Ein Tisch mit Mikrofon, Laptop und Kaffeetasse

Folge #39 – Hass im Netz, Stress im Kopf: Online-Mobbing erkennen und stoppen

Ein Kommentar, ein Screenshot, ein Shitstorm, und plötzlich fühlt sich das Handy an wie ein Gegner, der immer gewinnt. In dieser Folge spricht die Handwerks-Influencerin @die.tischlerin mit Urooba darüber, wann aus Gegenwind Mobbing wird, wie sich das auf Gesundheit und Selbstbild auswirkt und was du tun kannst, damit du dich nicht stundenlang in der Kommentarspalte verlierst.

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Hinweis: In dieser Folge sprechen wir über Online-Mobbing, Gewalt und Suizidgedanken.

Mobbing im Betrieb oder in der Schule kann uns schwer zusetzen. Noch schlimmer, wenn es in den sozialen Netzwerken weitergeht – denn Hass im Netz hört nicht automatisch auf, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist. Die Folgen begleiten viele Betroffene auch im Alltag. @die.tischlerin erzählt Urooba schonungslos ehrlich, was ihr in Schule und Ausbildung passiert ist und wie sie einen Weg herausgefunden hat.

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Es war so emotional belastend, dass es auch Momente gab, in denen ich gesagt habe: Ich will nicht mehr leben.

Isabelle Vivianne (@die.tischlerin)

Ist das schon Mobbing?

Mobbing ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein Muster: Eine Person oder Gruppe schikaniert jemanden wiederholt über längere Zeit, und das Opfer kann sich kaum wehren, weil die Machtverhältnisse ungleich sind. Erkennen lässt es sich weniger an einer einzelnen Gemeinheit als an Dauer und Ungleichgewicht: Ausgrenzung in der Pause, Gerüchte, die die Runde machen, Aufgaben, die immer nur einer erledigen soll oder Sprüche, die hinterher als „war doch nur Spaß“ verkauft werden. Betroffene werden oft auffallend still, ziehen sich zurück, verlieren die Lust an Dingen, die ihnen wichtig waren und sagen auf Nachfrage, es sei „nicht so schlimm“.

Mobbing entsteht selten durch einen einzigen Täter. Oft beginnt es mit einem Konflikt oder damit, dass jemand von der Gruppe als „anders" wahrgenommen wird, etwa wegen des Aussehens, der Herkunft, bestimmter Interessen oder einfach der eigenen Art. Dazu kommen Menschen, die mitmachen und ein Umfeld, das wegschaut. Genau dieses Wegschauen macht Mobbing erst möglich: Wer lacht, schweigt oder nichts dagegen unternimmt, signalisiert der Gruppe, dass ihr Verhalten in Ordnung ist. Die Verantwortung liegt dabei nie bei den Betroffenen, sondern bei denen, die mobben oder Mobbing zulassen.

© C3
Credit: C3

Die Geschichte von Isabelle Vivianne

2.000 – so viele Schüler posteten auf einer Facebookseite, die nur eingerichtet worden war, um Isabelle Vivianne (@die.tischlerin) während ihrer Zeit am Gymnasium zu beleidigen und bloßzustellen. Dazu kam tägliches Mobbing in der Schule und später starke Ausgrenzung im Zuge ihrer Ausbildung. Es ist schwer vorzustellen, wie ein Mensch so etwas aushalten soll. Im Gespräch mit Urooba erzählt sie ohne Filter von ihren schwärzesten Tagen, den Auswirkungen des Mobbings auf sich und ihre Familie und wie sie einen Weg gefunden hat, damit umzugehen.

Wie sieht Online-Mobbing aus?

„Ist doch nur ein Witz.“ „Stell dich nicht so an.“ „Warum postest du überhaupt, wenn du das nicht aushältst?“

Wenn du dich darin wiedererkennst oder jemanden kennst, dem so etwas passiert: Du bist damit nicht allein.

Online-Mobbing (auch Cybermobbing) bedeutet, dass eine Person über digitale Kanäle wiederholt und gezielt herabgesetzt, bloßgestellt oder bedroht wird.

Hass im Netz ist der Oberbegriff. Er umfasst beleidigende Kommentare, Hetze, Drohungen und die Veröffentlichung privater Informationen. Entscheidend ist selten ein einzelner Vorfall, sondern das Muster: Wiederholung, Ungleichgewicht und Reichweite.

Wann wird es zum Problem?

Du bist dir nicht sicher, ob du unter Mobbing im Netz leidest oder ob die Netzwerke „halt so sind“? Achte auf diese Signale:

  • Du checkst morgens als Erstes dein Handy und abends als Letztes, aus Angst vor dem, was drinsteht.

  • Du löschst Posts, bevor du sie veröffentlichst, weil du schon die Reaktionen im Kopf durchspielst.

  • Du grübelst nachts über Kommentare, die du gar nicht richtig verstanden hast.

  • Du meidest Termine, Freundinnen und Freunde oder Jobs, weil du nicht weißt, wer was über dich geschrieben hat.

  • Du gibst dir die Schuld, obwohl andere die Grenze überschritten haben.

Wenn mehrere Signale auf dich zutreffen, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen, dass du etwas ändern solltest.

5 Tipps gegen Online-Mobbing

  • 1. Beweise sichern, bevor du löschst. Mach Screenshots mit Datum, Uhrzeit und Profil-Link. Ohne Beweis steht am Ende Aussage gegen Aussage.

  • 2. Melden und blockieren, ohne schlechtes Gewissen. Jede große Plattform hat Meldefunktionen. Blockieren ist kein Rückzug, sondern Selbstschutz.

  • 3. Nicht jede Kommentarspalte lesen. Filter, eingeschränkte Benachrichtigungen und feste Zeiten ohne Handy helfen. Niemand muss jeden Kommentar kennen, der über ihn geschrieben wird.

  • 4. Sprich mit jemandem, dem du vertraust. Freundinnen, Familie, Ausbildungsbetrieb, Vertrauenslehrkraft oder Betriebsrat. Du musst das nicht allein tragen.

  • 5. Hol dir professionelle Hilfe, wenn der Druck bleibt. Schlafprobleme, Angst oder ständige Anspannung sind ernst zu nehmen. Wichtige Anlaufstellen findest du unten.

Hier bekommst du Hilfe

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei, rund um die Uhr
  • Nummer gegen Kummer, Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
  • Juuuport: Online-Beratung von Jugendlichen für Jugendliche

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