Gerade erst sind die ersten bleibenden Backenzähne da – und schon stehen Eltern vor der nächsten Frage: Wie bleiben sie möglichst lange gesund? Denn ausgerechnet die Kauflächen dieser Zähne sind besonders kariesgefährdet. Dort sitzen feine Rillen und Grübchen im Zahnschmelz, die sogenannten Fissuren. Sie können so schmal und tief sein, dass die Zahnbürste sie oft nicht zuverlässig erreicht. In diesen Vertiefungen sammeln sich Speisereste und Bakterien besonders leicht. Treffen diese Substanzen auf Zucker, entsteht schnell Karies. Fissurenkaries ist laut der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) eine der häufigsten Kariesformen im Kindesalter. Genau hier setzt die Fissurenversiegelung an.
Zahnversiegelung bei Kindern: Fissurenversiegelung einfach erklärt
Karies gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter – mit einer Zahnversiegelung lassen sich empfindliche Backenzähne gezielt schützen. Erfahren Sie, wie die Versiegelung abläuft, wann sie sinnvoll ist und wann sie besonders empfohlen wird.
- Zahnversiegelung bei Kindern: Was genau ist eine Fissurenversiegelung?
- Welche Zähne werden bei Kindern versiegelt?
- Wann ist eine Zahnversiegelung bei Kindern sinnvoll?
- So läuft eine Zahnversiegelung bei Kindern ab
- Risiken und Nebenwirkungen einer Zahnversiegelung
- Was kostet eine Zahnversiegelung bei Kindern?
- FAQ
Zahnversiegelung bei Kindern: Was genau ist eine Fissurenversiegelung?
Bei der Zahnversiegelung trägt die Zahnärztin oder der Zahnarzt einen dünnflüssigen Kunststoffversiegler oder – in bestimmten Situationen – Glasionomerzement auf die gereinigten und trockenen Kauflächen auf. Das Material läuft in die feinen Rillen, härtet aus und bildet eine glatte Schutzschicht. „Mit der Versiegelung werden diese kleinen Ritzen verschlossen, Bakterien bleiben draußen, und die Chance, dass Karies entsteht, verringert sich“, erklärt Johanna Kant, Vorsitzende des Bundesverbands der Kinderzahnärzt:innen. „Denn mit einer Fissurenversiegelung macht man aus einer Berg- und Tallandschaft eine plane Fläche – so finden die Bakterien weniger Parkplätze, auf denen sie sich niederlassen können.“
Wie gut das funktioniert, belegen Studien: Fissurenversiegelungen können Karies auf den Kauflächen bleibender Backenzähne deutlich reduzieren. Je nach Untersuchung liegt der Schutzeffekt bei 72 bis 94 Prozent. Selbst wenn sich die Versiegelung später teilweise löst, bleibt das Kariesrisiko oft gering. Denn besonders anfällig sind die Zähne in den ersten Jahren nach ihrem Durchbruch.
Dass die Methode in der Zahnmedizin wissenschaftlich gut untersucht ist, betont auch Professorin Dr. Cornelia Frese, leitende Oberärztin und stellvertretende ärztliche Direktorin der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde des Universitätsklinikums Heidelberg. „Es gibt eine S3-Leitlinie auf hohem Evidenzniveau, die Fissurenversiegelungen als effektive Maßnahme zur Kariesprävention bei Kindern und Jugendlichen ausweist. Auch in den Deutschen Mundgesundheitsstudien des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) zeigt sich, dass Fissurenversiegelungen zur Kariesreduktion beitragen und somit einen kariespräventiven Effekt haben.“
Für Eltern ist es wichtig zu wissen: Die Versiegelung ist eine ergänzende Vorsorgemaßnahme. Sie ersetzt weder eine gründliche Mundhygiene noch regelmäßige Kontrollen in der Zahnarztpraxis.
Welche Zähne werden bei Kindern versiegelt?
Versiegelt werden vor allem die großen bleibenden Backenzähne, die sogenannten „Sechser“ und „Siebener“. Ihre Kauflächen haben oft besonders tiefe Rillen, in denen sich Beläge leicht festsetzen. Gleichzeitig können Kinder diese Zähne anfangs noch nicht gründlich genug putzen.
Die Versiegelung ist aber nicht ausschließlich auf diese Zähne beschränkt. „Bei individuell erhöhtem Kariesrisiko kann eine Versiegelung auch an Milchzähnen oder anderen bleibenden Zähnen durchgeführt werden“, sagt Prof. Dr. Frese. „Bei Milchzähnen kommt es allerdings darauf an, wie lange der Zahn voraussichtlich noch im Mund bleibt.“ Solche zusätzlichen Versiegelungen werden individuell entschieden und gehören meist nicht zur regulären Kassenleistung.
Wann ist eine Zahnversiegelung bei Kindern sinnvoll?
Brechen die bleibenden Backenzähne durch, rückt auch die Versiegelung in den Blick – bei den ersten bleibenden großen Backenzähnen ist das der Fall, wenn Kinder sechs Jahre alt sind, bei den zweiten großen Backenzähnen etwa im Alter von zwölf Jahren.
Bei manchen Kindern kommt ein zusätzlicher Schutz aber auch früher infrage. „Schon im Kleinkindalter kann es sinnvoll sein, die Fissuren zu schützen, indem eine Versiegelung mit einem sogenannten Glasionomerzement gemacht wird“, so Johanna Kant. „Diese Art der Versiegelung ist weniger störanfällig, wenn der Zahn bei der Behandlung nicht zu 100 Prozent trocken gehalten werden kann. Ob eine Versiegelung vor dem dritten Geburtstag sinnvoll ist, wird in Abhängigkeit vom individuellen Kariesrisiko in der Zahnarztpraxis eingeschätzt.“
So läuft eine Zahnversiegelung bei Kindern ab
Grundsätzlich ist die Behandlung kurz, schmerzfrei und kommt ohne Bohren aus. Pro Zahn dauert sie meist nur wenige Minuten. Wenn ein Kind den Mund nicht lange offen halten kann, sind auch kleine Pausen nach jedem versiegelten Zahn möglich. In der Regel läuft die Zahnversiegelung so ab:
1. Der Zahn wird geprüft und gereinigt.
Zuerst schaut die Praxis, ob die Zähne gesund sind. Wird Karies entdeckt, muss sie behandelt werden. Anschließend werden die Zähne gereinigt und getrocknet. „Falls das Kind es toleriert, wird ein spezielles Gummituch, der sogenannte Kofferdam, zur absoluten Trockenlegung angelegt“, sagt Prof. Dr. Frese.
2. Die Oberfläche wird vorbereitet.
Damit die Versiegelung gut haftet, wird der Zahn mit einem Gel angeraut. „Wird eine Versiegelung mit einem weißen, dünnfließenden Kunststoff gemacht, wird der Zahnschmelz zuvor etwas mit einer Säure – vergleichbar mit der Säure einer Zitrone – angeraut“, erläutert Johanna Kant. „Bei der Versiegelung mit Zement entfällt das Anrauen mit der Säure. Der Prozess ist deshalb weniger störanfällig. Dafür halten die Zementversiegelungen manchmal weniger lang als die Kunststoffversiegelung.“
3. Die Versiegelung wird aufgetragen.
Nachdem die Säure abgespült wurde, wird der Zahn erneut getrocknet. Das dünnflüssige Versiegelungsmaterial wird in die Rillen und Grübchen eingebracht. Anschließend härtet es unter speziellem Licht aus.
4. Die Versiegelung wird kontrolliert.
Zum Schluss prüft die Praxis, ob die Versiegelung dicht sitzt und beim Zubeißen nicht stört. Falls nötig, wird die störende Stelle geglättet. Danach wird der Zahn noch einmal poliert und fluoridiert.
Eine besondere Nachsorge nach einer Versiegelung ist meist nicht nötig. Entscheidend bleibt aber die tägliche Zahnpflege: zweimal am Tag mit fluoridierter Zahnpasta putzen, den Konsum von Zucker möglichst begrenzen und die halbjährlichen Kontrolluntersuchungen wahrnehmen. Je nach Alter und Kariesrisiko kann die Zahnarztpraxis zusätzlich ein hochkonzentriertes Fluoridgelée empfehlen, das meist einmal pro Woche angewendet wird.
Denn selbst eine gute Versiegelung hält zwar mehrere Jahre, kann sich mit der Zeit jedoch abnutzen oder sich teilweise lösen. „Wenn versiegelte Zähne nicht regelmäßig kontrolliert werden, können die Ränder der Versiegelungen undicht werden, und darunter kann sich unbemerkt Karies entwickeln. In derartigen Fällen ist es wichtig, dass die Versiegelungen frühzeitig erneuert werden, bevor größere kariöse Defekte entstehen und umfangreichere Maßnahmen wie zum Beispiel Füllungen angezeigt sind“, so Prof. Dr. Frese.
Risiken und Nebenwirkungen einer Zahnversiegelung
Die Fissurenversiegelung gilt als bewährte und gut verträgliche Vorsorgemaßnahme, bestätigt Prof. Dr. Frese: „Systemische Nebenwirkungen werden in der S3-Leitlinie extrem selten beschrieben, ebenso allergische Reaktionen wie beispielsweise Kontaktallergien auf Bestandteile der Versiegler.“
Trotzdem gilt: Hat ein Kind bekannte Allergien, sollten Eltern das vor der Behandlung in der Zahnarztpraxis ansprechen. Dann wird dies bei der Materialauswahl entsprechend berücksichtigt. „Bei Kindern mit gesunden Zähnen, die zu Allergien neigen, raten wir von der Versiegelung ab. Haben Kinder Allergien, aber auch Karies, stellt die Versiegelung das ‚kleinere Übel‘ dar und ist dennoch empfehlenswert“, ergänzt Johanna Kant.
Was kostet eine Zahnversiegelung bei Kindern?
Für Kinder und Jugendliche übernimmt die IKK classic die Fissurenversiegelung der hinteren zwei bleibenden Backenzähne im Rahmen der gesetzlichen Leistungen.
Ist ein Kind besonders kariesgefährdet, kann zusätzlich eine Versiegelung der vorderen zwei Backenzähne sinnvoll sein. Diese zusätzliche Vorsorgeleistung unterstützt die IKK classic mit bis zu 50 Euro für Versicherte von sechs bis 13 Jahren. Dafür muss die Rechnung der Zahnpraxis bei der IKK classic eingereicht werden, etwa über die IKK Onlinefiliale oder die IKK classic-App.
Auch bei Erwachsenen ist eine Zahnversiegelung grundsätzlich möglich, zum Beispiel bei sehr tiefen Fissuren oder einem erhöhten Kariesrisiko. Die Kosten müssen sie in der Regel aber selbst tragen.
FAQ
Warum sind Backenzähne bei Kindern besonders kariesgefährdet?
Die Kauflächen der Backenzähne haben feine, teilweise sehr tiefe Rillen und Grübchen – die sogenannten Fissuren. Dort können sich Bakterien und Zucker festsetzen. Da Zahnbürsten diese engen Vertiefungen nicht immer bis zum Grund erreichen, sind Backenzähne besonders kariesgefährdet.
Wie lange hält eine Zahnversiegelung bei Kindern?
Eine Fissurenversiegelung kann mehrere Jahre halten. Allerdings kann sich das Material teilweise oder vollständig lösen. Deshalb sollte eine Zahnversiegelung regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf erneuert werden.
Ab welchem Alter ist eine Fissurenversiegelung sinnvoll?
Sobald die bleibenden Backenzähne vollständig durchgebrochen sind – meist im Grundschulalter, also um das sechste Lebensjahr.
Was sollten Kinder nach einer Zahnversiegelung beachten?
Nach einer Fissurenversiegelung sind grundsätzlich keine besonderen Einschränkungen erforderlich. Die Zähne sollten weiterhin zweimal täglich gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt werden. Eine Versiegelung ersetzt die tägliche Mundhygiene nicht.
Ist eine Zahnversiegelung auch bei Milchzähnen möglich?
Ja, eine Versiegelung kariesfreier Fissuren kann grundsätzlich auch bei Milchzähnen durchgeführt werden. Dies kommt jedoch nur in bestimmten Fällen mit erhöhtem Kariesrisiko infrage – hier entscheidet der Zahnarzt individuell.
Quellenangaben
- bukiz.de: Wir über uns
- kzbv.de: Fissurenversiegelung
- klinikum.uni-heidelberg.de: Newsroom UKHD