Ein Tisch mit Mikrofon, Laptop und Kaffeetasse

Folge #36 – Aufgeben oder durchziehen? Wann es klüger ist, loszulassen

Manchmal ist Durchziehen ein Zeichen von Stärke. Manchmal ist genau das Gegenteil mutig: loszulassen. Viele von uns kennen den Gedanken: Soll ich weitermachen oder lieber einen Schlussstrich ziehen? In dieser Folge spricht Psychotherapeutin Urooba mit Tischlermeister Laurin (@derholzbock) über Entscheidungen, Zweifel und den Mut, den eigenen Weg immer wieder neu zu hinterfragen.

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Wann ist es Zeit, zu gehen?

Du hast dir das Studium anders vorgestellt? Das Leben in der neuen Stadt fühlt sich nicht richtig an? Dann ist es vielleicht an der Zeit, die Reißleine zu ziehen. Aufgeben muss nämlich nichts Negatives sein. Warum es sogar eine Chance sein kann, erklären Urooba und Tischlermeister Laurin (@derholzbock) in der aktuellen Folge.

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Für mich stand die Entscheidung fest, dass ich das so nicht mehr weitermachen möchte und ich hab dann die Reißleine gezogen.

Laurin Bock

Tischlermeister

Wann solltest du durchziehen – und wann lieber loslassen?

Es gibt keine einfache Formel. Trotzdem helfen dir diese Fragen bei deiner Entscheidung:

Frag dich nach deinem "Warum"

Ziehst du etwas durch, weil es wirklich dein Ziel ist? Oder nur, weil andere es von dir erwarten? Wenn dein Antrieb hauptsächlich aus Angst vor Enttäuschung oder schlechtem Gewissen besteht, lohnt sich ein genauer Blick.

Schlechter Tag oder dauerhaft unglücklich?

Nicht jeder Motivationseinbruch bedeutet, dass etwas falsch läuft: Ist das nur eine stressige Phase? Oder fühlst du dich schon seit Wochen oder Monaten erschöpft, unzufrieden oder leer? Je länger die Belastung andauert, desto wichtiger ist es, genauer hinzuschauen.

Erfolg hat viele Gesichter

Loszulassen bedeutet nicht automatisch zu scheitern.
Manchmal entsteht erst durch eine bewusste Veränderung Platz für neue Chancen, bessere Entscheidungen und mehr Zufriedenheit.

Ein Selfie von Laurin Bock
Credit: C3

Die Geschichte von Laurin Bock

Holz bearbeiten bedeutet Geduld, Präzision und manchmal auch, einen Plan komplett zu ändern. Tischlermeister Laurin (@derholzbock) weiß aus eigener Erfahrung, dass nicht jeder eingeschlagene Weg bis zum Ende gegangen werden muss. In seinem Leben hat er nämlich nicht nur einmal festgestellt: „Das passt hier eigentlich nicht zu mir.“ Geschadet hat es seinem Erfolg nicht. Nach zwei abgebrochenen Studiengängen und einer abgebrochenen Lehre ist Laurin heute Tischlermeister aus Leidenschaft und einer der größten Handwerks-Influencer Deutschlands. Aufgeben heißt also noch lange nicht verlieren!

Mental Health Check: Drei Fragen an dich

Manchmal fällt es uns nicht ganz leicht, in uns hineinzuhören. Vor allem, wenn der „Alltagslärm“ uns zu schaffen macht. Oft ist die Frage nämlich nicht, ob du durchziehen solltest, sondern, ob du es überhaupt noch kannst, ohne deine mentale Gesundheit zu gefährden. Ein kleiner Selbst-Check kann da aufschlussreich sein.

Nimm dir kurz Zeit und beantworte ehrlich diese Fragen:

  • 1. Gibt mir das, was ich gerade tue, langfristig Energie – oder raubt es sie mir dauerhaft?

  • 2. Halte ich daran fest, weil ich es wirklich möchte oder weil ich Angst vor Veränderung habe?

  • 3. Was würde ich einer guten Freundin oder einem guten Freund in derselben Situation raten?

Oft sind wir mit anderen deutlich verständnisvoller als mit uns selbst.

Wenn andere deine Entscheidung nicht verstehen

Du hast für dich entschieden, den eingeschlagenen Weg zu verlassen – doch dein Umfeld reagiert mit Unverständnis? Das kann verletzend sein. Gerade Eltern oder Freunde meinen es oft gut, bewerten die Situation aber aus ihrer eigenen Perspektive oder mit ihren eigenen Erfahrungen.

Diese Tipps können dir helfen, solche Gespräche zu führen:

  • Erkläre deine Beweggründe, statt dich zu rechtfertigen.

    Du musst niemanden davon überzeugen, dass deine Entscheidung "richtig" ist. Beschreibe lieber, wie es dir geht und warum du diesen Schritt für notwendig hältst. Formulierungen wie „Ich habe lange darüber nachgedacht“ oder „Diese Entscheidung tut mir gut“ wirken oft klarer als lange Rechtfertigungen.

  • Erkenne die Sorgen hinter der Kritik.

    Manchmal steckt hinter Sätzen wie „Du gibst zu schnell auf“ eigentlich Angst oder Fürsorge. Vielleicht machen sich deine Eltern Sorgen um deine Zukunft oder wünschen sich Sicherheit für dich. Wenn du das erkennst, fällt es oft leichter, ruhig zu bleiben.

  • Bleib bei dir.

    Nicht jeder wird deine Entscheidung sofort nachvollziehen – und das ist in Ordnung. Du kennst deine Situation am besten. Es ist völlig legitim, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, ohne deine Entscheidung ständig infrage zu stellen.

  • Sprich über deine nächsten Schritte.

    Viele Menschen reagieren entspannter, wenn sie merken, dass du einen Plan hast. Erkläre, wie es für dich weitergeht und welche Möglichkeiten du bereits im Blick hast. Das zeigt, dass Loslassen keine spontane Flucht ist, sondern eine bewusste Entscheidung.

  • Setze Grenzen, wenn Gespräche dir nicht guttun.

    Wenn Diskussionen immer wieder in Vorwürfen enden oder dich stark belasten, darfst du das ansprechen. Zum Beispiel: „Ich verstehe, dass du das anders siehst. Im Moment wünsche ich mir Unterstützung statt Kritik.“ Es ist in Ordnung, ein Gespräch zu beenden und später noch einmal darauf zurückzukommen.

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