Vitamin D ist wichtig für den Knochenstoffwechsel, die Calciumaufnahme und die Muskelfunktion. Beschwerden wie Müdigkeit, Kraftlosigkeit oder gedrückte Stimmung im Winter werden oft mit Vitamin D-Mangel in Verbindung gebracht. Ob die Versorgung zu niedrig ist, lässt sich bei medizinischem Anlass anhand eines Blutwerts beurteilen. Die Jahreszeit allein oder das Auftreten einzelner Symptome belegen den Mangel nicht.
Vitamin D-Mangel: Ursachen, Symptome und was wirklich hilft
Die dunklen Wintermonate drücken bei vielen Menschen auf die Stimmung. Oft wird als Grund dafür ein Vitamin-D-Mangel genannt. Doch die Versorgung mit Vitamin D ist in Deutschland meist ausreichend.
Bei Kindern kann ein schwerer Vitamin-D-Mangel Rachitis verursachen: Die Knochen mineralisieren nicht ausreichend und können sich verformen. Daher verschreiben die Kinderärztin oder der Kinderarzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen Vitamin-D-Präparate – meist für ein ganzes Jahr. Diese Arzneimittel sind auf den besonderen Bedarf der Säuglinge abgestimmt, es handelt sich nicht um Nahrungsergänzungsmittel, die den jungen Menschen keinesfalls ohne Rücksprache mit Ärztin oder Arzt verabreicht werden dürfen. „Dank der Vorbeugung ist Rachitis in Deutschland heute sehr selten“, so der Experte.
| 25(OH)D im Blut | Umgerechnet | Einordnung als Orientierung |
|---|---|---|
Unter 30 nmol/l |
Unter 12 ng/ml |
Mangelversorgung; ärztlich einordnen lassen |
30 bis unter 50 nmol/l |
12 bis unter 20 ng/ml |
Unterhalb der gewünschten Versorgung; nicht automatisch ein klinischer Mangel |
Ab 50 nmol/l |
Ab 20 ng/ml |
Ausreichende Versorgung in Bezug auf die Knochengesundheit |
Gut zu wissen: Zu hohe Werte sind ebenfalls nicht günstig. Das Risiko für erhöhtes Blutcalcium steigt, und bei sehr hohen Spiegeln findet sich paradoxerweise eine erhöhte Sturz- und Knochenbruchrate. Der optimale Bereich liegt laut dem Experten etwa zwischen 50 und 125 bis 150 nmol/l.
Vitamin-D-Mangel behandeln: Dosierung, Präparate und K2
Ob ein Wert behandlungsbedürftig ist, hängt von seiner Höhe und der gesundheitlichen Situation ab. Bei einem festgestellten Mangel verordnet die Ärztin oder der Arzt Vitamin D oder empfiehlt eine geeignete Einnahme. Präparat, Dosis und Dauer richten sich nach Befund, Ursache, Alter und weiteren Erkrankungen. Der Wert wird bei Bedarf später kontrolliert. „Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte selbst supplementieren. Als Untergrenze empfehlen wir mindestens 800 bis 1.000 Einheiten täglich als gute Orientierung. Mit dieser Dosis erreichen nach Studien rund 90 Prozent der supplementierten Menschen einen optimalen Spiegel”, sagt der Experte.
Da Vitamin D fettlöslich ist, nimmt man es am besten zu einer Mahlzeit ein, damit es besser aufgenommen werden kann.
Vitamin D muss nicht grundsätzlich mit Vitamin K2 kombiniert werden. Vitamin D steuert die Mineralisierung des Knochens, Vitamin K die Ausreifung des Kollagens. Vitamin K steckt in grünem Gemüse, Tomaten und Salat, und bei ausgewogener Ernährung besteht in der Regel kein Mangel. „Wenn ich einen Vitamin-D-Mangel ausgleichen will, dann gebe ich Vitamin D. Das Vitamin K brauche ich nicht dazu, weil wir in der Regel gar keinen Vitamin-K-Mangel haben“, erklärt der Endokrinologe Dr. Scharla.
Das richtige Maß an Vitamin D: Sonne, Sonnenschutz, Überdosierung
„Für gesunde Menschen ohne Hauterkrankungen ist es sinnvoll, in die Sonne zu gehen. Sonnenlicht wirkt nicht nur auf die Vitamin-D-Bildung, sondern über die Langerhans-Zellen der Haut auch auf das Immunsystem. Als Richtwert reichen im Sommer etwa zehn Minuten täglich mit unbedecktem Gesicht und unbedeckten Armen, um genügend Vitamin D zu bilden“, so der Experte.
Sonnenschutz und Vitamin D schließen sich nicht aus. Laut dem Experten zeigen Studien, dass Sonnencremes die Vitamin-D-Bildung weniger stark hemmen, als oft angenommen wird. Ein Lichtschutzfaktor verlängert zudem die Zeit, die man ungefährdet draußen ist. Wer die Sonne konsequent meidet oder sehr hohen Lichtschutz verwendet, sollte im Zweifel supplementieren.
Zu viel Vitamin D entsteht in der Regel nicht durch Sonnenlicht, sondern durch zu hohe Präparatedosen. „Die maximale Tagesdosis liegt bei 4.000 Einheiten, weil darüber Nebenwirkungen auftreten können“, erklärt der Experte. Mögliche Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Muskelschwäche und starker Durst.
FAQ
Wie wird ein Vitamin-D-Mangel getestet?
Per Bluttest. Gemessen wird der Wert 25-Hydroxyvitamin D. Unter 30 nmol/l (12 ng/ml) gilt als Mangel. Ein Test ist vor allem bei Vorerkrankungen, Risikosituationen oder Beschwerden sinnvoll. Bei gesunden Erwachsenen ohne Beschwerden wird er laut Leitlinie nicht routinemäßig empfohlen.
Wie viel Vitamin D braucht man pro Tag?
Die DGE empfiehlt Erwachsenen 800 IE (20 µg) täglich. Bei Risikogruppen kann ärztlich eine höhere Dosis sinnvoll sein.
Was kostet ein Vitamin-D-Test und zahlt die Krankenkasse?
Als Selbstzahlerleistung meist etwa 20 bis 50 Euro. Die IKK classic übernimmt den Test nur bei medizinischer Indikation, etwa bei begründetem Mangelverdacht.
Braucht man Vitamin D zusammen mit K2?
In der Regel nicht. Vitamin K steckt in grünem Gemüse, ein Mangel ist bei ausgewogener Ernährung selten, und es gibt keine generelle Empfehlung zur Supplementierung. Wer Marcumar einnimmt, sollte vorher ärztlich abklären, ob K2 geeignet ist.
Kann man Vitamin D überdosieren?
Ja. Die tolerierbare Obergrenze liegt für Erwachsene bei 4.000 IE (100 µg) täglich. Mögliche Anzeichen sind Übelkeit, starker Durst, häufiges Wasserlassen und Verstopfung. Hohe Einzeldosen in großen Abständen sind riskanter als eine niedrige tägliche Dosis.
Quellenangaben
- dge.de: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
- rki.de: Robert Koch Institut (RKI)