Zwei Grundschüler streiten im Klassenzimmer

Konflikte in der Grundschule: Was, wenn mein Kind sich zofft?

Für frisch gebackene Abc-Schützen ist die Grundschule eine völlig neue Situation. Eine spannende Lebensphase, in der sich viele neue Freundschaften bilden – in der es aber auch zu Konflikten kommt. Wie können Eltern ihr Kind bei einem Streit unterstützen?

Ihr Kind kommt aufgewühlt nach Hause, zuerst will es gar nicht reden. Nach einiger Zeit und gutem Zureden bricht es in Tränen aus – es hatte Streit mit einer Klassenkameradin oder einem Klassenkameraden. Für Eltern eine schwierige Situation: Immerhin waren sie nicht dabei und können kaum beurteilen, was vorgefallen ist – das ist allerdings auch nicht ihre Aufgabe. 

Besser ist es, die Kinder dabei zu unterstützen, den Konflikt eigenständig zu lösen. Konflikte lassen sich nicht verhindern. Meinungsverschiedenheiten und Streit gehören zum Alltag dazu, sie sind Teil der menschlichen Interaktion. In vielen Fällen geht es nicht darum, Schuld und Unschuld zu identifizieren, sondern einen Kompromiss zu finden – zwischen zwei verschiedenen Ansichten oder Meinungen. Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie ihrem Kind ein positives Konfliktverhalten beibringen.

Helfen Sie Ihrem Nachwuchs dabei, Verständnis für andere Sichtweisen zu entwickeln. Das ist die Grundlage, um auch in Zukunft Konflikte aus der Welt zu schaffen – und außerdem eine wesentliche Voraussetzung, Vorurteile abzubauen. Damit lernt Ihr Nachwuchs, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, auf Augenhöhe zu kommunizieren und in Kooperation mit anderen Lösungen zu entwickeln: Dieses soziale Lernen ist einer der wesentlichen Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung von Menschen und begleitet sie das ganze Leben. Doch wie genau können Sie Ihre Schützlinge dabei unterstützen? 

Junge trägt seine kleine Schwester huckepack

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Wie entstehen Konflikte?

Bei einem Konflikt vertreten zwei Personen unterschiedliche Standpunkte, die auf den ersten Blick nicht vereinbar scheinen – es treffen verschiedene Meinungen und Wünsche aufeinander. Kinder verstehen oft nicht den Standpunkt der anderen Person, da sie davon ausgehen, dass die anderen dieselben Interessen haben wie sie selbst. Wenn sich ihr Gegenüber dann anders verhält, als sie es erwarten, reagieren sie oft mit Unverständnis oder Wut, die sie nicht dosieren können. Daher kann es schnell zu körperlichen Reaktionen kommen.

Eltern sollten der Ursache dieser emotionalen Reaktion auf den Grund gehen und versuchen, die Kinder dahin zu führen, den Konflikt eigenständig auszutragen. Die häufigsten Ursachen von Streit unter Kindern sind:

Ursachen von Konflikten in der Grundschule

  • Revierkämpfe

    Kinder müssen noch ein Verständnis dafür entwickeln, was ihnen gehört und was sie mit anderen teilen. Beispielsweise beansprucht eine Gruppe einen Bereich auf dem Pausenhof für sich oder zwei Kinder kämpfen um Unterrichtsmaterialien, die sie sich teilen müssen. Auch feste Sitzplätze werden vehement verteidigt – sitzt eine fremde Person auf dem "eigenen" Platz, kann es schnell laut werden.

  • Anerkennung

    Oft versuchen Kinder ihre Position durchzusetzen, um Aufmerksamkeit von Erwachsenen oder anderen Klassenkameradinnen und -kameraden zu erlangen. Manche suchen einen Konflikt, um ihre eigene Position aufzuwerten – oft auf Kosten körperlich kleinerer Kinder.

  • Zufall oder Langeweile

    Ein missverstandener Spaß kann aus Versehen zu einem Streit führen. Andersherum versuchen Kinder mit Provokationen gegen Langeweile anzukämpfen.

  • Frust

    Wenn Kinder unter Stress stehen oder aus anderen Gründen verärgert sind, kann es auch mal eine Person treffen, die an der ursächlichen Situation nicht beteiligt ist.

Der emotionale Konfliktherd: Stress reduzieren

Stress ist ein häufiger Auslöser für Konflikte. Stehen Kinder unter Druck, reicht oft nur eine Kleinigkeit, die sie in ihren täglichen Abläufen oder Vorhaben stört – und die ganze Anspannung entlädt sich auf die Person, die diese Störung verursacht.

Die Ursache eines Streits liegt demnach nicht primär in der Meinungsverschiedenheit, sondern der emotionalen Situation des Kindes. Stress wird in drei verschiedenen Lebenswelten ausgelöst: In der Schule entsteht Stress zum Beispiel durch Hausaufgaben, Leistungsnachweise und dem Alltag in der Klasse. Ein voller Terminkalender kann zu Stress in der Freizeit führen, wenn zu wenig Zeit für die beste Freundin, den besten Freund oder auch einfach mal für Entspannung bleibt. Aber auch im familiären Kontext kann Stress entstehen, zum Beispiel durch bestimmte Erwartungen der Eltern oder ältere Geschwister, mit denen sich das jüngere Kind oft vergleicht.

Eltern sollten nach einem Konflikt in der Grundschule also zunächst mit ihrem Kind reden und in Erfahrung bringen, ob es in einem der Bereiche bestimmte Dinge gibt, die es besonders belasten. Um dem vorzubeugen, sollten sie regelmäßig über die Anforderungen sprechen, die an die Kinder gestellt werden und fragen, was sie in ihrer Freizeit gern tun möchten – und ob es etwas gibt, was dem im Wege steht. Auch Verhaltensveränderungen wie Nervosität, Verschlossenheit oder Gereiztheit können Signale sein, dass ein Kind einer besonderen Drucksituation ausgesetzt ist.

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In fünf Schritten Konflikte lösen

Doch was tun, wenn sich herausstellt, dass die Ursache in der Situation des Konfliktes liegt? Dann suchen Sie das Gespräch. Wichtig dabei: Sie als Elternteil sind nicht dafür verantwortlich, den Streit aus der Welt zu räumen. Sie sollten Verständnis vermitteln und den Kindern einen Weg zeigen, aufeinander zuzugehen.

  • Schritt 1: Wurzel des Konflikts erkennen

    Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, Verdrängen ist keine gute Option. Sprechen Sie daher mit Ihrem Kind über die Situation und versuchen Sie herauszufinden, was vorgefallen ist.

  • Schritt 2: Es geht nicht um Schuld und Unschuld

    Ihr Kind sieht sich mit dem eigenen Verhalten vermutlich im Recht – die oder der andere Beteiligte wird wiederum die eigene Position als die "richtige" bewerten. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es nicht darum geht, Schuldige zu finden, sondern um das Verstehen der jeweiligen Positionen. Es ist wichtig, der anderen Position Aufmerksamkeit zu spenden und diese Meinung zu akzeptieren.

  • Schritt 3: Den Dialog suchen

    Auch wenn es für die Kinder unangenehm ist: Sie sollten miteinander reden, um Spannungen aus der Welt zu schaffen. Auch dabei sollte es darum gehen, die Position des anderen zu verstehen.

  • Schitt 4: Alle Standpunkte zulassen

    Beide Kinder sollten die Geschichte genau so erzählen, wie sie sie wahrgenommen haben und warum sie das Verhalten des Anderen gereizt hat. Wichtig: Beleidigungen haben dabei genauso wenig zu suchen wie Verurteilungen. Landen die Kinder in einer Sackgasse, greifen Sie ein und versuchen den Standpunkt beider Kinder dem jeweils anderen verständlich nahezubringen.

  • Schritt 5: Den Konflikt entschärfen

    Sobald sich beide Kinder ausgesprochen haben, können Sie sich gemeinsam mit ihnen einem fairen Lösungsansatz widmen. Erklären Sie Ihrem Kind, wie wichtig Kompromissbereitschaft ist.

Ein Konflikt-Beispiel

Ihr Kind möchte in der Pause auf seinem gewohnten Platz sein Pausenbrot essen. Doch dort sitzt schon ein anderes Kind, denn die Plätze sind nicht einzelnen Personen zugewiesen. Ihr Nachwuchs schubst die andere Person vom Platz und es kommt zum Gerangel.

Das ist ein klassisches Beispiel für einen Revierkampf. Da Sie als Elternteil nur wissen, dass es einen Streit zwischen den beiden Kindern gab, muss Ihnen Ihr Kind im ersten Schritt erst mal erklären, dass das andere auf dessen Platz saß. Im zweiten Schritt sollten Sie Ihrem Kind Verständnis entgegenbringen und ohne eine Verurteilung seiner Reaktion die andere Perspektive verdeutlichen – zum Beispiel indem Sie fragen, ob das andere Kind wusste, dass der Platz eigentlich besetzt ist.

Nun bringen Sie die Streitenden zusammen, damit sie gegenseitig ihre Position erklären können. Fragen Sie Ihr Kind, warum es verärgert war, dass das andere dort saß und nachfolgend das andere, warum es sich dort hingesetzt hat (Schritt 3).

Sorgen Sie dafür, dass die Kinder ausreden können und erklären, was sie genau gereizt hat (Schritt 4). Bieten Sie im fünften Schritt eine Lösung an. Fragen Sie zum Beispiel, ob neben dem Platz Ihres Kindes noch ein Stuhl frei ist und ob es für beide eine Lösung wäre, wenn sich das Kind dort hinsetzt.

Vielleicht kennen Sie ähnliche Situationen – dann werden Sie anhand des Beispiels schon merken, dass es in diesem Prozess viele Punkte gibt, an denen sich die Fronten verhärten können. Geben Sie aber nicht auf, bleiben Sie ruhig und versuchen Sie die Kinder dazu zu bewegen, dass sie gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Das schult ihre Kompromissfähigkeit.

Mutter und kleine Tochter tollen durch den Garten

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Mit Rollenspielen Empathie lernen und Vorurteile hinterfragen

Damit Kinder lernen, andere Sichtweisen zu akzeptieren, bieten sich Rollenspiele an. Zwei Kinder tragen einen fiktiven Konflikt aus und lernen so, Argumente für eine Perspektive zu finden, die sie selbst nicht einnehmen – das schult das Gespür für individuelle Situationen und daraus resultierende Interessen. Das Ziel ist es, einen Kompromiss zu finden.

Auch Vorurteile sind oft ein Konfliktherd und lassen sich spielerisch lösen. Ein Beispiel: Die Mädchen in der Klasse sollen eine Situation nachstellen, die sie als typisch für Jungs erachten und umgekehrt. Am Ende diskutiert die Klasse darüber, warum sie diese Situationen nachgestellt haben und ob oder inwiefern sie zutreffen.

Sollte es Konflikte zwischen Ihrem Kind und einer Klassenkameradin oder einem Klassenkameraden geben, deren Ursache ein Vorurteil ist, bietet sich auch hier ein Gespräch an. Oft werden Personen, die als fremd wahrgenommen werden, auch einfach ausgeschlossen. Versuchen Sie herauszufinden, welche Vorbehalte Ihr Kind hat und versuchen Sie den Dialog herzustellen, damit beide Kinder Verständnis für die Situation des anderen entwickeln können. Oft entwickeln sich Vorurteile am Unbekannten – lernen sich die Kinder kennen, ist der erste Schritt getan.

Konflikte gehören zum Alltag

So belastend Konflikte auch sind, sie lassen sich nicht vermeiden. Wenn Menschen aufeinandertreffen, sei es zu Hause in der eigenen Familie, im Büro oder in der Schule, wird es immer zu Situationen kommen, die einen Streit auslösen können. Menschen sind Individuen und haben Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und Ansichten.

Man sollte also nicht versuchen, Konflikte zu vermeiden, sondern einen positiven Umgang mit ihnen entwickeln. Wer das akzeptiert, kann diese Situationen auch besser bewältigen – denn wer verschiedene Meinungen akzeptiert und nicht auf dem eigenen Standpunkt beharrt, findet eher einen Kompromiss. Schließlich ist Respekt und Toleranz wichtiger als Recht zu haben.

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