Männer, wir müssen Tacheles reden. Denn es geht um ein ernstes Thema: Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 517.000 Menschen an Krebs, mehr als die Hälfte davon sind Männer. Statistisch gesehen erkrankt etwa jeder zweite Mann im Laufe seines Lebens an Krebs.
Krebsvorsorge für Männer: Darauf muss Mann achten!
Männer gehen mit ihrer Krebsvorsorge häufig viel sorgloser um als Frauen. Dabei kann eine Früherkennungsuntersuchung Leben retten! Wir klären mit einem Experten, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, wie die Krebsvorsorge abläuft und wann der richtige Zeitpunkt ist.
- Diese Krebsarten treten bei Männern besonders häufig auf
- Darum ist die Früherkennung von Krebs wichtig
- Männer gehen seltener zur Vorsorge als Frauen
- Eine Vergrößerung der Prostata ist nicht immer gefährlich
- Ab wann sollten Männer zur Krebsvorsorge?
- Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?
- Prostatakrebs: Wie läuft die Früherkennung ab?
- Wann ist ein PSA-Test sinnvoll?
- Hodenkrebs durch regelmäßiges Abtasten erkennen
- Wie können Männer Krebs vorbeugen?
- FAQ: Häufig gestellte Fragen
Das Risiko für bestimmte Krebsarten verändert sich im Laufe des Lebens. Bei Kindern ist Leukämie die häufigste Krebsart. Männer im Alter zwischen 25 und 45 Jahren erkranken am häufigsten an Hodenkrebs – das macht rund ein Viertel aller Fälle in dieser Altersgruppe aus. Mit zunehmendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit deutlich zu, an Prostata-, Lungen- oder Darmkrebs zu erkranken.
Darum ist die Früherkennung von Krebs wichtig
Eine Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen, erhöht die Heilungschancen enorm. „Früherkennung heißt, den Krebs nicht erst dann zu erkennen, wenn er schon nicht mehr heilbar ist“, sagt Prof. Dr. med. Axel S. Merseburger, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie und Direktor der Klinik für Urologie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Insbesondere bei Prostatakrebs, Darmkrebs und Hautkrebs spielt der Faktor Zeit eine große Rolle. Ein Prostatakarzinom macht sich häufig erst dann bemerkbar, wenn es schon spät ist, weil sich die Karzinome langsam ausbreiten.
Männer gehen seltener zur Vorsorge als Frauen
Nur rund 40 Prozent der Männer in Deutschland gehen regelmäßig zu Früherkennungsuntersuchungen. Zum Vergleich: Unter den Frauen sind es knapp 67 Prozent. „Männer gehen häufig nur dann zum Arzt, wenn sie es müssen“, sagt Prof. Dr. med. Axel S. Merseburger. Frauen dagegen gehen schon in jungen Jahren regelmäßig in eine gynäkologische Praxis und werden früher für das Thema sensibilisiert.
Der Unterschied zwischen Vorsorge und Früherkennung:
Bei der Vorsorge tut ein Mensch aktiv etwas, um eine Krankheit zu verhindern – etwa Sonnenschutz gegen Hautkrebs. Für die meisten Krebsarten (z. B. Prostata- oder Hodenkrebs) gibt es jedoch keine echte Vorsorge. Hier geht es um Früherkennung: den Krebs in einem frühen, behandelbaren Stadium zu entdecken.
Eine Vergrößerung der Prostata ist nicht immer gefährlich
Im Jahr 2024 ging selbst König Charles III. offen mit seiner Prostataoperation um. Mit zunehmendem Alter kommt fast auf jeden Mann eine Vergrößerung der Prostata zu. Diese muss nicht zwangsläufig bösartig sein. Die „benigne Prostatahyperplasie“ (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Sie ist zwar nicht lebensbedrohlich, die Symptome können jedoch die Lebensqualität einschränken.
Ab wann sollten Männer zur Krebsvorsorge?
Im Idealfall sollte die Krebsvorsorge so früh wie möglich beginnen. Als Faustregel empfehlen Medizinerinnen und Mediziner: ab 35 Jahren regelmäßig zum Hautscreening, ab 45 Jahren beginnt die Früherkennung für Prostatakrebs und ab 50 Jahren für Darmkrebs. Bei entsprechenden Risikofaktoren, etwa bekannten Krebserkrankungen in der Familie, sollte die Vorsorge unter Umständen früher beginnen.
Prostatakrebs: Wie läuft die Früherkennung ab?
Die Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs können Männer ab 45 Jahren einmal pro Jahr in Anspruch nehmen. Gibt es eine familiäre Vorbelastung, übernimmt die IKK classic die Früherkennung bereits ab 40 Jahren. Bei unter 40-Jährigen kommt ein Prostatakarzinom nur ganz selten vor.
Die klassische Untersuchung umfasst ein Gespräch mit der Urologin oder dem Urologen. Anschließend werden die Lymphknoten in der Leiste sowie die Geschlechtsorgane untersucht und die Prostata rektal abgetastet. Das ist deutlich weniger unangenehm, als sich viele Menschen vorstellen.
Wann ist ein PSA-Test sinnvoll?
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit des PSA-Tests. Damit wird das prostataspezifische Antigen (PSA) im Blut nachgewiesen. Ist der Wert zu hoch, kann das ein Hinweis auf eine Prostataerkrankung sein. Hat sich bei der Tastuntersuchung ein konkreter Krebsverdacht ergeben, dient der PSA-Test zur Abklärung und wird von der IKK classic übernommen.
Soll ein PSA-Test ohne konkreten Verdacht als Früherkennung durchgeführt werden, gilt das als IGeL-Leistung und muss selbst gezahlt werden. Denn über die Aussagekraft sind sich Expertinnen und Experten nicht ganz einig: Einerseits können 3 von 1.000 Männern durch einen PSA-Test davor bewahrt werden, an einem Prostatakarzinom zu sterben. Andererseits besteht für bis zu 60 dieser 1.000 Männer die Gefahr einer Überdiagnose – es werden Tumore entdeckt und behandelt, die nie problematisch geworden wären, mit allen körperlichen und psychischen Folgen. Ob Sie sich testen lassen möchten, ist daher eine Frage der persönlichen Abwägung.
Hodenkrebs durch regelmäßiges Abtasten erkennen
Außerdem sollte sich jeder Mann regelmäßig die Hoden abtasten. Die Deutsche Krebsgesellschaft rät zu mindestens einem Kontrollgriff pro Halbjahr. „Eine spezielle Früherkennungsuntersuchung gibt es bei Hodenkrebs nicht“, sagt Prof. Dr. med. Axel S. Merseburger. Wer dabei etwas Ungewohntes oder Veränderungen feststellt, sollte unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Auch hier gilt: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser stehen die Heilungschancen.
Wie können Männer Krebs vorbeugen?
Während die Früherkennung Tumore aufspürt, lässt sich das persönliche Krebsrisiko durch den Lebensstil aktiv senken. Fachgesellschaften nennen einige zentrale Stellschrauben: auf das Rauchen verzichten, Alkohol nur in Maßen trinken und auf ein gesundes Körpergewicht achten. Regelmäßige Bewegung, eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse und der konsequente Schutz der Haut vor UV-Strahlung wirken ebenfalls vorbeugend. Diese Maßnahmen ersetzen keine Früherkennung, sie ergänzen sie aber sinnvoll und senken gleichzeitig das Risiko für mehrere Krebsarten.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollten Männer zur Krebsvorsorge gehen?
Das hängt von Alter und Untersuchung ab: Das Hautkrebs-Screening ist ab 35 alle zwei Jahre möglich, die Prostata-Früherkennung ab 45 jährlich. Bei familiärer Vorbelastung kann ein früherer oder häufigerer Rhythmus sinnvoll sein.
Was kostet ein PSA-Test?
Als reine Früherkennung ohne Krebsverdacht ist der PSA-Test eine IGeL-Leistung und kostet meist zwischen 25 und 35 Euro. Bei konkretem Verdacht zur Abklärung übernimmt die IKK classic die Kosten.
Welche Kosten für die Krebsvorsorge übernimmt die IKK classic?
Die gesetzlich vorgesehenen Früherkennungsuntersuchungen für Männer sind für Versicherte kostenfrei. Die IKK classic übernimmt zudem bei familiärer Vorbelastung die Prostata-Früherkennung bereits ab 40 Jahren.
Ab welchem Alter sollte man die Hoden selbst abtasten?
Fachleute raten Männern schon ab der Pubertät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung, da Hodenkrebs vor allem junge Männer zwischen 25 und 45 Jahren betrifft. Empfohlen wird mindestens ein Kontrollgriff pro Halbjahr.