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Clevere Ernährungs- und Küchentipps: Interview mit BVB-Koch Dennis Rother

Gerade nach den ersten Wochen im neuen Jahr kann es schwierig werden, die guten Vorsätze und einen neuen Ernährungsplan einzuhalten. Viele setzen sich an Silvester bereits ambitionierte Ziele, die sie nach wenigen Wochen wieder korrigieren müssen. Was gilt es zu beachten? Wie schafft man es, seine Ernährung nachhaltig umzustellen, ohne auf allzu viel verzichten zu müssen?

Wir haben darüber mit Dennis Rother gesprochen. Der Koch von Borussia Dortmund kümmert sich um die Ernährung der gesamten Mannschaft und verrät uns seine Erfolgsfaktoren, auf die es in der Küche und beim Einkaufen ankommt.

Herr Rother, haben Sie für das neue Jahr einen neuen Ernährungsplan?

Grundsätzlich ist im neuen Jahr auch für uns der Start der Rückrunde und da ändern wir die Pläne ein bisschen. Die Jungs haben immer einen Rhythmus. Die letzte Mahlzeit am Abend und das Mittagessen vor dem Spiel sind immer gleich. Das wechseln wir tatsächlich am Anfang des Jahres, dann haben die Spieler das 17 Mal gegessen. Wir tauschen zum Beispiel den Seeteufel gegen den Kabeljau aus, machen statt einem Rinderfilet ein Kalbsfilet. Aber keine gravierenden Sachen.

Wie halten es die Spieler mit den guten Vorsätzen bezüglich Ernährung?

Das gibt es bei uns gar nicht. Die Spieler sind am Anfang der Saison sehr diszipliniert, weil sie in den Ferien mal ein bisschen mehr gegessen haben und dann sind sie extrem konzentriert, aber gerade nach der kurzen Winterpause gibt es keine Vorsätze. Bei uns sind es vielleicht gute Vorsätze für die neue Saison. Eine ausgewogene Ernährung ist bei uns das Wichtigste.

Gute Vorsätze haben meistens eine überschaubare Halbwertszeit. Wie bleibt man ernährungstechnisch auch nach Januar am Ball?

Man sollte vielleicht nicht gleich im Januar extreme Wege gehen, wie komplett auf Süßigkeiten zu verzichten, nur Gemüse und weniger Fleisch essen. Man sollte das langsam machen, denn dann hat man auch nicht das Problem, dass man auf Entzug ist. Es kann auch helfen, bei drei Mahlzeiten am Tag zu bleiben und auf das Stück Kuchen zu verzichten. Routine ist wichtig. Man kann aber auch um 11 Uhr frühstücken, da gibt es kein Gesetz. Das Intervallfasten ist auch in aller Munde und das ist auch nichts Schlechtes für den Körper, im Gegenteil. Das muss jeder individuell für sich entscheiden. In kleinen Schritten kommt man schneller ans Ziel.

Bei welchen Spielern müssen Sie Überzeugungsarbeit leisten, wenn es um neue Gerichte geht?

Die Akzeptanz ist sehr hoch. Die ganz jungen Spieler sind schon sehr eingefahren und da versuchen wir schon, sie abzuholen und sie in andere Bahnen zu lenken, indem wir sie mal vom Kartoffelpüree statt Nudeln überzeugen oder Porridge statt Rührei. Solche Dinge gehen wir an, das ist dann etwas individueller, da viele glauben, sie müssen morgens Eier und mittags Nudeln essen. Das hat sich im Laufe der Jahre verändert. Gerade wenn Spieler aus der Jugend oder aus dem Ausland kommen, kommt es vor, dass der Ernährungsschwerpunkt nicht so hoch liegt.

Gibt es noch andere Unterschiede – über das Alter hinaus?

Gerade die Südländer nehmen das mit der Ernährung nicht so krass ernst, wie man sich das denkt. Es gibt mit Sicherheit Ausnahmen, wenn jemand von Real Madrid oder Barcelona kommt. Wir haben aber auch junge Spieler erlebt, die sich gewundert haben, dass es keine Pizza gibt.

Wie schaffen Sie es, in der Küche die verschiedenen Kulturen der Mannschaft zu vereinen?

Das ist mittlerweile einfacher geworden, da die Jungs gar nicht mehr das Verlangen danach haben. Wir bieten immer eine Vielzahl an Gerichten und generell viel Auswahl an, da ist immer für jeden etwas dabei. Das ist die kleinste Herausforderung für uns.

Haben Sie spezielle Tricks oder Tools, wie man sich selbst schnelle und gesunde Gerichte zubereitet?

Ich empfehle vorkochen. Wir machen montags Meal Prep, putzen das Gemüse und gehen einkaufen. Wir überlegen uns, was man die Woche kocht. Wenn man sich im Vorfeld schon überlegt, was man die Woche kochen will und sich damit auseinandersetzt, kann man auch gezielt einkaufen. Das ist für mich einer der größten Erfolgsfaktoren, um schnell und gesund zu kochen. Man kann zum Beispiel Reis vom Vortag, den man warm gegessen hat, am nächsten Tag als Salat zubereiten. Das ist auch gut für den Magen, da der Reis andere gute Bakterien für die Darmflora liefert.

Junge Frau mit gestreiftem Oberteil hält Pfanne mit frischem Gemüse in der Hand © Westend61

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Und wer darauf keine Lust hat – oder montags einfach nicht so flexibel ist?

Man muss sich damit auseinandersetzen, was man wie zubereiten kann. Jeder kann ihn zehn Minuten ein vernünftiges Gericht kochen. Das muss nicht immer das Steak sein. Es geht um einfache Sachen. Wenn ich zum Beispiel mittags schon warm esse, muss ich abends nicht auch warm essen, das ist auch so ein gesellschaftliches Ding. Wenn man abends Sport treibt, kann man ohne Probleme auch eine größere Mahlzeit oder auch warm essen. Wir sind aber nicht mehr die Generation, die den halben Tag auf dem Acker arbeitet und abends noch mal 2000 Kalorien benötigt.

Welche drei Lebensmittel gehören in jede Küche, wenn es um gesunde Ernährung geht?

Es fängt mit der Basis an. Man sollte ein gutes Olivenöl benutzen und das kostet dann leider 6,99 € oder 7,99 €. Zum Braten würde ich Raps- oder Distelöl kaufen und auch hier würde ich zum Bioprodukt greifen. Für mich gehört auch frisches, saisonales Gemüse in jede Küche, das erfüllt auch einen Zweck. Die Gemüsesorten, die im Winter wachsen, wie Kohl zum Beispiel, wärmen den Körper. Das, was im Sommer wächst, kühlt den Körper. Dazu gibt es einen thermischen Kalender. Damit hilft man dem Körper bei der Verdauung. Deswegen sind die Sachen im Sommer leichter zu verdauen. Da sollte man wirklich nach der Saisonware schauen. Obst gehört auch dazu, ich habe aber immer Reis oder Nudeln im Schrank. Reis ist so ein Allrounder - da kann man alle Gemüsereste anbraten und mit dem Reis anrichten.

Gibt es Lebensmittel, die Sie vor und nach dem Sport besonders empfehlen können?

Vor allem nach dem Sport ist es wichtig, im Zeitfenster von einer Stunde zu essen. Gerade Hochleistungssportler müssen essen, sonst zersetzt sich der Körper. Wenn der Körper keine Kohlenhydrate hat, die er verbrennen kann, geht er an die Muskeln, das ist eher kontraproduktiv. Nach dem Spiel gibt es bei uns also immer Reis, Kartoffelpüree oder Nudeln mit Hühnchen, um die Kohlenhydrate wieder aufzuladen. Im Winter sollte man in der ersten halben Stunde nach dem Sport essen und sich aufwärmen, sonst wird man anfälliger für eine Erkältung.

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