Hinter Erschöpfung können unterschiedliche Faktoren stecken, die häufig zusammenwirken. Zu den naheliegenden Auslösern gehören Schlafmangel, Schichtarbeit, Bewegungsmangel, eine unausgewogene Ernährung, zu wenig Flüssigkeitszufuhr sowie länger andauernde berufliche oder private Belastungen. Welche Ursache wahrscheinlich ist, hängt unter anderem von der Dauer und den Begleitsymptomen ab.
„Die meisten schweren und viele leichtere Erkrankungen verursachen Erschöpfung“, sagt Dr. Hanßke. Häufig treten jedoch weitere Beschwerden auf, die Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben. Zu den möglichen körperlichen Ursachen zählen Eisenmangel und Blutarmut, Schilddrüsenstörungen, Diabetes, Infektionen sowie Erkrankungen von Herz, Lunge, Leber oder Nieren. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson und Krebserkrankungen können mit Erschöpfung einhergehen.
Bei Adipositas kann ein Schlafapnoesyndrom eine Rolle spielen. Dabei kommt es nachts wiederholt zu Atemaussetzern, sodass der Schlaf trotz ausreichender Dauer nicht erholsam ist. Auch nach Infektionen kann die Erschöpfung länger anhalten. „Menschen mit Covid-19 können unter Fatigue und anderen Symptomen leiden, die über Wochen oder gar Monate anhalten“, erklärt Dr. Hanßke. Ob ein Post-COVID-Syndrom oder eine andere Erkrankung vorliegt, muss anhand des gesamten Beschwerdebildes geklärt werden.
Seltener stecken hormonelle Erkrankungen wie eine Unterfunktion der Nebennieren oder der Hirnanhangsdrüse hinter den Beschwerden. Auch der Konsum beziehungsweise das Absetzen bestimmter Drogen kann Erschöpfung auslösen.
Manche Medikamente verursachen Müdigkeit als Nebenwirkung, beispielsweise bestimmte Allergiemittel, Beruhigungsmittel, Blutdrucksenker oder Psychopharmaka. Die verordneten Medikamente sollen jedoch nicht eigenmächtig abgesetzt werden, sondern erst nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Zu den möglichen psychischen Ursachen gehören außerdem Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Essstörungen, Anpassungs- und Traumafolgestörungen. Auch eine lang andauernde Überlastung kann zu einem Burn-out-ähnlichen Beschwerdebild führen. „Ermüdung und Erschöpfung sind ein klassisches Warnsignal beim Burn-out-Syndrom“, erklärt die Expertin. Burn-out ist jedoch keine Erklärung für jede Form der Erschöpfung. Körperliche Ursachen sollten ebenfalls geprüft werden.
Davon abzugrenzen ist die Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise das Chronische Fatigue-Syndrom, kurz ME/CFS. Nicht jeder Mensch, der ohne erkennbaren Grund müde ist, leidet daran. Charakteristisch ist eine deutliche und teilweise verzögert auftretende Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands nach bereits geringer körperlicher oder geistiger Belastung. Diese sogenannte postexertionelle Malaise kann Tage, Wochen oder länger anhalten. Schlaf und Ruhe führen bei ME/CFS häufig nicht zu der erwartbaren Erholung.