Junger Auszubildener kontrolliert Container im Hafen.

Ausbildung im Ausland: So startest du in der Ferne beruflich durch

Ab in den Süden – und gleichzeitig beruflich vorankommen? Mit einer Ausbildung im Ausland verbindest du beides. Allerdings nicht ohne Einschränkungen: Willst du dein Handwerk lernen und gleichzeitig fremde Kulturen entdecken, geht das nur für eine begrenzte Zeit – und nicht ohne persönliches Engagement.

Immer mehr Betriebe erkennen im Zuge der Globalisierung die Vorteile und den Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt ihrer Azubis an. So bieten sich Auszubildenden immer mehr Möglichkeiten, um einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren: Ob europäisches Ausland oder ein komplett anderer Kontinent – aufseiten der Betriebe steigt die Akzeptanz, die rechtlichen Rahmenbedingungen definiert das Berufsbildungsgesetz (BBiG).

Podcast "Ausbildung? Machen wir.", Folge 14 – Visual.

Ausbildung im Ausland: Traumvorstellung oder Karrierekick?

Noch mehr Infos und persönliche Erfahrungen von reiselustigen Azubis gibt es in der Folge #14 von "Ausbildung? Machen wir!", dem Azubi-Podcast der IKK classic. Hör doch mal rein.

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Das solltest du über den Auslandsaufenthalt wissen

  • Der Auslandsaufenthalt darf ein Viertel der Ausbildungszeit nicht überschreiten.

  • Du wirst von der Berufsschule freigestellt, musst den Stoff aber eigenständig nachholen. Am besten vernetzt du dich mit deinen Mitschülerinnen und -schülern, die dich auf dem Laufenden halten.

  • Ein Sprachkurs im Vorfeld lohnt sich: Laut BBiG solltest du die Sprache deines Gastlandes so beherrschen, dass du im Betrieb mitarbeiten kannst.

  • Der Ausbildungsbetrieb ist verpflichtet, den Auslandsaufenthalt von Azubis bei der zuständigen Kammer beziehungsweise der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu melden.

  • Da du weiterhin bei deinem Ausbildungsbetrieb angestellt bleibst und von der Berufsschule beurlaubt wirst, spricht man oft von einem Auslandspraktikum.

Zu welchem Zeitpunkt sollte man während der Ausbildung ins Ausland?

Ein guter Zeitpunkt, um einen Teil deiner Ausbildung im Ausland zu absolvieren, ist nach der bestandenen Zwischenprüfung. Hier hast du deine erste Hürde überwunden und nach deinem Auslandsaufenthalt trotzdem noch genug Vorbereitungszeit für die Abschlussprüfung. Außerdem kannst du deinem Betrieb mit einer guten Note verdeutlichen, dass auf dich Verlass ist.

Du machst dir Sorgen um den organisatorischen Aufwand, der auf dich zukommen könnte? Expertin Sarah Walter von azubi.de rät: "Man sollte möglichst früh mit der Planung beginnen, am besten ein Jahr im Voraus. Es gibt schließlich viel zu organisieren: den Betrieb und eine Unterkunft finden, die Finanzierung klären, Absprachen mit dem Betrieb oder der Schule treffen. Zunächst benötigt man eine Freistellung der Berufsschule und die Zustimmung des Ausbildungsbetriebes, wenn man ins Ausland gehen will."

Zudem brauchst du Informationen über das Bildungssystem im jeweiligen Land. "In anderen Ländern gibt es kaum so etwas wie das deutsche Ausbildungssystem. Einzig in der Schweiz, in Österreich und in Dänemark gibt es etwas Vergleichbares", gibt Sarah zu denken. "In Großbritannien und Frankreich gibt es ein System, das dem deutschen Modell ähnelt, das sogenannte "training on the job", zudem gibt es dort staatlich organisierte Berufsschulen." Daher lassen sich in diesen Ländern schneller passende Betriebe finden.

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Welche Ausbildungen sich für einen Auslandsaufenthalt eignen

"Azubis haben es bei der Suche etwas leichter, wenn sie in Branchen arbeiten, die zu bestimmten Zeiten des Jahres besonders gefragt sind. Die Gastronomie oder die Tourismusbranche beispielsweise stellen in den Ferienzeiten oft zusätzliche Unterstützung ein", weiß Sarah von azubi.de. Doch auch Pflegekräfte werden ihr zufolge im Ausland verstärkt gesucht, Azubis mit klassischen Handwerksberufen haben ebenfalls gute Chancen.

Wichtig ist, dass du deiner Arbeitgeberin oder deinem Arbeitgeber die Pläne offenlegst, erklärt die Ausbildungsexpertin: "Du solltest deinen Betrieb von Anfang an miteinbeziehen, er ist maßgeblich an der Suche und Organisation deines Auslandsaufenthalts beteiligt und kann dich dabei unterstützen." Weißt du schon während deiner Suche nach einem Ausbildungsplatz, dass du im Ausland Erfahrungen sammeln möchtest, kannst du das schon im Bewerbungsprozess erwähnen. Denn: "Einige Unternehmen werben sogar in der Ausschreibung des Ausbildungsplatzes damit, dass man einen Auslandsaufenthalt machen kann", erklärt Sarah.

Das heißt: Du kannst einen geplanten Auslandsaufenthalt als Vereinbarung in deinen Berufsausbildungsvertrag mit aufnehmen. Sobald dein Reiseziel feststeht, setzt du mit deinem Ausbildungsbetrieb und dem Unternehmen im Ausland einen Vertrag auf.

Gibt es finanzielle Unterstützung?

Bei einigen Azubis kommen Bedenken auf, wenn es um die Finanzierung von Auslandsaufenthalten geht. In der Zeit deiner Ausbildung im Ausland bist du jedoch weiterhin offiziell bei deinem Ausbildungsbetrieb beschäftigt, weshalb dieser nach Paragraf 17 des BBiG zur Zahlung deines Gehalts weiterhin verpflichtet ist.

Wer deine Reise-, Unterbringungs- und Lebenshaltungskosten trägt, ist allerdings nicht gesetzlich geregelt. In manchen Fällen werden diese Kosten vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Da dies aber nicht der Regelfall ist, greifen viele auf ein staatliches Förderungsprogramm zurück, erklärt Sarah:

"Es gibt die Möglichkeit, über Erasmus+ oder das Angebot AusbildungWeltweit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Unterstützung zu bekommen. Der Vorteil ist, dass diese Programme den gesamten Austausch organisieren, gemeinsam mit den zuständigen Kammern, Berufsschulen oder Betrieben. Erasmus gilt nur für Europa, AusbildungWeltweit hilft dir bei Aufenthalten außerhalb Europas."

Tipp: Hast du ein Anrecht auf Bafög, kannst du spätestens sechs Monate vor Beginn deines Auslandsaufenthalts einen Antrag auf Auslands-Bafög stellen.

Versicherung, Visum und Co.: Formelle Regeln für die Ausbildung im Ausland

Vor einem Auslandsaufenthalt gilt es noch einige Formalien zu klären. Was gibt es bei der Versicherung zu beachten? Gelten weitere vertragliche Regelungen? Und braucht es ein Arbeitsvisum?

Besonders wichtig sind die passenden Versicherungen, erklärt Sarah: "Man sollte unbedingt den eigenen Versicherungsschutz überprüfen, eine Touristen-Krankenversicherung reicht nicht aus. Auch im Ausland sollte man zum Beispiel eine Haftpflicht- und Unfallversicherung haben und die landesspezifischen Regelungen prüfen."

Und ganz wichtig: Um die eigenen Sozialversicherungsbeiträge zu bestätigen, die man in Deutschland abführt, solltest du zur Sicherheit die A1-Bescheinigung der Deutschen Rentenversicherung mitnehmen. Mit diesem Formular weist du nach, dass du den in Deutschland geltenden Regeln unterliegst und nicht schwarzarbeitest.

Zudem solltest du in Erfahrung bringen, welche Visa und Aufenthaltsgenehmigungen du benötigst. In der EU reicht ein Personalausweis, für Länder außerhalb der EU brauchst du einen Reisepass. Auf der Website des Auswärtigen Amtes kannst du dich informieren, ob du ein Visum benötigst und welche weiteren Hinweise du beachten musst. Gib einfach das Land ein, in dem du deinen Auslandaufenthalt verbringen möchtest.

"Beantrage kein Touristen-, sondern ein Arbeitsvisum. Sonst machst du dich strafbar, bist teilweise nicht mehr versichert oder darfst sogar nicht mehr in das Land einreisen", warnt Sarah.

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Ein Auslandsaufenthalt lohnt sich

Ob es nun die spanischen Tapas am Strand von Barcelona oder die edlen Schokoladensorten aus den Schweizer Alpen sind, die dich ins Ausland ziehen – eines steht fest: Ein Auslandsaufenthalt bringt Azubis nicht nur auf beruflicher, sondern auch persönlicher Ebene weiter.

Aber: Auch wenn du im Ausland am liebsten jede Menge Abenteuer erleben willst, sollte deine Berufsbildung nicht zu kurz kommen. Das BBiG gibt vor, dass die Erfüllung deines Ausbildungsziels und deine berufliche Weiterentwicklung im Vordergrund stehen müssen. Dein Aufenthalt wird also keinesfalls ein Wellnessurlaub – und trotzdem bekommst du die Gelegenheit, wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Davon profitierst du im Ausland

  • Interkulturelle Kompetenzen entwickeln

    Du lernst das Land, die Kultur und die Menschen viel intensiver kennen als bei einem Urlaubsbesuch. Da du nicht nur kurzzeitiger Tourist bist, erlebst du die Menschen und deine Umgebung im Alltagsgeschehen. Du bekommst eine bessere Vorstellung von der Mentalität und den Besonderheiten der Gesellschaft.

  • Vertiefte Fremdsprachkenntnisse

    Die Kommunikation mit Einheimischen über längere Zeit vertieft deine Sprachkenntnisse, der alltägliche Umgang macht dich sicherer.

  • Lebenslauf upgraden

    Ein Auslandsaufenthalt macht Eindruck im Lebenslauf: Ein derartiger Schritt zeigt unter anderem Mut, Neugier, Offenheit und Selbstständigkeit – und das erkennt auch ein zukünftiger Arbeitgeber.

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