Meine Mutter-Kind-Kur – ein Erfahrungs­bericht

Ein stressiger Fulltime-Job, tägliches Pendeln und ein Nachzügler fordern die 51-jährige Ella Liebknecht bis aufs Äußerste. Kurz vor der totalen Erschöpfung zieht sie die Notbremse und beantragt eine Mutter-Kind-Kur. Während der vierwöchigen Kur an der Ostsee in Begleitung ihres Sohnes lernt sie unter der Anleitung von Ärzten und Therapeuten viel über Selbstfürsorge und Achtsamkeit.

„Ich wollte einfach mal nur ganz weit von allem weg – kein Alltag, kein Besuch, kein gar nichts – eine Auszeit nur für mich und mein Kind.“ Ella Liebknecht ergeht es wie vielen Frauen: Sie arbeitet Vollzeit, managt den Haushalt und hat „nebenbei“ einen Sohn im Grundschulalter. Ihre beiden „Großen“ sind schon über 20 und studieren. Als sie auf die Idee mit der Mutter-Kind-Kur kommt, stößt sie vorerst auf Unverständnis: „Sie sind weder ernsthaft krank, noch leben Sie in Trennung oder sind alleinerziehend.“ Doch sind diese Voraussetzungen tatsächlich nötig, um sich und seinem Kind eine kurze Verschnaufpause vom stressigen Alltag zu verschaffen?

Unterstützung bei der Beantragung einer Mutter-Kind-Kur

Ella gibt nicht auf und wendet sich an ihren Hausarzt. Hier bekommt sie volle Unterstützung: Ihr Arzt kennt sie lange und gut. Er nimmt sich ausreichend Zeit und füllt den notwendigen Antrag für die Mutter-Kind-Kur mit seiner Patientin gemeinsam aus. Den Antrag leitet Ella an ein Unternehmen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg (Kur + Reha GmbH) weiter, das daraufhin alle weiteren Schritte für sie übernimmt.

Übrigens, auch der direkte Weg über die Krankenkasse ist möglich:

Mutter- oder Vater-Kind-Kuren

Wir bieten Ihnen spezielle Leistungen für Mütter, Väter oder Kinder in extra hierfür vorgesehenen Einrichtungen an. Diese können auch als kombinierte Mutter-Kind-Leistungen beziehungsweise Vater-Kind-Leistungen erbracht werden.

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Es dauert weitere fünf bis sechs Wochen, bis die Genehmigung für die Kur bei ihr eintrifft. Toll ist, dass sie sogar ein – eingeschränktes – Mitspracherecht hat, was den Zeitpunkt und den Aufenthaltsort ihrer Kur angeht: „Ich wollte meinen Sohn ungern aus der Schule nehmen. So eine Mutter-Kind-Kur dauert immerhin drei bis vier Wochen, da verpasst das Kind schon ziemlich viel. Deshalb habe ich mir einen Termin in den Oster- oder Pfingstferien gewünscht – nur die waren natürlich alle schon ausgebucht."

Einzig für die Sommerferien war noch ein Klinikplatz frei: am Selenter See, hoch oben an der Ostsee. Genau das, was sich die Münchnerin vorgestellt hatte: weit weg von zu Hause, weit weg von der Großstadt, mitten im Nirgendwo und nur wenige Kilometer von der Küste entfernt! Selent sei ein kleines Dorf am gleichnamigen See und die Klinik dort erst vor zwei Jahren eröffnet worden, erfuhr Ella und willigte sofort begeistert ein.

Ich habe sofort gemerkt: Hier kannst du dich komplett auf dich und dein Kind konzentrieren.
Ella Liebknecht, Mutter

„Als wir ankamen, habe ich mich sofort aufgehoben gefühlt“, berichtet die Mutter von einer Tochter und zwei Söhnen. „Du lebst dort wie unter einer Glocke, einem geschützten Raum. Ich habe sofort gemerkt: Hier kannst du dich komplett auf dich und dein Kind konzentrieren und dir einfach die Zeit nehmen, die du brauchst. Ich wusste instinktiv, dass der Aufenthalt sehr intensiv werden würde.“

Geregelter Ablauf und riesiges Angebot

In der Klinik ist alles perfekt strukturiert und auf die Mütter oder Väter zugeschnitten: Ella führt Aufnahmegespräche mit Fachärzten und Therapeuten, kann ihre Situation ausführlich darlegen, ihre Interessen und Wünsche äußern: „Legen Sie Wert auf Fitness oder Entspannung? Möchten Sie auch etwas mit Musik machen? Möchten Sie singen, trommeln, ... – die Möglichkeiten sind wirklich vielfältig!“ freut sich die frisch erholte Mutter noch heute.

Auf der Grundlage dieser Angaben wird ein Wochenplan erarbeitet, den die Patienten jeden Sonntag in ihrem Schließfach vorfinden: „Nordic Walking, Indoor-Sport, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Meditation, Wärmepackungen, Entspannungsbäder – hier gab es wirklich ein riesiges Angebot, das man ausprobieren konnte!“ Dazu kommen Gesprächsgruppen zu den unterschiedlichsten Themen: Ernährung, Beziehung & Partnerschaft, Stressabbau, Pubertät, Depression ... „Selbst wenn einen ein Thema gar nicht direkt selbst betrifft, ist es doch interessant und bereichernd, mehr darüber und über die Menschen, die davon betroffen sind, zu erfahren“, stellt Ella fest.

Kinderbetreuung at its best

Doch was geschieht in der Zwischenzeit eigentlich mit dem Kind? „Das war eine der schönsten Erfahrungen für mich“, erzählt die Mutter glücklich: „Mein Sohn Oskar war vom ersten Tag an begeistert von der großartigen Kinderbetreuung in der Klinik! Die Kinder waren je nach Alter in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt und hatten immer ein tolles Programm: Sie hielten sich – bei Wind und Wetter – unglaublich viel im Freien auf. Entweder auf der riesigen Freispielfläche mit Fußballplatz oder bei Ausflügen in die Natur: Sie sind jeden Tag zum See oder in den nahegelegenen Wald gelaufen, haben aber auch gebastelt, gemalt, Kerzen gezogen, Bernsteine geschliffen, Holz bearbeitet. Oskar hat sogar mit viel Begeisterung Schlagzeug spielen gelernt – mein Sohn war Feuer und Flamme von der Kinderbetreuung und den anderen Kindern und wollte schon am ersten Tag länger bleiben.“ 

Vorsicht mit Babys und Kleinkindern

Die begeisterte Mutter gibt aber auch zu, dass es nicht bei allen Familien so rund lief: „Es waren einige Mütter mit Babys oder Kleinkindern dabei, die jeden Tag viele Tränen zu verkraften hatten, als die Minis in die Kinderbetreuung sollten. Das schlaucht natürlich beide Parteien und ich kann mir vorstellen, dass die Mutter-Kind-Kur dann weniger erholsam sein könnte. Die Mütter oder Väter sollten sich vor der Kur genau überlegen, ob das Kind schon so weit ist, über drei Wochen hinweg mehrere Stunden am Tag fremdbetreut zu werden. Ich denke, das Kindesalter zwischen 6 und 10 ist eine perfekte Zeit dafür“, spiegelt Ella Liebknecht ihre Erfahrungen wider. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, weitere Betreuungspersonen wie den Partner oder die Großeltern mit auf Kur zu nehmen. Diese Zusatzleistung übernimmt die Krankenkasse dann aber nicht.

(Bild: privat)

Zeit zu zweit

Neben all den Beschäftigungsmaßnahmen bleibt Mutter und Sohn während der Kur aber auch viel wertvolle Zeit zu zweit: „Wir haben einen Schlüsselanhänger gebastelt – ein schönes Erinnerungsstück, das ich noch heute bei mir trage. In einer Mutter-Kind-Aktion mit dem Namen "Achtsamkeit in der Natur" führten wir uns gegenseitig blind durch den Wald – eine phantastische Erfahrung, die unser Vertrauen zueinander gezeigt und noch bestärkt hat. Wir waren einfach ein eingespieltes Team!“, berichtet Ella begeistert. Und auch Oskar bemerkt den Unterschied zum Alltagsleben zuhause: „Mama, jetzt sind wir schon fünf Tage hier und haben noch nicht einmal gestritten!“

Bewusstsein schaffen und Atempausen einlegen

Welche Erfahrungen aus der Mutter-Kind-Kur sind der ehemals so gestressten Frau am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben? „Neben all den Kursen und Veranstaltungen gibt es während der Mutter-Kind-Kur auch immer wieder die so genannte "Ich-Zeit" oder "Zeit für mich", die man nur für sich selbst nutzen kann und soll: Spazieren gehen, schlafen, lesen, nichts tun – alles erlaubt! Diese Freiheit nimmt man sich gerade als Mutter im normalen Alltag irrsinnig selten, weil man meist viel zu sehr durchgetaktet ist und sich Zeitfenster suchen muss“. An dieses Bewusstsein möchte Ella zuhause anknüpfen und dafür hat sie von ihrem Therapeuten im Abschlussgespräch sogar die so genannte „Eins-zwei-drei-Regel“ erhalten:

  • Regel 1: Nimm dir etwas fest vor – nicht zehn Sachen, sondern nur eine! 

  • Regel 2: Denke mindestens zweimal am Tag daran, was du dir vorgenommen hast und wie du diese Sache umsetzen/ändern möchtest. 

  • Regel 3: Ziehe diese Sache regelmäßig drei Wochen lang durch!

Wenn du das geschafft hast, ist die Sache fest in deinem Tagesablauf verankert und du wirst sie weiterhin ganz selbstverständlich in die Tat umsetzen.

Alles, nur kein Druck!

Die dreifache Mutter weiß natürlich, dass der Übergang zwischen Regel zwei und drei die größte Herausforderung ist. Aber sie geht die Sache locker an: „Mein Bewusstsein ist geweckt und ich arbeite gut reflektiert daran. Aber ich setze mich nicht unter Druck, denn dann wäre das Ziel verfehlt! Ich kann diese Kur allen Müttern und Vätern nur wärmstens empfehlen, denn ich habe sehr viel Kraft und Energie daraus geschöpft. Jetzt liegt es an mir, diese Kraft zu bewahren.“

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