerei in Köln" suchen, wird eine Internetseite, die nicht mobil optimiert ist, erst auf Seite zwei der Suchergebnisse erscheinen oder noch später. Die meisten Suchenden klicken allerdings erst gar nicht so weit.

Aber was kann man tun, um die Unternehmenswebseite mobilfreundlich zu gestalten und somit bei den Google-Suchergebnissen gefunden zu werden? Wir haben Tipps zusammengestellt, wie Handwerksbetriebe auf die neue Situation reagieren können – und wo es Hilfe gibt.

Ein Grauhaariger Mann mittleren Alters sitzt vor einem Laptop am Küchentisch. © iStockphoto

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Überprüfen Sie Ihre Webseite auf Mobilfreundlichkeit

Um einen ersten Eindruck davon zu erhalten, wie mobilfreundlich Ihre Webseite ist, können Sie ein Google-Tool nutzen. Der kostenlose Test auf Optimierung für Mobilgeräte liefert in wenigen Sekunden eine erste Einordnung. Das Testergebnis enthält einen Screenshot, auf dem zu sehen ist, wie die Seite für Google auf einem mobilen Endgerät aussieht.

Zudem erhalten Sie einen Bericht, der negative Erfahrungen von Nutzerinnen und Nutzern auflistet. Dabei handelt es sich um Faktoren, die sich auf einem Smartphone oder Tablet unvorteilhaft auswirken, etwa kleine Schriftgrößen oder der Einsatz von Flash. Letzteres ist ein Format zur Übertragung von Videoinhalten, das von den meisten Mobilgeräten nicht unterstützt wird. Generell sollte zudem darauf geachtet werden, große Webseitenstrukturen zu vermeiden. Setzen Sie stattdessen besser auf eine klare und intuitive Menüführung.
 

Nutzen Sie Responsive Design

"Responsive", also reagierendes Design ist dafür da, dass die Darstellung Ihrer Webseite automatisch an das genutzte Endgerät angepasst wird – also auch an Smartphones und Tablets. Durch Responsive Design bleiben Bilder sicht- und Texte lesbar, die Seite ist auch ohne Scrollen und Zoomen angenehm zu bedienen. 

Eine andere Variante ist übrigens das Adaptive Design. Während Responsive Design die Darstellung einer einzelnen Seitenversion anpasst, liefert das Adaptive Design mehrere völlig unterschiedliche Versionen derselben Seite. Allerdings bleiben zum Beispiel Bilder in ihrer festgelegten Größe – so können diese auf bestimmten Geräten nicht richtig dargestellt werden. Damit ist das Responsive Design nutzerfreundlicher und Webseiten werden damit bei Suchmaschinen besser gefunden.

Zwei Frauen unterhalten sich im Büroflur über Pläne, die an der Wand hängen. © IKK Classic

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Verringern Sie die Ladegeschwindigkeit

"Neben der Lesefreundlichkeit ist aber unter anderem auch die Ladegeschwindigkeit der Seite sehr wichtig für das Ranking", ergänzt Digitalexperte Krause. Diese lässt sich ebenso bei Google prüfen, und zwar über das Tool PageSpeed Insights.

Die Ladegeschwindigkeit lässt sich beispielsweise verbessern, indem man Bilder komprimiert, den Quellcode von Leerzeichen und Umbrüchen befreit oder die Anzahl der Umleitungen innerhalb der Webseite minimiert. Dies sind einige wichtige Stellschrauben, um die Ladezeit zu verbessern.

Warum denn bitte gerade da sparen, wo der Kunde heute als Erstes nachschaut?
Christoph Krause, KDH

Mobile first? Fragen Sie die Profis

Einige der genannten Methoden sind auch von Einsteigern gut umzusetzen, für andere braucht man Profis. Christoph Krause empfiehlt, sich in Sachen Programmierung und Design mobiler Webseiten helfen zu lassen: "So wie das Handwerk in perfektes Werkzeug und Maschinen investiert, würde ich auch bei den Kommunikationswerkzeugen in die besten digitalen Werkzeuge investieren. Warum denn bitte gerade da sparen, wo der Kunde heute als Erstes nachschaut?"

Krause verweist auf die bundesweiten Zentren von Mittelstand Digital, ein vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Angebot. Hier gibt es auch einen Bereich, der sich speziell an das Handwerk richtet: Holen Sie sich hier Tipps für erfolgreiche Digitalisierungsstrategien im Handwerk.

Zudem bieten viele der 53 Handwerkskammern in Deutschland inzwischen regionale Begleitung durch speziell geschulte Beraterinnen und Berater. "Nicht zuletzt lernt man doch am besten mit echten digitalen Macherinnen und Machern aus dem Handwerk", so Krause. 

Abgesehen davon gibt es natürlich zahlreiche externe Dienstleister, die Sie beim Erstellen oder Umbau Ihrer Webseite unterstützen können. Diese kümmern sich je nach Auftrag um Aufgaben wie die Bereitstellung von Webspace, das Layout, die Programmierung oder sogar um die Produktion von Inhalten wie Texte und Fotos.

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Digitalisierung als Chance begreifen

Die Optimierung auf mobile Geräte sei – laut Digitalisierungsexperte Krause – jedoch nur eine der Hausaufgaben. Denn der Google-Algorithmus bewerte weit mehr als 200 Parameter auf einer durchschnittlichen Webseite, so Krause. Dazu gehören Verlinkungen, die HTML-Struktur, Sicherheitszertifikate, gemessene Signale aus sozialen Netzwerken und Keywords, also besonders oft gesuchte Schlüsselwörter.

"Die Komplexität der digitalen Transformation ist gerade für das Handwerk in den letzten vier Jahren enorm angestiegen. Denken wir nur an Gewerke wie Sanitär, Heizung und Klima, das Elektrohandwerk oder den Bäcker", fasst Krause zusammen. Hierin liegen jedoch nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen: So könnten zum Beispiel neue Geschäftsmodelle entstehen oder die Kundinnen und Kunden stärker mit eingebunden werden. 

Als Paradebeispiele nennt Krause das Maler-Start-up Kolorat, das unter anderem durch ein Online-Fragetool individualisiere Farbempfehlungen gibt, und den Sanierungsrechner aus dem Baugewerbe. Letzterer ist ein Webseiten-Tool, über das Anfragen vorqualifiziert werden können. So spart sich die Handwerkerin oder der Handwerker im Voraus Zeit. Angeboten wird der Service von Unternehmen in Kooperation mit dem Bundeswirtschaftsministerium.

Der Kunde erwartet von einem erstklassigen Handwerksbetrieb auch eine erstklassige digitale Kommunikation.
Christoph Krause

Digitalisierung im Handwerk – absolut machbar

Für Christoph Krause kommt es letztlich darauf an, dass sich die Handwerksbetriebe zu einhundert Prozent auf die neuen digitalen Möglichkeiten einlassen: "Machen ist wie wollen, nur krasser!", appelliert er. "Der Kunde erwartet von einem erstklassigen Handwerker auch eine erstklassige digitale Kommunikation." 

Er sei sich bewusst, dass die Auftragsbücher aktuell in den meisten Gewerken mehr als gefüllt sind. Aber andere große Plattformen arbeiteten bereits am direkten Kontakt mit dem Kunden, so Krause: "Lassen Sie uns bitte nicht den gleichen Denkfehler machen, den wir bei Amazon gemacht haben. Wer die nötige Infrastruktur und den digitalen Kontakt zum Kunden besitzt, wird entscheiden, welche Hand zur Ausführung kommt – und zu welchem Preis." Eine mobilfreundliche Webseite sollte künftig daher bei jedem Handwerksunternehmen zum Standard gehören.

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