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Welche Ausbildung passt zu mir: Große Firma oder kleines Unternehmen?

Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben. Doch bevor es richtig losgehen kann, muss der Ausbildungsweg absolviert werden. Und wer keine akademische Laufbahn möchte, beginnt eine Berufsausbildung.

Welche Ausbildung ist die richtige? Diese Frage haben wir in unserem IKK classic Azubi-Podcast gestellt. Experten sprechen darüber, was sie Azubis raten. Aber auch Auszubildende sind dabei zu Wort gekommen und berichten, warum sie sich für ihren Beruf entschieden haben. Doch es hat sich gezeigt, dass nach der Berufswahl immer noch eine wichtige Frage im Raum steht: In welchem Unternehmen soll die Ausbildung stattfinden?

An der Frage nach dem Ausbildungsunternehmen hängen noch viele weitere. Das zeigt sich besonders bei der Frage, ob du in einem Großunternehmen oder kleinem Betrieb deine Ausbildung machen willst. Denn hier gibt es einige Unterschiede, die du berücksichtigen solltest – wir schauen genauer hin.

Was bedeutet eigentlich Groß- und Kleinunternehmen?

Ob ein Unternehmen "groß" oder "klein" ist, regeln Grenzwerte auf europäischer Ebene. Die EU-Kommission unterscheidet in der sogenannten KMU-Definition zwischen kleinen (K) und mittleren (M) Unternehmen (U), alles was die Grenzwerte von mittleren Unternehmen übersteigt, ist ein Großkonzern. Es gibt sogar Unternehmen, die noch kleiner als klein sind – die Kleinstunternehmen.

  • Kleinstunternehmen: bis 9 Beschäftigte und 2 Millionen Euro Umsatz im Jahr (oder bis 2 Millionen Euro Bilanzsumme gesamt)

  • Kleinunternehmen: bis 49 Beschäftigte und 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr (oder bis 10 Millionen Euro Bilanzsumme gesamt)

  • Mittlere Unternehmen: bis 249 Beschäftigte und 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr (oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme gesamt)

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Folge #1: Welche Ausbildung passt zu mir?

Der IKK classic Azubi-Podcast

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Übrigens sind Familienunternehmen nicht immer Klein- oder Kleinstunternehmen, wie es umgangssprachlich oft verwendet wird. Eine einheitliche Definition des Begriffes Familienunternehmen gibt es nicht, das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn gibt als zentrales Definitionsmerkmal die "Einheit von Eigentum und Leitung" an. Die Größe des Unternehmens spielt dabei keine Rolle. Laut IfM sind Familienunternehmen gleichbedeutend mit "Mittelstand".

Im Jahr 2017 waren fast 81 Prozent aller Unternehmen in Deutschland Kleinstunternehmen. Großunternehmen dagegen gab es nur wenige, nur 0,7 Prozent aller Firmen hierzulande fielen in diese Definition. Allerdings arbeiten knapp zwei Fünftel der Beschäftigten in Großunternehmen.

 

Was bedeutet das für dich?

Willst du bei einem bestimmten Großunternehmen deine Ausbildung machen, solltest du die Bereitschaft mitbringen, jeden Morgen eine Weile zu fahren. Vielleicht musst du sogar umziehen. Großunternehmen bieten zwar nicht nur an ihrem Hauptsitz, sondern auch an mehreren Standorten Ausbildungsplätze. Doch diese Standorte befinden sich meist in größeren Städten.

Die meisten großen Firmen findest du auf der Linie Ruhrgebiet-Stuttgart-München sowie in den Städten Berlin, Hamburg und Hannover. KMU – also kleine und mittlere Unternehmen – gibt es natürlich auch in wirtschaftlichen Ballungszentren. Aufgrund ihrer Vielzahl gibt es Kleinstunternehmen überall.

Darüber hinaus solltest du bedenken, wo die Berufsschule ist. Wohnst du in einer größeren Stadt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Schule in der Nähe ist. Auf dem Land musst du unter Umständen mehr Zeit für den Fahrweg einplanen.

Das Ganze ist auch eine Kostenfrage. Die tarifliche Ausbildungsvergütung befindet sich im Schnitt über alle Lehrjahre hinweg zwischen 850 und 950 Euro im Monat – brutto, also vor Abzug von Versicherungskosten und Steuern. Für eine eigene Wohnung in der Großstadt wird es allein damit eng. Eine Alternative ist ein WG-Zimmer oder, sofern die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gut ist, das Pendeln vom Elternhaus zur Ausbildungsstätte. Hier kannst du auch auf andere Azubis zugehen, zusammen könnt ihr Fahrgemeinschaften bilden.

Allerdings bieten hier die Firmen auch teilweise Unterstützung an. Ob Betriebsunterkunft oder Zuschüsse für den ÖPNV (öffentlichen Personennahverkehr) – je größer die Firma, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass du Hilfen bekommst.

Für Auszubildende gibt es allerdings auch mehrere Möglichkeiten der Förderung von staatlicher Seite, die Hilfen muss nicht nur dein Unternehmen übernehmen. Was für dich infrage kommt, erfährst du in einer der kommenden Podcast-Folgen.

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Es kommt auf deine Erwartungen an die Ausbildung an

Im Großunternehmen hast du oft viele Möglichkeiten. Hier lohnt sich das Gespräch mit anderen Azubis, wenn du dir noch unschlüssig bist. Die Auszubildenden haben uns ihre Eindrücke geschildert, du erfährst sie in unserem Podcast – hör doch mal rein!

Bei großen Firmen durchläufst du während der Ausbildung oft mehrere Abteilungen, sodass du viele Facetten deines Ausbildungsberufes kennenlernst. Dafür wirst du in jeder Abteilung klare Vorgaben bekommen und in hochgradig spezialisierte Arbeitsprozesse eingegliedert.

Bei Kleinstunternehmen wirst du oftmals da eingesetzt, wo es gerade notwendig ist. Da kann jeder Arbeitstag unterschiedlich aussehen, natürlich im Rahmen deines Berufsfeldes. Vorteilhaft: Da jeder unmittelbar gemeinsam mit den anderen an einem Produkt arbeitet, entsteht ein besonderes Gemeinschaftsgefühl. Im großen Unternehmen wandert das Stück von Abteilung zu Abteilung, wo jeder seine eigenen Arbeitsschritte leisten muss.

Bei Umfragen zeigt sich ein positives Bild in Bezug auf die Erwartungen und das, was Auszubildende wirklich während ihrer Berufsausbildung machen. Ganze 90 Prozent der Befragten des Ausbildungsreport 2019 geben an, dass "immer" oder "häufig" die Vereinbarungen aus dem Ausbildungsplan eingehalten werden.

Das heißt: Was du am Anfang deiner Ausbildung unterschreibst, bekommst du mit hoher Wahrscheinlichkeit auch. Dagegen sagen rund 67 Prozent, dass sie "selten" oder "nie" Tätigkeiten machen mussten, die eindeutig nicht zu ihrer Ausbildung gehörten. Du musst also kaum befürchten, ausschließlich Kaffee kochen zu müssen.

 

Arbeitsalltag im Betrieb: Regeln in Sachen Arbeitszeit

Regelungen wie Arbeitszeiten und Pausen sind gesetzlich festgelegt, zusätzlich kann ein Tarifvertrag für deine Branche eine Rolle spielen. Die für deinen Beruf zuständige Gewerkschaft kann einen Tarifvertrag mit bestimmten Arbeitszeiten ausgehandelt haben. Auch Gehälter und Urlaubsansprüche sind darin festgehalten – allerdings hast du nur als Gewerkschaftsmitglied einen Anspruch auf die Leistungen, die im Tarifvertrag festgeschrieben sind.

In Deutschland gilt das duale System der Interessenvertretung sowie das Prinzip der Tarifautonomie. Das heißt: Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, welche die Interessen der Arbeitnehmer vertreten, können untereinander Vereinbarungen treffen, ohne dass der Staat eingreift. Diese Vereinbarungen werden im Tarifvertrag festgehalten.

Trotzdem kann ein Unternehmen seine Arbeitsverträge an den Regularien der Tarifverträge orientieren – ein gutes Mittel, offene (Azubi-)Stellen zu besetzen. Großunternehmen sind hier oft eher bereit und in der Lage, tarifliche Bestimmungen anzubieten, auch wenn du kein Gewerkschaftsmitglied bist.

Tarifverträge sind allerdings nicht allgemein gültig. Anders sieht es mit Arbeitsschutzgesetzen aus. Und wie genau steht es da um die Arbeitszeiten? Zunächst kommt es darauf an, ob du volljährig bist. Wer unter 18 Jahre alt ist, darf maximal 40 Stunden an maximal fünf Tagen pro Woche arbeiten. Ab viereinhalb Stunden musst du 30 Minuten Pause machen, ab sechs Stunden sind es 60 Minuten.

Zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr darfst du nicht arbeiten, es sei denn, es ist in deinem Job notwendig. Bäcker-Azubis können zum Beispiel mit 16 Jahren ab 5.00 Uhr, mit 17 Jahren ab 4.00 Uhr mit der Arbeit anfangen. Volljährige Azubis dürfen maximal 48 Stunden an sechs Tagen pro Woche arbeiten. Ab sechs Stunden arbeiten muss du eine Pause von 30 Minuten einlegen, ab neun Stunden 45 Minuten.

Überstunden solltest du als Azubi eigentlich nicht machen müssen, falls doch, bekommst du sie ausgezahlt oder darfst sie abfeiern. Die Zeit in der Berufsschule gilt ebenfalls als Arbeitszeit – eine Woche Schule mit mindestens 25 Stunden wird als 40-Stunden-Woche im Betrieb angerechnet.

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Was erwartest du nach der Ausbildung?

Einerseits wirst du in der Ausbildung für deinen Beruf qualifiziert, andererseits lernt dich das Unternehmen, in welchem du die Ausbildung machst, in seine internen Prozesse ein. Die Chancen für eine Übernahme sind dementsprechend hoch, wenn du dich ins Zeug legst und gute Ergebnisse erzielst. Manche Unternehmen garantieren dir sogar eine – wenn auch befristete – Übernahme nach bestandener Ausbildung. Auch hier sind den befragten Azubis im IKK classic Azubi-Podcast zufolge Großunternehmen eher bereit, das vertraglich festzuhalten.

Karrierepfade sind bei Großunternehmen länger. Während du bei einem fünfköpfigen Team in einem Kleinstunternehmen deine Möglichkeiten auf den ersten Blick erkennst, ist das bei größeren Unternehmen meist komplexer. Dort kannst du Führungsverantwortung übernehmen, hast durch den Wechsel in eine andere Abteilung neue Möglichkeiten oder darfst sogar durch eine Umschulung innerhalb des Unternehmens deine Position wechseln.

Arbeitest du in einem Großunternehmen, können Aufträge mit höherer Wahrscheinlichkeit auch aus dem Ausland kommen – inklusive Montagearbeiten. Bei kleinen Unternehmen kommen die Aufträge oft aus der Region. Die Montage ist dann mit nur wenig Reiseaufwand verbunden. Wochenlange Montagearbeiten im Ausland sind bei großen Firmen keine Seltenheit und können eine Bereicherung sein – wenn du der Typ dafür bist.

Ist dir Mitbestimmung bei der Wahl deines Arbeitsplatzes wichtig, solltest du in Erfahrung bringen, ob es in deinem Unternehmen einen Betriebsrat gibt. Allerdings haben laut Hans-Böckler-Stiftung nur 10 Prozent der Unternehmen einen Betriebsrat, die einen haben könnten. Besonders bei kleineren ist dieser besonders selten anzutreffen. Bei Großunternehmen stehen die Chancen auf eine starke Interessenvertretung also besser. Allerdings sind die Wege bei kleinen Unternehmen generell kürzer. Oft lassen sich Probleme direkt ansprechen, ohne dass du erst den richtigen Ansprechpartner suchen musst.

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Großkonzern oder kleine Firma – was ist besser?

Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Allerdings kannst du dich an ein paar Punkten orientieren. Stimmst du folgenden zehn Aussagen zu oder lehnst du sie eher ab?

  • Ich möchte mich in meinem Beruf hochgradig spezialisieren.

  • Es sollte eine starke Vertretung meiner Interessen als Arbeitnehmer geben.

  • Ich möchte in einer Stadt wohnen.

  • Auslandserfahrungen sind eine Bereicherung für mich.

  • Ich möchte feste Strukturen und eine klare Aufgabenverteilung.

  • Regional bin ich ungebunden.

  • Ich möchte innerhalb der Firma aufsteigen können.

  • Mich zieht es weg von meiner Heimat.

  • In meiner Ausbildung möchte ich möglichst vielseitige Praxiserfahrungen sammeln.

  • Das fertige Produkt ist mir nicht so wichtig.

Stimmst du den meisten Aussagen zu, ist ein Großunternehmen das richtige für dich. Natürlich ist die (Arbeits-)Welt nie schwarz oder weiß – die Erfahrungen der Azubis in unserem IKK Podcast haben gezeigt: Es gibt auch Gemeinsamkeiten oder unerwartete Eigenheiten.

Egal ob Großunternehmen oder kleine Firma: Auf deinem Ausbildungsweg wirst du immer wieder auf Aspekte stoßen, die dich vor besondere Herausforderungen stellen oder in deinem Job noch mehr Freude bereiten. Halte die Augen offen, frage andere Azubis und Mitarbeiter nach ihren Erfahrungen und achte auch auf dein Bauchgefühl.

Und höre auch das nächste Mal wieder beim IKK classic Azubi-Podcast herein. Dann dreht sich alles um das Thema "Der erste Tag".

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