Junge Auszubildene im Handwerk guckt nachdenklich

Unzufrieden mit der Ausbildung? So gelingt der Neustart

Dein Arbeitsalltag macht dir so gar keinen Spaß? Wenn dein Job nicht deinen Vorstellungen entspricht, gibt es die Möglichkeit einer Zweitausbildung. Mit diesen Tipps gelingt der Wechsel.

Was erwartest du von deinem Job? Eine Studie verrät: Über 70 Prozent der 14- bis 25-jährigen Befragten wünschen sich eine Arbeit, die Spaß macht, zwei von drei Jugendlichen legen Wert auf einen sicheren Arbeitsplatz, die Hälfte möchte einen Beruf, der den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entspricht. 

Viele Menschen suchen nach einem Beruf mit Sinn – zum Beispiel Jobs, die dabei helfen, den Klimawandel zu stoppen. Mehr dazu hörst du in Folge 13 von "Ausbildung? Machen wir.", dem Azubi-Podcast der IKK classic. Auch mit dabei: Sarah Walter von azubi.de, die im Folgenden noch weitere Tipps gibt.

Visual des Podcast "Ausbildung? Machen wir.", Folge 13.

Traumjob: Das Klima retten!

Folge 13 von "Ausbildung? Machen wir.", dem Azubi-Podcast der IKK classic.

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Häufige Kündigungsgründe sind dagegen eine hohe Arbeitsbelastung, schlechte Arbeitsatmosphäre oder keine Aufstiegsmöglichkeiten. Falls du über einen Jobwechsel nachdenkst, solltest du dir allerdings Zeit nehmen und die Entscheidung gründlich überdenken. Auch aus finanziellen Gründen: denn staatliche Unterstützungsleistungen können unter Umständen bei einem zweiten Anlauf wegfallen. 

Gründe für eine Zweitausbildung

Wann macht ein Jobwechsel Sinn? Eine berufliche Veränderung kann viele Gründe haben. Trifft einer oder mehrerer der folgenden Punkte auf dich zu, kann ein Neustart eine Option für dich sein – oft hilft es aber auch, deine Punkte offen anzusprechen.

  • Geringe Aufstiegschancen

    Schon während deiner Ausbildung merkst du, dass du nach höheren Zielen strebst, als dir dein Job bieten kann. Um die Karriereleiter aufzusteigen, möchtest du dich beruflich verändern. Oft ist das sogar im Betrieb möglich, gegebenenfalls mit einer Umschulung. Bevor du die Reißleine ziehst, solltest du dich also über Aufstiegschancen in deinem Unternehmen informieren.

  • Belastendes Arbeitsumfeld

    Kein Überstundenausgleich, unpassende Arbeitszeiten, hoher Druck und Stress sowie wenig Kollegialität – fühlst du dich auf deiner Arbeit nicht wohl, solltest du zunächst mit deinen Vorgesetzten sprechen. Vielleicht hilft schon ein klärendes Gespräch – oder ein Arbeitgeberwechsel, wenn das Problem nicht der Beruf, sondern der Betrieb ist.

  • Mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten

    Wer das Gefühl hat, in einer Sackgasse zu stecken und nur noch wie am Fließband zu arbeiten, verliert auf Dauer die Arbeitsmotivation. Eine Weiterbildung kann dabei helfen, neue Möglichkeiten und Impulse zu entdecken, die auch in der täglichen Arbeit umsetzbar sind. Teile dein Bedürfnis mit deinen Vorgesetzten oder Ausbilderinnen und Ausbildern – häufig unterstützen sie solche Vorhaben.

  • Mangelnde Zukunftsperspektive

    Sollte nach deiner Ausbildung keine Festanstellung winken, dein Unternehmen in deinem Bereich in den kommenden Jahren Stellen abbauen oder die Produktionsstätte in eine andere Region verlagern, kann das ein Hinweis darauf sein, dass dein Ausbildungsberuf in deiner Gegend nicht nachgefragt wird. Willst du nicht umziehen, suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten – eine Umschulung kann helfen.

Finde, was dir Spaß macht

Junge Menschen möchten der eingangs erwähnten Studie zufolge vor allem Spaß bei der Arbeit haben. Doch wie findet man das heraus? Überlege dir vor einem Wechsel, was dir bei deiner aktuellen Ausbildung oder an deinem Job Freude bereitet – und was nicht. "Wenn Auszubildende zum Beispiel gar nicht mehr gerne in den Betrieb oder die Schule gehen und keinen Sinn in ihrem Job erkennen, dann ist es Zeit zu wechseln", empfiehlt Sarah Walter. 

Außerdem solltest du bedenken: Oft gibt es stressige Phasen, zum Beispiel in Monaten, in denen besonders viele Aufträge bearbeitet werden müssen. Halte durch, dann lernst du damit umzugehen und beweist deinen Vorgesetzten Belastbarkeit. Außerdem solltest du das Gespräch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen suchen und sie um ihre Einschätzung bitten. Vor einer Kündigung solltest du auch das Gespräch mit deinen Vorgesetzten suchen. Vielleicht lassen sich ein paar Punkte aus der Welt schaffen, mit denen du unzufrieden bist.

Junge sitzt auf Treppe mit Rucksack und tippt auf Laptop.

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Du bist dir schon sicher, dass du wechseln möchtest – weißt aber nicht wohin? Zunächst solltest du dich fragen, ob du eine zweite Ausbildung oder vielleicht doch ein Studium machen möchtest. Abhilfe kann ein Ausbildungscheck, eine Berufsberatung oder auch ein Praktikum schaffen. Möchtest du bei deinem Handwerk bleiben, aber eine andere Fachrichtung einschlagen, kann auch eine Weiterbildung ausreichend sein.

Vielleicht hast du während deiner Ausbildung einen Bereich kennenlernen dürfen, der dir mehr Freude macht als dein aktueller Job – beispielsweise, wenn du lieber am Schreibtisch als an der Werkbank arbeitest. Die Ausbildungsexpertin rät zudem: "Wichtig ist es auch, Gehaltswünsche und Zukunftsfähigkeit vorher zu überdenken. Wie viel möchte ich verdienen? Welche Berufe wird es auch in ein paar Jahren noch geben? Und habe ich damit die Chance, beruflich aufzusteigen?"

Ausbildung abbrechen oder vor dem Wechsel abschließen?

Grundsätzlich kannst du deine Ausbildung jederzeit abbrechen und eine neue anfangen. Möglich ist aber auch, deine erste Ausbildung zu beenden und dich danach neu zu orientieren. Sarah von azubi.de rät, eine Ausbildung zu Ende zu machen: "Vorausgesetzt du bist schon fast fertig. Wenn du aber ganz am Anfang deiner Ausbildung stehst und schon merkst, dass du daran keine Freude hast, solltest du lieber gleich wechseln." 

Ein weiterer Tipp der Ausbildungsexpertin: "Schulische Ausbildungen lassen sich unter Umständen auch berufsbegleitend absolvieren. Somit kannst du deinen alten Job noch so lange ausführen, bis du mit der neuen Ausbildung fertig bist und dich damit finanziell über Wasser halten."

Dein aktueller Betrieb kann deinen neuen Berufswunsch sogar finanziell unterstützen, wenn die Ausbildung im selben Betrieb stattfindet. Nicht selten werden so Führungskräfte oder Personen mit besonderer Fach-Expertise ausgebildet – so profitiert auch deine Arbeitgeberin oder dein Arbeitgeber von deiner Umschulung. Es lohnt sich also, mit den Vorgesetzten das Gespräch zu suchen.

Auszubildende in Blaumann fährt Stapler in Firmenhalle.

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Du wagst den Neustart? Was du bei deiner Bewerbung beachten solltest

Bei deiner Bewerbung solltest du entschlossen wirken, erklärt Sarah Walter. Ein Ausbildungswechsel zeugt auch von Mut und Willensstärke – wenn du genau weißt, was du jetzt erreichen möchtest. "Selbstbewusst zu einer Entscheidung stehen, auch wenn deine Eltern, Lehrkräfte und Ausbilderinnen oder Ausbilder dies zunächst nicht gutheißen – das kann sehr schwer sein. Aber die meisten Arbeitgeber verstehen eine nachvollziehbare Begründung für den Wechsel", sagt die Ausbildungsexpertin. 

Erkläre bei deiner Bewerbung, warum du den neuen Beruf erlernen möchtest, und beschränke dich nicht darauf, warum du den alten Job nicht mehr ausüben willst. Es kommt besser an, positiv auf das Neue zu blicken als negativ über das Alte zu berichten. Zeige auf, worum es dir in dem neuen Beruf geht und welche Ziele du vor Augen hast. 

Beachte die klassischen Regeln bei der Bewerbung: Sprich nicht schlecht über deinen alten Betrieb und lege glaubhaft dar, warum du genau bei diesem Unternehmen arbeiten möchtest. Wechselst du zum Beispiel von einem kleineren zu einem größeren Betrieb, erhoffst du dir womöglich Aufstiegsmöglichkeiten. Wechselst du andersherum in ein kleines Unternehmen, legst du beispielsweise mehr Wert auf kürzere Entscheidungswege. Um Konstanz und Zuverlässigkeit zu vermitteln, kannst du auch private Interessen erwähnen, zum Beispiel eine langjährige Mitgliedschaft in einem Verein oder ein Hobby, das du schon seit Jahren ausübst.

Geldsorgen? Staatliche Hilfen während der Zweitausbildung

Mit einer neuen Ausbildung fängst du wieder im ersten Lehrjahr an – und damit mit entsprechend geringerem Gehalt. Eine Zweitausbildung ist nicht so leicht zu finanzieren wie die erste, denn die meisten staatlichen Hilfen wie Beraufsausbildungsbeihilfe oder BAföG werden unter Umständen nur für eine Ausbildung genehmigt.

  • Berufsausbildungsbehilfe (BAB)

    Einen Anspruch auf Berufsbeihilfe gibt es bei einer Zweitausbildung nicht. In einigen Fällen gewährt dir die Bundesagentur für Arbeit jedoch die Beihilfe. Zum Beispiel wenn du aus gesundheitlichen Gründen deinen Ausbildungsberuf nicht mehr ausüben kannst und deswegen eine Zweitausbildung beginnst. Sind diese Umstände nicht gegeben, musst du mit deinem Ausbildungsgehalt zurechtkommen.

  • Unterhalt und Kindergeld

    Deine Eltern müssen nur dann Unterhalt zahlen, wenn Erst- und Zweitausbildung inhaltlich zusammenhängen. Allerdings hast du Anspruch auf Kindergeld, solange du unter 25 Jahre alt bist.

  • Wohngeld beantragen

    Wenn du keinen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe hast, dann vielleicht auf Wohngeld. Das wird dir gewährt, wenn du vorweist, dass du kein BAB erhältst. Eine Voraussetzung: Du musst die Wohnung dort mieten, wo deine Ausbildung stattfindet.

  • Ausbildung verkürzen

    Allein mit dem Ausbildungsgehalt klarkommen ist oft nicht leicht. Je kürzer diese Durststrecke ist, desto besser. Bei einer Zweitausbildung kannst du die Ausbildungsjahre gegebenenfalls um zwölf Monate verkürzen. Frage deine Ausbilderin oder deinen Ausbilder, gemeinsam könnt ihr die Verkürzung beantragen. 

  • Bildungskredit oder BAföG

    Eine weitere Möglichkeit ist der staatliche oder ein privater Bildungskredit. BAföG gibt es nur in bestimmten Fällen, zum Beispiel wenn deine Zweitausbildung auf der ersten Ausbildung aufbaut.

Du hast viele Optionen

Nicht nur die Entscheidung selbst, sondern auch die Neuorientierung und die finanzielle Absicherung werfen Fragen auf, die du vorher beantworten solltest. Oft gibt es nicht nur zwei Möglichkeiten, sondern viele Lösungen, an die du vielleicht noch gar nicht gedacht hast. 

Sprich vorher mit nahestehenden Personen über deine Situation und frage deine Vorgesetzten, ob sich eine gemeinsame Lösung finden lässt. Solltest du aber mit deiner Arbeit unglücklich sein und sowohl dein Betrieb als auch andere Unternehmen keine Perspektive für dich finden, kann eine Zweit- oder Weiterbildung die Lösung sein. Spiele deine Option durch und lass dich im Zweifel professionell beraten – Hilfe findest du zum Beispiel bei der Industrie- und Handelskammer in deiner Region.

  • Junger Mann sitzt an Schreibtisch vor Laptop.

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