Positive Gedanken helfen, eine Situation zu bewältigen: Zwei Frauen lachen gemeinsam.

Optimismus ist gesund: Die Kraft positiver Gedanken

Studien belegen: Krankheiten verlaufen bei positiv denkenden Menschen milder und auch ihre Heilungschancen sind größer als die pessimistischer Personen. Doch kann man allein durch Optimismus die eigene Gesundheit stärken?

Wer stetig hadert und zweifelt, dem erscheint das Glas nicht nur ständig halb leer – negativ denkende Menschen sind auch anfälliger für Stress. Stress wiederum gilt als Auslöser für eine ganze Reihe von negativen physiologischen Reaktionen: Die Anfälligkeit für Infektionen steigt, die Stoffwechselaktivitäten sind erhöht, ebenso der Blutdruck oder der Spiegel bestimmter Stresshormone wie Cortisol.

Im Gegenzug beeinflussen auch positive Gefühle den Körper. Doch wie stark wirkt sich die Psyche wirklich auf unsere Gesundheit aus? Laut einer Studie der Boston University School of Medicine hat eine optimistische Grundeinstellung sogar einen Effekt auf die Lebenserwartung. Die Forscher analysierten dafür die allgemeine Lebensführung von mehr als 70.000 Menschen über mehrere Jahrzehnte hinweg. Um den Effekt der mentalen Einstellung zu bewerten, wurden die Patienten in vier verschiedene Gruppen unterteilt – von sehr optimistisch bis außergewöhnlich pessimistisch. Zusätzlich wurde nach Männern und Frauen unterschieden.

Das Ergebnis: Die Frauen in der besonders optimistischen Gruppe lebten im Schnitt um 15 Prozent länger als die in der pessimistischsten Gruppe. Bei Männern machte die positive Grundeinstellung immerhin noch einen Unterschied von 11 Prozent aus. Die Chance, ein hohes Alter von 85 Jahren oder mehr zu erreichen, lag sogar um 50 beziehungsweise 70 Prozent höher.

Mensch mit weißem Kittel und Stethoskop gestikuliert

Behandlung

Psychische Versorgung bei Krebs

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Positive Gedanken sind kein Allheilmittel

Studien wie diese besagen jedoch erst einmal nur, dass ein optimistisches Wesen häufig mit einer längeren Lebenserwartung einhergeht. Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, ob die höhere Lebenserwartung daran liegen könnte, dass optimistische Menschen grundsätzlich gesünder leben – etwa Vorsorgetermine eher wahrnehmen, weniger Alkohol trinken oder mehr Sport treiben. Wurden diese Faktoren aus der Untersuchung herausgerechnet, schwächte sich der Unterschied zwar ab, war aber immer noch signifikant.

Auch andere Studien sprechen für einen Effekt einer positiven Einstellung auf die Gesundheit: Die Ergebnisse belegen etwa, dass sich Optimistinnen und Optimisten selbst nach schweren operativen Eingriffen schneller oder seltener an koronaren Herzerkrankungen leiden. Bei bestimmten Infektionskrankheiten korreliert ein positives Selbstwertgefühl außerdem mit der Anzahl der Antikörper im Blut.

Bei all den positiven Studienergebnissen sollte man sich allerdings nicht allein auf den Effekt positiver Gedanken verlassen. Die mentale Einstellung ist nur ein Baustein auf dem Weg zur Besserung, der im Zusammenspiel mit der Schulmedizin die besten Erfolge trägt. In Form der sogenannten Mind-Body-Medizin haben Erkenntnisse wie diese im Laufe der letzten Jahre aber trotzdem immer weiter an Anerkennung gewonnen: An manchen Universitäten finden sie in Form von Wahlkursen bereits Eingang in die medizinische Ausbildung. Auch eigene Fachrichtungen haben sich herausgebildet, die sich mit der Wirkung der Psyche auf den körperlichen Gesundheitszustand befassen. So kümmert sich etwa die Psychoonkologie um den seelischen Zustand von Krebserkrankten, neue Fachgebiete wie die Psychoneuroimmunologie untersuchen in Grundlagenforschung den Zusammenhang zwischen Psyche sowie Nerven- und Immunsystem.

Optimismus kann man lernen – aber nicht erzwingen

"Optimismus ist eine Haltung, die man schon in frühester Kindheit lernt", sagt der Neurobiologe Gerald Hüther, Autor des Buchs Lieblosigkeit macht krank. "Ist es dagegen etwas, das man sich einredet, wird es schnell krampfhaft." Für Hüther entsteht ein positives Leben nicht nur aus sich selbst heraus, sondern immer unter Einbeziehung der Mitmenschen. Stabile Bindungen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl helfen uns dabei, besser mit Stress und Krankheiten umgehen zu können. Tatsächlich haben Studien erwiesen, dass Menschen mit einer guten sozialen Bindung weniger anfällig für Infektionen waren.

Nur wer sich angenommen und respektiert fühlt, kann auch eine optimistische Grundeinstellung entwickeln. Auf der Kehrseite wird die Selbstheilungsfähigkeit des menschlichen Körpers durch liebloses Verhalten sich selbst und anderen gegenüber oft unterdrückt, so der Autor. Die Menschen müssten lernen, wieder liebevoller mit sich selbst umzugehen. Das reiche von Entscheidungen über die Ernährung bis hin zu solchen der grundsätzlichen Lebensgestaltung – etwa der Frage, wie wichtig Erfolg oder persönlicher Luxus eigentlich wirklich ist. "Wenn ich zum Entscheider meines eigenen Lebens werde, erfahre ich Problemlösungskompetenz. Und daraus wird eine optimistische Grundhaltung", so Hüther.

Angesichts einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls zuversichtlich in die Zukunft zu blicken oder gar gute Laune zu bewahren ist selbstverständlich immens schwierig. Auch das Auf und Ab der Gefühle bei einer chronischen Krankheit ist nicht leicht in Balance zu bringen. Aber Optimismus ist nicht gleichzusetzen mit permanenter und selbst verordneter Fröhlichkeit. Vielmehr geht es auch um das Gefühl, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Und dieses Gefühl kann man auch erlernen. Man kann sich erreichbare Ziele setzen. Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben. Patienten sollten versuchen, sich ihrer eigenen Stärken zu vergewissern und negative Gefühle zu relativieren, anstatt sich von ihnen mitreißen zu lassen.

Frau macht Yoga zuhause bei geöffneter Terassentür

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Kleine Übungen, große Wirkung: Was die Psyche stark macht

"Stay happy, stay healthy", so fasst etwa eine Broschüre des Fachbereichs Psychologie der Universität Koblenz die grundlegende Denkweise zusammen. Mithilfe von einfachen Übungen soll man die eigene Perspektive auf das Leben und die Welt zum positiven verändern.

Mit diesen Übungen wirkt man nicht nur dem Stress entgegen, sondern lernt auch, das Glas als halb voll zu sehen. Und das tut Körper und Geist gut.

Savoring-Methode

Klingt kompliziert, bedeutet aber einfach nur, sich der guten Dinge und der schönen Momente, die uns widerfahren bewusst zu werden. Bedingung des Auskostens ist das achtsame Wahrnehmen und Reflektieren. So werden positive Erfahrungen emotional vertieft.

Halten Sie besonders schöne Momente zum Beispiel in Form von Fotos oder in einem Glückstagebuch fest, die Sie bewusst betrachten, wenn es einmal nicht so gut läuft. Oder gehen Sie einen Schritt weiter und versuchen jeden Abend zu visualisieren, auf welche positiven Erlebnisse Sie sich am nächsten Tag freuen können.

Best Possible Self

In dieser Übung geht es darum, sich seine persönliche Zukunft auf die bestmögliche Art und Weise vorzustellen. Man sollte sich dabei vor allem darauf konzentrieren, wie man seine persönlichen Vorhaben erreicht. Diese Denkweise kann helfen, Prioritäten im Leben neu zu strukturieren, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Das funktioniert zum Beispiel als Schreibübung: Nehmen Sie sich etwa eine halbe Stunde Zeit und schreiben Sie möglichst konkret auf, wo Sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft sehen – zum Beispiel in einem Jahr oder in 10 Jahren. Betrachten Sie dabei alle Bereiche Ihres Lebens nacheinander. Etwa: Wo wollen Sie privat stehen und wie fühlen Sie sich, wenn Sie dort ankommen? Was haben Sie beruflich erreicht? Warten Sie dann ein paar Tage, bis Sie sich den Text durchlesen. So können Sie Ihre Zukunftsvision mit frischem Kopf auf sich wirken lassen.

Relaxation Response

Bereits in den 1970er Jahren an der Harvard Medical School in Boston wurde die sogenannte Relaxation Response entwickelt, eine "durch Entspannung geprägte physiologische Antwortreaktion des Körpers". Durch einfache Atemübungen und Meditationstechniken erzielt man positive Effekte hinsichtlich Herz- und Atemfrequenz oder Cortisolwerten.

So funktioniert die Methode: ein- bis zweimal täglich für bis zu 20 Minuten eine entspannte Position einnehmen und die Augen schließen. Dann in den Körper hineinspüren und nacheinander jedes einzelne Körperteil erfühlen – von den Füßen bis zum Kopf. Dabei tiefe Atemzüge nehmen und ein neutrales Mantra aufsagen, zum Beispiel: "Ich atme."

 

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