Liebe am Arbeitsplatz

Verliebt in den Kollegen oder Chef? Das ist keine Seltenheit. Worauf es ankommt, damit es mit der Beziehung klappt.

Wir verbringen viel Zeit am Arbeitsplatz. Kein Wunder also, dass uns manche Kollegen fast so gut kennen wie unsere Freunde oder unsere Familie. Man arbeitet nicht nur zusammen, sondern verbringt auch Mittagspausen, Weihnachtsfeiern und manchmal sogar Feierabende gemeinsam. Da kann es durchaus vorkommen, dass aus einem guten Miteinander ein romantischer Flirt wird – und man sich in einen Arbeitskollegen verliebt.

Eine repräsentative Forsa Studie bestätigt das. Laut dieser war jeder fünfte Befragte schon einmal in einen Arbeitskollegen verschossen und für jeden Siebten endete ein Flirt in einer festen Beziehung. Jedem Horrorszenario zum Trotz: Letztere kann sich sogar positiv auf die Arbeitsleistung auswirken, weshalb Vorgesetzte einer Liebe unter Angestellten erst einmal ganz entspannt begegnen können. Wir haben mit einer Psychologin über Partnerschaften am Arbeitsplatz gesprochen – und wie sie (doch) funktionieren können. 

  • IKK classic: Was haben persönliche Verbindungen am Arbeitsplatz für einen Einfluss auf die Arbeitsleistung?

    Lisa Zimmermann: Da Menschen grundsätzlich beziehungsorientiert sind, ist die Auswirkung von persönlichen Verbindungen auf das Arbeitsumfeld meistens sehr positiv. Wer mit Emotionen dabei ist, hat mehr Lust auf gute Leistungen. Er zeigt bestenfalls ein größeres Engagement. Nur in seltenen Fällen kann eine persönliche Beziehung eine gegenteilige Wirkung haben. Wenn die Herausforderung fehlt und der Mitarbeiter sich zu sicher fühlt, gibt er gerne mal die Verantwortung ab oder lässt sich hängen.

  • Kann Liebe am Arbeitsplatz funktionieren?

    Ja. Beziehungen, die ein gemeinsamer Aufgabenbereich und gemeinsame Interessen verbinden, haben in unserer heutigen Zeit eine gute Chance, länger zu bestehen. Denn Beziehungen zwischen Kollegen haben eine große gemeinsame Schnittmenge.

  • Wie sollte man sich als Paar im Job verhalten?

    Wenn ein Paar seine Beziehung verheimlicht, ist das Umfeld irritiert. Denn meist spüren die Kollegen, dass die beiden sich im Umgang miteinander merkwürdig verhalten. Beispielsweise achtet das Paar extrem darauf, körperlich Abstand zueinander zu halten oder versucht, gemeinsamen Pausen aus dem Weg zu gehen. Zu intim sollte sich ein Büropaar aber auch nicht verhalten. Zärtlichkeiten und Kosenamen sind im Büro tabu. 

  • Sollte der Chef über die Partnerschaft informiert werden?

    Grundsätzlich ja. Es geht ansonsten viel Energie in die Geheimhaltung, die sowohl die Beziehung als auch die Arbeitsleistung belastet. Mitarbeiter und Chefs sind gefordert, einen konstruktiven Umgang zu finden und sich darin gegenseitig zu unterstützen. 

  • Wie sollte sich der Betriebsinhaber verhalten, wenn das Gerücht kursiert, dass zwei Mitarbeiter eine Affäre haben, und es deshalb zu Problemen im Arbeitsalltag kommt? Ansprechen oder abwarten?

    Unbedingt ansprechen. Die Unternehmensleitung tut gut daran, auf die Beteiligten zuzugehen und diese direkt zu den Gerüchten zu befragen. Die Bitte um eine ehrliche und offene Stellungnahme ist in der Regel der beste Türöffner für ein konstruktives Gespräch – auch in konfliktbehafteten Situationen.

  • Was passiert bei einer Trennung?

    Trennungen sind bei privaten Beziehungen am Arbeitsplatz die größte Herausforderung. Am wichtigsten ist es, die Wut, die häufig aufgrund von Kränkungen und Enttäuschungen entsteht, nicht mit in die Arbeitswelt zu tragen. Wer mit einer Trennung zu kämpfen hat, kann vielleicht für eine gewisse Zeit nicht mehr die gewohnte Leistung erbringen. Falls das Ex-Paar seine Emotionen nicht im Griff hat und der Arbeitsalltag dadurch gestört wird, sollte der Chef rechtzeitig intervenieren und mit beiden ein Gespräch führen. 

  • Gerade bei Handwerksbetrieben ist es häufiger der Fall, dass Familienmitglieder – etwa Ehepartner – miteinander arbeiten. Was ist bei Familienunternehmen in der täglichen Zusammenarbeit zu beachten?

    Familiäre Beziehungen sind oft in einem geschlossenen System gefangen. Konkret heißt das, dass es aufgrund der langjährigen Erfahrungen miteinander eine festgelegte Sichtweise auf den anderen gibt. Das blockiert oft die konstruktive Zusammenarbeit, vor allem in kleineren Familienbetrieben. Deshalb ist es wichtig, dem bekannten Gegenüber mit einer großen Offenheit und Bereitschaft für neue Erfahrungen zu begegnen. Gleichzeitig herrscht ein hoher Grad an Sicherheit und auch an Vertrauen, sodass die Zusammenarbeit letztlich eine gute Basis hat – wenn es Raum für Entwicklung und Veränderung gibt.

  • Vor allem Liebeleien zwischen unterschiedlichen Hierarchie-Stufen bieten Angriffsfläche. Da ist der Vorwurf schnell bei der Hand, dass sich andere Mitarbeiter ungerecht behandelt fühlen. Gibt es hierfür besondere Verhaltensregeln?

    Vier Faktoren erleichtern die Zusammenarbeit im Betrieb: Offenheit, Diskretion, Gleichbehandlung und Ängste ansprechen. Wichtig ist zunächst, dass die Beziehung offen in der Firma kommuniziert wird, damit der Raum für Spekulationen möglichst klein ist. Gleichzeitig ist es wichtig, dass beide Parteien sehr diskret mit der Beziehung umgehen – und Klatsch, Tratsch und das Ausplaudern von Intimitäten unterlassen. Bevorzugungen oder Vorteilsaneignungen sollten auf jeden Fall sehr bewusst unterlassen werden. Hilfreich ist außerdem, wenn die außenstehenden Mitarbeiter in Gesprächen immer wieder Raum bekommen, Befürchtungen auszusprechen. Das löst die meisten Ängste im Handumdrehen auf.

Auf einen Blick

5 goldene Regeln für Beziehungen am Arbeitsplatz

1. Besonders in kleineren Betrieben: den Chef in Kenntnis setzen, sobald die Beziehung gefestigt ist. 

2. Keine Streitereien mit dem Partner am Arbeitsplatz austragen. Das bringt Kollegen ansonsten in eine unangenehme Situation. 

3. Man muss die Liebe nicht geheim halten, sollte aber von zu viel Körperkontakt in den Arbeitsräumen absehen. 

4. Die Beziehung nicht für berufliche Vorteile nutzen. Das wäre unprofessionell. 

5. Geht eine Beziehung oder Affäre zu Ende, sollten die Emotionen zu Hause bleiben. So schwer das sein mag, aber in der Arbeit sind Gefühlsausbrüche fehl am Platz.