Impfschutz rettet Leben

Die Zahl der Masernfälle ist europaweit stark angestiegen. Die Gründe reichen von Unwissenheit und Nachlässigkeit bis hin zu Impfgegnern. Dabei sind Impfungen wirkungsvolle Vorsorgemaßnahmen – und können im Fall der Fälle Leben retten.

Eigentlich galt die Krankheit fast als besiegt, jetzt breitet sie sich wieder aus. Dabei sollte das Virus bis zum Jahr 2020 vollständig ausgerottet sein. Es wäre eine gute Nachricht für alle gewesen: für Eltern, Kinder und ältere Menschen. Denn die Masern sind eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein kann. Die Erkrankung führt mitunter nicht nur zu den typischen roten Hautflecken und zu Fieber. Sie wirkt sich auch negativ auf das (kindliche) Immunsystem aus. Masern können zu ernsten Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen führen. Schlimmstenfalls führen sie zum Tod. 

Die Zahl der Masern-Fälle stieg in Europa allein von 2017 auf 2018 um das Dreifache an, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet. Verglichen mit 2016 haben sich die Neuerkrankungen nach einem jahrelangen Abwärtstrend sogar verfünfzehnfacht: Vergangenes Jahr steckten sich europaweit fast 86.200 Menschen mit Masern an. Die Gründe reichen von Unwissenheit und Nachlässigkeit über allerlei Fehlinformationen im Netz bis zum Phänomen der Impfgegner. Dabei kann ein ausreichender Impfschutz im Fall der Fälle sogar Leben retten. 

Geringere Impfquote = weniger Schutz = höheres Risiko

Impfstoffe bestehen aus abgeschwächten Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren. Werden sie verabreicht, bildet der Körper sogenannte Antikörper. Diese Abwehrstoffe sind dafür verantwortlich, dass wir nicht krank werden, wenn wir mit den Erregern in Kontakt kommen. Dieses Prinzip wird aktive Immunisierung genannt. Sie wird zum Beispiel beim Schutz vor Masern, Röteln und Mumps eingesetzt. Bei der passiven Immunisierung werden bereits gebildete Antikörper verabreicht, die sofort wirken können. Sie ist nützlich, wenn der Körper bereits mit Krankheitserregern infiziert ist.

Impfungen sind eine der wirkungsvollsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen und verhindern schwere Krankheiten. Doch erst, wenn die sogenannte Herdenimmunität erreicht wird, können sich solche Krankheiten auch nicht mehr ausbreiten. Dafür müsste es jedoch gelingen, mindestens 95 Prozent aller Kinder zwei Impfdosen zu verabreichen. Die WHO kämpft dafür seit Jahren – und muss ständig Rückschläge hinnehmen. Wie zum Beispiel bei der Masernepidemie 2015 in Berlin. Hunderte Menschen hatten sich angesteckt – und ein Kleinkind starb. Durch einen wirksamen Impfschutz hätte diese Tragödie verhindert werden können.

Impfungen

Die IKK classic übernimmt für Säuglinge ab dem 2. Lebensmonat die Kosten für die Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung in voller Höhe. Auch für Erwachsene ab 18 Jahren, die nach 1970 geboren wurden und einen unklaren Impfstatus oder keine Grundimmunisierung aus dem Kindesalter haben, werden einmalig die Kosten für die Masern- und Mumps-Impfung übernommen. 

Schützen Sie sich!

Das Wichtigste zu Masern im Überblick

  • Das Masern-Virus wird durch Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Dies geschieht durch Speicheltröpfchen, die sich über die Luft von Mensch zu Mensch verbreiten.

  • Nach acht bis zehn Tagen treten erste Symptome wie Fieber, Husten und Schnupfen auf.

  • Nach acht bis zehn Tagen kommt es außerdem zu Entzündungen der Bindehaut und im Nasen-Rachen-Raum.

  • Nach ungefähr zwei Wochen zeigt sich der für Masern typische Hautausschlag, der nach drei bis vier Tagen wieder zurückgeht.

  • Während der akuten Erkrankungsphase sollten Erkrankte im Bett bleiben und isoliert werden.

  • Beim Verdacht einer Masern-Infektion sollte der Arzt vorab telefonisch informiert werden. So kann dieser bestimmte Schutzmaßnahmen in der Praxis treffen.

  • Jeder Kontakt zwischen einer geimpften und einer ungeimpften Person kann zur Ansteckung führen.

  • Erkrankte sind bereits drei bis fünf Tage vor Ausbruch des Hautauschlags ansteckend.

  • Mit Abklingen des Hautausschlags ist die Masern-Erkrankung überstanden.

  • Menschen, die eine Masern-Erkrankung überstanden haben, sind lebenslang vor einer erneuten Infektion geschützt.

Mangelnde Impfbereitschaft ist wie Ebola

Laut WHO gehört mangelnde Impfbereitschaft zu den zehn größten Gesundheitsgefahren der Welt. Damit liegt der mangelnde Impfschutz weltweit auf einer Gefahren-Stufe mit Ebola, Antibiotikaresistenz, Übergewicht und Luftverschmutzung. Demnach könnten jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle durch Impfungen verhindert werden. Allein 1,5 Millionen könnten hinzukommen, wenn sich mehr Menschen impfen ließen. Das Problem: Patienten, die nicht immunisiert sind, geben Krankheiten weiter. Sie gefährden sich und andere – und machen wissenschaftliche Fortschritte bei der Bekämpfung vermeidbarer Krankheiten zunichte.

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass nur drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung sogenannte Impfgegner sind. Viele Menschen ließen sich, so das RKI, aus Unwissenheit nicht impfen. Masern oder Keuchhusten etwa werden in der Bevölkerung als Kinderkrankheiten wahrgenommen. Tatsächlich sind Auffrischungen auch im Erwachsenenalter nötig, um die Ansteckungsgefahr auszuschließen. Beim Thema Impfgegner liegt das Problem dagegen nicht in der Unwissenheit – sondern an Fehlinformationen, die überall im Netz zu finden sind und achtlos weitergegeben werden.

Erfundene Nebenwirkungen versus empfohlene Impfungen

Eine weit verbreitete Theorie, die gegen den Impfschutz sprechen soll, ist etwa diese: Impfgegner behaupten, dass die standardisierte MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) bei Kindern zu gefährlichen Nebenwirkungen bis hin zu Autismus führen könne. Eine These, die in den neunziger Jahren der britische Mediziner Andrew Wakefield publik machte. Für seine Theorie gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise. Bewiesen ist hingegen, dass Wakefield Geld erhalten hat, um konkret nach Verbindungen zwischen Autismus und Impfungen zu suchen. In der Folge verlor der Arzt im Jahr 2010 seine Zulassung.

Es ist ein Muster, das sich bei den meisten angeblichen Argumenten gegen das Impfen zeigt. Die Behauptung zum Beispiel, dass Menschen mit den Masern-Antikörpern im Blut, die selbst nicht erkrankt waren, leichter an Multiple Sklerose (MS) erkranken, ist wissenschaftlich nicht belegt. Andere Behauptungen stellen sich erst bei genauerer Betrachtung als falsch heraus oder sind im besten Falle Halbwahrheiten. Impfgegner behaupten beispielsweise häufig, dass Babys über die Muttermilch ausreichend Abwehrstoffe gegen Masern aufnehmen.

Tatsächlich bekommt der Nachwuchs im Mutterleib über den Blutkreis bereits Antikörper gegen Masern. Später erhält er diese auch tatsächlich über die Muttermilch. Damit das Baby Antikörper von der Mutter bekommt, muss die Mutter diese aber über eine Infektion gebildet haben oder selbst gegen Masern geimpft sein. Eine Tatsache, die Impfgegner gerne unter den Tisch fallen lassen oder unter Umständen einfach nicht wissen. Zudem reicht der "natürliche Impfschutz" laut Robert Koch-Institut nicht aus. Das RKI empfiehlt deshalb, die ersten Impfungen bei den eigenen Kindern durchführen zu lassen, wenn diese zwischen elf und 14 Monaten alt sind.

Weitere Informationen zum Impfschutz – auch für Impfgegner

Für Mediziner, Experten und die sogenannte STIKO (Ständige Impfkommission) steht unterdessen fest: Impfen kann Leben retten. Um mit den gängigsten Mythen aufzuräumen und zum Beispiel den Schutz vor Krankheiten wie Mumps, Masern und Röteln aktiv mitzugestalten, haben das Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut gemeinsam Antworten zu den 20 wichtigsten Einwänden gegen das Impfen gesammelt.

Dort werden einerseits gängige Behauptungen wie "Die Wirksamkeit von Impfungen wurde niemals belegt" entkräftet. Dabei schrecken die Institute auch nicht vor handfesten Verschwörungstheorien wie "Impfstoffe enthalten giftige Chemikalien, mit denen die Kinder wissentlich vergiftet werden" zurück – und sorgen für dringend nötige Klarheit. 

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