Ein Tisch mit Mikrofon, Laptop und Kaffeetasse

Folge #37 – Imposter-Syndrom: Warum du besser bist, als du denkst

Du hast etwas geschafft – aber statt stolz darauf zu sein, denkst du: „Irgendwann merken die anderen, dass ich das eigentlich gar nicht kann.“ Willkommen im Imposter-Syndrom. In dieser Folge spricht Psychotherapeutin Urooba mit Josephin (@eindruxvoll_holzdesign), Tischlermeisterin, über Selbstzweifel, Leistungsdruck und die Frage, warum wir unsere eigenen Erfolge manchmal nicht annehmen können.

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Bin ich ein Hochstapler?

„Irgendwann merken alle, dass ich eigentlich gar nicht so gut bin.“ Diesen Gedanken kennen so gut wie alle von uns. Aber wenn sich dieses Gefühl nicht abschütteln lässt oder immer wieder auftaucht, dann handelt es sich um das sogenannte Imposter-Syndrom. Urooba und Tischlermeisterin Josephin sprechen darüber, warum wir uns manchmal als Hochstapler fühlen und wie man diese Gedanken loswird.

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Man weiß nicht, ob man ein Hochstapler ist oder nicht. Ob man nun etwas wirklich gut kann oder nicht. Das ist sehr schwer einzusortieren.

Josephin Drux

Tischlermeisterin

Was ist eigentlich das Imposter-Syndrom?

Das Imposter-Syndrom beschreibt das Gefühl, die eigenen Erfolge nicht wirklich verdient zu haben und die eigene Kompetenz zu unterschätzen. Wir denken, wir sind ein Hochstapler, der von seiner Umwelt demnächst als unfähig enttarnt wird. „Ich hatte einfach nur Glück.“, „Die anderen können das bestimmt besser als ich.“  sind nur Beispielsätze, die einem dabei durch den Kopf spuken können. 

Besonders bei neuen Herausforderungen, im Job oder beim Start ins Berufsleben können solche Selbstzweifel auftreten. Man hat vielleicht gerade eine Ausbildung abgeschlossen, übernimmt neue Verantwortung oder bekommt positives Feedback – und kann es nicht so richtig annehmen. 

Das kann dazu führen, dass man Erfolge kleinredet, sich ständig mit anderen vergleicht oder besonders viel leisten möchte, um sich selbst und anderen zu beweisen, dass man gut genug ist. Gleichzeitig werden Fehler schnell als Beweis dafür gesehen, dass die eigenen Zweifel doch stimmen.

WICHTIG: Das Imposter-Syndrom bedeutet nicht, dass man tatsächlich weniger kompetent ist. Im Gegenteil: Häufig stehen hinter den Zweifeln Menschen, die bereits viel erreicht haben, ihre eigenen Leistungen aber nicht angemessen anerkennen können.

Ein Selfie von Josephin Drux © C3
Credit: C3

Die Geschichte von Josephin

Ihre Meisterarbeit war so eindrucksvoll und besonders, dass sie im Netz viral ging. Dazu war Josephin (@eindruxvoll_holzdesign) auch noch Jahrgangsbeste! Doch ihren Meisterbrief wollte sie lange Zeit gar nicht an ihre Wand hängen. „Ich habe wirklich geglaubt, dass ich da vielleicht gar nichts Großes geleistet hab“. Es fiel ihr schwer zu verinnerlichen, dass sie den Erfolg wirklich verdient hat. Typische Anzeichen für das Imposter-Syndrom. Dabei hat die Tischlermeisterin das bei sich zuerst nicht erkannt. „Erst als ich mit meinem Mann drüber sprach, wurde mir bewusst, dass das genau auf mich zutrifft.“ Zusammen mit Urooba spricht sie ganz offen darüber, welche negativen Gedanken in diesem Zusammenhang in ihr kreisen und wie es sie in manch beruflicher Situation auch schon eingeschränkt hat. Und auch, was ihre Erlebnisse als Frau im Handwerk damit zu tun haben.

Was tun, wenn du dich wie ein Hochstapler fühlst?

  • 1. Fakten statt Bauchgefühl: Dein Gefühl sagt: „Ich kann das nicht.“

    Dann frag dich: Welche Fakten sprechen dafür – und welche dagegen? Was hast du bereits gelernt? Welche Aufgaben hast du schon gemeistert? Welches Feedback hast du bekommen? Deine Gefühle sind echt. Aber sie sind nicht automatisch Beweise.

  • 2. Erfolge nicht kleinreden: Versuche, deine Erfolge genauso ernst zu nehmen wie deine Fehler. Du musst nicht erst etwas Außergewöhnliches leisten, damit du stolz auf dich sein darfst.

  • 3. Fehler neu bewerten: Ein Fehler beweist nicht, dass du ungeeignet bist. Gerade im Berufsleben bedeutet Lernen auch, Dinge noch nicht zu können, Fragen zu stellen und Fehler zu machen. Kompetenz entsteht nicht dadurch, dass du alles sofort beherrschst.

  • 4. Vergleiche mit Vorsicht: Du siehst bei anderen meistens das Ergebnis – bei dir selbst aber jeden Zweifel, jeden Fehler und jeden schlechten Tag. Das ist kein fairer Vergleich.

  • 5. Sprich darüber: Selbstzweifel können größer werden, wenn du sie nur mit dir selbst ausmachst. Sprich mit Menschen, denen du vertraust. Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele andere ähnliche Gedanken kennen.

Verkehrte Welt: Der Dunning-Kruger-Effekt

Er ist das genaue Gegenteil des Imposter-Syndroms. Beim Dunning-Kruger-Effekt geht es vereinfacht gesagt darum, dass Menschen mit wenig Erfahrung ihre eigenen Fähigkeiten manchmal überschätzen. Wer noch nicht weiß, was er alles nicht weiß, kann sich besonders sicher fühlen.

Wer beispielsweise gerade erst mit einem Thema beginnt, weiß oft noch nicht, welche Kenntnisse und Fähigkeiten tatsächlich erforderlich sind. Dadurch kann eine Aufgabe zunächst einfacher wirken, als sie ist. Mit zunehmender Erfahrung wird einem dann bewusst, was man noch lernen muss. Das eigene Selbstvertrauen kann dann vorübergehend sinken – nicht, weil man schlechter geworden ist, sondern weil man die Anforderungen realistischer einschätzt.

Und was sagt uns das? Selbstvertrauen und tatsächliche Fähigkeiten sind nicht immer dasselbe. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig Feedback einzuholen, Fragen zu stellen und offen für Neues zu bleiben. Wichtig ist: Der Dunning-Kruger-Effekt bedeutet nicht, dass unerfahrene Menschen grundsätzlich arrogant oder unfähig sind. Er beschreibt eine mögliche Verzerrung der Selbsteinschätzung, die in bestimmten Situationen und bei einzelnen Aufgaben auftreten kann. Auch erfahrene Menschen können ihre Fähigkeiten überschätzen – genauso wie kompetente Menschen an sich zweifeln können.

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