Zwei Apotheker:innen im Gespräch im Laden

Alternative Arzneimittel

Die Nachfrage nach alternativer Medizin ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und alternative Arzneimittel können eine klassische schulmedizinische Behandlung wirkungsvoll ergänzen. Die IKK classic übernimmt einen Teil der Kosten für solche Mittel.

Was sind alternative Arzneimittel?

Unter alternativen Arzneimitteln versteht man apothekenpflichtige verschreibungsfreie Medikamente aus den Bereichen Anthroposophie, Homöopathie und Phytotherapie. Auch Schüssler-Salze zählen dazu.

Homöopathische Arzneimittel (Homöopathische Mittel, Homöopathika)

Homöopathische Mittel beruhen auf dem von Christian Friedrich Samuel Hahnemann entwickelten Ähnlichkeitsprinzip „similia similibus curentur“. Danach sollen Substanzen, die an Gesunden bestimmte Symptome auslösen, genau diese Symptome bei Kranken heilen können. Rund 2.500 verschiedene homöopathische Arzneien gibt es heute – hergestellt durch eine starke Verdünnung der Ausgangssubstanzen (Mineralien, Pflanzen, Tiere und Tierprodukte). Diese Verdünnungsstufen werden als Potenzen bezeichnet. 

Die Annahme: Je höher die Potenz und damit die Verdünnung, desto tiefer und lang anhaltender fällt die Heilungsreaktion des Kranken aus. Höhere Potenzen gelten daher als die stärkeren Arzneien – und das, obwohl sie kaum bis gar nichts vom ursprünglichen Wirkstoff enthalten. Das Wirkprinzip homöopathischer Mittel ist damit demjenigen der modernen Arzneimitteltherapie fundamental entgegengesetzt.

Homöopathika sind in Form von Globuli, Tabletten oder Tropfen erhältlich. Ihre Einnahme soll möglichst nicht durch andere Stoffe beeinträchtigt werden. Deshalb sollte man 30 Minuten vorher nicht rauchen, essen oder trinken, keinen Kampfer oder andere ätherische Öle verwenden und das homöopathische Mittel möglichst direkt aus dem Deckel des Fläschchens oder mithilfe eines Plastiklöffels in den Mund geben.

Schüssler-Salze

Von der Herstellungsweise gesehen handelt es sich auch bei Schüssler-Salzen um homöopathische Arzneimittel. Sie enthalten homöopathisch potenzierte Mineralsalze wie beispielsweise Calciumflourid, Kaliumchlorid oder Magnesiumphosphat. Jedoch folgt die Anwendung der vom Oldenburger Zellbiologen Dr. Heinrich Schüssler (1821-1898) entwickelten Mittel weder dem homöopathischen Wirkprinzip, noch werden sie auf Basis homöopathischer Arzneimittelbilder verordnet.

Schüßler-Salze werden üblicherweise in Tablettenform angewandt, die man langsam im Mund zergehen lässt. Die Mineralstoffe sollen so über die Mundschleimhaut vom Körper aufgenommen werden.

Erhältlich sind Schüssler-Salze in durchnummerierter Form: Die Nummern 1-12 werden als Funktionsmittel bezeichnet und 13-27 als Ergänzungsmittel. Für jedes Salz gibt es eine sogenannte Regelpotenz. Für die Salze Nr. 1, 3 und 11 ist die Regelpotenz D 12. Für die übrigen Salze gilt D 6 als Regelpotenz.

Anthroposophische Arzneimittel (anthroposophische Mittel, Anthroposophika)

Die anthroposophische Medizin beruht auf der der Lehre der Anthroposophie von Dr. Rudolf Steiner. Grundlage ist der Gedanke, dass Krankheit dadurch entsteht, dass die Wechselwirkungen der menschlichen vier Wesensglieder (der physische Körper, die Lebenskraft, die Seele und die Individualität) gestört sind. Anthroposophische Arzneimittel sind mineralischen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Ursprungs und können in spezifischer Weise die Wechselwirkung dieser menschlichen Wesensglieder beeinflussen.

In der anthroposophischen Heilmittellehre spielen sieben Metalle eine wichtige Rolle: Blei, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber, Silber und Zinn. Die unterschiedlichen Mittel werden meist in homöopathischer Form verabreicht. Während jedoch in der Homöopathie Stoffe verwendet werden, die ähnliche Krankheitssymptome hervorrufen, verwendet die anthroposophische Medizin Wirkstoffe, deren Entstehungsgeschichte und Stoffwechsel der Erkrankung ähnelt.

Ziel der Therapieverfahren ist nicht nur die Linderung von Symptomen, sondern vor allem auch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte.

Pflanzliche Arzneimittel (pflanzliche Heilmittel, Phytopharmaka, Phytotherapeutika, Phytopharmazeutika)

Als Phytopharmaka werden Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs bezeichnet. Dabei kommen frische als auch getrocknete Pflanzenteile wie Blätter, Blüten, Rinden oder Wurzeln zum Einsatz, aus denen ein Extrakt gewonnen wird. Dieser enthält zahlreiche Substanzen, die den medizinischen Effekt erzielen, und damit die Wirkstoffe des späteren pflanzlichen Fertigarzneimittels bilden. Die Extraktgewinnung dient vor allem der Qualitätssicherung der wesentlichen Substanzen. Denn als Naturprodukt unterliegen auch Heilpflanzen Faktoren wie Pflanzensorte, Klima, Erntezeitpunkt, Trocknung und Verarbeitung. Außerdem können so unerwünschte Stoffe, die Nebenwirkungen verursachen, entfernt werden. Pflanzliche Arzneimittel werden in den unterschiedlichsten Darreichungsformen, z. B. als Granulat, Tabletten, Tropfen, Kapseln, Dragees oder Salben angeboten.

Phytopharmaka werden seit Menschengedenken zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Der Name leitet sich von den griechischen Bezeichnungen phytón für Pflanze und phármakon für Arzneimittel ab. Die Pflanzenheilkunde bildet den Ursprung unserer Schulmedizin. Die moderne Phytotherapie in Deutschland geht auf den Mediziner und Botaniker Rudolf Fritz Weiß (1895-1991) zurück. Sein 1944 erstmals erschienenes Lehrbuch „Die Pflanzenheilkunde in der ärztlichen Praxis“ gilt bis heute als Klassiker der modernen Phytotherapie.

Was ein pflanzliches Arzneimittel ist, wird über das Arzneimittelgesetz (AMG) definiert. Abhängig vom Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse sieht das AMG für Phytopräparate zwei Genehmigungsverfahren vor: Die Zulassung auf Basis von „well-established medicinal use“ (=allgemein medizinisch anerkannt) oder die Registrierung auf Basis der traditionellen Verwendung. Die moderne Phytotherapie verfolgt grundsätzlich die Therapieprinzipien der naturwissenschaftlich orientierten Medizin, und die Gesellschaft für Phytotherapie e.V. betrachtet die Phytotherapie als integralen Bestandteil medizinischer Therapiekonzepte. Vor allem bei der Behandlung nicht akut bedrohlicher Erkrankungen und bei chronischen Gesundheitsstörungen können phytotherapeutische Präparate eine wirksame und nebenwirkungsarme Alternative oder Ergänzung zu synthetischen Mitteln oder sogar Mittel der Wahl sein.

Typische Beispiele:

  • Anisöl bei Bronchitis, Erkältung, produktivem Husten
  • Arnika bei Muskelschmerzen, Parodontose, stumpfen Verletzungen, Wundbehandlung
  • Baldrian und Hopfen zur Behandlung von Schlafstörungen
  • Ginkgo zur Behandlung von Einbußen der mentalen Leistungsfähigkeit
  • Johanniskraut zur Behandlung von depressiven Verstimmungen
  • Melisse bei funktionellen Darmbeschwerden, gegen Nervosität und Schlafstörungen
  • Pestwurz gegen Heuschnupfen
  • Sonnenhut bei Erkältung, Immunschwäche, Rhinitis acuta, Sinusitis, Tonsillitis
  • Traubensilberkerze zur Behandlung von Wechseljahrbeschwerden

Phytopharmaka eignen sich gut für einfache und chronische Beschwerden und können aufgrund des eher geringen Interaktionspotenzials auch bei älteren Menschen mit Mehrfachverordnungen gut eingesetzt werden.

Häufig verwechselt werden pflanzliche Arzneimittel mit Nahrungsergänzungsmitteln, die zwar ebenfalls pflanzliche Wirkstoffe enthalten, jedoch zu den Lebensmitteln gehören.

Alternative Arzneimittel: Welche Kosten übernimmt die IKK classic?

Kinder bis elf Jahre haben einen gesetzlichen Anspruch auf apothekenpflichtige homöopathische Arzneimittel. Die Abrechnung erfolgt über Ihre Gesundheitskarte. 

Zusätzlich erstattet die IKK classic allen Versicherten ab 12 Jahre pro Kalenderjahr und Versicherten bis zu 50 Euro für alternative Arzneimittel wie Schüssler-Salze, Mittel der Homöopathie, der Anthroposophie und der Phytotherapie, wenn sie von einem Arzt verordnet wurden, nicht verschreibungspflichtig, aber apothekenpflichtig sind. Homöopathische Mittel müssen einen deutlich erkennbaren Hinweis „homöopathisches Arzneimittel“ tragen.

Für eine Erstattung reichen Sie einfach das Privatrezept eines vertraglichen Kassenarztes zusammen mit der Rechnung der Apotheke bei der IKK classic ein und wir überweisen Ihnen den zu erstattenden Betrag auf Ihr Konto.

Medikamente, die nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gelistet sind, können von der IKK classic nicht übernommen werden. Hierzu gehören unter anderem sogenannte Lifestyle-Arzneimittel wie Appetitzügler oder Haarwuchsmittel.

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