Schulkind macht Hausaufgaben

Bewegtes Lernen: Wie Kinder zu Hause nachhaltiger und gesünder lernen

Jedes Schuljahr nehmen die Sitzstunden von Kindern im Unterricht zu und das, obwohl wir wissen: Kinder lernen in Bewegung nachhaltiger und bleiben dadurch gesünder und motivierter. Was Eltern tun können, um ihren Kindern mit Bewegung das Lernen zu erleichtern, erklärt ein Experte für „Bewegte Schule“. Plus: Spielideen und Tipps für die Hausaufgaben und das praktische Üben zu Hause.

Kleine Kinder lernen riechend, schmeckend, sie berühren Gegenstände und lassen sie fallen. Mit dem Eintritt in die Schule beginnt aber dann für viele Kinder der sitzende Lebensabschnitt: „Die Einschulung wird von manchen auch als 'die Einstuhlung' bezeichnet und leider trifft dies die Sache sehr gut“, gibt Prof. Dr. Christian Andrä, Sport- und Bewegungspädagoge an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam, zu bedenken. Denn in deutschen Schulen und Kinderzimmern ist das Lernen und Hausaufgaben machen an Tisch und Stuhl noch immer die vorherrschende Position.

Viele Kinder verbringen schon in den ersten Grundschuljahren sieben bis acht Stunden am Tag im Sitzen. Der daraus resultierende Bewegungsmangel wirkt sich direkt auf die Gesundheit, aber auch auf den Lernerfolg aus. Diabetes-Erkrankungen im Kindesalter nehmen zu, der Körper fährt herunter, Langeweile und Monotonie sind die Folge.

Das Vorschaubild für Folge 3 der Schulstart-Videoserie zum Thema Bewegtes Lernen
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Warum bewegtes Lernen so effektiv ist

In diesem Video zeigen wir, welche Vorteile bewegtes Lernen hat und was Sie tun können, um Ihrem Kind das Lernen mit Bewegung zu erleichtern.

Raus aus der Sitzschule – Warum in Bewegung lernen?

„Wenn Kinder im Unterricht herumzappeln, ist das häufig ein Ausdruck dafür, dass sie sich langweilen. Denn wir alle brauchen Bewegung – unser Hirn vernetzt alle Sinne“, betont Christian Andrä. Studien aus der Hirnforschung belegen, dass Bewegung die Vernetzung der Gehirnzellen unterstützt und dadurch Konzentration und Merkfähigkeit zunehmen.

Doch praktisch umgesetzt wird bewegtes Lernen in Schulen noch nicht überall: „Kinder sollten im wahrsten Sinne des Wortes 'begreifend', idealerweise auch riechend und schmeckend lernen dürfen“, so Andrä. Es gibt bereits viele Schulen, in denen dieser Ansatz gute Ergebnisse erzielte. Die Schweiz sei da Vorreiter gewesen, so Andrä, auch in ausgewählten deutschen Schulen werde viel mehr auf bewegungsorientiertes, multisensorisches Lernen geachtet.

„Ich bin überzeugt, dass man 99 Prozent der Lerninhalte auch über Bewegung vermitteln könnte“, betont Andrä. Das Argument, dass multisensorisches Lernen zu zeitaufwändig sei, stimme nicht ganz. Denn wer in Bewegung und auch haptisch lernt, wer ausprobieren darf und Inhalte nicht nur im Buch anschauen und nachlesen muss, der vergisst sie so schnell nicht mehr und lernt wesentlich nachhaltiger. Das spart Zeit bei den Wiederholungen.
Außerdem bringen Schülerinnen und Schüler so auch ihr Herz-Kreislauf-System in Schwung, regen die Durchblutung an und haben durch diese Aktivität oft viel mehr Spaß am Lernen.

Bewegung ins Lernen bringen – Was Eltern tun können

Die heutige Elterngeneration hat selbst häufig noch sehr statisch lernen müssen. Es hilft daher schon viel, wenn wir unsere Vorstellung und Bewertungen hinterfragen, wie lernen auszusehen hat und unseren Kindern Raum für neue Erfahrungen geben. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass eine sitzende Lernposition für 57 Prozent der Befragten nicht die bevorzugte Lernposition ist“, erklärt Christian Andrä.

Das bedeutet: Wenn Ihr Kind lieber auf dem Bauch liegend seine Hausaufgaben erledigt, dann ist das überhaupt kein Zeichen von mangelndem Engagement. Im Gegenteil: Wer seine Position immer wieder verändere, sich auch mal verkehrt herum auf den Stuhl setze, auf der Stelle hin und her wackle, der nehme viel Druck von seinen Bandscheiben und löse durch diese Mikrobewegungen eine statische Körperhaltung auf, so der Experte.

Tatsächlich ist bekannt: Viele orthopädische Probleme von Sehnenverkürzungen bis Bandscheibenvorfall werden durch zu langes, zu statisches Sitzen verursacht. Die Sitzposition ist die ungesündeste überhaupt. Wenn sich diese nicht vermeiden lässt, dann sind kleine Bewegungen innerhalb der Position die beste Vorbeugung gegen Schäden. Ganz nach dem Motto: „Die beste Sitzposition? Die nächste!“

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Geduldige Eltern – bewegte Kinder

Für Eltern und Lehrkräfte braucht es am Anfang darum oft ein „Zulassen und Aushalten“: Wenn man Kindern Freiräume für Bewegungserfahrungen einräumt, dann wollen sie diese meist auch erst einmal erkunden. Ersetzt man Stühle durch Gymnastikbälle – an sich eine sehr gute Idee – können sie anfangs zu wildem Hopsen verleiten. Doch Kinder merken nach einiger Zeit oft ganz von selbst, wie viel Bewegung für das Erledigen ihrer Aufgaben effektiv ist.

Frühestens nach drei Wochen solle man ein Fazit ziehen, ob die Veränderung geeignet sei oder nicht, rät der Experte. „Wir brauchen da etwas Geduld, sollten den Kindern aber unbedingt Freiraum zum Ausprobieren geben.“

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Tipps für eine bewegte Lernumgebung zu Hause

  • Helfen Sie Ihren Kindern, den Lernstoff mit allen Sinnen zu begreifen: Lebensmittel sollten auch zum Schmecken und Riechen angeboten, Naturmaterialien berührt werden.

  • Gehen Sie mit Ihren Kindern viel in die Natur, denn hier ist ein idealer Lernort: Naturumgebung fordert zu Bewegung auf, frische Luft fördert das Lernen.

  • Denken Sie um: Schneidersitz, Hocker, Gymnastikbälle, Liegen auf Bauch oder Rücken sind gute Lernpositionen – am besten im Wechsel.

  • Üben Sie sich in Geduld und geben Sie Ihren Kindern Zeit, neue Lernpositionen mindestens einen Monat lang auszuprobieren.

  • Gestalten Sie Wochenenden aktiv. So erfahren die Kinder in der Freizeit einen Bewegungsausgleich zu ihren Sitzstunden.

  • Seien Sie Vorbild: Probieren Sie gemeinsam Alternativen und Strategien aus, arbeiten Sie beispielsweise auch selbst einmal in neuen Positionen.

  • Sprechen Sie mit den anderen Eltern und dem Lehrpersonal in den Schulen und stoßen Sie Projekte an – etwa für die Anschaffung einzelner Gymnastikbälle oder die Durchführung von Projekttagen.

Spielideen und Übungen für bewegtes Lernen

Ein kleines Übungsspiel hilft Ihrem Kind, die Artikel „der“, „die“ und „das“ in Bewegung zu lernen. Sie nennen ein Wort ohne Artikel, etwa Bus, Fahrrad oder Tasche – Ihr Kind ergänzt mit einer Körpergeste, die zuvor jedem Artikel zugeordnet wurde. Ein Hut steht für den männlichen Artikel „der“, ein angedeuteter Rock für den weiblichen Artikel „die“ und für das Neutrum „das“ geht das Kind in die Hocke. Die Artikel werden jeweils mitgesprochen.

Varianten: Die Spielform funktioniert auch mit

  • Adjektiv, Verb und Substantiv – Anfangsbuchstaben mit Armen zeigen (Dachform für Adjektiv, V-Form für Verb, Schlangenbewegung der Arme für Substantiv)
  • Zeiten – nach vorne (Futur) oder hinten (Perfekt) lehnen oder um die eigene Achse drehen (Präsens)
  • Groß und Kleinschreibung – Groß strecken und klein hocken

Das Kind geht mit einem imaginären Korb unter dem Arm Obst und Gemüse ernten. Es streckt sich nach Äpfeln und Birnen. Es bückt sich nach Kartoffeln und Möhren. Im Korb werden die Früchte addiert. Ist eine Frucht faulig? Dann muss sie wieder herausgenommen und subtrahiert werden.

Varianten für andere Rechenformen:

Multiplikation mit Erbsen (jeweils 5 in einer Schote)
Welche Früchte könnte man teilen? (Division)

Ein Ball wird hin und her geworfen und idealerweise gefangen. Wer den Ball gefangen hat, ist dran und spricht seine Vokale, seinen Buchstaben oder seine Zahl – je nach Themenbereich. Idealerweise gerät das Spiel dabei nicht ins Stocken. Es funktioniert für diverse Lerninhalte:

 

  • Wörter einer Fremdsprache und Übersetzung
  • Wörter aus den aktuellen Sachkundethemen des Kindes sollen fallen, etwa Bereich Wasser, bestimmte Jahreszeiten oder ähnliches
  • Abwechselnd wird die Zweierreihe 2,4,6,8 usw. aufgesagt
  • Vokale a,e,i,o,u oder Umlaute ä,ö,ü im Wort erkennen: Ein Wort wird genannt, beispielsweise das Wort „Rose“, das Kind wirft den Ball für jeden Vokal im Wort einmal in die Luft (o und e) und spielt den Ball dann zurück

Geometrische Formen oder Buchstaben können in Bewegung spielerisch erlebt werden, indem sie in der Gruppe oder zu zweit mit dem Körper dargestellt werden.

Varianten:

  • Vorgestellte geometrische Formen können auf dem Boden im Raum nachgelaufen werden. Eine weitere Person, die sich wie ein Waggon anhängt, muss die Form erraten.
  • Mit geschlossenen Augen sollen Alltagsgegenstände in Kreisform, Quadrat etc. ertastet, die Form währenddessen oder anschließend benannt werden.
  • Die Formen oder auch Buchstaben werden mit Seilen auf dem Boden nachgelegt. Das funktioniert auch gut mit Landkarten.

Für zwei Spieler: Auf das Signal „Schnick, Schnack, Schnuck“ zeigt jeder eine Fingerzahl von 1-10. Ist die Differenz kleiner als 5, gehen wir in die Knie, ist sie größer strecken wir uns. Ist die Differenz gleich 5 drehen wir uns um die Längsachse.

Varianten:

  • Wir raten die Summe der Finger, die wir zusammen gleich zeigen werden: Schnick, schnack … sieben – oder doch nicht? Wer hat die Summe richtig erraten? Wer war am nächsten am tatsächlichen Ergebnis? Wir üben damit das schnelle Addieren bis 20, wenn wir mit zwei Händen spielen, bzw. bis 10, wenn wir nur eine Hand erlauben.

Weitere Spielideen für alle Jahrgangsstufen und Gruppengrößen gibt Prof. Dr. Christian Andrä auf seinem YouTube-Kanal und in seinem Fachbuch „Bewegtes Lernen – Handbuch für Forschung und Praxis“ (erschienen bei Lehmanns Media).

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