Person hebt Geld vom Automaten ab.

Richtig Geld anlegen: Vorsorge-Tipps für Azubis

Rente, Riester, Aktien – mit solchen Dingen muss man sich während der Ausbildung doch nicht beschäftigen, oder? Doch, sagen Expertinnen und Experten. Schon wenige Euro können sich später lohnen.

Geld allein macht zwar nicht automatisch gesund – aber erleichtert ein sorgenfreies Leben und einen gesunden Lebensstil. Das Problem: Die junge Generation macht sich Sorgen, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreichen könnte. Deswegen sollten auch junge Menschen früh mit dem Sparen beginnen. Denn wer schon jeden Monat etwas Geld zurücklegt, kann besonders stark vom sogenannten Zinseszinseffekt profitieren. Dieser tritt ein, wenn ein Anleger Zinsen weiter investiert und sich diese ebenfalls verzinsen. Bereits ab monatlich 25 Euro ist es sinnvoll, Geld auf die hohe Kante zu legen.

Im Gespräch mit Anlageberater Nico Hüsch zeigen wir die besten Möglichkeiten, Geld anzulegen und fragen, worauf Berufseinsteiger bei der Geldanlage achten sollten, damit das Ersparte nicht von Gebühren und der Inflation, dem anhaltenden Wertverlust von Geld durch steigende Preise, sprichwörtlich aufgefressen wird.

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Warum schon in der Ausbildung Geld anlegen?

Endlich fließt das erste eigene Geld auf dein Konto – und damit bekommst du auch ein bisschen mehr Unabhängigkeit. Wer jetzt das Geld zurückzulegt und an Vermögensaufbau und Altersvorsorge denkt, hat vielleicht am Ende des Monats weniger zum Ausgeben – doch langfristig ist Sparen sinnvoll. Und wenn du siehst, wie die ersparte Summe wächst, gibt auch das ein gutes Gefühl.

Der große Vorteil bei der Geldanlage in jungen Jahren ist die lange Zeit, die dir zur Verfügung steht. Auch wenn dein Gehalt zum Berufseinstieg noch nicht so üppig ist, kannst du durch die lange Dauer schon einiges erreichen. Der sogenannte Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass du auch für deine Zinsen wiederum Zinsen bekommst – und das lässt dein Geld auf lange Sicht wachsen. In einigen Tarifverträgen sind außerdem vermögenswirksame Leistungen festgeschrieben. Wenn du einen Bausparvertrag, Bank- oder Fondssparplan hast, kann dein Arbeitgeber oder deine Arbeitgeberin monatlich einen festen Betrag direkt dort einzahlen. Dazu kommen teilweise noch Fördergelder vom Staat und Steuerersparnisse, von denen du zusätzlich profitierst.

Rentenversicherung, Sparplan, Aktien? Wer sich erstmals mit Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigt, steht vor einer schier erdrückend großen Auswahl an verschiedenen Möglichkeiten. Viele lassen daher eher die Finger davon: Immerhin fallen meist auch Gebühren an – und wer will schon unnötig Geld verlieren?

"In Deutschland wird viel zu wenig Finanzwissen vermittelt", kritisiert Nico Hüsch. Er ist unabhängiger Anlageberater und berät Kunden und Kundinnen bei der Geldanlage und Vermögensverwaltung. "Bei uns gilt noch immer: Über Geld spricht man nicht. Das hat zur Folge, dass die Deutschen noch immer schlecht in der Geldanlage sind. Eigentlich müssten schon Kinder in der Schule viel mehr über das Finanz- und Steuerwesen lernen", findet er.

Der erste Schritt beim Geld anlegen: das Finanzkonzept

Bevor man sich im Klein-Klein von Zinsen, Gebühren und Renditen verliert, lautet die gute Nachricht von Hüsch: "Entspann dich! Das Finanzkonzept soll dem Leben dienen und nicht andersherum." Sicher ist es sinnvoll, möglichst früh mit der Finanzplanung zu beginnen. Aber wenn man zu Beginn des Arbeitslebens steht und noch vierzig, fünfzig Jahre zu arbeiten hat, kann man das Thema ganz in Ruhe angehen. Wichtiger ist aus seiner Sicht, dass man das eigene Finanzkonzept versteht.

Als Grundregel gilt: Zunächst einmal einen Notgroschen aufbauen und dann langfristig investieren. So hat man Flexibilität und baut gleichzeitig für die Zukunft vor. Falls du Schulden hast, solltest du diese zunächst abbezahlen, um hier durch die Zinsen nicht noch mehr Geld zu verlieren. Gerade in jungen Jahren sollte man damit rechnen, dass es im Leben noch größere Veränderungen gibt. Vielleicht steht irgendwann die Familiengründung an, brauchst einen Kredit für die Kaution einer Wohnung oder willst eine eigene Wohnung kaufen.

Wenn du dafür beispielsweise auf die Summe aus einer Versicherung zurückgreifen willst, die eigentlich für die Altersvorsorge gedacht war, hast du die Gebühren für die Versicherung bezahlt, ohne ihre Vorzüge zu genießen. Denn diese Abzüge werden meist in den ersten Jahren aus den eingezahlten Beiträgen einbehalten. Lässt du dir dein Investiertes also zu früh auszahlen, kann das Geld kosten.

Ob die Versicherung ein paar Prozentpunkte mehr gebracht hat als andere, spielt dann keine Rolle mehr, wenn man hunderte Euro an Gebühren für Finanzprodukte schon bezahlt hat – diese werden in der Regel in den ersten Jahren eingezogen. "Es ist wichtiger nichts zu verlieren, als möglichst viel Gewinn zu machen", findet Finanzberater Nico Hüsch. Er empfiehlt daher, lieber kleinere Schritte in die richtige Richtung zu machen, als auf einmal viel zu investieren. Sein wichtigster Tipp für junge Leute: "Informiert euch über verschiedene Geldanlagen!"

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Drei Schritte zur Geldanlage für Azubis

  • 1. Schuldenfrei sein

    Hast du Schulden aus der Vergangenheit, solltest du sie im ersten Schritt loswerden, um finanzielle Freiheit zu erlangen. Denn Schulden kosten Zinsen. Die einfache, aber unbequeme Wahrheit ist: Vermögen baust du nur auf, wenn du weniger Geld ausgibst als du einnimmst. Gerade wenn das Gehalt nicht so üppig ist, kann das eine Herausforderung sein. Gut funktioniert es, wenn du das Sparen automatisierst, beispielsweise mit einem Dauerauftrag zu Beginn des Monats.

  • 2. Notgroschen aufbauen

    Doch was passiert mit dem Geld, das du sparst? Einen Teil davon solltest du für unvorhersehbare Ausgaben bereit haben, etwa auf einem Tagesgeldkonto. Das bringt aktuell zwar nicht besonders hohe Zinsen – doch der Notgroschen ist keine langfristige Investition, sondern Geld, das immer verfügbar sein sollte. Als Faustregel gilt, dass du rund drei Monatsgehälter als Notgroschen parat haben solltest. So hast du ein Polster für eine kaputte Waschmaschine, Jobverlust oder Ähnliches.

    Drei Monatsgehälter auf die Seite zu legen, ist natürlich nicht so einfach. Setze dir dafür kein unrealistisches Ziel und lass dir Zeit. Der Vorteil: Du hast Übung im Sparen, sodass du gleich weitermachen kannst.

  • 3. Langfristig anlegen

    Nachdem du dir ein Polster angelegt hast, kannst du dich um langfristige Anlagen kümmern. Schon kleine Beträge wachsen über die Jahre zu ordentlichen Summen an. Allerdings gibt es aktuell geringe Zinsen auf klassische Sparguthaben und die Inflation macht das Leben teurer. Die Zentralbanken streben eine Inflation von zwei Prozent an. Auf lange Sicht wird das Geld damit weniger wert und bei Sparguthaben über 100.000 Euro verlangen immer mehr Banken Strafzinsen, manche schon ab 50.000 Euro.

    Was also tun? In den vergangenen Jahren hat sich die Finanzwelt stark verändert. Banksparpläne, Festgeld oder Bausparverträge galten früher noch als sichere Anlageformen, bringen heute aber nur noch wenig Zinsen ein. Bessere Renditen bringen in der aktuellen Niedrigzins-Situation vor allem Aktien. Aber wie geht das?

In Aktien investieren

Aktien zu kaufen ist tatsächlich gar nicht so schwer, Voraussetzung dafür ist ein eigenes Depot. Das kann man bei vielen Banken mit wenigen Klicks online erstellen. Schwieriger ist zu wissen, wie du dann richtig vorgehst. Mit deinem eigenen Depot kannst du Einzelaktien von Unternehmen kaufen, gemanagte Fonds oder ETFs (Exchange Traded Fund) kaufen.

Eine Grundregel beim Investieren in Aktien lautet, möglichst breit zu streuen. Also nicht alles Geld in die Aktie eines einzigen Unternehmens zu stecken, sondern in mehrere. Bei Fonds kümmern sich Fondsmanager um die Zusammensetzung der Aktien und achten dabei auf Kursschwankungen, aber auch auf viele andere Kriterien. So gibt es Fonds, die in Schwellenländer, Immobilien oder Rohstoffe investieren oder auf Nachhaltigkeit achten. Du kannst dir anhand dieser Kritierien aussuchen, in welche Unternehmen du investieren möchtest.

Für diese Fonds zahlt man in der Regel eine Gebühr von 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Dazu kommt beim Kauf von gemanagten Fonds oft einmalig ein sogenannter Ausgabeaufschlag von vier bis sechs Prozent der Anlagesumme hinzu und auch beim Verkauf fallen erneut Gebühren an. Um die Gebühren verschiedener Fonds zu vergleichen, bietet die Verbraucherzentrale einen Fonds-Kostenrechner an.

Weniger Gebühren zahlst du für ETFs. Diese Fonds sind nicht gemanagt, sondern investieren in bestimmte Indizes. Beim Deutschen Aktienindex (DAX) zum Beispiel investierst du also in die 40 größten und wirtschaftlich stärksten Unternehmen Deutschlands. Beim Kauf entfällt normalerweise der Ausgabeaufschlag, auch die jährliche Gebühr liegt meist deutlich unter einem Prozent. Dafür sind deine Gewinne aber an die Entwicklung des jeweiligen Indexes gekoppelt. Der DAX gilt dabei als besonders stabil und weist über Jahre hinweg ein kontinuierliches Wachstum auf – und damit wächst auch die Summe, die du dir auszahlen lassen kannst.

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Eine passende Beratung finden

Eine gute, unabhängige Beratung zu finden ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Anlage. Wenn man sich von einem Berater oder einer Beraterin unterstützen lässt, ist es wichtig zu wissen, wie unabhängig sie arbeiten. Vorsicht ist geboten, wenn sie für den Abschluss eines Vertrages eine Vergütung von dritter Stelle in Form einer Provision erhalten. Dann solltet ihr euch bewusst machen, dass ein Zielkonflikt entstehen kann und die Unabhängigkeit der oder des Beratenden nicht garantiert ist. Für die Beratung selbst zahlt man zwar nichts, aber in den Vertragsgebühren steckt hinterher die Provision.

Anders ist es bei Honorarberatern. Bei ihnen zahlt man für die Beratung, für die Unterschrift unter einen bestimmten Vertrag erhalten sie dann aber keine Provision. Das macht sie unabhängiger. Ungünstig ist es auch, wenn dein Berater oder deine Beraterin nur einen bestimmten Teil der Finanzprodukte anbietet und nicht den kompletten Markt abdeckt.

Stellt euren Beratern daher die Frage, wie ihre Arbeit finanziert ist. Vergleicht Angebote und Finanzkonzepte. "Viele Menschen beschäftigen sich intensiver damit, welchen Fernseher sie kaufen, als mit dem Thema Geldanlage", so Nico Hüsch.

Wer sich ausführlicher mit dem Thema "Geld anlegen" auseinandersetzen möchte, findet in der Verbraucherzentrale eine gute Anlaufstelle. Hier findet ihr umfangreiche Informationen zu den verschiedenen Anlagemöglichkeiten und darüber, wie ihr Geld sparen könnt.

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